Iden­ti­tä­re Bewe­gung: Rück­blick, Kritik, Aus­blick

Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung steht kurz vor ihrem 10-jäh­ri­gen Jubi­lä­um. 2012 in Frank­reich gegrün­det, ver­brei­te­te sie sich über Öster­reich nach Deutsch­land und hat sich davon abge­se­hen mitt­ler­wei­le auch in Däne­mark und Ungarn eta­bliert. Im Mut­ter­land Frank­reich ist die Bewe­gung seit Febru­ar 2021 offi­zi­ell ver­bo­ten. In Öster­reich hat die Regie­rung Kurz mit­hil­fe des soge­nann­ten „Sym­bol­ge­set­zes“ das Lambda seit August 2021 zum ver­bo­te­nen Zei­chen erklärt. Den­noch ist die Bewe­gung nach wie vor lebendig.

Gemes­sen an den – zuge­ge­be­ner­ma­ßen spär­li­chen — Alter­na­ti­ven ist die IB nach wie vor die größte und bedeu­tends­te patrio­ti­sche Jugend­be­we­gung in West­eu­ro­pa. Als „Genera­tio­nen­pro­jekt“ der ursprüng­li­chen Grün­dungs­ka­der, die nun teils die „magi­schen 30” über­schrit­ten haben und damit einer Jugend­be­we­gung ent­wach­sen sind, hat der Genera­tio­nen­wech­sel man­cher­orts gut, in ande­ren Regio­nen weni­ger rei­bungs­los funk­tio­niert. Der selbst­ge­stell­te Anspruch der IB, den aktio­nis­ti­schen Wider­stand der rech­ten Jugend bun­des­weit zu orga­ni­sie­ren, zu per­fek­tio­nie­ren und zu reprä­sen­tie­ren, wird jedoch nach wie vor erfüllt.

Das volle Poten­ti­al kann der­zeit jedoch nicht aus­ge­schöpft werden und ins­be­son­de­re in den Jahren 2018 und 2019 konnte man nicht an den Höhen­flug der Jahre nach 2015 anknüp­fen. Die Gründe dafür gilt es zu ana­ly­sie­ren. Ver­än­der­te Lage­be­din­gun­gen erfor­dern zudem eine tak­ti­sche Neu­aus­rich­tung, die wir in diesem Text vor­läu­fig als Evo­lu­ti­on der „Iden­ti­tä­ren Bewe­gung (IB)“ zur „iden­ti­tä­ren Bewe­gung“ (iB)“ bezeich­nen wollen.

1. Die Iden­ti­tä­re Bewegung

Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung zeich­ne­te sich durch einige zen­tra­le Aspek­te aus, die wir im Fol­gen­den Punkt für Punkt anfüh­ren wollen:

1. Eine ideo­lo­gi­sche Abgren­zung zur poli­tisch ver­brann­ten NS-Tradition

Die IB popu­la­ri­sier­te die Kritik an eini­gen Aspek­ten des klas­si­schen natio­na­lis­ti­schen Den­kens der Nach­kriegs­zeit und voll­zog als erste aktive Jugend­be­we­gung einen Bruch mit dem his­to­risch geschei­ter­ten und poli­tisch ver­brann­ten NS-Erbe. Damit unter­schied man sich auch deut­lich von „pro­gres­si­ven Kräf­ten“ der Rech­ten wie den „Auto­no­men Natio­na­lis­ten“, die an diesem Erbe trotz ihrer neuen Insze­nie­rungs­stra­te­gien festhielten. 

Ergeb­nis und Erfolg dieser klaren Hal­tung war unter ande­rem das Bünd­nis mit dem natio­nal­kon­ser­va­ti­ven Lager, aus dem ein Geflecht aus Ver­la­gen, NGOs und Pro­jek­ten ent­stan­den ist. Ebenso hat diese — nicht bloß tak­ti­sche, son­dern authen­ti­sche — Ein­stel­lung ein direk­tes Ein­wir­ken auf das gesam­te poli­ti­sche Spek­trum der rech­ten Mitte ermög­licht. Der ent­schei­den­de Punkt ist jedoch, dass dadurch kei­nes­wegs der unver­zicht­ba­re Kern rech­ter Ideen und For­de­run­gen – Volk und Nation als die zen­tra­len gemein­schafts­bil­den­de Kate­go­rien der mensch­li­chen Exis­tenz und Aus­druck der eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät – auf­ge­ge­ben wurde. Die Been­di­gung der Mono­po­li­sie­rung dieses Kerns durch den real­po­li­tisch und his­to­risch geschei­ter­ten NS und den nost­al­gisch-reak­tio­nä­ren Nach­kriegs-NW (Natio­na­ler Wider­stand), der diese Nie­der­la­ge nicht über­win­den konnte, ist ein zen­tra­les Ver­dienst der IB, das in unse­ren Augen nicht unter­schätzt werden darf und für eine Rechte des 21. Jahr­hun­derts nach wie vor ent­schei­dend ist.

Vor der IB gab es schlicht keine rechte Jugend­be­we­gung, die Demos orga­ni­siert, Stütz­punk­te auf­ge­baut und Aktio­nis­mus betrie­ben hat, die nicht impli­zit oder expli­zit in der direk­ten Tra­di­ti­on des NS gestan­den hat. Die erfolg­rei­che Grün­dung der IB kann daher – dra­ma­tisch aus­ge­drückt — als „koper­ni­ka­ni­sche Wende“ im rech­ten Wider­stand bezeich­net werden.

2. Eine neuer Stil und eine neue Form der Trans­pa­renz und Öffentlichkeit. 

Das Auf­tre­ten und die Bild­spra­che der IB, sowie die inten­si­ve Nut­zung von Social Media halfen die zahl­reich vor­han­de­nen dämo­ni­sie­ren­den Kli­schees abzu­bau­en. Sie eröff­ne­ten einer patrio­ti­schen Wider­stands­be­we­gung erst­mals den Zugang zum Volk, das nach 2015 die Form des „patrio­ti­schen Wut­bür­gers“ gefun­den hatte. Dieser Ein­fluss auf die zuvor für rechte Inhal­te unemp­fäng­li­che „Mitte“ hat es ermög­licht, das Pro­blem des Bevöl­ke­rungs­aus­tau­sches in brei­te­ren Krei­sen bekannt zu machen. Genau dieser Umstand wurde nicht zuletzt von „Extre­mis­mus-Exper­ten“ als die ent­schei­den­de „Gefahr“, die von der IB aus­ge­hen würde, betrach­tet. Eben­falls machte dieses breite Unter­stüt­zer­um­feld erst­mals ein effek­ti­ves Fund­rai­sing im Bereich des rech­ten Akti­vis­mus mög­lich. Damit konn­ten ein neues Niveau des Akti­vis­mus (z.B. Defend Europe) erreicht und später lang­wie­ri­ge Rechts­kämp­fe erfolg­reich aus­ge­foch­ten und über­stan­den werden.

Das „Gesicht zeigen“ von Spre­chern und Kadern und das offene und trans­pa­ren­te Auf­tre­ten der IB durch­brach zuvor bestehen­de emo­tio­na­le Bar­rie­ren. Die eigene innere Ein­stel­lung und die anschluss­fä­hi­ge, tele­ge­ne Nor­ma­li­tät der eige­nen Mit­glie­der wurden aktiv und offen­siv zur Schau gestellt. Das trug zu einer Nor­ma­li­sie­rung der genuin rech­ten, iden­ti­tä­ren Inhal­te der IB bei. Auf­grund dessen war es dem poli­tisch-media­len Estab­lish­ment nicht mög­lich, die Iden­ti­tä­re Bewe­gung ins „Kame­rad­schafts-Ghetto“ zu ver­ban­nen, in dem die Grup­pen des NW seit langem im Still­stand verharrten.

3. Zen­tra­li­sie­rung, Unter­neh­mens­struk­tu­ren und juris­ti­sche Personen

Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung orga­ni­sier­te sich, im Unter­schied zu bis­he­ri­gen rech­ten akti­ven Kräf­ten, als zen­tra­le Bewe­gung, die in die Form juris­ti­scher Per­sön­lich­kei­ten (Ver­ei­ne, Unter­neh­men, usw.) gefasst wurde. Es gab stets offi­zi­el­le Spre­cher, Leiter, Funk­tio­nä­re und För­der­mit­glied­schaf­ten, wodurch die Bewe­gung im Stil einer Partei hier­ar­chisch und straff orga­ni­siert war.

4.Professioneller gewalt­frei­er Aktivismus

Die von Linken per­fek­tio­nier­te „non-vio­lent-action“ wurde von rech­ten Kräf­ten bisher kaum und wenn ohne lang­fris­ti­ges Kon­zept ange­wandt. Die „ewige Demo am Stadt­rand“ war das immer­glei­che, unkrea­ti­ve Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment, um Öffent­lich­keit zu errei­chen. Die IB hin­ge­gen erziel­te ihre Durch­brü­che und Erfol­ge durch auf­wän­dig geplan­te, her­aus­for­dern­de und spek­ta­ku­lä­re Aktio­nen, die immens zur Popu­la­ri­sie­rung und damit zur Gewin­nung neuer Akti­vis­ten bei­getra­gen haben. Die klare ableh­nen­de Hal­tung zu Mili­tanz und Terror sowie die Durch­set­zung einer gewalt­lo­sen Dis­zi­plin hat, in Ver­bin­dung mit den zuvor genann­ten Aspek­ten, die media­le Iso­la­ti­on und die juris­ti­sche Repres­si­on gegen die Bewe­gung erschwert.

2. Die Repression

Alle diese Punkte führ­ten zu einer Durch­bre­chung des übli­chen „Repres­si­ons-Rhyth­mus“ von fünf bis sechs Jahren, in dem natio­na­lis­ti­sche Aktiv­grup­pen bisher in der Regel wach­sen gelas­sen und anschlie­ßend zer­schla­gen wurden. Meist hat sich in der Zeit eine aus­rei­chen­de Dichte an Mei­nungs- und sons­ti­gen Delik­ten ange­sam­melt, die eine solche Zer­schla­gung ermög­licht haben. Man­gels Bezugs zum und Bekannt­heit im Volk sowie wegen feh­len­der Sym­pa­thi­san­ten im Lager der „rech­ten Mitte“ hat bis­lang keine dieser Grup­pen einen sol­chen Repres­si­ons­schlag per­so­nell, struk­tu­rell und finan­zi­ell überstanden.

Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung muss als not­wen­di­ge Probe aufs Exem­pel ver­stan­den werden, ob in der BRD und in West­eu­ro­pa eine patrio­ti­sche NGO mit rechts­po­pu­lis­ti­schen For­de­run­gen im insze­na­to­ri­schen Stil von Green­peace exis­tie­ren kann. Dieses „poli­ti­sche Expe­ri­ment“ pflanz­te die Lamb­da­fah­ne in das Vakuum eines glei­cher­ma­ßen anschluss­fä­hi­gen und pro­vo­kan­ten Akti­vis­mus. Dabei war man sich jedoch stets bewusst, dass man damit nicht gegen Repres­si­on immun war. Frag­lich war ledig­lich, wann und in wel­cher Inten­si­tät der Schlag ein­tre­ten würde und ob die Bewe­gung zu diesem Zeit­punkt sozial und medial iso­liert genug wäre, um an ihm zu ver­en­den oder ob sie bis dahin ein aus­rei­chend großes Maß an Reser­ven und Bekannt­heit auf­bau­en könnte, die es ihr erlau­ben würde, diese Atta­cke zu über­ste­hen und weiterzumachen.

Die ent­schei­den­de Frage war also, ob es gelin­gen würde, den spek­ta­ku­lä­ren linken Akti­vis­mus zu adap­tie­ren, die Bewe­gung damit zu popu­la­ri­sie­ren und ob man dabei gleich­zei­tig einen neuen Stil kre­ieren könnte, zu dessen Ver­kör­pe­rung eine neue Genera­ti­on junger muti­ger Akti­vis­ten wil­lens ist. All das hat zur Über­ra­schung des rech­ten Lagers und zum Ent­set­zen des Main­streams besser als ange­nom­men funktioniert.

Es wurde stets damit gerech­net, dass das System nach diesem Erfolg mit Repres­si­on reagie­ren würde. Wenn die IB nicht an sich selbst schei­tern würde, würde ihre Prä­senz früher oder später Gegen­schlä­ge auf den Plan rufen. Der über­ra­schend späte Zeit­punkt der Repres­si­on trug jedoch dazu bei, dass man darauf nicht genug vor­be­rei­tet war. Die geplan­te Reak­ti­on auf das Sze­na­rio der Repres­si­on lau­te­te stets, das vorher auf­ge­bau­te soli­da­ri­sche Umfeld zu mobi­li­sie­ren, den Pro­test zum Poli­ti­kum und das Gericht zur Bühne zu machen, um am Ende den wahr­schein­li­chen Frei­spruch und die damit ver­bun­de­ne Wer­be­wir­kung als Erfolg zu ernten. Es war nicht der naive Glaube an ein Aus­blei­ben der Repres­si­on, das viele Iden­ti­tä­re dazu moti­viert hat, offen ihr Gesicht zu zeigen. Viel­mehr war es die Ansicht, dass ein Repres­si­ons­schlag die Bewe­gung wesent­lich stär­ker machen könnte, wenn man offen­siv auf darauf reagiert und ihn somit neutralisiert. 

Dass es schließ­lich anders kam und zwei Jahre der Repres­si­on die IB in Öster­reich — die immer auch als Motor für den deutsch­spra­chi­gen Raum fun­giert hatte — fast aus­ge­merzt hätte, hat zwei Gründe:

Ers­tens die — von der Lei­tung zu ver­ant­wor­ten­de — fal­sche und pas­si­ve Reak­ti­on. Zwei­tens das — außer­halb jedes Ein­flus­ses lie­gen­de und 2012 schwer vor­her­seh­ba­re — Phä­no­men des Rechts­ter­ro­ris­mus. Dieses ermög­lich­te — durch die letzt­lich sub­stanz­lo­se, durch stän­di­ge Wie­der­ho­lung jedoch wirk­sam gewor­de­ne „Christchurch“-Assoziationsschuld — die IB auf eine Art zu dämo­ni­sie­ren, dass die eta­blier­ten Teile des rech­ten Umfelds von ihr abrückten. 

Man kann dar­über spe­ku­lie­ren, ob diese Zer­set­zungs­stra­te­gien und Ver­bo­te auch ohne dieses Phä­no­men des Rechts­ter­ro­ris­mus in der Form pas­siert wären. Fakt ist jedoch, dass die soli­da­ri­sche Reak­ti­on des rech­ten Umfelds und ins­be­son­de­re rech­ter Par­tei­en, die vor der Christ­church-Insze­nie­rung noch deut­lich sta­bi­ler war, danach dras­tisch abge­nom­men hat und in der Iso­lie­rung der IB resul­tiert hat (das war übri­gens auch das erklär­te Ziel des mör­de­ri­schen Ter­ro­ris­ten, für den die Zer­schla­gung der IB gemäß seinem Mani­fest ein per­sön­li­cher Erfolg gewe­sen wäre). 

Der Haupt­grund für die Krise der IBÖ liegt aller­dings im Ver­hal­ten der Bewe­gung wäh­rend der Phase der Repres­si­on. Statt offen­siv und akti­vis­tisch — vom Tag der ersten Razzia im Früh­jahr 2018 bis zum Ende des Ter­ror­pro­zes­ses Anfang 2020 — die Repres­si­on als Kam­pagn­en­the­ma zu nutzen, hielt man „für die Dauer des Ver­fah­rens“ die Füße still. Man hatte Angst, einen mög­li­chen Frei­spruch zu gefähr­den. Dieser, so die Hoff­nung und die Rat­schlä­ge vieler wohl­mei­nen­der aber falsch lie­gen­der Sym­pa­thi­san­ten, würde die IB reha­bi­li­tie­ren und „danach“ könnte man mit voller Kraft wei­ter­ma­chen. Allein, ein „danach“ sollte es nicht mehr geben. Als nach einem Jahr der Inak­ti­vi­tät und selbst­re­fe­ren­ti­el­len Opfer-Kom­mu­ni­ka­ti­on der Frei­spruch fiel, folgte darauf mit den Ter­ror­raz­zi­en sofort die nächs­te Phase der Repres­si­on. Hier gelang es nicht rasch genug zu reagie­ren. Die alten Kader waren von zwei Jahren end­lo­ser Ver­fah­ren und Zer­set­zungs­tak­tik zer­mürbt. Die stän­di­gen Soli­da­ri­täts­auf­ru­fe und die selbst­be­züg­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on, zu der man durch Repres­si­on genö­tigt wird, ermü­de­ten sowohl Absen­der als auch Adres­sa­ten. Auf­grund feh­len­der Aktio­nen flos­sen zudem nicht genug neue Akti­vis­ten in die bestehen­den Struk­tu­ren. Diese droh­ten lang­sam, aber sicher auszutrocknen.

Neben dieser Fehl­ent­schei­dung kommt auch der zen­tra­len und star­ren Struk­tur der IB Mit­schuld an der Läh­mung durch das juris­ti­sche Dau­er­feu­er zu. Die klas­si­sche IB war wie ein großer Damp­fer, der eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Akti­vi­tä­ten und Formen in sich ver­ei­nig­te: Fund­rai­sing, Stamm­ti­sche, Som­mer­la­ger, Schu­lungs­aben­de, Aktio­nis­mus, Pres­se­kon­fe­ren­zen und Info­ti­sche. Der Spagat zwi­schen NGO, Verein, Bür­ger­be­we­gung, Avant­gar­de und Wan­der­ju­gend war von Anfang an wider­sprüch­lich. Er ver­ein­te, anders als es der Begriff der „Jugend­be­we­gung“ sug­ge­rier­te, ver­schie­de­ne Alters­klas­sen und sozia­le Milieus in sich. In Öster­reich ver­stärk­te das Schei­tern von PEGIDA diese Ten­denz, da sich dessen Ziel­grup­pen eben­falls im Umfeld der IBÖ sam­mel­te. Vor allem aber führte der Zen­tra­lis­mus zu einer Fes­se­lung der loka­len Akti­ons­grup­pen. Jedes auf­ge­häng­te Banner und jede akti­vis­ti­sche Inter­ven­ti­on droh­ten auf die gesam­te Bewe­gung zurück­zu­fal­len. Jeder Spre­cher war — auf­grund des „Mafia­pa­ra­gra­phen“ — direkt und unbe­streit­bar für jede Aktion mit­ver­ant­wort­lich. Der Mons­ter­pro­zess gegen 17 Akti­vis­ten im Jahr 2018, der von Anfang an auf wack­li­gen Beinen stand, aber seine repres­si­ve Wir­kung nicht ver­fehl­te, zeigte die künf­ti­ge Stra­te­gie der Gegner. Die Repres­si­on sollte ein Dau­er­zu­stand werden, indem man sich ent­we­der ein­rich­ten musste oder unter­ge­hen würde. Darauf wurde zu spät reagiert. Ein großer Damp­fer kann leicht leck geschos­sen werden. Er zieht alle Insas­sen auf Grund, oder ver­pflich­tet sie zumin­dest dazu, alle ande­ren Hand­lun­gen ein­zu­stel­len und beim Fli­cken des Lecks mit­zu­hel­fen. Eine manö­vrier­fä­hi­ge Flotte an unter­schied­li­chen Schif­fen, die gemein­sam auf ein Ziel zufährt ist resis­ten­ter gegen den schwe­ren Beschuss des neuen Totalitarismus.

Eine dezen­tra­le Struk­tur und eine Neu­be­wer­tung der Taktik des „Gesicht zeigen“ sind daher die ersten über­fäl­li­gen Schrit­te, die zu setzen sind, damit der Auf­bruch der IB in neuer Form wei­ter­ge­hen und die große Mis­si­on — die Orga­ni­sa­ti­on und Per­fek­ti­on des jungen patrio­ti­schen Wider­stands — fort­ge­setzt werden kann.

3. Die „iden­ti­tä­re Bewegung“

Die Klein­schrei­bung des Adjek­tivs „iden­ti­tär“ erfolgt hier um die Abkür­zun­gen „IB“ und „iB“ von­ein­an­der zu unter­schei­den, beschreibt aber auch die Evo­lu­ti­on, an deren Ende eine neue Form, bei Bei­be­hal­tung der inhalt­li­chen Sub­stanz, steht. Vor allem aber schwingt darin bereits die Viel­falt und Dezen­tra­li­tät des neuen Ansat­zes mit.
Bevor wir näher darauf ein­ge­hen, eine Klar­stel­lung: keiner der oben erwähn­ten vier Aspek­ten der IB war ein Fehler. Sowohl die Zen­tra­li­sie­rung als auch die Trans­pa­renz waren unum­gäng­lich, um die selbst­ge­stell­te Mam­mut­auf­ga­be einer Revo­lu­ti­on der rech­ten außer­par­la­men­ta­ri­schen Polit­land­schaft zu errei­chen. Ohne Zen­tra­li­sie­rung und einer exklu­si­ven, juris­ti­schen Kör­per­schaft wäre es unmög­lich gewe­sen, das neu­ar­ti­ge „Label“ des Lamb­das vor einer Ver­wurs­tung am sub­kul­tu­rell-rech­ten „Sym­bo­le-Basar“ zu schüt­zen. Die not­wen­dig stren­ge Per­so­nal­po­li­tik einer Bewe­gung, die statt dem übli­chen extre­mis­ti­schen „lais­sez faire“ und dem Motto „egal wie aso­zi­al, haupt­sa­che natio­nal“, eine klare poli­ti­sche und opti­sche Linie ver­folg­te, wäre ohne zen­tra­le Struk­tur nicht mög­lich gewe­sen. Die authen­ti­sche Ver­kör­pe­rung und die Gewin­nung weiter Teile des Mitte-Rechts-Spek­trums als Sym­pa­thi­san­ten, wäre ohne der Sicht­bar­ma­chung der eige­nen Werte und des eige­nen Per­so­nals, also einer Stra­te­gie der Trans­pa­renz der Ränge, nicht denk­bar gewesen.

Eben­falls muss gesagt werden, dass keine der Polit­pro­zes­se in Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa bisher zu Haft­stra­fen oder Ver­ur­tei­lun­gen geführt oder Akti­vis­ten in den finan­zi­el­len Ruin getrie­ben hat. Dank zahl­rei­cher, treuer Unter­stüt­zer konnte der Rechts­kampf an allen „Fron­ten“ unun­ter­bro­chen fort­ge­setzt und die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Vor­feld stets auf­recht­erhal­ten werden. Auch die jüngs­ten, muti­gen Ver­tei­di­gun­gen des iden­ti­tä­re Akti­vis­mus durch Her­bert Kickl und die immer wieder auf­tre­ten­den Soli­da­ri­täts­no­ten rech­ter Par­tei­po­li­ti­ker, Autoren und Mei­nungs­füh­rer sind die Früch­te dieses klaren und authen­ti­schen iden­ti­tä­ren Profils.

Die „Marke“ als neu­rech­te gewalt­freie Bewe­gung, die von NS-Erbe und NW-Sub­kul­tur zu unter­schei­den ist, ist längst unver­kenn­bar geprägt. Gerade die starke Ver­an­ke­rung der Sym­bo­lik und Idee der IB in den Anfangs­jah­ren, rodete und kul­ti­vier­te den poli­ti­schen Boden, auf dem nun eine iden­ti­täts­be­we­gung wesent­lich freier und mit weni­ger Trans­pa­renz und sicht­ba­ren Gesich­tern agie­ren kann. Der Fehler bestand also nicht im ursprüng­li­chen Ansatz, son­dern in man­geln­der Dyna­mik und ver­spä­te­ter Erkennt­nis der neuen Lage.

In Öster­reich und nament­lich Wien nimmt das, was hier beschrie­ben wird, bereits erste Formen an. Über­haupt ist es müßig und schäd­lich über Pläne und Ent­wick­lun­gen zu schrei­ben, die nicht schon längst unauf­halt­sam ihre Bahn genom­men haben. Auch „öffent­li­che Auf­lö­sungs­er­klä­run­gen“ sind selbst­ver­ständ­lich zu unter­las­sen. Wir haben ent­schie­den jetzt über die iden­ti­täts­be­we­gung zu spre­chen, weil sie bereits poli­ti­sche Wirk­lich­keit gewor­den ist. Die offi­zi­el­len iden­ti­tä­ren Ver­ei­ne und Asso­zia­tio­nen führen den Rechts­kampf gegen die Repres­si­on selbst­ver­ständ­lich weiter und werden von bereits bekann­ten Gesich­tern ver­tre­ten. Deren Zukunft ist, sollte das Dau­er­feu­er der Repres­si­on tat­säch­lich einmal nach­las­sen, offen. Ent­schei­dend ist, dass zeit­gleich der Akti­vis­mus unge­bro­chen wei­ter­geht, damit ein Tod durch Läh­mung, der in Öster­reich durch den auf­op­fern­den Ein­satz stand­haf­ter Akti­vis­ten ver­hin­dert werden konnte, nicht eintritt. 

Hier kann die Alpen­re­pu­blik erneut euro­pa­weit inspi­rie­rend wirken, stehen doch die Fran­zo­sen heute in ver­schärf­ter Form vor dem­sel­ben Pro­blem wie die öster­rei­chi­schen Kol­le­gen im Jahr 2018. Auch die Iden­ti­tä­re Bewe­gung in Deutsch­land wird, nolens volens, den Weg der iden­ti­täts­be­we­gung gehen müssen, wenn die „Repres­si­ons-Akze­le­ra­ti­on“ ihre Geschwin­dig­keit bei­be­hält. Im Fol­gen­den seien einige Punkte auf­ge­zählt, durch die sich eine iB von der IB unterscheidet.

1. Ein neuer Stil – „Was tief ist, trägt eine Maske“

Der neue Stil der iB trägt der neuen Lage Rech­nung. Die eige­nen Struk­tu­ren werden nicht mehr trans­pa­rent offen­ge­legt. Der Gegner soll nicht wissen, wer und wie viele die iB-Akti­vis­ten sind. Eine ein­heit­li­che Klei­dung mit Wie­der­erken­nungs­wert sorgt bei Aktio­nen für einen mar­kan­ten Stil und erzeugt eine eigene Dyna­mik. In Wien haben sich iB-Akti­vis­ten für blaue Jacken, rote Kappen und weiße Schlauch­schals mit Wien-Wappen ent­schie­den. Daran zeigt sich, dass z.B. Sturm­hau­ben, schwar­ze Farben oder ver­gleich­ba­re Sym­bo­lik auf­grund der Asso­zia­ti­on mit poli­ti­scher Mili­tanz bewusst ver­mie­den werden. Der neue Stil ist ein­heit­lich, dyna­misch, schnei­dig und urban, wirkt aber nicht mili­tant oder sub­kul­tu­rell. Er ist, wie es die iden­ti­tä­re Stra­te­gie seit jeher ver­langt, pro­vo­kant und anschluss­fä­hig zugleich.

Die Akti­ons­for­men und Videos ver­la­gern sich von Turnein­la­gen weni­ger und bekann­ter Akti­vis­ten hin zu „mob-arti­gen“, prä­zi­se geplan­ten Inter­ven­tio­nen, bei denen die neue Adjus­tie­rung voll­stän­dig zur Gel­tung kommen kann. Die bekann­ten IB-Stunts lösten zwar Bewun­de­rung aus, aber kaum einer der Zuse­her sah sich selbst am Dach des Bran­den­bur­ger Tors, an Bord der C‑Star, oder auf der tür­ki­schen Botschaft.

Die iB-Aktio­nen hin­ge­gen erzeu­gen beim gesun­den jungen, männ­li­chen Beob­ach­ter einen ein­zi­gen unwei­ger­li­chen Gedan­ken: ich könnte, ich sollte, ja ich muss einer von denen sein! Ich will dabei sein!


2. „Gesicht zeigen“ als Minderheitenprogramm.

Gerade die Maske erlaubt es Per­so­nen, die aktu­ell oder gene­rell nicht dazu bereit sind, ihr Gesicht zu zeigen, sich am Akti­vis­mus zu betei­li­gen und somit Teil des Mobi­li­sie­rungs­po­ten­ti­als zu werden. Nie­mand kann letzt­lich sagen, ob die Akti­vis­ten stets die­sel­ben oder immer wieder neue Per­so­nen sind. 

Das Outing, ebenso aber auch die schi­ka­nö­se und unge­recht­fer­tig­te Straf­ver­fol­gung werden erschwert (selbst­ver­ständ­lich bleibt der Akti­vis­mus der iB dabei abso­lut im lega­len und inhalt­li­chen Rahmen, den die IB vor­ge­ge­ben hat). Auch ohne Lamb­da­fah­nen und offe­nen Visa­gen rech­net die Presse, sofern man ihr Schwei­ge-Embar­go durch­dringt, die unver­kenn­ba­ren Aktio­nen „den Iden­ti­tä­ren“ zu.

Wenige bekann­te Gesich­ter, die als Spre­cher eigen­stän­di­ger Ver­ei­ne oder als „Influ­en­cer“ und poli­ti­sche Kom­men­ta­to­ren die Aktio­nen teilen, Repres­si­on anpran­gern und Soli­da­ri­tät orga­ni­sie­ren rei­chen aus, um die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit dem Unter­stüt­zer-Umfeld sicher zu stellen.

3.Dezentral und Gegenkulturell

So kann sich die iB auch voll auf ihre eigent­li­che und ein­zi­ge Auf­ga­be kon­zen­trie­ren. Die Aktion, die Gegen­kul­tur und die Cha­rak­ter­bil­dung. Der Aufbau eige­ner Frei­räu­me, die Schu­lung, der Sport und die Gemein­schafts­bil­dung sind der Nähr­bo­den für eine rechte Gegen­kul­tur, die aus der iB viel eher erwach­sen kann als aus der IB. Diese lähmte sich teils selbst durch die ersti­cken­den Zusatz­auf­ga­ben, der NGO- und Büro­ar­beit. Das not­wen­di­ge seriö­se, teils bie­de­re Auf­tre­ten und die Ver­eins­meie­rei ist Gift für Gegen­kul­tur und die Geburt eines Mythos. Die unver­zicht­ba­ren Auf­ga­ben einer Bür­ger­be­we­gung — Info­ti­sche, Demos, Mas­sen­or­ga­ni­sa­ti­on, Fund­rai­sing, … – werden von ande­ren Bewe­gun­gen, Zen­tren und Ver­ei­nen erfüllt. Das ist eine über­fäl­li­ge Ent­wick­lung, für die man der Repres­si­on sogar dank­bar sein kann. 

Die iB selbst braucht keine zen­tra­le Struk­tur und durch­num­me­rier­te Orts­grup­pen mehr. Lokale Bewe­gun­gen können sich eigene Namen geben oder, im besten Fall, akti­vis­tisch ohne jede kon­kre­te Grup­pen­iden­ti­tät auf­tre­ten und statt­des­sen gegen­kul­tu­rel­le loka­len Zen­tren als Marken auf­bau­en. Statt dem offi­zi­el­len IB-Was­ser­zei­chen bestehen iB-Aktio­nen durch ihren ein­heit­li­chen Stil und finden sich auf dezen­tra­len, anony­men Akti­ons­blogs wieder, an die jeder Berich­te und Bilder schi­cken kann.

Damit sind drei neue Aspek­te gesetzt, welche die alten Prin­zi­pi­en teil­wei­se delo­gie­ren, ins­be­son­de­re aber Punkt 1 und 4 unan­ge­tas­tet lassen. Mit diesem neuen Ansatz kann und wird der Genera­tio­nen­wech­sel ebenso gelin­gen, wie die Fort­füh­rung des Wider­stands wäh­rend der Repres­si­on. Eine neue Garde an jungen Rech­ten kann damit naht­los an die akti­vis­ti­sche Tra­di­ti­on der IB-Auf­bau­ge­nera­ti­on anknüp­fen und von den erwor­be­nen Lor­bee­ren pro­fi­tie­ren. Dabei können sie sich gleich­zei­tig als Iden­ti­täts­be­we­gung selbst ver­wirk­li­chen und ihrem eige­nen Willen eine neue Form geben. So über­lebt der iden­ti­tä­re Geist in Europa, doch nur indem er die Waffe der Kritik, die er zuvor unbarm­her­zig gegen links und rechts geschwun­gen hat, auch gegen sich selbst rich­tet. Nur indem eigene Feti­sche zer­schla­gen, eigene Ver­knö­che­run­gen auf­ge­bro­chen und lieb­ge­won­ne­ne Zöpfe abge­schnit­ten werden, kann eine Evo­lu­ti­on stattfinden. 

Sie speist sich aus den Prin­zi­pi­en, die auch 2012 am Anfang der IB gestan­den haben: der ewige Auf­bruch, der Primat der Tat, der Hunger nach Erobe­rung und die Anma­ßung der Jugend. Jede Genera­ti­on hat ihr Recht auf ein Schick­sal. Einer neu­rech­ten Jugend, die heute mit 18–25 Jahren in der Blüte ihres idea­lis­ti­schen Akti­vis­mus steht und um ihre abso­lu­te Ein­satz­pflicht für die Heimat weiß, werden die zyni­schen, digi­ta­len Halb­wel­ten, die aus den USA nach Europa geschwappt sind, nicht genü­gen. Sie werden sich in der iden­ti­täts­be­we­gung sammeln.

Sieger, bleibt wer das Schutz­bild birgt in seinen Marken

Und Herr der Zukunft, wer sich wan­deln kann

-Stefan George