Der Text erschien im Jahr 2013 am Funken

Der Islam hat ein wich­ti­ges stra­te­gi­sches Ziel erreicht. Mitt­ler­wei­le wird er in Europa nicht mehr igno­riert oder belä­chelt, son­dern bitter ernst genom­men. In der rasch wach­sen­den Gruppe der „Islam­kri­ti­ker“ wird er sogar als „Haupt­feind“ des „Abend­lan­des“ gehan­delt. Der Feind ist, nach Carl Schmitt, die eigene Frage als Gestalt. Das Pro­blem: Eigent­lich sollte der Feind über die eigene Iden­ti­tät, also das eigene Selbst­ver­ständ­nis bestimmt werden. Die bunte und plu­ra­lis­ti­sche Schar der Islam­kri­ti­ker defi­niert sich aber viel­mehr selbst nach der mono­li­thi­schen, festen Gestalt des Islams und ihrer Feind­schaft gegen ihn. Der Islam formt das Lager der Islam­kri­tik, das sonst wenig zusam­men hält.

Erst einmal muss man die Leis­tung des Islams bewun­dern. Im Kampf um Europa, den er, aus seiner uni­ver­sa­lis­ti­schen Ziel­set­zung, not­wen­dig führen muss, hat er einen ent­schei­den­den Fort­schritt gemacht. Er wird nicht mehr als die „Reli­gi­on der Frem­den“, also als Neben­ef­fekt einer all­ge­mei­nen Über­frem­dung, wahr­ge­nom­men. Die Aus­län­der­the­ma­tik, die etwa noch die Wahl­kämp­fe Jörg Hai­ders und Le Pens domi­nier­te, ist passé. Der Islam selbst ist das Fremde und das Feind­bild gewor­den und wird streng vom „an sich will­kom­me­nen Zuwan­de­rer“, unter­schie­den. Die Kritik der Mas­sen­zu­wan­de­rung und damit des deka­den­ten, anti­na­ta­lis­ti­schen Westen gerät so ins Hintertreffen.

Damit wird der Islam das Zen­trum der Kritik der meis­ten euro­päi­schen Rechts­par­tei­en und rech­ten Bür­ger­be­we­gun­gen, die seit eini­ger Zeit aus dem Boden sprie­ßen. Er ist das aner­kann­te Gegen­mo­dell zum „Westen“ und gewinnt durch diesen Ant­ago­nis­mus an Bedeu­tung und Kontur.
Anstatt den Islam als Neben­ef­fekt einer Mas­sen­zu­wan­de­rung zu erken­nen und aus dieser den inhä­ren­ten Sys­tem­feh­ler des west­li­chen Libe­ra­lis­mus auf­zu­de­cken, fokus­siert man sich voll und ganz auf diese Reli­gi­on selbst. Ursa­che und Wir­kung werden ver­wech­selt. Die Reak­ti­on der Islam­kri­ti­ker auf die gras­sie­ren­de Isla­mi­sie­rung wirkt manch­mal so, als würde diese sich nicht durch die Mas­sen­ein­wan­de­rung isla­mi­scher Migran­ten, son­dern allein über Mas­sen­kon­ver­tie­run­gen durch umher­wan­dern­de isla­mi­sche Pre­di­ger voll­zie­hen. Gegen ers­te­res ist näm­lich eine Ana­ly­se und Kritik des Islams rela­tiv sinn­los. Die isla­misch gepräg­ten Zuwan­de­rer strö­men trotz­dem weiter in die isla­misch gepräg­ten Parallelgesellschaften.


Man geht auf den Islam ein, ver­sucht ihn zu „wider­le­gen“, betreibt Koran­stu­di­en, erlernt ara­bi­sches Grund­vo­ka­bu­lar, betreibt Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen und wird so zu einer regel­rech­ten Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne­rie für den Islam. Die erst jetzt wach­sen­de­ne Zahl der Kon­ver­ti­ten beweist das. Der Islam als poli­ti­sche Reli­gi­on wird auch von immer mehr auto­chtho­nen, sinn­su­chen­den Euro­pä­ern als eine Sys­te­mal­ter­na­ti­ve zum west­li­chen Libe­ra­lis­mus wahr- und ange­nom­men- gerade weil er von der Islam­kri­tik als großes Gegen­mo­dell sti­li­siert wird.

Der ein­fa­che, christ­li­che Fami­li­en­va­ter, der die Gebor­gen­heit einer echten reli­giö­sen Gemein­schaft sucht, der ver­bohr­te Theo­lo­gie­stu­dent, dem das krie­che­ri­sche Kon­zils­chris­ten­tum auf die Nerven geht, der tra­di­tio­na­lis­ti­sche Anti­mo­der­nist, der im Islam nach Ernst Nolte die 3. Gegen­be­we­gung zur Moder­ne sieht, der junge Ange­stell­te, der reli­gi­ös musi­ka­lisch ist und im Libe­ra­lis­mus ver­geb­lich nach Tiefe sucht – sie alle treibt es in die offe­nen Arme der Da’wa-Prediger — wir gehen mit Begrif­fen wie Da’wa, Umma, Taqi­y­ya, Kufr mitt­ler­wei­le wie selbst­ver­ständ­lich um. Vor Jahren noch völlig unbe­kannt, sind sie nun zum festen Voka­bu­lar der poli­ti­sche Debat­ten in Europa geworden.

Diese, durch Mas­sen­ein­wan­de­rung indu­zier­te Isla­mi­sie­rung, voll­zieht sich natür­lich auch ohne die War­nun­gen und Sti­li­sie­run­gen der Islam­kri­ti­ker. Man muss auf sie auf­merk­sam machen und reagie­ren. Doch ihre Her­an­ge­hens­wei­se ver­fehlt das Ziel meist völlig.

Wir­kung und Ursache

Der wahre Grund für die mas­si­ve Aus­brei­tung des Islam ist die mas­si­ve Zuwan­de­rung aus isla­mi­schen Län­dern. Der Islam ist ein zufäl­li­ger Neben­ef­fekt. Kämen die Haupt-Zuwan­de­rer­strö­me aus ande­ren Län­dern, könn­ten wir ebenso gut „bud­dhi­siert“ werden. Ob das nun ange­neh­mer wäre, ob es nun wün­schens­wer­ter ist, in Wasser oder in Salz­säu­re auf­ge­löst zu werden, wie es Man­fred Kleine-Hart­la­ge plas­tisch bemerk­te, ist nicht die Frage. Es geht um die klare Erkennt­nis der Ursa­che für die Islamisierung.

Die Mas­sen­zu­wan­de­rung und der grund­sätz­li­che, uni­ver­sa­lis­ti­sche Welt­he­ge­mo­nie­an­spruch des Islams sind zwei ver­schie­de­ne Dinge. Wir räumen das Feld: eth­nisch und kul­tu­rell. Wer dieses Vakuum füllt – das ist im Grunde belang­los für das eigent­li­che Pro­blem. Das Pro­blem ist der Eth­no­zid — die Selbst­ab­schaf­fung und Selbst­auf­lö­sung der Völker Euro­pas. Die Wurzel dieses Übels ist der totale Selbst- und Iden­ti­täts­ver­lust der euro­päi­schen Völker. Wir wagen es nicht, uns selbst anders als mit uni­ver­sa­lis­ti­schen Begriff­lich­kei­ten zu defi­nie­ren. Was einen Euro­pä­er oder den Deut­schen aus­macht, bleibt ein Tabu­the­ma. Auch Sar­ra­zins Gen-Debat­te hat daran bisher nichts geändert.

Die Geschich­te als Iden­ti­täts­quel­le hat uns der eth­no­ma­so­chis­ti­sche Schuld­kult ver­dor­ben. Die eth­ni­sche Frage ist von der poli­tisch kor­rek­ten Mafia, der die Islam­kri­tik in diesen Punk­ten genau­so ange­hört, und die ihren extre­mis­ti­schen Gegen­pol in den NS-Ras­sis­ten findet, unmög­lich gemacht worden. Da also die Mei­nungs­ma­fia, weit­ge­hend unan­ge­foch­ten, unsere eth­ni­sche und his­to­ri­sche Iden­ti­tät zum Tabu macht, greift man im Lager der Islam­kri­tik dop­pelt gern auf uni­ver­sa­lis­ti­sche Sche­ma­ta zurück und ver­fällt dabei in ein abs­trak­tes, meta­phy­si­sches Denken, wel­ches die orga­ni­schen Gemein­schaf­ten immer mehr aus­blu­ten lässt. Wir kämp­fen nicht mehr für Nation und Europa son­dern für: „Auf­klä­rung, Demo­kra­tie und Men­schen­recht, gegen den Islamofaschismus“.

Die Islam­kri­tik bedient also die Unfä­hig­keit der uni­ver­sa­lis­mus­ge­schä­dig­ten Euro­pä­er, ein eth­no­kul­tu­rel­les Eigen­in­ter­es­se zu defi­nie­ren. Die Deut­schen als meta­phy­sischs­tes Volk Euro­pas sind am stärks­ten von diesem Wahn befal­len. Sogar als sie ein ein­zi­ges Mal in ihrer Geschich­te ein eth­ni­sches Eigen­in­ter­es­se for­mu­lie­ren woll­ten, brach aus ihnen ein uni­ver­sa­lis­ti­scher, ras­si­scher Erlö­sungs­my­thos hervor, der seine geis­ti­gen Wur­zeln durch exter­mi­na­to­ri­schen Anti­se­mi­tis­mus zu ver­nich­ten suchte.

Was tun wenn man seine eigene Iden­ti­tät, die man gegen den Islam ver­tei­di­gen will, nicht anders als abs­trakt und uni­ver­sa­lis­tisch (d. h. als all­ge­mein­gül­ti­ges, über­zeit­li­ches, mora­lisch über­le­ge­nes Kon­zept, dessen Ziel es ist ein Ende der Geschich­te herbei zu führen, indem es sich über die ganze Welt aus­brei­tet) aus­drü­cken kann/darf? Der wabern­de, gesichts­lo­se Haufen an Waren­kon­su­men­ten, Welt­bür­gern, Selbst­fin­dern und Indi­vi­dua­lis­ten, der die ero­die­ren­den, euro­päi­schen Völker aus­macht, ver­sucht nun ver­zwei­felt, sich in der Islam­kri­tik ein Gesicht zu geben, um dem Islam ins feste Ant­litz bli­cken zu können. Damit aber gibt ihnen der Islam das Gesicht.

Die Islam­kri­ti­ker defi­nie­ren sich, man­gels echter, eige­ner Iden­ti­tät, als Gegen­part zum inter­na­tio­na­lis­ti­schen, uni­ver­sa­lis­ti­schen Islam, ebenso inter­na­tio­nal und uni­ver­sa­lis­tisch. Das trau­ri­ge End­pro­dukt sieht circa so aus: Der Islam, als das an sich Fal­sche, Bös­ar­ti­ge, Wider­wär­ti­ge, die sata­ni­sche, anti­men­sch­li­che Kraft, herrscht über das Reich der Fins­ter­nis, der Unter­drü­ckung, des Mit­tel­al­ters, des Rück­schrit­tes und der Häss­lich­keit. Der gute, sau­be­re Gen­tle­men-Westen, Träger der Auf­klä­rung, des Chris­ten­tums, der freien Markt­wirt­schaft, der Ver­nunft und Zieh­sohn des Welt­geis­tes, ja die Fackel des Frie­dens und des Fort­schritts, kämpft in einem uni­ver­sa­len, hei­li­gen Har­ma­ged­don gegen die Hydra des Isla­mis­mus. Iden­ti­tät, Kultur, Staat, Nation, Fami­lie und Geschich­te werden neben­säch­li­che Rand­fi­gu­ren im zen­tra­len, ent­schei­den­den Gefecht: Islam vs. The west.

Islam und Westen sind hier zwei uni­ver­sa­lis­ti­sche Prin­zi­pi­en und Welt­ord­nungs­mo­del­le ohne Ver­wur­ze­lung in Heimat und Volk. Israel wird zum „Haupt­schau­platz“, in dem „unser aller Krieg“ aus­ge­foch­ten wird. So lässt sich auch ein gecken­haf­ter Phi­lo­se­mi­tis­mus schön in die Islam­kri­tik ein­glie­dern. Anstatt über eine tiefe Reflek­ti­on über das Gesche­he­ne eine echte Ver­söh­nung und Hei­lung der Bezie­hung zum jüdi­schen Volk anzu­stre­ben, ver­kehrt sich der Anti­se­mi­tis­mus ein­fach in sein grel­les Gegen­teil. Ein Pro­zess, der jeder­zeit wieder umschla­gen könnte. Als Juden­er­satz muss zum Teil der Islam her­hal­ten. Zumin­dest erscheint das so, wenn man den stür­me­ri­schen Ton­fall man­cher Islam­kri­ti­ker und ihre all­ge­mei­ne Iko­no­gra­phie ein­ge­hend betrachtet.

Alain de Benoist beschreibt in „Carl Schmitt und der Krieg“ ein­dring­lich, wie sehr sich der isla­mi­sche hei­li­ge Krieg gegen den über­all exis­tie­ren­den, omi­prä­sen­ten, sata­ni­schen Westen, gegen die west­li­che Ant­wort im Krieg gegen den Terror, der omni­prä­sen­ten Achse des Bösen, glei­chen. Tat­säch­lich kämp­fen im west­li­chen Libe­ra­lis­mus und im isla­mi­schen Mono­the­is­mus zwei uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gien um die Welt­herr­schaft. Ihr linea­res, fort­schritt­li­ches Bild der Geschich­te ist fast iden­tisch. Sie sind sich in ihrer Ableh­nung der eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaf­ten und der Welt als Plu­ri­ver­sum so brü­der­lich einig, wie es nur die Kinder einer gemein­sa­men Idee sein können. Ihr bru­ta­ler, hei­li­ger Krieg, der ein Krieg zwi­schen reli­giö­ser Vor­form und libe­ra­lis­ti­schem End­sta­di­um des uni­ver­sa­lis­ti­schen Todes­pro­jekts ist, ist aus iden­ti­tä­rer Sicht ein Binnenkampf.

Diese islam­kri­ti­sche Ideo­lo­gie ist zur­zeit der letzte Schrei am poli­ti­schen Markt. Es ist ein Todes­schrei. Sie formt die gesam­ten rech­ten Zusam­men­hän­ge um und ver­schiebt ihr Selbst­ver­ständ­nis über die Neu­wahl eines Haupt­fein­des. Auch Prag­ma­ti­kern, welche die Kritik am Islam als wich­tigs­ten Aus­druck eines patrio­tisch-iden­ti­tä­ren Gefühls sehen, muss das bewusst sein. Und das selbst nicht nur aus theo­re­ti­scher Erkennt­nis son­dern auch aus ganz prag­ma­ti­schen Gründen.

Islam vs the West – kein mobi­li­sie­ren­der Mythos

Das Kon­strukt eines „judäochrist­li­chen, auf­ge­klär­ten Wes­tens“, gegen das sich lus­ti­ger­wei­se sowohl ortho­do­xe Juden als auch tra­di­tio­na­lis­ti­sche Katho­li­ken glei­cher­ma­ßen ver­weh­ren, ist kein staats­tra­gen­des und typen­bil­den­des Ideal. Die Ero­si­on der west­li­chen Sys­te­me beweist das. Was Homo-Akti­vis­ten, anti­deut­sche Linke, erfolg­lo­se Rechts­po­li­ti­ker, Kon­zils­chris­ten, Kom­men­tar­spal­ten­krie­ger, oppor­tu­nis­ti­sche Bewe­gungs­akro­ba­ten, ent­täusch­te Kon­ser­va­ti­ve, halbauf­ge­wach­te Mul­ti­kul­tis, Frau­en­recht­ler, Ver­fas­sungs­pa­trio­ten, Ame­ri­kaf­ans u. v. a. m. unter der bunten Fahne der Islam­kri­tik eint, ist cum grano salis nur eines: Der Erhalt des west­li­chen Lebens­stan­dards und Hedonismus. 

Alles soll so „toll“ blei­ben wie es ist. Party statt Scha­ria. Play­boy statt Kopf­tuch. Bar­be­cue statt Rama­dan. Welt­markt statt Umma. Sollte das der ideo­lo­gi­sche Unter­bau der Islam­kri­ti­ker sein, der sich hinter Phra­sen wie „Erhalt der frei­heit­li­chen Grund­ord­nung“, oder „Ver­tei­di­gung der Tren­nung von Staat und Reli­gi­on“ ver­birgt? Abs­tra­hiert man aus diver­sen Seiten und Büchern ein „islam­kri­ti­sches Mini­mum“, sieht es leider fast so aus.

Kann das der bewe­gen­de Mythos einer euro­päi­schen Renais­sance sein? Nein, das sieht ein Blin­der. Der Ruf nach unge­stör­ter hedo­nis­ti­scher „Selbst­ver­wirk­li­chung“ in der bunten Waren­welt des Spät­ka­pi­ta­lis­mus scheint als der ein­zi­ge Kitt, der den Schwarm der Islam­kri­ti­ker, der sich gegen die Kon­tu­ren des Islams for­miert, zusam­men­hält. Der schwäch­li­che Schrei nach staat­li­chen Ver­bo­ten, nach „law & order“, ist bis­lang das Ein­zi­ge, das sie zustan­de brin­gen. Eine Kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on sieht anders aus.

Die infor­mell ver­netz­ten, gras­sie­ren­den mus­li­mi­schen Fami­li­en­klans in ihren No-Go-Area-Rück­zugs­räu­men, die bren­nen­den, tod­be­rei­ten, isla­mi­schen Glau­bens­fa­na­ti­ker würden diesen bunten Haufen zer­mal­men wie einen Bro­cken tro­cke­nen Sand. Nur ein Ideal, das aus einer höhe­ren Dimen­si­on stammt als einem Lauen „Huma­nis­mus“, der Hedo­nis­mus meint, gibt die Kraft, das Unmög­li­che zu voll­brin­gen. Denn für diesen ster­ben die Helden nur im Kino, wie Davila einmal spitz­fin­dig bemerk­te. Die heroi­sche Phase des Libe­ra­lis­mus ist vorbei. Die post­mo­der­ne Belie­big­keit ist sein unaus­weich­li­ches Schick­sal. Man kann sie auch mit ein wenig scha­ler 1848 Roman­tik nicht wiederbeleben.

Eine Wie­der­be­le­bung der heroi­schen Phase

Die Islam­kri­tik in ihrer theo­re­ti­schen Rein­form ist somit ein Irrweg. Sie wird als schein­ba­rer Ausweg zur ulti­ma­ti­ven Poli­ti­cal Cor­rect­ness, indem sie näm­lich vor­gibt, keine zu sein. Sie kri­ti­siert nicht den libe­ra­lis­ti­schen Indi­vi­dua­lis­mus als Grund der Ein­wan­de­rung und damit der Isla­mi­sie­rung, son­dern ver­tei­digt ihn als Errun­gen­schaft. Sie ver­sucht nicht ein gesun­des Ver­ständ­nis unse­rer Geschich­te zurück­zu­er­obern, son­dern suhlt sich in Schuld­kult und leitet daraus „beson­de­re Ver­pflich­tun­gen“ gegen Israel im uni­ver­sa­len „hei­li­gen west­li­chen Krieg“ ab.

Anstatt die reli­gi­ös-uni­ver­sa­lis­ti­schen Ver­stri­ckun­gen unse­rer Geis­tes­ge­schich­te zu reflek­tie­ren, die drei Ideo­lo­gien des 20. Jahr­hun­derts als ver­fehl­te Aus­drü­cke ihrer Per­p­etu­ie­rung nach dem „Tod Gottes“ zu erken­nen und end­lich, end­lich aus dieser Matrix aus­zu­bre­chen, ver­strickt sie sich lust­voll in einer neuen uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie, die so lächer­lich, so gezwun­gen ist, dass sogar wir einmal Marx zitieren:

Hegel bemerk­te irgend­wo, daß alle großen welt­ge­schicht­li­chen Tat­sa­chen und Per­so­nen sich sozu­sa­gen zwei­mal ereig­nen. Er hat ver­ges­sen, hin­zu­zu­fü­gen: das eine Mal als Tra­gö­die, das andere Mal als Farce.“

Marx in seinem Auf­satz “Der acht­zehn­te Bru­mai­re des Louis Bona­par­te” in der Ham­bur­ger Zeit­schrift “Die Revo­lu­ti­on” im Jahr 1869 

Der Islam­kri­ti­ker geriert sich als großer Ver­tei­di­ger der „Errun­gen­schaf­ten der Auf­klä­rung“ und meint damit über­wie­gend Hedo­nis­mus, Deka­denz, Sexua­li­sie­rung, Pro­mis­kui­tät, also die lieb gewon­ne­ne Party-Kultur. Kubit­scheks sprich­wört­lich gewor­de­nes Credo dieses Party-Patrio­tis­mus, islam­kri­tisch abgewandelt: 

Kon­su­mie­ren, aber ohne Kopf­tuch­frau an der Kasse.“

Genau damit schützt die Islam­kri­tik aber das End­sta­di­um einer Ideo­lo­gie (des Libe­ra­lis­mus), die kausal für den demo­gra­phi­schen Winter und damit die Zuwan­de­rung und Isla­mi­sie­rung ver­ant­wort­lich war und ist. Schon Moel­ler van den Bruck wusste, dass am Libe­ra­lis­mus die Völker zugrun­de gehen. Doch die Islam­kri­ti­ker haben ein bejam­mern­swert klei­nes geis­tes­ge­schicht­li­ches Bewusst­sein. Damit gehen sie auch nicht sou­ve­rän mit Begrif­fen, Ideen und Sys­te­men um, um sich durch ihr Dickicht einen iden­ti­tä­ren Pfad zu trei­ben. Viel­mehr stol­pern sie von einem geis­ti­gen Fett­napf in den nächs­ten und schaf­fen absur­de Begriffs­un­ge­tü­me wie „Isla­mo­fa­schis­mus“, aus denen ihre geis­ti­ge Leere nur so hervor strahlt. Der Islam­kri­ti­ker pro­ji­ziert die gän­gi­gen Meta­phern für das abso­lu­te Böse: „Hitler“, „Nazi“, „Faschis­mus“, unge­ach­tet deren Inhal­te auf den Islam, um sich in dieser Ver­blen­dung als der „wahre Anti­fa­schist“ fühlen zu können.

Die „poli­ti­sche Unkor­rekt­heit“, die man so für sich rekla­miert, ist eine plumpe, unbe­wuss­te Scha­ra­de. Tat­säch­lich fügt sie sich naht­los in die herr­schen­de, uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gie ein und will darin sogar päpst­li­cher sein als der Papst. Ja, man wirft den herr­schen­den, antiiden­ti­tä­ren, mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­schen Ideo­lo­gen Abweich­ler­tum vor. Man will der wahre Anti­fa­schist im Kampf gegen den „Isla­mo­fa­schis­mus“ und der wahre Phi­lo­se­mit im Kampf um Israel sein. Das ist kein Mor­gen­wind für unsere Iden­ti­tät. Es ist der­sel­be mod­ri­ge Gra­bes­dunst wie seit über 60 Jahren. 

Die Islam­kri­ti­ker haben es fertig gebracht, sich rest­los dem herr­schen­den Voka­bu­lar und der herr­schen­den Ideo­lo­gie zu unter­wer­fen und sich dabei so frei wie nie zu fühlen. End­lich kann sich der ver­fas­sungs­pa­trio­ti­sche Bun­zel­bür­ger und Inter­net­ak­ti­vist im Ein­ver­ständ­nis mit der herr­schen­den Ideo­lo­gie sein (ver­ständ­li­ches) Res­sen­ti­ment gegen Aus­län­der­ban­den gesell­schafts­kri­tisch, israel­freund­lich und anti­fa­schis­tisch zum Aus­druck brin­gen. Hier quillt oft ein unter­drück­ter Hass hervor, der gegen jeden guten Geschmack geht. Mit dem Zau­ber­wor­ten „Musel“ und „Anti­se­mit“ gar­niert, wird der wider­lichs­te Stür­mer­stil flugs zur „Islam­kri­tik“ geadelt. 

Dass die Islam­kri­ti­ker, ins­be­son­de­re seit Brei­vik, als „Rechts­ex­tre­me“ bezeich­net und medial ebenso ver­folgt werden, ändert nichts an der Tat­sa­che, dass sie mit ihrer uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie, die sich der herr­schen­den abs­trak­ten und nicht eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­täts­de­fi­ni­ti­on beugt, im Rahmen der herr­schen­den Ideo­lo­gie bewe­gen. Mit einer gut­mü­ti­gen Deu­tung könnte man ihr Betrei­ben als Wie­der­be­le­bungs­ver­such der heroi­schen Phase des Libe­ra­lis­mus deuten.
Dieser wird not­wen­dig schei­tern. Schon die letzte echte Kampf­pha­se des Libe­ra­lis­mus, der 2. Welt­krieg, in dem er gegen seine moder­nis­ti­schen Bru­der­ideo­lo­gien NS/Faschismus und Sozia­lis­mus ins Feld zog, war bemüht und unecht.

Die letz­ten Relik­te eines kämp­fe­ri­schen Aben­teu­er-Kapi­ta­lis­mus und „white mans burden“- Kolo­nia­lis­mus vom Schla­ge eines Chur­chill wurden nach dem gewon­ne­nen Krieg rasch poli­tisch ent­sorgt. Sie behag­ten den libe­ra­len Gemü­tern, die schon um die Jahr­hun­dert­wen­de der Post­mo­der­ne ent­ge­gen­faul­ten, nicht mehr. Auch Hayeks dilet­tan­ti­sche Schrift vom „Weg zur Knecht­schaft“, deren pro­ka­pi­ta­lis­ti­sche und anti­so­zia­lis­ti­sche Paro­len als Anti­to­ta­li­ta­ris­mus für Dumme den Sound­tep­pich für die islam­kri­ti­sche Kako­pho­nie bieten, atmet schwer von dieser Müdigkeit.

Der Libe­ra­lis­mus raffte sich im 2. Welt­krieg noch einmal auf um seine Mit- und Nach­ge­bur­ten zu besie­gen. Nach ihrem Tod ist er end­gül­tig ohne Feind und kre­piert an sich Selbst: in kul­tu­rel­ler, ideo­lo­gi­scher, öko­no­mi­scher und demo­gra­phi­scher Hin­sicht. Dugin beschreibt in seinem Buch ein­zig­ar­tig, wie das Ende seiner Feinde auch das Ende des Libe­ra­lis­mus bedeu­tet. Der Islam ist kein adäqua­ter Feind. Er ist kein Ver­such einer tiefen euro­päi­schen Ant­wort auf den Nihi­lis­mus, wie es die Ideo­lo­gien des 20. Jahr­hun­derts teil­wei­se waren — aber eben nur Versuche.

Der Islam ist keine ideo­lo­gi­sche Her­aus­for­de­rung für den Libe­ra­lis­mus, welche ihn aus seinem post­mo­der­nen Stand-by-Modus wecken und wieder hoch­fah­ren könnte. Ein Vor­gang, da haben kühle Prag­ma­ti­ker recht, der in seinen neo­con­ser­va­ti­ven Umschalt­pro­zes­sen auch den Eth­no­zid ein­frie­ren würde. Den Völ­kern Euro­pas würde in einer neuen hero­isch-kämp­fe­ri­schen Phase des Libe­ra­lis­mus wieder eine neue Lebens­frist gewährt, die keine iden­ti­tä­re Renais­sance, son­dern wieder nur ein Huren­da­sein eines Uni­ver­sa­lis­mus — aber damit doch ein nack­tes Über­le­ben — bedeu­ten würde.

Diese Reak­ti­vie­rung aber schei­tert. Sie ist hoff­nungs­los und sinn­los, weil der Libe­ra­lis­mus seine beiden Kon­tra­hen­ten besiegt hat und der Islam gar keine geis­tes­ge­schicht­li­che Ant­wort, son­dern nur ein Neben­ef­fekt seines post­mo­der­nen Todes ist — man muss sein Gehirn schon stark inte­gral-tra­di­tio­na­lis­tisch oder mar­xis­tisch ver­kno­ten, um im Islam eine „sakra­le, anti­im­pe­ria­lis­tisch-natio­na­lis­ti­sche Front“ gegen den Libe­ra­lis­mus zu erspä­hen. Das hin­der­te Guenon und Co. sowie manche Ver­tre­ter des mar­xis­ti­schen Anti­im­pe­ria­lis­mus nicht daran, sich mit einem Über­lau­fen zum Islam quasi in eine sta­bi­le reli­giö­se Vor­form der uni­ver­sa­lis­ti­schen Ent­wick­lungs­lo­gik zu ver­set­zen. Wie schön wenn man, als echter Iden­ti­tä­rer, die wahre Alter­na­ti­ve kennt.

Die iden­ti­tä­re Antwort

Die Klein­krie­ge um Kopf­tuch­ver­bot, Fei­er­ta­ge, Moschee­bau­ten usw. lenken, wenn man sich in ihnen ver­liert, von der ent­schei­den­den Erkennt­nis ab: Wir selbst sind schuld an der Isla­mi­sie­rung. Nicht der Islam ist so böse und stark, son­dern wir sind so selbst­ver­ges­sen und schwach. Nicht die Zuwan­de­rer sind so zahl­reich, son­dern wir so wenige. Nicht die Aus­län­der sind so inte­gra­ti­ons­un­wil­lig, die deut­sche Kultur ist so tot und trans­pa­rent — ganz abge­se­hen davon, dass Inte­gra­ti­on und Assi­mi­la­ti­on sich nur bei dosier­ter Zuwan­de­rung über enorm lange Zeit­räu­me als orga­ni­sche Syn­the­se voll­zie­hen, nie­mals aber ein demo­gra­phi­sches Pro­blem lösen können. 

Nur eine echte Welt­an­schau­ung, die unsere eth­no­kul­tu­rel­le Iden­ti­tät neu ergrün­det, die uns einzig und allein zu uns selbst führt und den Libe­ra­lis­mus ent­schie­den bekämpft, ist der rich­ti­ge Weg. Es geht nicht um den Islam, es geht nicht um Israel, es geht nicht um den „Westen“, die „Auf­klä­rung“, die Reli­gi­ons­frei­heit, das Schwei­ne­schnit­zel in der Kan­ti­ne und die bar­bu­si­gen, unver­schlei­er­ten Pin-Ups in der Tages­zei­tung. Es geht um die Wie­der­ge­win­nung unse­rer his­to­ri­schen, eth­ni­schen und kul­tu­rel­len Iden­ti­tät. Es geht um unse­ren eigent­li­chen Platz in unse­rer Geschich­te, zu deren Zen­trum wir selbst werden wollen. 

Dazu müssen wir die Deu­tung unse­rer Geschich­te, des Rechts‑, Volks- und Staats­be­grif­fes aus den Klauen der herr­schen­den Ideo­lo­gie zurück­er­obern und uns nicht in die Schleim­fal­ten des herr­schen­den, ideo­lo­gi­schen Molochs ein­nis­ten. Man darf sich der herr­schen­den Ideo­lo­gie nicht anpas­sen, man muss sich ihr stel­len! Die iden­ti­tä­re Ant­wort auf die herr­schen­de Ideo­lo­gie darf nicht in seine Falle, den dog­ma­ti­schen NS-Sumpf laufen. Sie darf nicht im Lei­chen­hau­fen, der sich in der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Schat­ten­sei­te des west­li­chen Fort­schritts­uni­ver­sa­lis­mus auf­warf, aber ebenso wenig im Talmi-Glanz seiner „Auf­klä­rung“ ver­or­tet sein. Sie muss sich jen­seits von Gut und Böse stellen.

Die iden­ti­tä­re Bewe­gung muss sich einen eige­nen Weg gehen, der sich frei von Emo­tio­nen, frei von fal­scher Scho­nung der NS-Kreise und frei von pani­scher, inhalts­lo­ser Distan­zie­rung aus dem Gestrüpp des Zeit­geists frei­kämpft. Die uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gie der Islam­kri­tik muss dabei in ihrem Wesen erkannt und durch­schaut werden. Sie ist eine Ant­wort auf die Fragen der Zeit, die nie­mals ihre Lösung sein kann.

Nicht alle Per­so­nen im Dunst­kreis der Islam­kri­tik haben deren uni­ver­sa­lis­ti­schen Plot voll ver­in­ner­licht. Zwar hat man ein gemein­sa­mes Mini­mum an Phra­sen, Erken­nungs­ti­ckets und Theo­rie­fet­zen her­aus­ge­bil­det, doch die tie­fe­re Reflek­ti­on fehlt zumeist. Man muss sich der tie­fe­ren Inten­ti­on bewusst sein, die so viele in die Reihen dieser Strö­mung führt. Es ist die Ableh­nung der Über­frem­dung, ver­mit­telt durch die Isla­mi­sie­rung, die Sehn­sucht nach einer Iden­ti­tät und einem gesun­den Patrio­tis­mus jen­seits vom NS. Dieses Ver­lan­gen hat etwas Bes­se­res ver­dient als den faden Uni­ver­sa­lis­mus einer „islam­kri­ti­schen Inter­na­tio­na­len“. Die islam­kri­ti­sche Inten­ti­on ist die Sorge um die iden­ti­tä­re Frage, die, aus alter Kon­di­tio­nie­rung, mit einer uni­ver­sa­lis­ti­schen Ant­wort ent­geg­net wird. Hier muss man behut­sam, aber kon­se­quent ent­wir­rend wirken und die islam­kri­ti­schen Grund­po­si­tio­nen klar widerlegen.

Nicht im Islam als Reli­gi­on liegt der Grund der Isla­mi­sie­rung, nicht mit einer auf­klä­re­ri­schen Reli­gi­ons­kri­tik ist ihm bei­zu­kom­men. Ihr Grund ist die isla­mi­sche Mas­sen­ein­wan­de­rung und der kul­tu­rel­le Selbst­hass, der Selbst­ver­lust des Euro­pä­ers. Die Isla­mi­sie­rung kann nicht mit einer Wie­der­be­le­bung des Libe­ra­lis­mus als heroi­scher law&order-Neokonservativismus bezwun­gen werden, son­dern nur mit einer iden­ti­tä­ren Besin­nung Euro­pas, die als bewe­gen­den Mythos eine Rück­aneig­nung seiner eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät braucht. Dieser Mythos ist eine holis­ti­sche Wie­der­ge­win­nung unse­res eth­no­kul­tu­rel­len In-der-Welt-Seins und der tran­szen­den­ten Dimen­si­on unse­res Daseins, die in sich eine tiefe, faus­ti­sche Frage dar­stel­len. Hier, auf der geis­ti­gen Ebene muss zual­ler­erst eine Recon­quis­ta statt­fin­den. Sie beginnt zual­ler­erst in deinem Herzen:

He went loo­king for Europe, took love in his hand
With eyes of sun­light, like bur­ning sand
Went to the west, rode to the east
Heard of life and honour, looked into the eyes of the beast
Stood in a city, in the gold house of whores
Said: “I’m loo­king for Europe”, then you’re loo­king for war
Sat on the throne of Arthur, held Boudica’s sword
Kissed the flags of the great, bene­ath the towers so tall
Clim­bed up the hills­i­de, where the eagle still flies
Said: “I’m loo­king for Europe”, well be ready to cry
He walked to the forest, to the lair of the wolf
Said: “I’m loo­king for Europe, I’ll tell you truth.”
Some find it in a flag, some in the beat of a drum
Some with a book, and some with a gun
Some in a kiss, and some on the march
But if you’re loo­king for Europe, best look in your heart

Der Islam ist nicht der wahre Feind. Wir selbst sind es selbst, als Sub­jek­te des Libe­ra­lis­mus, der uns total durch­drun­gen hat. Der Feind ist die eigene Frage als Gestalt. Unsere Frage, die seit Nietz­sche nicht beant­wor­tet ist, lautet: Wie weiter? Wie weiter nach dem Tod Gottes und dem Ein­sturz des mit­tel­al­ter­lich-christ­li­chen Bedeu­tungs­zu­sam­men­hangs. Diese Frage ließ sich nicht durch Rasse und Klasse lösen. Sie lässt sich nicht post­mo­dern post­po­nie­ren. Sie drängt uns, quält uns und fällt uns an in Form des zivil­ok­ku­pie­ren­den Islams, der in die Lücken der sturm­rei­fen „Fes­tung Europa“ ein­fällt. Nur inso­fern, als eige­nes Defi­zit, als quä­len­de Krank­heits- und Man­gel­er­schei­nung einer unge­lös­ten, geis­ti­gen Frage ist der Islam auch ein Feind, der tat­säch­lich unsere Frage, unauf­schieb­bar und unbarm­her­zig, stellt.

Diese iden­ti­tä­re Ana­ly­se des Islams beginnt aber bei uns selbst und nicht bei ihm. Sie formt das Lager der Ver­tei­di­ger Euro­pas, aus eige­nem Fühlen und eige­ner Kraft, statt aus reiner, abs­trak­ter Geg­ner­schaft zum Islam, wie das bei den Islam­kri­ti­kern meist der Fall ist. Kritik der Islam­kri­tik heißt nicht, die Bedro­hung des Islams zu unter­schät­zen. Er ist der staats­tra­gen­de Gedan­ke, der die dif­fu­sen Ein­wan­de­rer­strö­me bün­delt, direkt in die Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten der Scha­ria-Zonen leitet und ihre eige­nen natio­na­len Kon­flik­te bei­legt. Der isla­mi­sche „Anti­ras­sis­mus“ ist ein Credo, das seine pre­di­gen­den Da’wa-Apostel uner­müd­lich beschwören. 

Er ist der Ruhe­pol, der das Chaos und den Hass aus den Gettos an ihre Rand­ge­bie­te treibt und somit gegen die Gesell­schaft rich­tet. Er ist die, immer öfter staat­lich aner­kann­te, Par­al­lel­jus­tiz, die das Ban­lieu befrie­det, orga­ni­siert und so teils ein stil­les, unbe­merk­tes Wachs­tum der Par­al­lel­ge­sell­schaft beför­dert. Er gibt den ent­wur­zel­ten Mir­gan­ten einen neuen Lebens­sinn und schafft eine poli­ti­sche Alter­na­ti­ve zum Status Quo, deren revo­lu­tio­nä­re Umset­zung in kom­men­den Ernst­fäl­len uns schon auf den schwar­zen Dschi­had­fah­nen dräut. Die Kritik der Isla­mi­sie­rung, die nie­mals von einer Kritik des eige­nen Iden­ti­täts­ver­lus­tes und der eige­nen Selbst­ab­schaf­fung getrennt werden darf, ist das Gebot der Stunde und muss klar gegen einen pein­li­chen, anti­zio­nis­ti­schen Anti­im­pe­ria­lis­mus, der sich aus dem natio­na­len wie dem kom­mu­nis­ti­schen Lager einer anti­se­mi­ti­schen Inter­na­tio­na­le andient, ins Feld gebracht werden.

Die Leug­nung der realen Bedro­hung, die seit Jahr­tau­sen­den vom Islam für Europa aus­geht, die Aus­blen­dung seiner inter­na­tio­na­lis­ti­schen, uni­ver­sa­lis­ti­schen Natur, die de facto ara­bisch-natio­na­lis­tisch ist, diese trau­ri­gen Ver­ren­kun­gen, die heute natio­na­le Kreise voll­zie­hen, nur um sich anti­jü­di­schen Ten­den­zen im Islam anzu­bie­dern, ist unmiss­ver­ständ­li­cher Aus­druck einer Schuld- und Hass-Nost­al­gie, die in iden­ti­tä­ren Zusam­men­hän­gen keinen Platz haben darf.
Ebenso wenig darf ein iden­ti­tä­rer Kampf gegen die Isla­mi­sie­rung und die Auf­lö­sung aller abend­län­di­schen Dinge in einer unbe­dach­ten Affir­mie­rung und Revi­ta­li­sie­rung des Libe­ra­lis­mus enden, der als Mus­ter­schü­ler der west­li­chen Alli­anz ebenso am deut­schen Schuld­kom­plex nagt.

Iden­ti­tär sein heißt weit aus­ho­len, tief grei­fen, kühn fragen, frei denken, mutig han­deln und nicht mit der Lüge leben! Eine welt­an­schau­li­che Erkennt­nis der west­li­chen Islam­kri­tik ist nur der erste Schritt zu einer iden­ti­tä­ren Atta­cke gegen die Isla­mi­sie­rung, der Bil­dung einer euro­pa­wei­ten Pha­lanx, die auch das (neo)konservative Bedürf­nis­se nach Recht und Ord­nung, auch das bür­ger­li­che Bangen um Ruhe und Wohl­stand schüt­zen wird, aber die uni­ver­sa­lis­ti­sche Welt­mis­si­on zum ega­li­ta­ris­ti­schen Welt­markt und die selbst­zer­stö­re­ri­sche Deka­denz eisern aus­grenzt und im kom­men­den Sturm vor die Hunde gehen lässt. Der wahre Sinn und die unbe­wuss­te Inten­ti­on der Islam­kri­tik ist die iden­ti­tä­re, geis­ti­ge Recon­quis­ta und die euro­päi­sche Pha­lanx um unsere eth­no­kul­tu­rel­le Identität. 

Denn die Sehn­sucht nach dem ver­flos­se­nen HEROISMUS im Libe­ra­lis­mus, die Sehn­sucht nach dem PATRIOTISMUS in der Ver­fas­sung, nach der GEMEINSCHAFT und ABGRENZUNG im staats­bür­ger­li­chen Rahmen (sogar des ius solis) ist es, der die Islam­kri­ti­ker antreibt. Es ist die Sehn­sucht nach dem, was am Libe­ra­lis­mus Stütz­pfei­ler, Ord­nung, Waffe und Krie­ger­ethos war und was iden­ti­tä­re Anti­deut­sche heute fre­ne­tisch als „Auf­klä­rung in Waffen“ abfei­ern. Es ist die Waffe, die den Islam­kri­ti­ker fas­zi­niert, nicht die Auf­klä­rung. Es ist das „mili­tans“, nicht das „eccle­sia“, das die Apos­tel dieses neuen uni­ver­sa­lis­ti­schen Ent­wurfs antreibt, der nie zum Wurf kommen wird. Es ist die, in unse­ren letz­ten Arti­keln aus­ge­führ­te, Son­der­stel­lung des par­ti­ku­la­ren Sub­jekts des Uni­ver­sa­lis­mus, der die Islam­kri­ti­ker im real exis­tie­ren­den Uni­ver­sa­lis­mus der Schuld und des Selbst­has­ses nachtrauern. 

Die Islam­kri­tik hat dieses Denken im Licht der Selbst­er­hal­tung, dass der neo­kon­ser­va­ti­ve Robert Kagan bis­lang unüber­trof­fen im schi­zo­phre­nen Satz „Among our­sel­ves, we keep the law, but when ope­ra­ting in the jungle, we must also use the laws of the jungle“ zusam­men­fass­te, kul­ti­viert. Das ist für eine salon­taug­li­che Kritik am Unter­gang des Abend­lan­des recht nett, für einen bewe­gen­den Mythos aber reicht es nicht. Trotz­dem kann und soll dieses iden­ti­tä­re Bewusst­sein um die theo­re­tisch-uni­ver­sa­lis­ti­sche Ver­feh­lung aber die inten­tio­nal-iden­ti­tä­re Sehn­sucht der Islam­kri­tik, die Brücke zum Ver­ständ­nis und zur Zusam­men­ar­beit legen.

Der Text hat mit Carl Schmitt begon­nen und soll auch mit ihm schlie­ßen. Nie­mals so schreibt er, sei es dem christ­li­chen Europa, trotz pro­kla­mier­ter, uni­ver­sa­ler „Fein­des­lie­be“ ein­ge­fal­len, man müsse „aus Liebe zu den Sara­ze­nen oder den Türken Europa, statt es zu ver­tei­di­gen, dem Islam aus­lie­fern.“ Ein Schluss­satz, den sich die heu­ti­gen iden­ti­tä­ren Hopli­ten in ganz Europa viel­leicht zum Geleit­wort für ihre „Front der Patrio­ten“ nehmen sollten.