Der „Info­krieg“ ist seit eini­gen Jahren in aller Munde. In der Spät­pha­se des Bevöll­ke­rungs­aus­tauschs boomt, wäh­rend sowohl rechte Par­tei­en als auch rech­ter Akti­vis­mus sta­gnie­ren, das Gewer­be rech­ter Medi­en­ma­cher. Auf You­Tube, Twit­ter, TikTok, Face­book, V‑Kontakte, Tele­gram und zahl­lo­sen Blogs und Info­sei­ten stel­len tau­sen­de, mehr oder weni­ger Intel­li­gen­te, mehr oder weni­ger Intel­li­gen­tes ins Netz und nennen das „Info­krieg“. Im Ver­gleich zu besag­ten patrio­ti­schen Par­tei­en und Bewe­gun­gen, herrscht in diesem Sektor eine regel­rech­te Auf­bruchs- und Gold­grä­ber­stim­mung. Teil­wei­se geschieht das zulas­ten des Akti­vis­mus. Der Trend geht vom Akti­vis­ten zum Influ­en­cer und vom Leiter einer Bewe­gung zum „Opi­ni­on Leader“. Auch die Zuse­her schei­nen (noch) begeis­tert zu sein, jubeln ihren Idolen zu sehen in ihnen Hoff­nungs­trä­ger. Doch worauf rich­tet sich dieses Hoffen? Kaum jemand fragt, was eigent­lich das stra­te­gi­sches Ziel des „Info­kriegs“ ist und ob es ver­tret­bar ist, so viel Zeit und Ener­gie an die „Front“ zu ver­la­gern. Genau das wollen wir in diesem Text tun, indem wir eine (ernüch­tern­de) stra­te­gi­sche Ana­ly­se der Gegen­öf­fent­lich­keit vor­neh­men, die ihre Gren­zen, ebenso wie ihre Ver­lo­ckung erklärt.

Info­krieg und Terror

Die Öffent­lich­keit nimmt in unse­rem System eine beherr­schen­de Stel­lung ein. Mehr noch als zu Gram­scis Leb­zei­ten domi­niert die Meta­po­li­tik, die poli­ti­sche Sphäre. Lagen Anfang des 20. Jahr­hun­derts in Europa noch echte poli­ti­sche Macht­po­ten­tia­le in Armee und Poli­zei, so hat sich das Zen­trum des Ein­flus­ses heute kom­plett in die „ideel­len Macht­mit­tel“ ver­la­gert. Wer diese, ob in ihrer feinen kon­zen­trier­ten Form, als aka­de­mi­sche Arbei­ten, Exper­ten­dos­siers, etc. oder in Grob­form, als mas­sen­me­dia­le Pro­pa­gan­da unters Volks bringt, kon­trol­liert die Debat­te, das Mei­nungs­kli­ma und damit die Politik.

War es im alten Rom noch mög­lich, dass ein erfolg­rei­cher Feld­herr mit seinen Legion in der urbs ein­mar­schier­te und die Macht an sich riss, kann in machen „Failed States“heute noch ein erfolg­rei­cher War­lord Par­la­men­te belie­big abset­zen, so ist das in West­eu­ro­pa aus meh­re­ren Grün­den undenk­bar. Ers­tens befin­den wir uns im Vasal­len­stand und sind unter dem geo­po­li­ti­schen Rake­ten­schirm der USA quasi ent­mi­li­ta­ri­siert. Zwei­tens sind die herr­schen­de Gesell­schafts- und Regie­rungs­form und ihre Legi­ti­mi­tät derart in Fleisch und Blut über­ge­gan­gen, dass kein Putsch an die Macht jemals von der Gesell­schaft, oder umlie­gen­den Staa­ten aner­kannt werden würde. Vor dem 2. Welt­krieg waren breite Schich­ten der linken und rech­ten Oppo­si­ti­on bereit zum Putsch. Er war auch in Europa damals nichts unüb­li­ches. Wären Teile der radi­ka­len Linken auch wäh­rend des kalten Kriegs noch zu einem gewalt­sa­men Putsch bereit gewe­sen um eine andere Staats- und Regie­rungs­form ein­zu­füh­ren, so ist das heute nicht mehr der Fall. (All das kann sich durch unvor­her­seh­ba­re Ereig­nis­se natür­lich ändern. Doch über diese zu spe­ku­lie­ren ist hier unan­ge­bracht. Es gilt den Status quo, wie er heute ist, zu ana­ly­sie­ren.) Letzte alt­rech­te Träume von einem Armee­putsch, schei­ter­ten im mili­tan­ten Akti­vis­mus der OAS. Der pein­li­che Mili­tanz-Fetisch vieler Alt­rech­ter, die Ver­wechs­lung von Macht und Gewalt, ver­schwand den­noch nicht und hielt sich in Wehr­sport­übun­gen und Träu­men vom Auf­stand. Das abso­lu­te Mono­pol der Meta­po­litk, im Spiel um poli­ti­sche Macht das der­zeit in West­eu­ro­pa vor­herrscht, ist ein eiser­ner Fakt. Jeder Rechte der ver­sucht mili­tan­ten Grup­pen auf­zu­bau­en oder die Armee zu unter­wan­dern lebt in einer Traum­welt. Wenn er erfolg­reich ist, wird er ent­we­der sofort ver­haf­tet, oder als nütz­li­cher Idiot für die Stra­te­gie der Span­nung miss­braucht und danach ver­haf­tet. Im Ter­ro­ris­mus, der auch schon den Traum von Putsch und gewalt­sa­mer Über­nah­me auf­ge­ge­ben hat zeigt sich der end­gül­ti­ge stra­te­gi­sche Bank­rott und die psy­cho­pa­tho­lo­gi­sche Wurzel dieser mör­de­ri­schen Ver­zweif­lungs­ta­ten. Sie sollen zual­ler­erst dem Täter ein „gutes Gefühl“ ver­mit­teln, indem er sich damit ver­ge­wis­sert „zum Äußers­te gegen“ zu sein und, bestä­tigt durch die media­le Bericht­erstat­tung, „einen Effekt“ bewirkt zu haben. Und das trifft auch zu: der Ter­ro­rist hat das äußerst mög­li­che Idio­ti­sche und Inhu­ma­ne getan um seinen ideo­lo­gi­schen Grö­ßen­wahn zu befrie­di­gen, sowie seine poli­ti­schen Plan­lo­sig­keit und stra­te­gi­sche Impo­tenz zu kom­pen­sie­ren. Der „Effekt“ die er erzielt ist auch durch­haus groß, nur nützt und beschleu­nigt er genau den Pro­zess den er zu bekämp­fen vorgab.
Der digi­ta­le Info­krie­ger, würde bis jetzt wohl zustim­mend nicken. Er hat mit Terror nichts am Hut und teilt die Ana­ly­se der tota­len Macht­ver­la­ge­rung ins Meta­po­li­ti­sche. Ja, er sieht seine Tätig­keit als die rich­ti­ge Stra­te­gie in dieser Lage. Dum­mer­wei­se ist sie das nicht. Im schlimms­ten Fall ist ein ziel- und aus­sichts­lo­ser Info­krieg sogar Mit­schuld an Ohn­macht und Ver­zweif­lung, die oben beschrie­be­ne Taten hervorbringt.

Wo ist das Mani­fest des Infokriegs?


Wagen wir eine stra­te­gi­sche Ana­ly­se der Gegen­öf­fent­lich­keit. Wenn das pri­mä­re Ziel rech­ter Anstren­gun­gen einen poli­ti­schen Macht­wech­sel bedeu­tet, muss jeder Ansatz sich genau danach recht­fer­ti­gen. Wenn deine Tätig­keit nicht im Rahmen einer sinn­vol­len Stra­te­gie zur Erlan­gung poli­ti­scher Macht bei­trägt, ist sie wert­los und allen­falls poli­ti­sche Selbst­be­frie­di­gung. In dem Fall lautet die Frage nur noch, ob du damit ande­ren, welche sinn­vol­le Stra­te­gien ver­fol­gen, scha­dest. Wenn ja dann soll­test du am besten gar nicht tun. Neben dem par­tei­po­li­ti­schen Ansatz und einer mili­tant-ter­ro­ris­ti­schen Stra­te­gie, (die wir hier XXX näher ana­ly­siert haben), bestehen im patrio­ti­sche Lager akti­vis­ti­sche Ansät­ze und die Gegen­öf­fent­lich­keit. Der­zeit gibt es, bezeich­nend und typisch für das rechte Lager, kaum revo­lu­ti­ons­theo­re­ti­sche Texte, geschwei­ge denn Mani­fes­te zu einer Stra­te­gie des Info­kriegs. Wir wollen den viel­be­schäf­tig­te Vlog­gern und Blog­gern daher diese Arbeit abneh­men. Der Info­krieg erkennt zurecht die Sphäre der Meta­po­li­tik als die ent­schei­den­de und die Mas­sen­me­di­en als die zen­tra­le Säule der poli­ti­schen Macht. Zurecht ver­mu­ten die Ver­tre­ter des Info­kriegs, dass, hätte man die Maschi­nen zur Mei­nungs­ma­che in der Hand (quasi das Eigen­tum an den Pro­duk­ti­ons­mit­teln der Kul­tur­in­dus­trie), dann wäre man in der Lage die­sel­be sozia­le Kon­trol­le über Gesell­schaft, Wirt­schaft und Par­tei­en aus­zu­üben, wie es die der­zei­ti­gen Macht­ha­ber tun. Träum­ten Rechte vor Jahren noch vom „Tag X” an dem man die Radio­sta­tio­nen beset­zen und die NPD-Schul­hof-CD auf allen Kanä­len abspie­len würde, sind Info­krie­ger etwas schlau­er gewor­den. Ihr Ziel ist es, als Medi­en­gue­ril­la, unter Aus­nut­zung, moder­ner bil­li­ger Pro­duk­ti­ons­mit­tel und neuer Mög­lich­kei­ten der Ver­brei­tung eine Gegen­öf­fent­lich­keit zu schaf­fen, welche, kraft ihrer Authen­ti­zi­tät und Wahr­heit, die herr­schen­de Öffent­lich­keit erst ver­drän­gen und später erset­zen soll. Auf den ersten Blick scheint diese Stra­te­gie erfolg­reich zu sein. In den letz­ten 10 Jahren konnte im links­li­be­ra­len Westen ein Mil­lio­nen­pu­bli­kum von eta­blier­ten, sys­tem­treu­en und ‑höri­gen Medien abge­zo­gen und in eine wach­sen­de alter­na­ti­ve Medi­en­land­schaft ein­ge­bun­den werden. Diese ist so groß und divers, dass sie bereits einen eige­nen klei­nen Kosmos dar­stellt. Die Hoff­nung der Info­krie­ger ist, dass dieser Trend weiter geht und über die virale Ver­brei­tung ihrer Inhal­te immer mehr Leute den geis­ti­gen „Opt-Out“ wählen und zu einer wach­sen­den Masse an kri­tisch Den­ken­den werden. So weit so gut. Leider gerät es hier ins Sto­cken.
Wie es wei­ter­ge­hen soll, was diese kri­ti­sche Masse tun und bewir­ken soll, bleibt im Dunk­len. Wir haben jedoch eine Ver­mu­tung: like, teilen, sub­scri­ben und bei Patre­on unter­stüt­zen. Die Stra­te­gie der Info­krie­ger wurde nie ver­schrift­licht, weil jeder der sich die Mühe macht, die höhere Ziel­lo­sig­keit dieses Tuns ein­se­hen müsste. Das dif­fu­se Gefühl mit dem hun­derts­ten patrio­ti­schen Blog, den Reka­ti­ons­vi­de­os auf Bild­schlag­zei­len, den Nischen­pod­casts, Ein­zel­fall­maps, oder Fak­ten­da­ten­ban­ken „irgend­wie“ an einem großen Plan mit­zu­ar­bei­ten, will man sich mit einer stra­te­gi­schen Ana­ly­se nicht zer­stö­ren. Außer­dem hat man sowie­so heute Abend keine Zeit dazu, da man, noch vor der patrio­ti­schen Kon­kur­renz, den neus­ten Tweet von Chebli mit einem Video kom­men­tie­ren muss — vor­zugs­wei­se live.
Im Fol­gen­den wollen wir in meh­re­re Punk­ten die Pseu­do­stra­te­gie des Info­kriegs sezie­ren und widerlegen.

Die Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge

Die Öffent­lich­keit ist des­we­gen das Zen­trum der poli­ti­schen Macht, weil diese heute durch gesell­schaft­li­che Stim­mun­gen und Debat­ten zustan­de kommt. Poli­ti­sche Wahlen sind nichts ande­res als ein Stim­mungs­test. Sie frie­ren die emo­tio­na­le Gemenge­la­ge der Gesell­schaft kurz ein, und ent­neh­men eine poli­ti­sche Gewe­be­pro­be, die dann für eine zeit­lang die Zusam­men­set­zung der Par­la­men­te bestimmt. Diese emo­tio­na­le Gemenge­la­ge wird natür­lich von realen Fak­to­ren, wie etwa der jungen Maria Laden­bur­ger, die von einem Migran­ten, ver­ge­wal­tigt, bis zur Bewusst­lo­sig­keit vagi­nal gefol­tert und dann ertränkt wird, beein­flusst. Diese realen Fak­to­ren drin­gen jedoch fast nur mehr über ihre digi­ta­le Reprä­sen­ta­ti­on, mit emo­tio­na­lem und ideo­lo­gi­schen Framing ver­se­hen, ans Bewusst­sein der Bevöl­ke­rung. Es gibt einmal die gesell­schafts­po­li­ti­sche Wirk­lich­keit und es gibt auch die­je­ni­gen, die sich zwi­schen die Wirk­lich­keit und ihre Emp­fän­ger schal­ten und über sie Bericht erstat­ten. Ein Bild, wel­ches die Lage ver­deut­li­chen könnte, ist ein Mensch der in einem Atom­bun­ker ein­ge­schlos­sen ist. Über Kame­ras und Mikro­fo­ne sieht er was an der Ober­flä­che von­stat­ten geht. Zwi­schen diese Kame­ras und seine Bild­schir­me ist jedoch eine „Redak­ti­on“ geschal­tet, die das was er sieht redi­giert, mit Musik und Kom­men­ta­re unter­legt und pas­send zusam­men­schnei­det.
Mit dieser Bericht­erstat­tung kon­trol­liert und domi­niert die Öffent­lich­keit die Massen indem sie eine „Norm-Mei­nung“ zu Themen wie Migra­ti­on und „Fücht­lin­gen“ ebenso wie zu Per­so­nen wie Björn Höcke oder Angela Merkel und Orga­ni­sa­tio­nen wie IB und AfD kon­stru­iert. Zitier­kar­tel­le und gegen­sei­ti­ge Kon­trol­le erzeu­gen einen engen Mei­nungs­kor­ri­dor, der dem berühm­ten Over­ton-Fens­ter ent­spricht. Über die Kon­trol­le dieses Fens­ters, kon­trol­liert die Öffent­lich­keit Die Debat­te, das Mei­nungs­kli­ma und damit lang­fris­tig auch die Wahlen. Des­we­gen ent­wi­ckel­ten sich alle west­li­chen „Demo­kra­tie“, in den letz­ten Jahr­zehn­ten fast haar­ge­nau in die glei­che Rich­tung. Eigent­lich sollte man ver­mu­ten, dass eine Viel­zahl an demo­kra­ti­schen Staa­ten, eine Viel­zahl an Gesell­schafts­for­men, poli­ti­schen Expe­ri­men­ten und wirt­schaft­li­chen Sys­te­men her­vor­bräch­te. Doch das genau Gegen­teil ist der Fall. Auto­ri­tä­re Staa­ten sind sogar wesent­lich viel­fäl­ti­ger und vari­an­ten­rei­cher als der Ein­heits­block, mul­ti­kul­tu­rel­ler, welt­of­fe­ner, links­li­be­ra­ler „freier“, west­li­cher Staaten.

Eine wei­te­re Meta­pher: Nimmt man das „Mei­nungs­kli­ma“ beim Wort und ver­gleicht die Öffent­lich­keit mit einer Kli­ma­an­la­ge, so stel­len die Wahlen eine regel­mä­ßi­gen Tem­pe­ra­tur­mes­sung dar. Das „Außen­kli­ma“, also die poli­ti­sche Lage bein­flusst das Raum­kli­ma und ver­ur­sacht Schwan­kun­gen aber ins­ge­samt folgt das Raum­kli­ma der Kli­ma­an­la­ge. „Hit­ze­wel­len“, wie eine Migra­ti­ons­kri­se 2015, können die Raum­tem­pe­ra­tur kurz­fris­tig ändern und eine „heiße“ Partei an die Macht brin­gen. Doch da die Kon­trol­le über die Kli­ma­an­la­ge dabei unan­ge­tas­tet bleibt, kühlt sich alles bald auf die Tem­pe­ra­tur ab, die linke Par­tei­en bevor­zugt und Cuck­ser­va­ti­ve zwingt sich anzu­pas­sen und deren Ideen zu über­neh­men. (Eine Krise kann das Haus zum Ein­sturz brin­gen, der Anlage den Saft abdre­hen oder eine neue Hit­ze­wel­le ver­ur­sa­chen. Das ist aber nicht Gegen­stand dieser stra­te­gi­schen Lageanalyse.)

Von Over­ton­fens­ter, zu Kli­ma­an­la­ge und Info-Bunker — wer nach dieser Meta­phern­ar­ma­da noch immer nicht die Domi­nanz und Wir­kung der Öffent­lich­keit ver­stan­den hat, muss nicht wei­ter­le­sen. Alle ande­ren ver­ste­hen poli­ti­sche Wahlen nun hof­fent­lich nicht mehr als etwas „Mys­ti­sches“ und „Über­ra­schen­des“ son­dern als regu­lä­re Grad­mes­sung in einem System, das vom Gegner tem­pe­riert wird.

Big Other — die Norm­set­zen­de Kraft der Medien

Die Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge der Medien übt auch zwi­schen den Wahlen stän­di­ge sozia­le Kon­trol­le aus. Sie lotet alle Schi­ka­ne­mög­lich­kei­ten im rechts­staat­li­chen Rahmen aus und beugt ihn, wo es für ihre Agenda nötig ist. Von der de facto Lega­li­sie­rung der Abtrei­bung bis zur Aus­set­zung des Frem­den­rechts 2015, von der sys­te­ma­ti­schen Nicht­ver­fol­gung links­ter­ro­ris­ti­scher Gewalt bis zur ebenso sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung rech­ter Mei­nungs­äu­ße­run­gen — dahin­ter steht als trei­ben­de Kraft die feind­li­che Öffent­lich­keit. Neben der Beu­gung und Aus­he­bung des Rechts­staats schafft die Öffent­lich­keit exakt den Zustand, den Alexis de Toc­que­vil­le über die Demo­kra­tie in den USA schrieb: „Unter der unum­schränk­ten Allein­herr­schaft schlug der Des­po­tis­mus in roher Weise den Körper, um die Seele zu tref­fen; und die Seele, die diesen Schlä­gen ent­wich, schwang sich glor­reich über ihn hinaus; in den demo­kra­ti­schen Repu­bli­ken jedoch geht die Tyran­nei nicht so vor; sie über­geht den Körper und zielt gleich auf die Seele. Der Herr­scher sagt nicht mehr: ent­we­der du denkst wie ich oder du bist des Todes; er sagt: du bist frei, nicht so zu denken wie ich; du behältst dein Leben, deinen Besitz, alles; aber von dem Tag an bist du unter uns ein Fremd­ling. Du behältst deine Vor­rech­te in der bür­ger­li­chen Gesell­schaft, aber sie nützen dir nichts mehr; denn bewirbst du dich um die Stimme deiner Mit­bür­ger, so werden sie dir diese nicht geben, und begehrst du bloß ihre Ach­tung, so werden sie tun, als ob sie dir auch diese ver­wei­ger­ten. Du bleibst unter den Men­schen, aber du büßest deine Ansprü­che auf Mensch­lich­keit ein. Näherst du dich deinen Mit­men­schen, werden sie dich wie ein unrei­nes Wesen flie­hen; und selbst die an deine Unschuld glau­ben, werden dich ver­las­sen, denn auch sie würden gemie­den. Ziehe hin in Frie­den, ich lasse dir das Leben, es wird aber für dich schlim­mer sein als der Tod.“

Die Dik­ta­tur der Öffent­lich­keit kann jeden Beam­ten und Ange­stell­ten in die Ent­las­sung und jeden Betrieb und Unter­neh­mer in den Ruin trei­ben. Sie kann jeden Ver­an­stal­ter dazu brin­gen, dir seine Räume zu ver­wei­gern und jede Bank dir ihrer Konten zu kün­di­gen. Die sozial ver­nich­ten­de Wir­kung der Öffent­lich­keit ermög­licht ihr eine sozia­len Kon­trol­le die Dis­si­den­ten, Par­tei­en und Bewe­gun­gen zu Getrie­ben macht, und Sym­pa­thi­san­ten mit dra­ko­ni­schen Exem­peln abschreckt. Ent­schei­dend ist: für diese Wir­kung ist es egal ob die betei­lig­ten dem media­len Ver­dikt glau­ben. Zur Ver­an­schau­li­chung dient hier ein Bei­spiel:  In einem klei­nen Dorf in West­deutsch­land gibt es einen Gast­wirt, über den eine lokale Anti­fa­grup­pe, mit ille­gal beschaff­ten Infor­ma­tio­nen bekannt macht, dass er in seiner Jugend in radi­ka­len rech­ten Grup­pen unter­wegs war und heute Teil der AfD ist. Die Presse greift das auf und schreibt über den „Nazi­wirt“. Der CDU-Bür­ger­meis­ter distan­ziert sich. Alle Kunden, die bisher ihre Feiern und Ver­an­stal­tun­gen dort abhiel­ten, von der Feu­er­wehr bis zur Gewerk­schaft, sagen ab. Sie mögen sogar selbst AfD Wähler, oder Sym­pa­thi­san­ten sein, doch sie können das nicht vor ihrem Verein, oder Betrieb ver­ant­wor­ten. Das Kains­mal der Dif­fa­mie­rung wirkt über den Effekt des „Big Other“, den Jean Ras­pail tref­fen beschrie­ben hat. Auch wenn man weiß, dass es eine Lüge ist, weiß man, dass jeder sie lesen, und wenn er nicht bereits teil der Oppo­si­ti­on ist, glau­ben wird. Da man aber nie weiß wer Teil der Oppo­si­ti­on ist muss man bei jedem Gegen­über davon aus­ge­hen, dass er die Lüge glaubt. So erhält die Öffent­lich­keit eine norm­set­zen­de Kraft.
Nicht die weni­gen radi­ka­len Anti­fas, son­dern die vielen des­in­ter­es­sier­ten Nor­ma­los, die am Rande etwas von dem „Nazi-Wirt“ lesen oder hören und ihn fortan meiden, sind das Pro­blem. Die norm­set­zen­de Kraft der Öffent­lich­keit kon­trol­liert und pro­gram­miert diese NPCs, in täg­li­chen Mei­nungs­up­dates und diri­giert ihr Sozial- und Kon­su­mer­hal­ten. Ihr Kains­mal bedeu­tet daher den sozia­len und wirt­schaft­li­chen Tod. Dem Betrof­fe­nen, der sein bür­ger­li­ches Leben wei­ter­füh­ren will, bleibt nur,
a) die totale Ernied­ri­gen und ideo­lo­gi­sche Selbst­ent­lei­bung in der Hoff­nung auf Reha­bi­li­tie­rung, 
b) der Umzug und Rück­zug aus der Öffent­lich­keit und die Hoff­nung auf ein gnä­di­ges Ver­ges­sen
c) oder in ganz kras­sen Fällen das Exil.


Um es klar zu machen: die Gegen­öf­fent­lich­keit kann und wird nie­mals eine solche norm­set­zen­de Kraft für die Gesell­schaft aus­üben, wenn sie nicht ein Zufall an die Macht spült. Sie ist weit davon ent­fernt und nimmt schon, per defi­ni­tio­nem die Rolle des Außen­sei­ters ein. Wenn die Gegen­öf­fent­lich­keit eine Person atta­ckiert eilt ihr die Gesell­schaft in der Regel zur Hilfe und sie pro­fi­tiert davon.
Nur im inter­nen Kosmos der Dis­si­den­ten (böse Zungen könn­ten ihn „Blase“ nennen“) hat die Gegen­öf­fent­lich­keit diese norm­set­zen­de Kraft. Man kann inter­ne Debat­ten der AfD beein­flus­sen und beflü­gen. Man kann ideo­lo­gi­sche Lager­krie­ge zwi­schen Heiden und Chris­ten, Liber­tä­ten und Sozia­lis­ten, eGirls und Incels, etc. mit­ent­schei­den. Man kann Ein­zel­per­so­nen aus dem eige­nen Lager ver­nich­ten, öffent­lich kri­ti­siert. Kurz, die Gegen­öf­fent­lich­keit ent­fal­tet nur eine „inter­ne norm­set­zen­de Kraft“, die im besten Fall Oppor­tu­nis­ten und Extre­mis­ten aus­schei­den, im schlimms­ten Fall aber soge­nann­ten „Rein­heits­spi­ra­len“  in Gang setzen kann. Abge­se­hen von dieser inter­nen Wir­kung bleibt die Gegen­öf­fent­lich­keit auf ihre Under­dog-Rolle beschränkt.
Wir betrach­ten in der Folge zwei ent­schei­den­de Gründe warum die Öffent­lich­keit an eine glä­ser­ne Decke stößt und nie­mals die Gegen­öf­fent­lich­keit ablö­sen, sowie ihre norm­set­zen­de Sozial- und Mei­nungs­kon­trol­le ein­neh­men kann. Der erste Grund liegt in ihrer ideo­lo­gie­be­frei­ten Ober­fläch­lich­keit und der zweite ist das liebe Geld, mit dem wir anfan­gen wollen:


Per­so­nel­le und Finan­zi­el­le Ressourcen

Redak­tio­nen sind in der Regel ein mil­lio­nen­schwe­res Ver­lust­ge­schäft. Spä­tes­tens seit der Digi­ta­li­sie­rung der Medi­en­welt und der copy-paste Kultur sind Kon­su­men­ten an kos­ten­lo­se Nach­rich­ten gewöhnt. Pay­walls ändern daran bisher wenig und funk­tio­nie­ren nur für aus­ge­wähl­te Nischen­an­ge­bo­te zah­lungs­wil­li­ger Ziel­grup­pen. Daraus ergibt sich, dass Ein­nah­men fast nur mehr über Wer­bung mög­lich sind, was sich nur bei großen Klick­zah­len rech­net. Das Zwing Medi­en­pro­du­zen­ten ihren Inhalt auf Vira­li­tät und ein­fa­che Zun­gäng­lich­keit hin zu adap­tie­ren. Das führte zuletzt auch die kon­ser­va­tivs­ten Medi­en­häu­ser auf die großen digi­ta­len Platt­for­men, die dank des Netz­werk­ef­fekts Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­no­po­le auf­ge­baut haben. Da in der Regel die Ein­nah­men immer noch nicht aus­rei­chen um die Mil­lio­nen­kos­ten für Büros, Tech­nik und Ange­stell­te zu tragen, über­le­ben die meis­ten Medien der herr­schen­den Öffent­lich­keit ohne Pres­se­för­de­rung der Poli­tik nicht. Was beu­te­tet das für die Gegen­öf­fent­lich­keit und den Info­krieg?
Rele­van­te Wer­be­ein­nah­men sind für sie bis auf wei­te­res unmög­lich. Die norm­set­zen­de Macht der Öffent­lich­keit und ihre sozia­le Kon­trol­le lassen das nicht zu und atta­ckiert ent­we­der die Wer­be­trei­ben­den oder die wer­be­ver­mit­teln­den Netz­wer­ke (You­Tube, Google ads), bis sie Info­krie­ger aus ihren Sys­te­men bannen. Poli­ti­sche För­de­run­gen bekom­men die Dis­si­den­ten, welche die herr­schen­de Macht­eli­te her­aus­for­dern erst recht nicht. Das ist rea­lis­ti­scher­wei­se, lang­fris­tig und im aus­rei­chen­den Umfang, erst dann mög­lich, wenn sie bereits am Ziel und damit in ihrer revo­lu­tio­nä­ren Funk­ti­on unnö­tig gewor­den sind.
Die ein­zi­ge Finan­zie­rungs­mög­lich­keit die bleibt ist Crowd­fun­ding. Doch auch hier bannen alle Zah­lungs­netz­wer­ke (Paypal, Patro­en, etc.) immer häu­fi­ger große Kanäle und Medi­en­ma­cher, was auf Grund der Gewöh­nung der Kon­su­men­ten mit ein paar Klicks zu bezah­len, mas­si­ve Ein­bus­se für die Betrof­fe­nen ver­ur­sacht. Dubio­se Bank­kon­ten in Über­see und Cryp­to­wäh­run­gen, die den meis­ten als letzte Zuflucht blei­ben, bedeu­ten eine mas­si­ve Hürde für Crowd­fun­ding, das auf vielen klei­nen frei­wil­li­gen Spen­den basiert. Dierse werden von einer Masse an Ange­spro­che­nen in einem flüch­ti­gen Augen­blick der Spen­den­be­reit­scahft, in der Regel nach einem emo­tio­na­len Appell am eines Videos getä­tigt. Dieser Moment ist meist ver­flo­gen wenn der so Beweg­te sich vorher ein Cryp­tow­al­let anle­gen, oder irgend­wo einen IBAN ein­tip­pen muss. Eine wei­te­re Grund­la­ge des Crwod­fun­dings, die Reich­wei­te, kann durch das Deplat­forming ebenso jeder­zeit weg­ge­zo­gen werden. Der Platt­form­ef­fekt macht die Vor­tei­le, die das Inter­net für den rech­ten Info­krieg brach­te, somit teil­wei­se wieder wett. Aber warum soll das Geld über­haupt ein Pro­blem sein? Es geht doch um ein idea­lis­ti­sches Ziel! Das stimmt, doch um die feind­li­che Öffent­lich­keit an Reich­wei­te und Qua­li­tät ein­zu­ho­len, oder gar zu über­tref­fen ist Pro­fes­sio­na­li­tät, also haupt­be­ruf­li­che und arbeits­tei­li­ge, kon­ti­nu­ier­li­che Arbeit, nötig. Das ist ohne teuere Anstel­lungs­ver­hält­nis­se und räum­li­che Nähe in teuren Büros und nicht mög­lich. Kein ein­zi­ges alter­na­ti­ves Medium hat eine der­ar­ti­ge Größe erreicht. Mata­do­ren wie „Info­wars“ wurden deplat­for­med und ent­mo­ne­ta­ri­siert. Ange­hen­de Medi­en­im­pe­ri­en wie „Rebel Media“ oder Tommy Robin­sons Platt­form ging es ebenso. Somit ist es für das Gros der Gegen­öf­fent­lich­keit finan­zi­ell nicht lang­fris­tig, betrieb­lich zu planen, Redak­ti­ons­ge­bäu­de anzu­mie­ten, echte Talen­te anzu­stel­len und halten zu können. Die Unsi­cher­heit und Vola­ti­li­tät in diesem Bereich führt not­wen­dig zu zahl­rei­chen Ein-Mann Betrie­ben. Auto­di­dak­ti­sche Tau­send­sas­sas, die meist nur zeit­wei­se mit  wech­sel­den­den, tem­po­rä­ren Mit­ar­bei­tern arbei­ten und nie lang­fris­tig planen können.  Das funk­tio­niert auf einem nied­ri­gem Niveau, wird aber nie­mals in der Lage sein die Öffent­lich­keit zu über­tref­fen. Eini­ges könnte durch eine bes­se­re Orga­ni­sa­ti­on des Bestehen­den über Syn­er­gie­ef­fek­te wett gemacht werden. Doch mit den Gigan­ten gleich­zu­zie­hen wird durch diese struk­tu­rel­le Benach­teil­gung ver­hin­dert.
Wer diesen Fakt als raf­fi­nier­ten Spen­den­auf­ruf nutzt und mit Ver­weis auf die Rund­funk­ge­büh­ren oder das Budget dieser Gigan­ten um Unter­stüt­zung weibt, um „mit­hal­ten zu können“ gau­kelt dem Zuse­her und Unter­stüt­zer eine Utopie vor. Alle ver­su­che alter­na­ti­ve Fin­Tech auf­zu­bau­en, die eine nach­hal­ti­ge Finan­zie­rung und den orga­ni­schen Aufbau großer Unter­neh­men, Arbeits­tei­lung und die Anstel­lung talen­tier­ter Ange­stell­ter ermög­li­chen könn­ten, wurden bisher durch­kreuzt. Denn letzt­lich ist die Basis aller hüb­schen Bezahl­sei­ten immer ein Ver­trag mit Paypal, Stripe, einem Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­men, oder einer Bank. All diese sind aber in ein glo­ba­les Finanz­sys­tem ein­ge­bun­den, das konn­gru­ent mit der poli­ti­sche Agenda unse­res Geg­ners ist. Ein­zel­ne mil­li­ar­den­schwe­re Mäzene „leis­ten“ sich hin und wieder Groß­spen­den, wie im Falle Kra­win­kel. Der­sel­be Fall zeigt aber, welche Macht die sozia­le Kon­trol­le der Öffent­lich­keit sogar auf diesen altern­de Mil­li­ar­där hat, dem schon wirk­lich alles egal sein könnte. Wenn einem aber dann etwa die eige­nen Kinder den Kon­takt zu den Enkeln ver­weh­ren trifft das auch den grei­sen Geld­ge­ber. Einer ande­rer Fall in Öster­reich, das rechte Maga­zin „Alles Roger“, des ver­mut­lich patrio­ti­schen Mil­lio­närs Ronny Seunig, wurde eben­falls ein­ge­stellt. In diesem Inter­view XXX spricht der Mana­ger über seine Ent­schei­dung. Ein Gerücht, das die Runde macht ver­weist auf einen unaus­ge­spro­che­nen Grund. Angeb­lich hat ein mäch­ti­ger linker Unter­neh­mer poli­ti­schen Druck auf Seunigs Ein­nah­me­quel­len aus­ge­übt, damit er das Pro­jekt, das zeit­wei­se einige rechte Jour­na­lis­ten bezah­len konnte, abdreh­te. Einige ent­fernt patrio­ti­sche, pri­vat­fi­nan­zier­te Pro­jek­te wie „Servus TV“ lässt man wider­wil­lig gewäh­ren, neu­rech­te, oder liber­tä­re Fach­ma­ga­zi­ne schaf­fen es finan­zi­ell zu über­le­ben und Redak­tio­nen zu betrei­ben, doch es ver­steht sich von selbst, dass sie keine Revo­lu­ti­on der Gegen­öf­fent­lich­keit bewir­ken werden. Unsere These ist: jedes große Pro­jekt der Gegen­öf­fent­lich­keit das gefähr­lich werden könnte, würde über die Kon­troll­mit­tel der Öffent­lich­keit finan­zi­ell ver­nich­tet, indem ihre Geld­ge­ber, Geld­quel­len und koope­rie­ren­den Banken ver­nich­ten werden. Es gibt keine Vertrags‑, Erwerbs- und Gewer­be­frei­heit für „rech­ten Hass“.
Die Mas­sen­me­di­en der feind­li­chen Öffent­lich­keit sind daher, so ernüch­ternd das klingt durch einen schier unüber­wind­li­chen, sys­te­mi­schen „Pay­wall“ vor jeder schlei­chen­den Erset­zung durch die Gegen­öf­fent­lich­keit geschützt. Durch ihre norm­set­zen­de Macht des „Big Other“ und ihre Kon­trol­le über die Poli­tik siche­ren sie sich das Mono­pol auf öffent­li­che För­de­run­gen. Mit den­sel­ben Mit­teln stel­len sie sicher, dass die Gegen­öf­fent­lich­keit nie­mals durch Wer­bung, außer­halb ihres alter­na­ti­ven Kosmos finan­ziert werden kann. Dass dieser jemals so groß werden könnte, dass er die gesam­te Gesell­schaft umfasst und zur neuen Nor­ma­li­tät wird, ver­hin­dern nicht zuletzt staat­li­che Organe wie Ver­fas­sungs­schutz, mit stei­gen­der, will­kür­li­cher Repres­si­on, die von der herr­schen­den Öffent­lich­keit ange­heizt und legi­ti­miert wird. In diesem Teu­fels­kreis befin­den sich die Info­krie­ger in einer, oft müh­sa­men, manch­mal loh­nens­wer­ten, meist ver­dienst­vol­len, aber stra­te­gisch letzt­lich frucht­lo­sen Arbeit.

Die Buch­hal­ter des Schre­ckens

Der zweite Grund wes­we­gen der Info­krieg keinen stra­te­gi­schen Durch­bruch erzie­len kann ist, seine not­wen­dig feh­len­de ideo­lo­gi­sche Tiefe. Ebenso wie der Main­stream will er die Masse errei­chen. Akku­mu­la­ti­on von Zuse­hern und Mas­se­taug­lich­keit der Inhal­te, sind daher Teil seiner Schein­stra­te­gie. Diese Mas­se­taug­lich­keit ver­führt aber zu einer ideo­lo­gi­schen Ober­fläch­lich­keit. Die Videos die „am besten gehen“, sind in der Regel spek­ta­ku­lä­re Szenen auf der Straße, emo­tio­na­le rants über aktu­el­le Ereig­nis­se, oder humor­vol­le Ant­wort­vi­de­os. Die Leute wollen unter­hal­ten werden. Der Info­krieg also kann nur als Info­tain­ment mas­sen­wirk­sam werden. Dar­un­ter leidet logi­scher­wei­se der Inhalt. Auch im rech­ten Lager findet eine Anpas­sung an den Mas­sen­ge­schmack und an das Over­ton­fens­ter statt. In Fragen wie Trans- und Homo­se­xua­li­tät über­neh­men immer mehr rechte Medi­en­ma­cher Main­strea­m­ideen. Sie tun das nicht aus ideo­lo­gi­schen Über­le­gun­gen und der Ent­wick­lung, oder Inte­gra­ti­on neuer Ideen in ihr Denken. Sie denken meist an gar nichts, außer  an dein Ein­fluss auf ihre Abo­zah­len. Um ja nie­man­den zu ver­schre­cken wird die eigene Bot­schaft zu einem ein­fach genieß­ba­ren, ent­rin­de­ten Mei­nungs-Snack zurecht­ge­schnit­ten. Man unter­wirft sich der Kon­trol­le der linken Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge. Der kleins­te gemein­sa­me Nenner „gegen den Islam“ oder „gegen Ein­wan­de­rung“, wird nicht zur Basis für eine poli­ti­sche Alli­anz oder Koope­ra­ti­on, mit einem kon­kre­ten stra­te­gi­schen Ziel.  Er wird zum ideo­lo­gi­schen Kern eines farb­lo­sen, und  rich­tungs­lo­sen Spek­ta­kels der Selbst­ver­harm­lo­sung. Man will „ever­y­bo­dies Dar­ling“ sein, meidet jeden Kon­flikt und jede welt­an­schau­li­che Debat­te und lügt sich dabei in die Tasche, das sei „Stra­te­gie“.  Das „intel­lek­tu­el­le Opfer“, das auch manche vor­geb­lich Rechts­in­tel­lek­tu­el­le dafür täti­gen, wird zum intel­lek­tu­el­len Selbst­mord. Die erst instru­men­tel­le Nut­zung von Medien und Platt­for­men für den Info­krieg wird zur Gewohn­heit und scha­det am Ende dem eige­nen Denken, indem es sich der Auf­merk­sam­keits­span­ne der Rezi­pi­en­ten und der ideo­lo­gi­schen Lage der Nation anpasst. Der Inhalt der meis­ten rech­ten You­Tube-Videos ist, es muss so schlicht gesagt werden, daher ein­fach nur Mist. Zu jedem Ereig­nis kann man, die immer selben, „empör­ten“ Reka­ti­ons­film­chen sehen, die meist nichts ande­res tun, als Bild­ar­ti­kel vor­zu­le­sen und mit Aus­ru­fen wie „unfass­bar“ oder „unglaub­lich“ zu reagie­ren. Beim hun­derts­ten Mal kann diese Reak­ti­on nur mehr als Schau­spie­le­rei inter­pre­tiert werden, es sei denn den Video­er­stel­lern fehlt jedes Lang­zeit­ge­dächt­nis. Oft wirken sie wie eine gro­tes­ke Comic­fi­gur, die eins mit der Keule über­ge­zo­gen bekommt, sich unsag­bar dar­über empört, das dann ver­gisst und im nächs­ten Comic­is­trip das­sel­be erfährt um genau gleich zu reagie­ren. Diese Schlag­zei­len-Reak­ti­ons­vi­de­os sind damit weni­ger Bericht­erstat­tung als Unter­hal­tung. Die Leute die sie sehen wissen meist was pas­siert ist. Sie können es auf zahl­rei­chen Blogs nach­le­sen. Aber sie wollen sehen wie jemand dazu reagiert und einen wüten­den Kom­men­tar hin­ter­las­sen. Es erin­nert ent­fernt an Strea­mer, denen man beim Com­pu­ter­spie­len zusieht, anstatt selbst zu spie­len, oder noch tref­fen­der an einen asia­ti­schen Trend, bei dem man jungen Mäd­chen (wem sonst, es ist Asien) beim Essen zusieht. Das Ziel dieses Info­tai­ne­ments, ist weni­ger eine Ver­schär­fung des Bewusst­seins, son­dern eine Anstieg der eige­nen Reich­wei­te (und damit der eignen Ein­nah­men). Ein Groß­teil der Zuse­her und mitt­ler­wei­le auch der Erstel­ler dieser Video gehört zudem der Alters­klas­se der „Boomer“ an, womit jede avant­gar­dis­ti­scher Anspruch ver­fliegt.
Dazu kommen in letz­ter Zeit immer mehr „live­streams“, die meist aus kon­zept­lo­sen, sinn­be­frei­tem Gela­ber, bestehen. Ein ermü­den­des Gespräch, in das lau­fend neue Srrea­mer ein­spei­sen, wäh­rend andere aus­fal­len, das sich um alles und nichts und am Ende nur sich selbst dreht. In der Regel landet man am Ende bei Gerüch­ten und inter­nem Drama. Andere Videos sind krea­ti­ver und auf­wen­di­ger erstellt, haben krea­ti­ve Schnit­te, gute Hin­ter­grund­mu­sik und kri­ti­sie­ren gezielt Ver­tre­ter oder Inhal­te der feind­li­chen Öffent­lich­keit. Ihr Unter­hal­tungs­wert ist dem­nach höher. Die Ver­diens­te von all dem sollen nicht unter den Tisch fallen. Ja viele Leute wurden und werden durch Videos, gerade weil ihr Ziel die Unter­hal­tung ist „poli­ti­siert“. Doch wenn diese Poli­ti­sie­rung nur darin besteht, dass sie weiter unter­hal­ten werden bringt das wenig. Eine echte meta­po­li­ti­sche Leiter, von, die gerade Junge Zuse­her von nie­der­schwel­li­gen tages­po­li­ti­schen, zu inten­si­ve­ren welt­an­schau­li­chen Inhal­ten führen könnte, fehlt jedoch. (Was leider vor allem daran liegt, dass jene, welche wei­ter­füh­ren­de Inhal­te erstel­len könn­ten, lieber in Gemein­schafts- und Akti­vis­mus­si­mu­la­tio­nen auf Twit­ter und Dis­cord abhän­gen und auf „Boomer“ schimp­fen.)

Die herr­schen­de Öffent­lich­keit leitet sich von einer herr­schen­den Ideo­lo­gie ab, die sie in Mini-Nar­ra­ti­ven und „emo­tio­nal Designs“ mas­sen­haft repli­ziert und ver­brei­tet. Die wöchent­li­che Medi­en­sau, welche die Gege­öf­fent­lich­keit durchs digi­ta­le Dorf jagt, hat mit dieser ideo­lo­gi­schen Super­struk­tur wenig zu tun. Die meis­ten Medi­en­ma­cher bewe­gen sich, aus tak­ti­schen Grün­den und Grün­den der Reich­wei­te nur an dieser Ober­flä­che und ver­lie­ren dabei den ideo­lo­gi­schen Antriebs­kern der Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge aus den Augen. Es liegt an sich nicht im Auf­ga­ben­be­reich der Gegen­öf­fent­lich­keit, diesen direkt zu kri­ti­sie­ren und eine neue rechte Idee zu ent­wick­len. Dazu fehlt ihr das geis­ti­ge Instru­men­ta­ri­um. Ihre Auf­ga­be ist die Pro­pa­gie­rung, also die Pro­duk­ti­on von „wenig Text für viele“. Die Auf­ga­be der geis­ti­gen Über­win­dung der herr­schen­den Ideo­lo­gie, die Hand in Hand mit der Über­win­dung der Gegen­öf­fent­lich­keit gehen sollte, wäre die der rech­ten Theo­rie, also „viel Text für wenige“. Für eine lang­fris­ti­ge Info­kriegs­stra­te­gie ist es aller­dings unab­ding­bar, dass sich die Mul­ti­pli­ka­to­ren und Pro­pa­gan­dis­ten, einer alter­na­ti­ven Welt­an­schau­ung folgen. Eine revo­lu­tio­nä­re Idee, die an den Grund­la­gen der herr­schen­den Ideo­lo­gie ansetzt und sie von der Wurzel an kri­ti­siert, muss das magne­ti­sche Kraft­zen­trum sein, nach­dem sich die ober­fläch­li­che und anschluss­fä­hi­ge Infoar­beit aus­rich­tet. Ist das nicht der Fall gerät sie unwei­ger­lich ins Kraft­zen­trum der Geg­ne­ri­schen Ideo­lo­gie. Wir erle­ben das heute rei­hen­wei­se bei libe­ra­len Islam­kri­ti­kern und Kon­ser­va­tiv-libe­ra­len, die an der Ober­flä­che Kritik am Bevöl­ke­rungs­aus­tausch üben, sich dabei jedoch unter mora­li­schen Schirm des links­li­be­ra­len Uni­ver­sa­lis­mus stel­len. Ihre Kritik an dessen Aus­wüch­sen, von Trans­kin­der-Drag­queens, bis zur Gen­der­ideo­lo­gie ist rein defen­siv und reak­tio­när. In weni­gen Jahr­zehn­ten werden sie Trans­kin­der „in Ord­nung“ finden und sich nur mehr gegen „Trans­ba­bies“ wehren. Als buck­ser­va­ti­ve Kom­men­ta­to­ren des Tages­ge­sche­hen fehlt ihnen jede ideo­lo­gi­sche Ver­wur­ze­lung und stra­te­gi­sche Weit­sicht. Zan­kend und kra­keh­lend, voller großer Volten und Wide­stands­ges­ten, folgen sie dem Trend des Over­ton-Fens­ters seit Jahr­zehn­ten nach links. Diese „Kon­ser­va­ti­ven“, haben nichts bewahrt, außer ihren Talk­show­taug­lich­keit als „salon­fä­hi­ge Dis­si­den­ten“, die sich scharf gegen „Völ­ki­sche“ Rechte abgren­zen. Der Info­krieg stößt also nicht nur mate­ri­ell an quan­ti­ta­ti­ve Gren­zen. Auch qua­li­ta­tiv kann er, in seinem Stre­ben nach Reich­wei­te zu einer Ver­wäs­se­rung und Anpas­sung führen. Das ideo­lo­gi­sche „Ent­ge­gen­kom­men“, und der nackte Prag­ma­tis­mus gibt den eige­nen geis­ti­gen Kern preis und ver­nich­tet damit das, was man eigent­lich mehr­heits­fä­hig machen will. Das sper­ri­ge welt­an­schau­li­che Marsch­ge­päck wird beim Marsch in die Mitte der Gesell­schaft, ein­fach am Weges­rand depo­niert. Sollte man irgend­wann ankom­men hat man nichts mehr zu sagen und zu geben.
Kon­kret bleibt beim patrio­ti­schen Info­krieg eini­ges auf der Stre­cke. Wäh­rend man die Sus­pen­die­rung einer neu­rech­ten Kritik an Chris­ten­tum und reli­giö­sem Uni­ver­sa­lis­mus, oder auf der ande­ren Seite eine tra­di­tio­na­lis­ti­sche-reli­giö­se Kritik der Moder­ne und der Mas­sen­de­mo­kra­tie noch recht­fer­ti­gen kann, erweist sich die Tole­ranz für Deka­denz, Ega­li­ta­ris­mus, Hedo­nis­mus und Indi­vi­dua­lis­mus als fatal. Am Ende blei­ben nicht nur die Defi­ni­ti­on des Volks­be­griffs auf der Stre­cke, son­dern auch klare Kon­zep­te für eine andere Bevöl­ke­rungs­po­li­tik.
Wenn sich der patrio­ti­sche Info­krieg, man­gels ideo­lo­gi­scher Kor­rek­ti­ve links­li­be­ra­len Moral­vor­stel­lun­gen, einem indi­vi­dua­lis­ti­schen Men­schen­bild und einer ato­mis­ti­schen Gesell­schafts­idee unter­wirft, rich­tet er sich lang­fris­tig gegen das eigene Volk. Er rich­tet sich nicht gegen die Domi­nanz der Mei­nungs­kli­ma­an­la­ge son­dern passt Sicht dem gesell­schaft­li­chen Klima an.
Eine reak­ti­ve Islam­kritk, die den Islam nur dort kri­ti­siert wo er einer angeb­li­chen „Selbst­ver­wirk­li­chung“ im Wege steht, ner­tei­digt die „Krank­heit“ gegen ihr „Sym­ptom“.
Man argu­men­tiert gegen die herr­schen­den Dogmen, doch beruft sich in dieser Kritik auf deren Kern­the­sen und hei­li­ge Schrif­ten. Denn auch der Pro­zess der Isla­mi­sie­rung ist nur als Neben­ef­fekt des Bevöl­ke­rungs­aus­tauschs und seiner Ursa­chen ver­ständ­lich. Wer die „Werte“ einer anti­na­ta­lis­ti­schen, hedo­nis­ti­schen, ato­mi­sier­ten Gesell­schaft, und ihre Ideo­lo­gie des Fort­schritts, der glo­ba­len Gleich­heit und der tota­len Eman­zi­pa­ti­on „gegen den Islam“ ver­tei­digt, ist weder Rech­ter, noch Kon­ser­va­ti­ver oder Patri­ot. Er ist nütz­li­cher Idiot des Uni­ver­sa­lis­mus, und geht einer hege­lia­ni­schen „List der Ver­nunft“ auf den Leim. Ein instru­men­tel­ler Libe­ral­pa­trio­tis­mus, der selek­tiv manche Aspek­te der Isla­mi­sie­rung kri­ti­siert wo sie „indi­vi­du­el­len Frei­heits­rech­ten“ wider­spre­chen, und statt­des­sen eine Assi­mi­la­ti­on der Frem­den in die post­mo­der­ne Kon­sum­ge­sell­schaft for­dert, dient den Inter­es­sen unse­rer Gegner. Dass viele, ins­be­son­de­re ideo­lo­gisch unbe­leck­te Info­krie­ger in diesen Sog gera­ten, liegt daran, dass der Weg des Main­streams brei­ter, ange­neh­mer und gefahr­lo­ser ist. Die Gra­vi­ta­ti­ons­kraft der herr­schen­den Ideo­lo­gie zieht jeden, der sich ihrer nicht bewusst ist und aktiv dage­gen­ar­bei­tet in ihren Bann. Je „neu­tra­ler“ und „ver­nünf­ti­ger“ sich der­je­ni­ge dabei hält, desto tiefer ist seine Ver­stri­ckung in dieses Doktrin. 

Diese Kritik rich­te­te sich nicht nur gegen die Info­krie­ger. Der Trend zur Anpas­sung an die herrr­schen­de Ideo­lo­gie, zur Ober­fläch­lich­keit und Mas­sen­taug­lich­keit ist not­wen­di­ger Bestand­teil ihres Metiers. Was fehlt ist ein meta­po­li­ti­sches Kor­rek­tiv von rechts, dass anders als in bil­li­gen per­sön­li­chen Atta­cken „thot-con­trol­ling“, live­stream­ge­trol­le, etc. attrak­ti­ve, intel­lek­tu­ell über­le­ge­ne und tiefe Kritik an diesen Trends pro­du­ziert. Dieses Kor­rek­tiv würde sich damit auch als neues geis­ti­ges Pla­teau über den basa­len Info­krieg erhe­ben und für die­je­ni­gen die dazu gewillt und fähig sind, einen Trend nach oben schaf­fen. Das fehlt im deut­schen Sprach­raum bis auf wenige lön­li­che Aus­nah­men, kleine Ver­la­ge, Pod­casts und Maga­zi­ne. Die man­geld­ne intel­lek­tu­el­le Arbeit rech­ter Kreise und die in der Folge man­geln­de Schu­lung, Kader­bil­dung und Kor­rek­tiv­funk­ti­on, für die über­all auf­tau­chen­den Info­krie­ger, lässt viele poten­ti­el­le geis­ti­ge Bio­gra­phien auf der unters­ten Ebene ver­küm­mern.
Der Effekt ist ein“Fachkräftemangel von rechts“. Selbst wenn die im vori­gen Kapi­tel ange­spro­che­nen finan­zi­el­le Res­sour­cen vor­han­den wären, gäbe es der­zeit nicht genü­gend geis­ti­gen Arbeits­kräf­te, um die offe­nen Stel­len zu besetzen.

Inso­fern der Info­krieg also ober­fläch­lich und ideo­lo­gisch ziel­los bleibt, rich­tet er sich nach den Normen der geg­ne­ri­schen Ideo­lo­gie aus, und gerät in den Sog der „libe­ra­len Islam­kri­tik“. Er ist damit von vorn­her­ein unfä­hig die norm­set­zen­de Kraft der feind­li­chen Öffent­lich­keit abzu­wen­den. Seine Arbeit besteht in einer „Buch­hal­tung des Schre­ckens“, die sich Tag für Tag über Ein­zel­fäl­le empört, Unge­rech­tig­kei­ten beklagt, den Unter­gang des Abend­lands in Glos­sen kom­men­tiert aber nichts daran ändern wird.

Der Neid der Divas

Fassen wir das bisher gesag­te zusam­men, so sehen wir, dass der Info­krieg im Unter­schied zu alt­rech­ter Mili­tanz und popu­lis­ti­schem Par­la­ments­pa­trio­tis­mus zwar das Schwe­re­zen­trum des Geg­ners erkannt, jedoch keinen Plan hat wie er es erobern kann.

Die feind­li­che Öffent­lich­keit, die mit ihrer norm­set­zen­den Kraft das Over­ton-Fens­ter ver­schiebt, mit sozia­ler Kon­trol­le Dis­si­den­ten ver­nich­tet und über das Mei­nungs­kli­ma die Wahlen beein­flusst, ist die zen­tra­le Macht­säu­le unse­rer Gegner.  Der patrio­ti­sche Info­krieg ver­folgt jedoch eine frucht­lo­se Stra­te­gie der All­mäh­lich­keit und des sanf­ten Über­gangs. Die „Gegen­öf­fent­lich­keit“, und hofft durch eine Akku­mu­la­ti­on von Zuse­hern und Reich­wei­te lang­sam die Öffent­lich­keit abzu­lö­sen. Dass dieser Plan an mate­ri­el­le „Pan­zer­glas­de­cken” stößt und ohne einem unplan­ba­ren „Faktor X“ nie­mals erfolg­reich sein wird, haben wir erschöp­fend dar­ge­legt. Die Gefahr, auf der Jagd nach Reich­wei­te und Anschuss­fä­hig­keit, im Rahmen dieser frucht­lo­sen Stra­te­gie, sogar den eige­nen welt­an­schau­li­chen Kern zu ver­lie­ren haben wir ebenso beschrie­ben. Die Stra­te­gie, welche einen meta­po­li­ti­schen Durch­bruch ermög­licht, soll in kom­men­den Texten erläu­tert werden. In diesem Arti­kel wollen wir zum Abschluss noch auf eine Men­ta­li­tät ein­ge­hen, die im Info­krieg Hoch­kon­junk­tur hat und dem Akti­vis­mus poli­ti­scher Bewe­gun­gen großen Scha­den zufügt: die Atti­fü­de diven­haf­ter Gladiatoren.

Die Gegen­öf­fent­lich­keit hat ihre Ver­diens­te und Not­wen­dig­keit und ist in ihrer Wich­tig­keit womög­lich über den rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en ein­zu­stu­fen. Gefähr­lich wird es jedoch da, wo sie ver­sucht sich die Rolle einer Bewe­gung anzu­ma­ßen und ihr eige­nes, dif­fu­ses Wirken als „Akti­vis­mus“ dar­zu­stel­len, der einer angeb­li­chen „Stra­te­gie“ folgen würde.
Grund dafür ist wohl glei­cher­ma­ßen die Beru­hi­gung des besorg­ten und auf­ge­brach­ten Publi­kums, ebenso wie die des eige­nen Gewis­sens. Tat­säch­lich fehlt dieses Ziel und ein gemein­sa­mer Plan nicht zufäl­lig son­dern not­wen­dig. Bericht­erstat­ten­de patrio­ti­sche Medien, egal ob Blogs, YT-Kanäle oder Think Tanks stehen zuein­an­der in einem Kon­kur­renz­ver­hält­nis um Auf­ru­fe, exklu­si­ve Geschich­ten und Infos, Abon­nen­ten und Spen­den. Alle Info­krie­ger wiss­sen, dass der lang­sam wach­sen­de Reso­nanz­raum begrenzt ist. Täg­lich steht allen Patrio­ti­schen Medi­en­ma­chern eine end­li­che Masse an Auf­merk­sam­keit, Enga­ge­ment und Unter­stüt­zungs­be­reit­schaft zur Ver­fü­gung, die end­lich ist. Sie rit­tern, ob sie es wollen oder nicht, um die ebenso begrenz­te Zahl an besten Geschich­ten, inter­es­san­tes­ten Inter­view­part­nern, die rasches­ten Bericht­erstat­tung, und die grells­ten Thumb­nails.
Diese Kon­kur­renz ist einer­seits frucht­bar und führt zu einer all­ge­mei­nen Pro­fes­sio­na­li­sie­rung und Inno­va­ti­ons­karft der Gegen­öf­fent­lich­keit. Sie macht es auf Dauer aber schwer eine „Ein­heit zu bilden oder an einem Strang zu ziehen. Die Men­ta­li­tät des Autoren und „Urhe­bers“, die Intel­lek­tu­el­le Eitel­keit und der Neid der Diva, sind im Pres­se­mi­lieu not­wen­dig vor­herr­schend. Der Jour­na­list erstellt kein Werk­stück, das mate­ri­el­le Sub­stanz hat. Seine Texte, Videos und Berich­te sind nichts ohne die Auf­merk­sam­keit und das Publi­kum. Als geis­ti­ge Fabri­ka­tio­nen, „exis­tie­ren“ sie nur wirk­lich, wenn sie gese­hen und gele­sen werden. Dass ein Text, ein neuer Begriff, ein Kon­zept, oder eine Idee von ihm stammt, und er deren geis­ti­ger Urhe­ber ist, und dass das all­ge­mein aner­kannt wird, ist für den Jour­na­lis­ten daher enorm wich­tig.
Autor­schaft ist in der Regel keine Gemein­schafts­ar­beit wie eine poli­ti­sche Aktion, son­dern eine sin­gu­lä­re Tätig­keit, bei der der Autor und Urhe­ber, seine indi­vi­du­el­len Gedan­ken mate­ria­li­siert und ver­ewigt. Wäh­rend im Bereich der Bewe­gung jeder Akti­vist froh ist, wenn seine Akti­ons­idee von ande­ren über­nom­men wird, sieht der Info­krie­ger das­sel­be not­wen­dig als Dieb­stahl seines „geis­ti­gen Eigen­tums“ (und seiner Einnahmequelle).

Wäh­rend ein Akti­vist froh ist, wenn sich an mög­lichst vielen Orten gleich­ge­ar­te­te Bewe­gun­gen grün­den, da das die Reich­wei­te seiner Bot­schaft erhöht, das Soli­dar­netz­werk stärkt und die Repres­si­on schwächt und streut, sieht der Info­krie­ger in jedem neuen You­Tuber und Blog­ger immer auch einen Kon­kur­ren­ten. Da seine Tätig­keit oft sein Ein­kom­men dar­stellt und dieses Ein­kom­men durch andere geschmä­lert werden kann, ist es voll­kom­men logisch, ver­nünf­tig und mensch­lich, dass der Info­krie­ger auch als Idea­list, immer auch an sein eige­nes Über­le­ben und seine eigene Reich­wei­te und dann an den ins­ge­sam­ten Erfolg der Gegen­öf­fent­lich­keit denkt. Patrio­ti­sche Jour­na­lis­ten, die das leug­nen lügen, oder haben den finan­zi­el­len Luxus ihre Tätig­keit rein als Hobby zu betrei­ben (was sich auch auf deren Qua­li­tät aus­wirkt). Zu dieser beruf­li­chen Kon­kur­renz um ein begrenz­tes Publi­kum kommen die stän­di­gen per­sön­li­chen Strei­tig­kei­ten, die emo­tio­na­len Dramen, Belei­di­gun­gen und Konter. Da das maxi­mal Klick bringt, wird es oft bewusst insze­niert. Ins­be­son­de­re in der alter­na­tiv­rech­ten US-Ame­ri­ka­ni­schen Szene, in der die Gegen­öf­fent­lich­keit der You­Tuber von Anfang an das Lager domi­nier­te, sind diese diven­haf­ten, öffent­lich aus­ge­tra­ge­nen Strei­tig­kei­ten häufig.
Das Fazit lautet: Die Gegen­öf­fent­lich­keit ist auf­grund der unaus­weich­li­che Kon­kur­renz der jour­na­lis­ti­schen Ich-AGs nicht zur Orga­ni­sa­ti­on im Stil einer Bewe­gung fähig. Damit ist sie kaum in der Lage gemein­sam lang­fris­ti­ge Ziele zu ver­fol­gen. Mög­lich und wün­schens­wert wäre, dass ein, welt­an­schau­lich gefes­tig­tes Medi­en­pro­jekt mit­tel­fris­tig domi­nant wird, alle Talen­te „unter Ver­trag“ nimmt und das Feld beherrscht. Das ist jedoch aus ande­ren, oben ange­spro­che­nen Grün­den, unwahr­schein­lich. Vieles spricht dafür, dass auf Main­stream­platt­for­men ein gewis­ser Reso­nanz­raum für den Info­krie­gern bewusst zuge­las­sen wird. Regel­mä­ßig „schlach­tet“ man einen Akteur der zu groß gewor­den ist ab, und lässt neue klei­ne­re nach­wach­sen, die sich um den Kuchen der Auf­merk­sam­keit bekrie­gen. Ihr Ziel ist es „genau­so groß“ zu werden wie ihre bewun­der­ten Vor­bil­der, was sie aber nur reif zur Schlach­tung macht. Das ändert nichts, daran, dass sie sich zu Trog drän­gen um solan­ge dran zu blei­ben wie mög­lich. Das droh­ren­de Damo­kles­schwert bringt sie nicht zum soli­da­ri­schen Zusam­men­schluss, son­dern ver­stärkt im Gegen­teil den Ego­is­mus. Solan­ge man noch da ist muss man schau­en wo man bleibt! So ver­hin­dert man mit einer Hin­hal­te- und Spal­tungs­tak­tik, eine echte Soli­da­ri­tät unter den Info­krie­gern. Würden sich alle zusam­men­schlie­ßen um gemein­sam eine alter­na­ti­ve Video­att­form für zB die DACH-Regio­nen zu grün­den, auf der sie primär ihre Videos hoch­la­den, würde YT viel von seinem Ein­fluss ein­bü­ßen. Doch auch hier gehen die patrio­ti­schen Ein­zel­un­ter­neh­men lieber ihren eige­nen Weg. 

Vom Akti­vist zum Influencer

Die Arbeit als freier Info­krie­ger ist in vie­ler­lei Hin­sicht attrak­ti­ver als der Ein­satz als Akti­vist in einer Bewe­gung. In den letz­ten Jahren erle­ben wir daher einen Trend weg vom der Bewe­gung hin zum Info­krieg. Wäh­rend große Orga­ni­sa­tio­nen und poli­ti­sche Bewe­gun­gen sta­gnie­ren und zer­fal­len findet eine digi­ta­le Diver­si­fi­ka­ti­on statt. Der Akti­vist wird zum Influ­en­cer. Für diesen Trend gibt es viele Gründe. Leider lautet kein ein­zi­ger, dass es stra­te­gisch sinn­vol­ler sei.
Der erste Grund ist ein psy­cho­lo­gi­scher. Die direk­te Wert­schät­zung, die man als Influ­en­cer erhält, über­steigt die mit­tel­ba­re Aner­ken­nung, die er durch Betei­li­gung an einer Aktion erfährt bei weitem. Teil einer patrio­ti­schen Bewe­gung zu sein heißt das Ego zurück­zu­stel­len, Auf­ga­ben­tei­lung zu akzep­tie­ren und unter Umstän­den sogar in Kauf zu nehmen, dass zB ein Pres­se­spre­cher die Lor­bee­ren und das Lob für die eigene Aktion kas­siert. Als Vlog­ger muss man seinen Ruhm mit nie­man­dem teilen. Posi­ti­ve Rück­mel­dung kommt immer unmit­tel­bar im Livechat. Man­gels akti­vis­ti­scher Alter­na­ti­ven, ver­wech­seln sogar erstaun­lich viele Zuse­her die Erstel­lung von Videos mit echtem Akti­vis­mus und beju­beln die Strea­mer als wären sie Akt­vis­ten.
Der zweite Grund ist ein mate­ri­el­ler. Eine erfolg­rei­che Groß­ak­ti­on ist sehr auf­wän­dig und ris­kant. Sie braucht immense Vor­be­rei­tung, und viele Arbeits­stun­den vieler Akti­vis­ten. Sie kann schei­tern und im schlimms­ten Fall kos­ten­in­ten­si­ve Ver­fah­ren nach­sich­zie­hen. Man ris­kiert dabei geoutet zu werden und im eige­nen Umfeld ange­grif­fen zu werden. Sie ist anstren­gend und ner­ven­auf­rei­bend. Man muss die Kom­fort­zo­ne ver­las­sen, oft sehr früh auf­ste­hen und weit fahren. Meist geht die gesam­te Frei­zeit für den Akti­vis­mus drauf.
Ein You­Tube Video hin­ge­gen ist schnell erstellt. Man muss dazu nicht seine Woh­nung ver­las­sen und braucht in der Regel keine Unter­stüt­zer und keine Gruppe die man voher orga­ni­sie­ren und lau­fend moti­vie­ren muss. Man kann sich Sen­de­zei­ten schön ein­tei­len, sodass Hob­bies, Bezie­hung, Fami­lie und Frei­zeit nicht dar­un­ter leiden müssen.
Vlog­gen ist auch wesent­lich siche­rer. Man hat abso­lu­te Kon­trol­le über das was nach Außen dringt, ebenso wie über die Kom­men­tar­spal­te. Im schlimms­ten Fall kann man ein Video auch noch online edi­tie­ren oder schlicht löschen. Juris­ti­sche Kon­se­quen­zen sind kaum zu befürch­ten und abso­lut kal­ku­lier­bar. Man wird nicht von Infil­tra­to­ren und Pro­vo­ka­teu­ren, die sich in eine Bewe­gung ein­schlei­chen in den Dreck gezo­gen. Man muss sich nicht für die Fehler ande­rer Recht­fer­ti­gen. Es ist also schlicht tau­send­mal ange­neh­mer, und siche­rer wäh­rend Akti­vis­mus nerv­lich auf­rei­bend, und phy­sisch anstren­gend ist.
Der dritte Grund ist ein finan­zi­el­ler. Akti­vis­mus ist ein „Ver­lust­ge­schäft“. Von Zeit und Sprit­kos­ten gar nicht zu reden, ist es oft so, dass Akti­vis­ten Mate­ri­al­kos­ten und sons­ti­ge Spesen selbst tragen. Bewe­gun­gen, die Spen­den requi­rie­ren um diese Kosten wett zu machen und im Fall der Repres­si­on Unter­stüt­zung leis­ten sind selten und viel leich­ter angreif­ba­rer als ein ein­zel­ner Info­krie­ger und sein YT-Kanal. Im schlimms­ten Fall blei­ben Akti­vis­ten sogar auf Anwalts­kos­ten sitzen. (Da sie in der Regel keine Info­krie­ger sind haben sie auch keine Reich­wei­te und Fan­ba­se die sie zur Unter­stüt­zung auf­ru­fen könn­ten.) Dage­gen ist das Dasein als patrio­ti­scher Lai­en­jour­na­list durch­aus ein­träg­lich. Ist man mone­ta­ri­siert bringt jeder Klick Geld. Falls nicht bekommt man ab einer gewis­sen Reich­wei­te, mit rela­ti­ver Sicher­heit finan­zi­el­le Unter­stüt­zung durch sym­pa­thi­sie­ren­de Zuse­her. Das Erstel­len von Videos und Arti­keln ist also nicht nur, ein­fa­cher, risiko- und stress­frei­er, psy­cho­lo­gisch loh­nen­der und ver­schafft per­sön­li­che Popu­la­ri­tät, es bringt auch keinen Ver­lust son­dern, häufig finan­zi­el­len Gewinn. In vielen Fällen kann man den Info­krieg sogar zum Beruf machen, was beim Akti­vis­mus schwer mög­lich ist.
Damit hat die Gegen­öf­fent­lich­keit dem Akti­vis­mus einen ent­schei­den­den Punkt voraus. Dieser besteht aus unzäh­li­gen Stun­den unsicht­ba­rer, frei­wil­li­ger Arbeit, die weder hono­riert noch ent­lohnt wird. Kein Wunder also dass ein Trend vom Akti­vis­ten zum Influ­en­zier bemerk­bar ist. Auch im Deutsch­spra­chi­gen Raum nähern wir uns daher immer mehr Ame­ri­ka­ni­schen Ver­hält­nis­sen an. Der Wider­stand wird zur Show.
Nicht jeder Info­krie­ger sendet von seiner Woh­nung aus. Bei jeder Demo schwir­ren dut­zen­de „freie patrio­ti­sche Repor­ter“ mit ihren Sel­fiesticks herum und werden selbst von einer Traube an Fans umschwärmt. Die Zuse­her können auf der COUCH einen POV-Polit­por­no ver­fol­gen und brau­chen für das Demo­er­leb­nis nicht einmal mehr auf die Straße gehen. Eini­ges spricht dafür, dass ver­läss­li­che live­stream bei Demos, daür Sorge tragen, dass weni­ger auf die Straße gehen.
Statt Aktio­nen setzen Info­kriegs-Influ­en­cer hin und wieder geziel­te Publi­ci­ty Stunts„ machen eine Stra­ßen­um­fra­ge, ein „change my mind“, ein Stör­ak­ti­on oder einen „Prank“ um die eigene Reich­wei­te und Rele­vanz zu erhö­hen. All das folgt natür­lich keiner Stra­te­gie und keiner Kam­pa­gne. Es soll keine neuen Akti­vis­ten für eine bestehen­de Bewe­gung rekru­tie­ren, son­dern Abos und Klicks gene­rie­ren. Influ­en­cer erschei­nen manch­mal wie Gla­dia­to­ren, die stell­ver­tre­tend für ihre jubeln­den oder buhen­den Zuse­her den poli­ti­schen Kampf führen. Um jeden dieser Info­kriegs­häu­plin­ge bildet sich eine Gruppe an Bewun­de­rern und Unter­stüt­zern wie ein klei­ner Hof­staat. Jeder baut mit seinen eige­nen Dis­cord­ser­ver, seinem eige­nen Patre­on, seinen eige­nen Rund­brief und seinen eige­nem Tele­gram­ka­nal, einen kleine Kosmos um sich auf, dessen Zen­tral­ge­stirn er selbst ist. Da man als Zuse­her unmög­lich jedem You­Tuber auf Tele­gram folgen und erst recht nicht jeden finan­zi­ell unter­stüt­zen kann, ent­steht hier wieder eine Kon­kur­renz­si­tua­ti­on. Wie Wrest­ling­s­tars, oder Rapper tragen diese Info­kriegs­gla­dia­tio­ren Kon­flik­te und Dramen aus und ver­söh­nen sich wieder. Sie gehen gemein­sam auf Reisen, strea­men mal mit dem dann mit jenem, geben Fea­tures und Shou­touts, arbei­ten hin und wieder lose für ein „Kol­la­bo­ra­ti­on“ zusam­men, aber stehen am Ende nur für sich selbst. Sie sind nicht Teil einer Bewe­gung oder Orga­ni­sa­ti­on son­dern ein Kon­glo­me­rat aus Ich-Ags. Wich­tig ist dabei zu ver­ste­hen, dass das nur zu einem gerin­gen Maß ihre Schuld ist. Schuld daran sind nicht sie, son­dern die Mecha­nis­men ihres Gewer­bes. Gäbe es einen ebenso star­ken, domi­nan­ten Akti­vis­mus und zahl­rei­che aktive poli­ti­sche Bewe­gun­gen, könn­ten die Info­krie­ger sogar eine gute Ergän­zung sein. Grund­sätz­lich wider­spre­chen sich beide Rollen nicht. Eine Bewe­gung mit einer meta­po­li­ti­schen Ziel­set­zung, einer klaren Struk­tur und einer guten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie kann und soll sogar Influ­en­cer auf­bau­en und nutzen. Diese dienen dann mit ihrer Reich­wei­te und ihrer Gene­rie­rung von Auf­merk­sam­keit und Unter­stüt­zung jedoch primär der Bewe­gung. Ihre Videos bauen dann nicht sinn­los Emo­tio­nen auf, die im digi­ta­len Nichts ver­puf­fen. Sie wären Teil einer lang­fris­ti­gen meta­po­li­ti­schen Pulika­ti­ons­stra­te­gie, die einem meta­po­li­ti­schen, also welt­an­schau­li­chen Ziel folgt. Davon ist aber weit und breit nichts zu sehen. Statt­des­sen gibt es immer mehr Influ­en­cer die ihre Bericht­erstat­tung und ihre Stuns als neue, zeit­ge­mä­ße Form des Akti­vis­mus betrach­ten, Demos, Kam­pa­ge­nen, Bewe­gun­gen und echtem Basis­ak­ti­vis­mus das Exis­tenz­recht abspre­chen und diesen „Info­krieg“ als Hoff­nung auf eine Wende ver­kau­fen. Diesen Gipfel des Unsinns, wollen wir am Ende unse­rer Kritik ins Visier nehmen.



Der impo­ten­te Call to Action 

Der Call to Action oder „CTA“ stammt aus der Spra­che des Mar­ke­ting und bezeich­net den fina­len und zen­tra­len Aufruf, den jede Wer­bung, ins­be­son­de­re im digi­ta­len Bereich ent­hal­ten muss. Der poten­ti­el­le Kunde muss genau wissen was er, nach­dem er in der Bot­schaft emo­tio­nal vor­be­rei­tet wurde, jetzt tun soll um diese geis­ti­ge Lag­ener­gie abzu­bau­en. Der CTA muss klar for­mu­liert und sin­gu­lär sein. Er muss optisch auf­fal­len und soll unmit­tel­bar nach Betrach­ten der Bot­schaft durch Klick auf zB einen Abo- oder Spen­den­but­ton mög­lich sein. Betrach­tet man den gesam­ten Patrio­ti­schen Info­krieg aus der Vogel­per­spek­ti­ve so stellt er sich als ein ein­zi­ger großer, emo­tio­na­li­sie­ren­der Kom­men­tar zum Gesche­hen dar. Es ist ein gigan­ti­scher Aufbau emo­tio­na­ler Lage­en­er­gie, die nach Aus­drucks- und Ablei­tungs­mög­lich­kei­ten sucht.
Was poli­tisch pas­siert ist Großen jedem klar. Der Info­krie­ger bespricht es im Detail, ver­passt den Fakten ein emo­tio­na­les Set­ting und ent­lässt den Zuse­her nach Betrach­tung seines Inhalts mit Zorn und Taten­drang in den Alltag. Die Videos und Arti­kel kon­zen­trie­ren und beschrei­ben das herr­schen­de Unrecht, sie spit­zen zu und brin­gen die Gefüh­le in Fahrt. All das ist die opti­ma­le Vor­be­rei­tung für einen CTA. Doch worin besteht er in 90% der Fälle? Ers­tens in einem Aufruf, den emo­tio­na­li­sie­ren­den Inhalt selbst zu teilen, was nichts ande­res heißt als andere zu emo­tio­na­li­sie­ren. Zwei­tens darin den Kanal zu abon­nie­ren und finan­zi­ell zu unter­stüt­zen, dh sicher­zu­stel­len dass der Info­krie­ger weiter emo­tio­na­le Lag­ener­gie auf­bau­en kann und man keines seiner Info­pro­duk­te ver­passt. All das ist ist ein gigann­ti­scher „cercle jerk“. Es ist ein sich selbst erhal­ten­der und stei­gern­der Kreis­lauf der zu nichts führt. Emo­tio­na­le Lag­ener­gie wird auf­ge­baut und dann dazu genutzt noch mehr auf­zu­bau­en, um noch mehr auf­zu­bau­en, usw. Die Masse an Zuse­hern wächst und ebenso wächst ihr Zorn und ihre Unruhe. Die vor­han­de­ne. Akti­ons­mög­lich­kei­ten und schwin­den aber mit jedem Akti­vis­ten der die poli­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on auf­gibt und den ver­lo­cken­den Weg des Influ­en­cers ein­schlägt. Kein Wunder, dass sich ins Publi­kum all­mäh­lich ein Gefühl der Ohn­macht ein­schleicht, dass immer häui­ger in blinde Wut auf die vorher unter­stütz­ten und hoch­ge­lob­ten, sog. „Spen­den­pa­trio­ten“ und „Pay­t­rio­ten“ umschlägt. Diese Wut ist ver­ständ­lich, aber frucht­los und fehl­ge­lei­tet. Die You­Tuber und Blog­ger tun ja genau das was sie ver­spre­chen, nicht weni­ger und vor allem nicht mehr. Das Pro­blem ist, dass man­gels Alter­na­ti­ven ihr Info­krieg die Rolle einer Stra­te­gie und ihre Bericht­erstat­tung die Rolle der Aktion ein­neh­men muss. Nicht wenige Influ­en­cer plagt des­we­gen ein schlech­tes Gewis­sen und sie ver­su­chen in fah­ri­gen, mit der heißen Nadel gestrick­ten, „Ver­net­zungs-„ und „Mit­mach-„ Initia­ti­ven einen Schwarm­ak­ti­vis­mus zu evo­zie­ren, der ohne den Aufbau einer echten Bewe­gung mach­bar ist. (All das ist nütz­lich, wün­schens­wert und sinn­voll, aber nur solan­ge es beglei­tend zu einer poli­ti­schen Bewe­gung mit einem kon­kre­ten Ziel geschieht.) Das Pro­blem ist, dass die finan­zi­el­le Unter­stüt­zung für viele Zuse­her eine Art mora­li­scher „Ablass“ und  eine Ersatz­hand­lung für die poli­ti­sche Tat ein­stellt. Der Info­kriegs­gla­dia­tor, tut so als wäre er wirk­lich aktiv und wir dafür von Leuten unter­stützt die so tun als wäre das Akti­vis­mus. Da sich trotz dieser Spen­den aber keine poli­ti­sche Ver­än­de­rung ein­stellt, ver­lie­ren einige lang­sam aber sicher die Geduld. Es ist eine bri­san­te Situation.


Opi­ni­on Leader statt Poli­ti­sche Leader

In Deutsch­land gibt es im Moment ein gewis­ses Wider­stands­po­ten­ti­al, das ist nicht zu leugen. Es ist zwar nicht beein­dru­ckend aber es ist da. Eine Masse per­so­nel­len, geis­ti­gen und finan­zi­el­len Res­sour­cen. Eine große Gruppe an Men­schen hat sich geis­tig vom System ent­frem­det. Ein Teil von ihr ist zur Tat bereit. Ja viele davon sind Boomer, ja die meis­ten davon haben keine höhere Bil­dung, sind nicht bele­sen habenk­ei­ne krea­ti­ven Fähig­kei­ten, keine Elo­quenz und keinen Mode­ge­schmack. Aber sie sind da. In Deutsch­land bro­delt eine Masse an tat­be­rei­ten Men­schen vor sich hin wie eine che­mi­sche Lösung. Sie wächst und ebenso steigt ihre Tem­pe­ra­tur, doch die Akti­vie­rungs­enthal­pie wird von selbst nicht erreicht.
Es ist in der Tat ein phy­sio­che­mi­sches Poten­ti­al. Liter an Tes­to­ste­ron, Gehirn- und Mus­kel­mas­se, Stun­den an Lebens­zeit, Aus­bil­dung und Lebens­er­fah­rung, Dezi­bel an Stimm­vo­lu­men, Waren­la­ger voller Kame­ras, Dru­ckern, PKWs, Tau­sen­de Hektar an ver­füg­ba­rer Grundstücken,Kontakten, und Euros liegen brach und bereit. Dieser quan­ti­tai­ven Masse fehlt die qua­li­ta­ti­ven Orga­ni­sa­ti­on. Sie findet kein poli­ti­sches Ziel auf das sie sich fokus­sie­ren kann. Was dieses Poten­ti­al „von allei­ne“ zustan­de bringt, sieht man täg­lich auf Face­book. Es betreibt ziel­lo­sem Demo-Akti­vis­mus, erstellt häss­li­che Gra­fi­ken und ver­fällt Ver­schwö­run­ges­theo­rien. Doch dieses Poten­ti­al wäre womög­lich bereit sich von „revo­lu­tio­nä­ren Fach­ar­bei­tern führen“, formen und ein­set­zen zu lassen um die Meta­po­li­ti­sche Kli­ma­an­la­ge aus­zu­schal­ten. Statt von Wahl zu Wahl zu hoff­fen, oder von einer Armada an Info­kriegs­gla­dia­to­ren unter­hal­ten und gemol­ken zu werden, könnte eine kri­ti­sche Masse zu meta­po­li­ti­schen Maschi­nen­stür­mern. Es könnte ein Weg gefun­den werden diese geis­ti­ge Kli­ma­an­la­ge kurz zuschlie­ßen und zu zer­stö­ren, statt auf eine All­mäh­lich­keit zu setzen und auf ein Wunder zu warten.
Wir wissen nicht, ob das gelingt, denn es hat bisher kaum jemand ver­sucht. Der tat­be­rei­te Teil des deut­schen Pro­test­po­ten­ti­als hat bisher kaum andere Tat­mög­lich­kei­ten als Demo­auf­ru­fe, Spen­den­auf­ru­fe und Peti­ti­ons­auf­ru­fe zur Aus­wahl. Er hat bereits zig­tau­sen­de Euros gespen­det, dut­zen­de Demos besucht und gefühlt hun­der­te Peti­tio­nen unter­schrie­ben. Ein großer Teil dieses Poten­ti­als könnte bald resi­gnie­ren. Ein Teil der bro­deln­den Masse könnte in klei­nen häss­li­chen Blasen der Gewalt und des Ter­rors, explo­die­ren und dem Gegner als Spreng­satz für das bestehen­de patrio­ti­sche Lager dienen.
Leute die fall­wei­se in der Lage wären, ernst­haft an der Frage der Stra­te­gie, zu arbei­ten und dann diese kri­ti­sche Masse zu orga­ni­sie­ren und zu führen, ver­wei­len im digi­ta­len Grand Hotel Abgrund, oder — schlim­mer — führen diese Masse bewusst oder unbe­wusst an der Nase herum. Gerade die patrio­ti­schen Info­krie­ger haben bereits Gesicht gezeigt, also nichts mehr zu ver­lie­ren. Sie sind in der Regel extro­ver­tiert, elo­quent und medi­en­af­fin. Sie haben auf­grund ihrer Bekannt­heit bereits eine gewis­se Auto­ri­tät und könn­ten pro­blem­los eine Anzahl an Per­so­nen mobi­li­sie­ren. Jeder der Info­kriegs-Influ­en­cer könnte ohne Schwie­rig­kei­ten zumin­dest in seiner Stadt eine echte patrio­ti­sche Bewe­gung grün­den um zumin­dest das auf­ge­wir­bel­tes Zuschau­er­po­ten­ti­al in seinem Ein­zugs­ge­biet  zu orga­ni­sie­ren und zu akti­vie­ren, kurz einen bes­sern Call To Action als den ewigen Spen­de­but­ton bieten. Sollte einer der Kri­ti­sier­ten sich nach der Lek­tü­re dieses Textes dazu ent­schlie­ßen, dann war er jede Zeile wert.