Der Text erschien 2015 am Funken


Dieser Text sollte im „Stil­fa­schis­ten“ einen Typus des „neu­rech­ten Dandys“ aufs Korn nehmen. Aus der Par­odie wurde eine Betrach­tung über Kunst und Phi­lo­so­phie, alte Wahr­hei­ten, die neue Rechte, Gott und die Welt.Beim zahmen Spott über den Typen, dessen Titel aus Moh­lers Essay „Der faschis­ti­sche Stil“ ent­lehnt ist, wurde lang­sam klar:  Das, was vori­gen Texten als die zen­tra­le „Auf­ga­be“ unse­res Lagers genann­te wurde, schei­tert unter ande­rem an ihm.  Es ist der, von Hei­deg­ger inspi­rier­te, Auf­trag aus kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren Tra­di­ti­on, erneut eine Dia­gno­se des zeit­ge­schicht­li­chen Nihi­lis­mus­zu stel­len, und daraus nach einem Sinn zu fragen, der über den bloßen Selbst­er­halt hin­aus­geht. Der schwer­wie­gen­de Vor­wurf an den Stil­fa­schis­ten, hier im Wege zu stehen, ist gleich­zei­tig als Hoff­nung zu ver­ste­hen, nach der das unleug­ba­re Schei­tern unse­res Lagers in den Lauf der Nach­kriegs­ideen­ge­schich­te ein­zu­grei­fen, kein unaus­weich­li­ches Schick­sal ist.  Trifft dieser Ver­dacht auch nur teil­wei­se zu, so ist und war es nicht ein „per­sön­li­ches Schei­tern“, ein quan­ti­ta­ti­ver oder qua­li­ta­ti­ver Mangel an Poten­ti­al. Dieses ist womög­lich vor­han­den und müsste nur aus einem fal­schen Denken ent­fes­selt und in eine neue Frage ein­ge­bun­den werden.

Ein per­sön­li­cher Vorwurf

Das erwähn­te Schei­tern war auch der Sta­chel, der den Autor des Textes erst zur Pole­mik gegen den „Rechts­in­tel­lek­tu­el­len“ an sich ver­führ­te. Nach mehr als einem Jahr­zehnt Akti­vis­mus im rech­ten Lager wuchs eine innere Empö­rung über seinen „intel­lek­tu­el­len“ Flügel: Er war nie für uns da gewe­sen. Die­je­ni­gen die im jugend­li­chen Taten­drang in den „Natio­na­len Wider­stand“ dran­gen – wir hätten sich viele Irr­we­ge, Zeit, Kraft und graue Haare gespart, wenn es bereits damals ein akti­vis­ti­sches, neu­rech­tes „Ange­bot“ wie die IB gege­ben hätte. Obwohl im Nach­hin­ein auch diese Irr­we­ge wich­ti­ge Erfa­hun­gen waren – hätte der rechte Akti­vis­mus der letz­ten Jahr­zehn­te sicher­lich mehr errei­chen können, wenn er von der neu­rech­ten Intel­li­genz nicht im Stich gelas­sen worden wäre. Die Tragik ist offen­sicht­lich: Seit Jahr­zehn­ten war die Über­win­dung des NS „von Rechts“ schon zu Ende gedacht, hatten de Benoist, Mohler, Weiß­mann und andere einen iden­ti­tä­ren Kern jen­seits tota­li­tä­rer, moder­ner Ideo­lo­gien her­aus­ge­ar­bei­tet, die akti­vis­ti­schen Kräfte des rech­ten Lagers hörten immer noch Land­ser und träum­ten sich in die Tra­di­ti­on des NS. Die beru­fe­nen rech­ten „Köpfe“, die geis­ti­ge rechte Elite hatte es jahr­zehn­te­lang nicht ver­mocht, ihre aka­de­mi­sche Arbeit in Mani­fes­te und mit­rei­ßen­de Paro­len, mobi­li­sie­ren­den Sym­bo­len, also „klare Formen“ zu gießen. Bei ihrer Auf­ga­be, der deut­schen, patrio­ti­schen Jugend einen neue, zeit­ge­mä­ße natio­na­le Idee, Spra­che Stil und Mythos zu stif­ten, was den NS-Wie­der­gän­ger mit Leich­tig­keit in den end­gül­ti­gen Ruhe­stand geschickt hätte, hatte „die geis­ti­ge  Elite“ völlig ver­sagt. Alles blieb ver­schlos­sen in einem abge­ho­be­nen, exklu­si­ven aka­de­mi­schen Salon der Lite­ra­ten, der uns sehr tro­cken und stre­ber­haft erschien. Es war eine „Meta­po­li­tik im Vakuum“, wie es Guil­laume Faye in seiner kri­ti­schen Bilanz über die Nou­vel­le Droite nennt. 


In unse­rer meta­po­li­schen „Gram­scia­ni­schen“ Stra­te­gie, hatte wir ein­fach die Tat­sa­che über­se­hen, dass der Kul­tur­kampf den Gram­sci ver­trat, in Ver­bin­dung mit dem poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Kampf der Ita­lie­ni­schen Kom­mu­nis­ti­schen Partei stand und nicht „im leeren Raum“ statt­fand.“
Guil­laume Faye, Arche­fu­tu­ris­mus, S.29

Taten­lo­se Ver­knö­che­rung auf der einen und geist­lo­se Phra­sen auf der ande­ren Seite, trenn­te eine Mauer Hirn und Faust der Rech­ten. Es gab eine „inner­deut­sche Tei­lung“ inner­halb des natio­na­len Lagers, die das Fehlen echter stra­te­gi­scher, wie ideen­ge­schicht­li­cher Kon­zep­te, und die Dicho­to­mie zwi­schen ideen­lo­sen Popu­lis­mus und fana­ti­schen Extre­mis­mus maß­geb­lich beeinflusste. 

Bei der Frage nach der Ursa­che für dieses Ver­sa­gen der „geis­ti­gen Avant­gar­de“ in ihrer Lei­tungs­rol­le, sucht man erst nach „per­sön­li­chen“ Fehler: intel­lek­tu­el­le Eitel­keit, die sich mit der „Masse“ und Mas­sen­ak­tio­nen nicht gemein machen wollte, und sich wei­ger­te, Farbe zu beken­nen und ihre Ideen brauch­bar zu ver­ein­fa­chen. Ver­spiel­te essay­is­ti­sche Belie­big­keit oder pro­fes­so­ra­les Anhäu­fen enzy­klo­pä­di­scher Wis­sens­ber­ge, sowie sinn­lo­ser Mono­gra­phien à la „Die Bedeu­tung des Brief­wech­sels zwi­schen Jünger und Schmitt für die Ent­wick­lung der bay­ri­schen Ento­mo­lo­gie“. Feiges Zau­dern, das es nicht fer­tig­brach­te, sich end­lich posi­tio­nie­ren, sich klar zu oder gegen NS und Faschis­mus zu beken­nen ihn wei­ter­zu­füh­ren, oder ernst­haft zu über­win­den. Je tiefer man aller­dings bohrte, desto mehr schwan­den per­sön­li­che Vor­wür­fe. Es däm­mer­te ein Ver­dacht: Stand hinter all diesen Eigen­schaf­ten nicht eine bestimm­te Denk­hal­tung, ja eine Met­phy­sik? War und ist das Schei­tern dieser Avant­gar­de nicht der letzte Tri­umph des euro­päi­schen Nihi­lis­mus, deren Feind sie zu sein vor­gibt..
Das Bild des Stil­fa­schis­mus, so wie es hier in „gestei­ger­ter Ein­deu­tig­keit“ (Max Weber) gezeich­net wird, beschreibt eine „meta­phy­si­sche“ Grund­hal­tung zur Wirk­lich­keit, die einen nihi­lis­ti­schen Ver­falls­mo­dus unse­res Lagers dar­stellt. Sie ist für den jahr­zeh­ten­lan­gen geis­ti­gen Still­stand, die Preis­ga­be der Uni­ver­si­tä­ten und des geis­ti­gen Raums der Nation und für die Nie­der­la­ge des „Kriegs nach dem Krieg“ (Moel­ler van der Bruck) mit­ver­ant­wor­licht. Das ver­sa­gen der Intel­li­genz führte zu allen extre­mis­ti­schen Zuckun­gen und sub­kul­tu­rel­len Ver­wahr­lo­sun­gen im Bereich des natio­na­len Nachkriegsaktivismus. 

Die gewag­te These, die hier selbst­ver­ständ­lich zuge­spitzt wird, lautet, dass der Stil­fa­schist als 

Ver­tre­ter eines undurch­dach­ten Nietz­schea­nis­mus sowohl die geis­tes­ge­schicht­li­che, als auch die kon­kret poli­ti­sche Rolle unse­res Lagers hemmt und seine Samm­lung und Besin­nung ver­hin­dert. Er ist schein­bar die mutigs­te und scho­nungs­lo­ses­te Ana­ly­se des Nihi­lis­mus, ent­puppt sich beim nähe­ren Hin­se­hen aber als dessen Bestand­teil. Nur eine Kritik des Stil­fa­schis­mus macht den Blick auf den Nihi­lis­mus, und damit die Ver­win­dung des „unheim­lichs­ten Gast“ (Nietz­sche) der Moder­ne möglich.

Stil­fa­schist als „meta­phy­si­sche Figur“

Wir alle haben nach unse­rer „zwei­ten Geburt“ als neue Rechte gewis­se Denker und ein gewis­ses Denken mit der Mut­ter­milch auf­ge­so­gen. Die Kritik des Stil­fa­schis­mus als Welt­an­schau­ung kon­zen­triert sich wesent­lich auf diese Denker und könnte stre­cken­wei­se wie ein neu­rech­ter „Vater­mord“ wirken. Hier muss vor­an­ge­stellt werden, dass viele der zitier­ten Texte nur Abschnit­te von Denk­we­gen beschrei­ben und die gesam­te Kritik als kon­struk­tiv zu ver­ste­hen ist. Es war schließ­lich auch Nietz­sche, dessen Epi­go­nen­tum der Stil­fa­schis­mus dar­stellt, der sich kri­ti­sche Leser und keinen „Zarathustra-Leierchor“wünschte. 

Zwei Texte können als „Grün­dungs­ur­kun­den“ des Stil­fa­schis­mus gelten, der sich von Nietz­sche über Jünger, zu Mohler und De Benoist ent­wi­ckel­te. Es ist der erwähn­te „Faschis­ti­sche Stil“ bzw. die „Nomi­na­lis­ti­sche Wende“ Moh­lers und De Benoists „Heroi­scher Sub­jek­ti­vis­mus“. In beiden Texten wird ein meta­phy­si­sches Welt­bild umris­sen, das im Gefol­ge Nietz­sches einen Anti-Uni­ver­sa­lis­mus lehrt, der in der neuen Rech­ten hege­mo­ni­al wurde.  Sein Grund­kon­sens war der schar­fe Gegen­satz zum Ega­li­ta­ris­mus, der im Schat­ten der „einen Mensch­heit“, des „einen Welt­staa­tes“, der „einen Wahr­heit“ stand, und ein Beja­hung des Plu­ra­lis­mus im All­ge­mei­nen und der eth­no­kul­tu­rel­len Viel­falt im Beson­de­ren. In diesem Grund­kon­sens ver­barg sich aber ein meta­phy­si­sches Urteil über die Welt, das in seinem Kern nihi­lis­tisch ist und unse­rem Lager geis­tig und poli­tisch scha­det. Was besagt dieses Urteil?


Es sieht, wie der Begriff „Stil­fa­schist“ in Stil, Form, Wille, Kraft und Wir­kung, die Essenz der Wirk­lich­keit. In einem, oft unbe­wuss­ten, nicht zu Ende gedach­ten und daher System gewor­de­nen, Nietz­schea­nis­mus ver­tritt der Stil­fa­schist ein vol­un­ta­ris­ti­sches, dezisio­nis­ti­sches, zuletzt sub­jek­ti­vis­ti­sches Bild von Wahr­heit, das über einen Per­spek­ti­vis­mus und Plu­ra­lis­mus weit hinaus geht. Das heißt: Er bekräf­tigt nich eine Viel­falt der Kul­tu­ren, Sprach­wel­ten und Sicht­wei­sen, die den Begriff der Wahr­heit in Rela­ti­on zum kon­kre­ten Dasein und damit auch zur eth­no­kul­tu­rel­len Lebens­welt stel­len. Der Stil­fa­schist ver­steht unter Wahr­heit die will­kür­li­che und selbst­herr­li­che Set­zung des Sub­jekts, als geschlos­se­ne Form, die er dem Chaos ent­ge­gen­stellt. Der Mensch tritt damit als über­mensch­li­cher „Herr der Formen“ (Ernst Jünger) auf. Er selbst stif­tet und schafft sich den Sinn in einer Welt, die, nach Nietz­sche nur mehr als „ästhe­ti­sches“ Phä­no­men zu recht­fer­ti­gen ist. Der Ästhe­ti­zis­mus zieht sich wie ein roter Faden durch den Stil­fa­schis­mus. Der Künst­ler, der als freies Sub­jekt, der amor­phen Mate­rie in einer Form, eine Gestalt, Wesen und Sinn ver­leiht ist der Arche­typ des Stil­fa­schis­ten. „(…) das Stren­ge, Reso­lu­te, auf das Gerüst­haf­te des Geis­tes, der an seinen Welten arbei­tet und für den Kunst immer die defi­ni­te mora­li­sche Ent­schei­dung gegen reinen Stoff, Natur, Chaos, Rücksin­ken Unge­form­tes ist.“ (Armin Mohler, Der Faschis­ti­sche Stil,) Armin Mohler ist analog zum Kunst­wol­len „auf der Suche nach einem sol­chen ele­men­ta­ren „Poli­tik­wol­len“, das die geis­ti­gen Blüten und die harten Fakten der Poli­tik und Geschich­te syn­chron her­vor­bringt.“ (Armin Mohler, Der Faschis­ti­sche Stil)


Die Kon­se­quen­zen dieses Den­kens sind gewal­tig: Indem die Wahr­heit letzt­lich ein poe­tisch ver­stan­de­ner Aus­druck eines sub­jek­ti­ven Kunst­wol­lens ist, ver­liert jeder reli­giö­se und mora­li­sche Wert seine Eigen­stän­dig­keit und „Objek­ti­vi­tät“. Wahr­heit wird zur „not­wen­di­gen Täu­schung“ (Nietz­sche), in Form von Kultur, Reli­gi­on  und Mythos ein nütz­li­cher Mas­sen­be­trug „für das Volk“. Am Ende sind es alle Wahr­hei­ten nur sub­jek­ti­ve Set­zun­gen um eine Frau ins Bett zu krie­gen, oder das Gemein­schafts­ge­fühl einer Nation zu erhal­ten. Der Glaube an die Wahr­heit sei „ein schö­nes Mär­chen, das so manche Stu­dier­stu­be erhellt“. „Wahr ist“, nach De Benoist „was sich in die Lage ver­setzt zu exis­ti­ern und fortzudauern.“

Nietz­sches Schrift über „Wahr­heit und Lüge im außer­mo­ra­li­schen Sinne“, ist das gehei­me Credo der neu­rech­ten Nomi­na­lis­ten. Seine Dekla­ra­tio­nen: „Wahr­hei­ten sind Illu­sio­nen, von denen man ver­ges­sen hat, dass sie welche sind“ und noch deut­li­cher: „Die Falsch­heit eines Urteils ist uns noch kein Ein­wand gegen ein Urteil; darin klingt unsre neue Spra­che viel­leicht am frem­des­ten. Die Frage ist, wie weit es leben­för­dernd, leben­er­hal­tend, [ist]“, sind Gebote ihres Glau­bens.
Tat­säch­lich steht hinter diesem, schein­bar amo­ra­li­schen und „hyper­rea­lis­ti­schen“ Denken der Glaube an eine eigene „höhere Wahr­heit“ näm­lich, dass es keine Wahr­heit jen­seits sub­jek­ti­ver Set­zun­gen gibt. Diese gilt es in einem amor fati zu ertra­gen, oder im besten Fall hero­isch zu affir­mie­ren.
Dieser Sub­jek­ti­vis­mus ist nach De Benoist als „huma­nis­ti­sche“ Befrei­ung zu sehen und gibt die unend­li­che künst­le­ri­sche Frei­heit, neue lebens­dien­li­che Wahr­hei­ten, Kul­tu­ren, Götter und Werte zu schaf­fen. Wahr­heits­kri­te­ri­um wird damit der Erfolg und das Über­le­ben ihres Erfin­ders und Trä­gers. Not­wen­dig ver­liert in dieser Welt­sicht die „inhalt­li­che Welt­deu­tung“ ihren Wert. Es geht nur mehr um die Form, die Kontur, die Span­nung, den Aus­nah­me­zu­stand und den Kampf. Iden­ti­täts­be­stim­mung, Grenz­fin­dung, die Frage nach dem eige­nen Wesen kann nur mehr in Abgren­zung und Krieg zum Ande­ren, im ewigen Gewoge und Kampf der sub­jek­tiv geschaf­fe­nen Pseu­do­wahr­hei­ten bestimmt werden, deren ein­zi­ge Bewäh­rungs­pro­be die Bewäh­rung im Kampf gegen andere Wahr­heits­schöp­fun­gen ist. 


Diese Welt­an­schau­ung, die das Denken eines Groß­teils  des rech­ten Lagers bestimmt, reicht tief in die Wur­zeln der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on zurück. Viele Kon­ser­va­ti­ven wurden nach der Kriegs­nie­der­la­ge, im Ein­bruch der Moder­ne und im Unter­gang des Kai­ser­reichs, gestählt vom Feuer der Schüt­zen­grä­ben zu „Nihi­lis­ten der Tat, die ihren inhalts­lee­ren Dezisio­nis­mus nur durch immer grö­ße­re Radi­ka­li­tät über­spie­len konn­ten und ihn dadurch in die Aporie trie­ben.“
(Wey­er­graf, Kon­ser­va­ti­ve Wand­lun­gen,) Nach dem Unter­gang des Kai­ser­reichs konnte sich der Kon­ser­va­ti­vis­mus nicht mehr mit dem Staat iden­ti­fi­zie­ren, er „ent­schloß sich zu einer Art Ver­zweif­lungs­tat – er wurde revo­lu­tio­när“ (Greif­fen­ha­gen)

Über all den kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren, neu­n­a­tio­na­lis­ti­schen, lebens­re­for­ma­to­ri­schen und völ­ki­schen Strö­mun­gen der Zwi­schen­kriegs­zeit thron­te Nietz­sche und seine Ant­wort auf den Sinn­ver­lust in der Moder­ne durch den „Tod Gottes“ zu ver­ste­hen. Sie ist genuin rechts. Die bis heute wäh­ren­de „linke“ Wühl­ar­beit gegen alle tra­dier­ten Werte tut nichts ande­res, als auf ihre Kon­tin­genz, Geschicht­lich­keit und Per­spek­ti­vi­tät zu ver­wei­sen, und sie als „instru­men­ta­li­sier­te Macht­me­cha­nis­men“ zu ent­lar­ven. Der Rela­ti­vis­mus, dieser kri­ti­schen Theo­rien, der sich iro­ni­scher­wei­se auch Nietz­sches genea­lo­gi­scher Metho­de bedient, ist eng ver­schwis­tert mit dem Uni­ver­sa­lis­mus, ewige und Objek­ti­ver Wahr­hei­ten. Indem er in seiner ideo­lo­gie­kri­ti­schen Ent­lar­vung, Werte und Tra­di­tio­nen als „men­schen­ge­macht“ dar­stellt, ver­weist er auf einen ima­gi­nä­ren, über­zeit­li­chen und dem Men­schen ent­zo­ge­nen, objek­ti­ven und ewigen Wert. Weil die bestehen­den Werte gegen diesen ima­gi­nier­ten Wert abfal­len, sind sie zu verwerfen.

Der nietz­schea­ni­sche Stil­fa­schis­mus ist ein Befrei­ungs­schlag gegen diesen lebens­feind­li­chen, rela­ti­vis­ti­schen Angriff. Indem er das uni­ver­sa­lis­ti­sche Maß, an dem gemes­sen alle Werte als real­tive Belie­big­kei­ten abfal­len ver­wirft, nimmt er der Ideo­lo­gi­kri­tik ihren Stachel

Er affir­miert in einer Flucht nach vorne den tota­len Rela­ti­vis­mus und die Kon­tin­genz aller Werte. Er ent­wi­ckelt einen radi­ka­len Vita­lis­mus, der hohn­la­chend die Grau­sam­keit, Undurch­schau­bar­keit, Amo­ra­li­tät und Sinn­lo­sig­keit des Lebens bejaht. Die Unschuld des Wer­dens begeht einen „Hoch­ver­rat am Geist“ (Jünger). Der Hammer Nietz­sches wird erst gegen alle Götzen geschwun­gen, um dann aus „rauch­ge­schwärz­ten Trüm­mern“,  durch den Wille zur Macht neue Wert­ta­feln auf­zu­stel­len. Wahr­heit ist „zu schaf­fen“ eine „Über­wäl­ti­gung, ein „akti­ves Bestim­men“. (Nietz­sche) In Jün­gers „Arbei­ter“ wird dieser Nietz­schea­nis­mus geschichts­phi­lo­s­phisch poli­ti­siert. Wie stark das Denken auch den NS bestimm­te zeigt ein Gedicht von Kurt Eggers:

Kurt Eggers: Kameraden 

Die Stunde des Soldaten 

Hart dröhnt der Schritt der Bataillone, 

Hell klingt der Stahl in Männerhand. 

Es wanken Reiche, stür­zen Throne, 

Und aus dem Meer steigt neues Land. 

Es schlägt die Stunde des Soldaten! 

Er schrei­tet schwei­gend zum Gericht 

Und formt die Welt mit seinen Taten, 

Sein Willen gibt ihr das Gesicht. 

Aus Blut und Eisen steht die Erde 

Ver­jüngt aus Trüm­mern wieder auf. 

Ein neuer Gott spricht jetzt sein „Werde“ 

Und weist den Welten ihren Lauf.



Auch Alain De Benoist folgt in eini­gen seiner Texten diesem Denken: „Er (Der Mensch) gibt der Welt und sich selbst eine Form, die zuvor außer­halb von ihm und ohne ihn nicht exis­tier­te. Und er erkennt diese Form als sinn­voll.“ (Alain de Benoist, Welt­an­schau­ung und Moral; die Aus­ein­an­der­set­zung von Nomi­na­lis­mus und Uni­ver­sa­lis­mus)


Gestei­ger­ter Nihi­lis­mus

Diese meta­phy­si­sche Grund­hal­tung, die sich in einem extre­men Kult der Tat, in der Idee der tota­len Mobil­ma­chung und zuletzt im Irr­glau­ben, die Moder­ne mit moder­nen Mit­teln „zähmen“ zu können, aus­drück­te, wurde von einem unse­rer Vor­den­ker sehr früh als das durch­schaut, was sie ist: gestei­ger­ter Nihi­lis­mus. Es ist Hei­deg­ger, der vor allem in seiner Nietz­sche-Kritik (die als Tech­nik- und Faschis­mus­kri­tik zu lesen ist) das (Un)Wesen dieses Unter­neh­mens voll­kom­men durch­blick­te. Ebenso sah er, dass dieses Epi­go­nen­tum die wahre Bot­schaft von Nietz­sches Kritik nicht hört und, um es mit einem Bild Rilkes aus­zu­drü­cken, wie ein Hun­de­wel­pen statt dem Fin­ger­zeig der Hand zu folgen, in die aus­ge­streck­te Hand beißt. Man muss Nietz­sche ver­lie­ren können um ihn ganz zu finden, ja sein eige­nes Denken gegen ihn selbst wenden.
Denn im Stil­fa­schis­mus lebt die ältes­te und hart­nä­ckigs­te Mythe der Auf­klä­rung uner­kannt weiter: das auto­no­me, selbst­ge­nüg­sa­me, selbst­herr­li­che Sub­jekt Rene Des­car­tes. Dessen „Ver­bin­dung“ zur objek­ti­ven Außen­welt mit­tels „wahrer Sätze“ wurde im Zuge der Religions‑, Ideo­lo­gie- und Wis­sen­schafts­kri­tik immer zwei­fel­haf­ter. Ein Unbe­ha­gen wuchs. Der Nietz­schea­nis­mus, indem er die Objek­ti­vi­tät völlig leug­net und alles in einem Willen zur Macht, als dessen Sub­jekt der heroi­sche Über­mensch als Wer­te­set­zer fun­giert, auf­ge­hen lässt, zieht den letz­ten Schluss aus der Sub­jekt-Objekt-Dicho­to­mie. Er über­win­det sie nicht. Statt nach dem Wesen von Wahr­heit, und ihren unter­schied­li­chen „Evi­den­zen“ in Kunst, Reli­gi­on, Wis­sen­schaft, Poli­tik und Kultur zu fragen, kippt er aus einem „pla­to­nisch-uni­ver­sa­lis­ti­schen“ Extrem in ein ande­res. Gegen das „Abs­trak­te“, „Gött­li­che“, „Ratio­na­le“, das „Sta­ti­sche“ und „Mora­li­sche“ macht er das „Kon­kre­te“; „Huma­nis­ti­sche“, „Trieb­haf­te“, das „Werden“ und „Ästhe­ti­sche“ zum Zen­trum. Er findet dabei kein Gleich­ge­wicht.  Es gibt selbst­ver­ständ­lich kein Sub­jekt, das einem amor­phen Chaos will­kür­lich seine Formen auf­prägt. Jeder Schaf­fens­pro­zess in Kultur und Kunst, jede For­schung, jeder Sprech­akt knüpft an eine Kette von Tra­di­tio­nen an, in die wir ein­ge­las­sen und gewor­fen sind. Der Mensch als Akteur ist viel­mehr ein Zulas­sen­der, ein Erwir­ker und Durch­wirk­ter, der als Dasein immer schon in der Welt, mit den Ande­ren und bei den Dingen ist.


Gegen die Idee einer tota­len Orga­ni­sier­bar­keit, Mobi­li­sier­bar­keit, gegen die reine Form und den tota­len Staat, gegen den „Über­men­schen“ als Sub­jekt und den „Willen zur Macht“ als System der Wil­lens­me­ta­phy­sik ent­larvt eine phä­no­me­no­lo­gi­sche Kritik all das als reduk­tio­nis­ti­sche Aus­le­gungs­mög­lich­kei­ten von Sein und Dasein. Der Stil­fa­schis­mus, der sich in seinem sub­jek­ti­vis­tisch-nomi­na­lis­ti­schen Welt‑, Men­schen- und Wahr­heits­be­griff abschließt und „nichts außer­dem“ aner­kennt, wird damit selbst „meta­phy­sisch“ wird zur „letz­ten Ver­stri­ckung in den Nihi­lis­mus“,. Sie selbst sperrt sich „von der Mög­lich­keit aus, jemals das Wesen des Nihi­lis­mus denken und wissen zu können“. (Martin Hei­deg­ger, Die Seins­ge­schicht­li­che Bestim­mung des Nihi­lis­mus in Nietz­sche)

„Es ist „ der Mensch als Ver­nunft­we­sen der Auf­klä­rungs­zeit nicht weni­ger Sub­jekt als der Mensch der sich als Nation begreift, als Volk will, als Rasse sich züch­tet und schließ­lich zum Herrn des Erd­krei­ses sich ermäch­tigt. (…) Im pla­ne­ta­ren Impe­ria­lis­mus des tech­nisch orga­ni­sier­ten Men­schen erreicht der Sub­jek­ti­vis­mus des Men­schen seine höchs­te Spitze, von der  er sich in die Ebene der orga­ni­sier­ten Gleich­för­mig­keit nie­der­las­sen und dort sich ein­rich­ten wird.“
Martin Hei­deg­ger, Die Zeit des Welt­bil­des


Er ent­larvt sich als letz­ter Akt der Moder­ne, als ver­zwei­fel­ter Ver­such, die Auf­klä­rung und das auto­no­me, bür­ger­li­che Sub­jekt (das er mit Europa und seiner Kultur ver­wech­selt) sowie sein „Eigen­tum“, inform seiner geschaf­fe­nen Werte zu erhal­ten. Diese grim­mi­ge Insis­tenz ent­spricht nicht der wahren Auf­ga­be eines rech­ten Lagers und der Bot­schaft Nietz­sches, eine neue, tie­fe­re Suche und Frage nach Wahr­heit jen­seits von objek­ti­vem Uni­ver­sa­lis­mus und sub­jek­ti­vem Rela­ti­vis­mus bedeu­tet. Diese Frage kann hier nur ange­deu­tet werden. Die Über­win­dung der nietz­schea­ni­schen Wil­lens­me­ta­phy­sik, die neue Bestim­mung der Wahr­heit aus Hei­deg­gers Fun­da­men­tal­on­to­lo­gie, die Befrei­ung des Den­kens von der „meta­phy­si­schen Ver­seu­chung“ der Spra­che durch Jahr­hun­der­te­lan­ge Bewuss­seins­phi­lo­so­phie, sind Teil der „Gigan­to­ma­chie um das Sein“, die seit den grie­chi­schen Anfän­gen auf euro­päi­schen Boden tobt. Auch ist hier eine tie­fe­re Ana­ly­se der Nietz­schea­ni­schen Wil­lens­me­ta­phy­sik nicht geplant, vor allem weil der Stil­fa­schist, nur die welt­an­schau­li­chen, mora­li­schen und poli­ti­schen Kon­se­qun­zen, nicht aber die Essenz dieses Den­kens ver­kör­pert. Er ist der All­tags­ty­pus, den der ver­steck­te und omni­prä­sen­te Sze­ne­nietz­schea­nis­mus her­vor­ge­bracht hat. Hier geht es vor allem darum wie er der Bewe­gung scha­det. Aus dieser Erkennt­nis könnte, bei dem einen oder ande­ren Leser das Inter­es­se an der phi­lo­so­phi­schen Ergrün­dung und Über­win­dung, der Ursa­chen geweckt werden.


Wie der Stil­fa­schis­mus uns scha­det

Dieses Denken, in dessen Aus­sa­gen sich viel­leicht einige Leser wie­der­ge­fun­den haben, war auch lange Zeit unbe­wuss­te Grund­la­ge der poli­ti­schen und stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen des Autors dieses Textes. (All die fol­gen­de Kritik ist daher auch als Selbst­er­kennt­nis und Selbst­kri­tik zu ver­ste­hen). „Ihr sollt Dich­ter eures Lebens sein“ — nach diesem Motto arbei­tet der Stil­fa­schist an seinem Leben als künst­le­ri­sche Exis­tenz, durch die er primär eine Spur in der Geschich­te hin­ter­las­sen will. Wenn alle Ideen ledig­lich Set­zun­gen und lebens­not­wen­di­ge Macht­äu­ße­rung dar­stel­len, endet man auto­ma­tisch in einem Kult der Tat, der nur mehr auf ihren Effekt, auf den Bei­fall und die sicht­ba­re Größe schielt. Der Stil­fa­schis­mus erzeugt einen Cha­rak­ter­typ, der in der Regel exal­tiert, eitel, ewig „jugend­lich“ bis zur Lächer­lich­keit auf seine „Autor­schaft“, auf die Urhe­ber­schaft gewis­ser Ideen, Begrif­fe und Debat­ten bedacht ist. Da jede Wahr­heit „sub­jek­ti­ve Wil­lens­schöp­fung“ ist, ist jede Aner­kennt­nis ande­rer Ideen eine Unter­wer­fung unter einen frem­den Willen. Da es jen­seits ihrer Selbst­be­haup­tung nichts gibt, worauf diese Wil­lens­äu­ße­run­gen abzie­len, ist die Bil­dung einer gemein­sa­men Schule, und eine gemein­sa­me Suche nach Sinn und Wahr­heit unmög­lich. Es gibt led­lig­lich die Unter­wer­fung unter einen frem­den Willen. Alle Paro­len und Begrif­fe, mit denen er die Massen begeis­tern will, glaubt der Stil­fa­schist selber nicht. Er ist meist zyni­scher Machia­vel­list. Im End­ef­fekt hält er, seiner Meta­phy­sik fol­gend, alle welt­an­schau­li­che Debat­ten für leeres Gerede, in dem sich nur ein Wider­satz der „Typen“ und Cha­rak­te­re offen­bart. Seine Vor­lie­be für Typo­lo­gien ist Aus­druck seines Miss­trau­ens für Ideen und dem Des­in­ter­es­se an Phi­lo­so­phie. Am Ende geht es ihm darum, im als „tra­gisch“ und unaus­weich­lich betrach­te­ten Fatum „in Würde Schiff­bruch zu bege­hen“ und eine gute Figur zu machen (die man even­tu­ell noch als Bild auf Insta­gram „posten“ kann, bevor einem die Fluten ver­schlin­gen).
Dieser Typ sehnt sich nach Stil, Wahr­heit und Größe, ist aber unfä­hig, sie zu schaf­fen. Die Geschich­te zeigt uns über­deut­lich, dass die nietz­schea­ni­schen Pro­jek­te der „Drit­ten poli­ti­schen Theo­rie“ (Dugin), die den Lebens­kampf und den Nutzen von Wahr­heit, Stil und Sinn für das Über­le­ben zum Zen­trum des Den­kens mach­ten, nir­gends echten Sinn stif­ten konn­ten. Wo Faschis­men lang­fris­tig erfolg­reich waren, rekur­rier­ten sie auf alte tra­dier­te natio­na­le und reli­giö­se Mythen. Gerade die „antike Ehr­lich­keit“ (Schmitt), die der fana­ti­schen „Lei­den­schaft“ moder­ner Uto­pien ent­ge­gen­ge­stellt wird, war nie­mals nomi­na­lis­tisch, sub­jek­ti­vis­tisch oder gar „athe­is­tisch“. Das letzt­lich geschichts­lo­se Denk­sche­ma zwi­schen „Wille zur Macht“ und „Willen zum Nichts“ ist zur Rück­schau wie zur Vision unge­eig­net.
Der neu­rech­te Stil­fa­schis­mus, der die sub­jek­ti­ven Wert­schöp­fung pre­dig­te, hat wenig an Wahr­heit, Sinn und Werten erschaf­fen. Es gilt das Para­do­xon, dass die­je­ni­gen, die am meis­ten von Stil reden, ihn nicht her­ov­brin­gen; dass die­je­ni­gen, die das Leben zum Lebens­sinn machen, am rasches­ten die Lebens­lust ver­lie­ren. Der Stil­fa­schist will den Effekt von Wahr­heit und Sinn erle­ben, ohne deren Kon­se­quen­zen, die uner­bitt­li­che Pflicht, den Demut und das Risiko des Glau­bes ein­zu­ge­hen.  In seiner Jagd nach Sinn, ver­jagt er ihn. Er tötet eim Eisbad des Zynis­mus und des „alles schon gewusst haben“ die Sehn­sucht und die Offen­heit für das Geheim­nis und damit für eine mög­li­che Erfah­rung von Sinn.

„Denn das Geheim­nis des Men­schen­le­bens liegt nicht im bloßen Dasein, son­dern im Zweck des Daseins. Ohne eine feste Vor­stel­lung davon, wozu er leben soll, wird der Mensch gar nicht leben wollen, und er wird sich eher ver­nich­ten, als daß er auf Erden leben bliebe (…)“
Fjodor Dos­to­jew­ski, Der Groß­in­qui­si­tor

Seine Vor­stel­lung von Wahr­heit und „Sinn­stif­tung“, schafft ein grel­les ein­tö­ni­ges Ambie­te, in dem prin­zi­pi­ell kein „ret­ten­der Gott“ erschei­nen kann.  Droge und Rausch sind oft die letz­ten Aus­flüch­te auf der Suche nach selbst­in­du­zier­ten Eksta­sen, nach denen man nicht selten, aus­ge­brannt und müde in den Lehn­stuhl des reli­giö­sen Kon­ser­va­ti­vis­mus zurücksinkt. Denn, und das muss am eben­falls klar gestellt werden: Die Alter­na­ti­ve zum Stil­fa­schis­mus in dem sich das Sein als  Wille zeigt ist nicht ein­fach eine tra­di­tio­na­lis­ti­sche Nost­al­gie, kein schlich­tes Zurück in die heile Welt, in die kos­mi­sche „Ganz­heit“ der Antike oder des reli­giö­sen Mit­tel­al­ters  und seiner Erfah­rung von Sein als Grund. Diese zu behaup­ten würde das Argu­ment des Nietz­schea­nis­mus stär­ken und die Dicho­to­mie zwi­schen dem „rein Ago­na­len“ und dem „ideo­lo­gi­schen Mes­sia­nis­mus“ (Mohler) nur verfestigen. 


Es geht darum, als Erben einer Tra­di­ti­on, hin­ein­ge­stellt in die Nach­we­hen eines unhin­ter­geh­ba­ren Ereig­nis­ses, als Kinder des „Tod Gottes“, unse­rer Zeit wahr­haf­tig zu ent­spre­chen. Wir müssen die Frag­wür­dig­keit aller Dinge ernst nehmen und mit Hei­deg­ger das Sein als Wille „fahren lassen“ und mit dem Sein als Grund „bre­chen“. Ein nietz­schea­nisch-moder­ner Wir­bel­sturm der Kritik ist nicht kon­ser­va­tiv auf­zu­hal­ten. Wir müssen aber erken­nen, dass er nicht nur die uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gien, son­dern auch das auto­no­me „Sub­jekt“, den „Herr der Formen“ zer­stört. Was liegt dahin­ter? Neu­land! Die ent­schei­den­den Fragen, was nach der Moder­ne und ihrer Metaer­zäh­lung kommt, was Wahr­heit, was Dasein und Sein uns heute bedeu­ten können, wurden heute noch gar nicht gestellt. Unser Lager, unser Volk, das deut­sche Spre­chen und Denken kann darin eine ein­zig­ar­ti­ge, groß­ar­ti­ge Auf­ga­be finden. Allein aus den Bug­wel­len dieses neuen Auf­bruchs, der ein Aus­bruch aus dem Gefäng­nis des Sub­jekt­den­kens sein muss, werden  sich — wie von selbst — Stil, Lebens­drang und Ver­tei­di­gung des Eige­nen erge­ben! Oder auch nicht… Denn der Erfolg eines Unter­neh­mens liegt nicht allein an uns und an einer neuen „Ein­stel­lung“.


Diese Erkennt­nis, dass es ein Geheim­nis geben, eine Wahr­heit und ein Ereig­nis erfahr­bar sein könn­ten, dass wir jedoch an seiner vor­be­rei­ten­den Erwar­tung schei­tern, oder es schlicht auch ein­fach aus­blei­ben könnte, es aber kei­nes­falls aus­ge­schlos­sen ist, wie Nietz­sches Wil­lens­me­ta­phy­sik pos­tu­liert, erfor­dert wahren Mut. Diese Hal­tung ist scho­nungs­lo­ser als jedes „amor fati“. Nur indem wir uns für den mög­li­chen Unter­gang öffnen, öffnen wir uns auch wieder für die Welt und ein Ereig­nis. Diese Offen­heit bedeu­tet, den Panzer des reinen Selbst­er­hal­tes, des „Wir sind Wir“ und „Deutsch­land zuerst“, so absurd das klingt, im Denken fal­len­zu­las­sen. Nur in einer ehr­li­chen, auf­rich­ti­gen Frage nach dem „Wozu“ unse­res Daseins jen­seits eines „bio­kul­tu­rel­les Kol­lek­tiv“, in der Suche nach der Auf­ga­be, ja ehti­schen Pflicht, die sich aus unse­rer Geschich­te ergibt, werden wir wieder einen Lebens­sinn finden, der das ganze Volk ein­schließ­lich unse­rer „Gegner“ erfül­len kann. Wir müssen bereit sein, uns selbst zu ver­lie­ren und zu opfern, um uns wie­der­zu­fin­den. Aus dem nihi­lis­ti­schen Denken des Stil­fa­schis­mus muss wieder ein Denken und Fragen nach dem Nihi­lis­mus in uns und um uns werden. All diesem Pathos zum Trotz wird dieser Auf­bruch von keinem Thea­ter­don­ner beglei­tet. Er ist ein ewiges Umkrei­sen, ein Her­aus­schä­len, ein müh­se­li­ges Arbei­ten im Denken und in der Tat. Er schielt auf keinen Effekt, will keine Vor­schuss­lor­bee­ren, es geht ihm nur um die Wahr­heit über die Wahr­heit.

„Das Wort der Denker kennt keine Autoren im Sinne der Schrift­stel­ler. Das Wort des Den­kens ist bild­arm und ohne Reiz. Das Wort des Den­kens ruht in der Ernüch­te­rung zu dem, was es sagt. Gleich­wohl ver­än­dert das Denken die Welt. Es ver­än­dert sie in die jedes­mal dunk­le­re Brun­nen­tie­fe eines Rät­sels, die als dunk­le­re das Ver­spre­chen auf eine höhere Helle ist“
Martin Hei­deg­ger, Vor­trä­ge und Auf­sät­ze, GA7, S.234


Dieser Text ist eine Ein­la­dung zum schmerz­haf­ten Auf­bruch und zur Selbst­kri­tik, viel­leicht fast bis zur Selbst­auf­ga­be. Wir haben nichts zu ver­lie­ren außer dem Stil­fa­schis­mus. Und dessen Todes­ur­teil ist ohne­hin schon gefällt. Mit ihm ist etwas gesche­hen, das er nicht ertra­gen kann. Er ist alt gewor­den.
Um kon­kret zu werden, zeigt sich in der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung und ihrem klaren Bekennt­nis zu einer ganz­heit­li­chen Welt­sicht, in die das eth­no­kul­tu­rel­le Dasein ein­ge­bet­tet wird, in ihrer ebenso klaren wie ehr­li­chen Abgren­zung zu NS und Faschis­mus, ein erster Schritt. Nur Inso­fern man es mit Bekennt­nis und Abgren­zung ernst meint, als diese nicht einer Absi­che­rung und Anbie­de­rung dient, son­dern Auf­bruch und Basis­la­ger eines neuen Auf­stiegs ist, kann sie an einem „ande­ren Anfang“ mit­wir­ken. Ein iden­ti­tä­rer Stils und Mythos kann nur ent­ste­hen, wenn seine Ver­tre­ter prak­tisch und theo­re­tisch mit der zyni­schen, amo­ra­li­schen, nomi­na­lis­ti­schen Welt­sicht des Stil­fa­schis­mus bre­chen. Nur hier könnte in einer neuen „Denk­schu­le“, die den Nietz­schea­nis­mus der neu­rech­ten Intel­li­genz und der alt­rech­ten Sub­kul­tur the­ma­ti­siert und über­win­det, auch Zuein­an­der­fin­den von Idee und Tat statt­fin­den. Ob dieser Auf­bruch wahrist, wird die Zeit zeigen. Was ist hier der Unter­schied zu Benoists Defi­ni­ti­on von „Wahr­heit“?
Vil­l­eicht: wir glau­ben daran.