Der Text erschien im Jahr 2015, kurz vor der ersten Löschung des Blogs am Funken

I. KUNST UND WAHRHEIT 

1. Ein­lei­tung: Der zweite Streich 

Nach­dem wir in einem jüngs­ten Text, der in gewis­sen Krei­sen eine gewis­se Beach­tung erfuhr, den „Babo-Nazi“ ana­ly­siert und kri­ti­siert haben, soll nun ein ande­rer Typus der unsere „Szene“ bevöl­kert sein Fett weg­be­kom­men.
Man kann über den BaBo sagen was man will – er ist zumin­dest meis­tens sehr umtrie­big und aktiv. Ihm fehlt welt­an­schau­li­che Tiefe, jede Stra­te­gie und jedes Unter­schei­dungs­ver­mö­gen zwi­schen Theo­rie und Pro­pa­gan­da – aber er tut immer­hin etwas. Gut gemeint ist dabei wie immer das Gegen­teil von gut gemacht. Wäh­rend idea­ler­wei­se Stra­te­gie und Theo­rie, kühl, ein­heit­lich, stabil und unbe­irr­bar sind, Taktik und Pro­pa­gan­da aber situa­tiv varia­bel, fle­xi­bel, emo­ti­ons­be­zo­gen und an den Adres­sat ange­passt, sieht es beim Babo-Nazi genau umge­kehrt aus.
In der Pro­pa­gan­da herr­schen starre, unfle­xi­ble, unzeit­ge­mä­ße und ideo­lo­gi­sche Feti­sche vor. Jede Anpas­sung an das aktu­el­le Bewusst­sein gilt als „Verrat“. Stra­te­gie und Theo­rie sind kom­plett unre­flek­tiert und wabern unbe­wusst zwi­schen Ter­ror­phan­ta­sien und kurz­fris­ti­gen Klein­zie­len hin und her. Jede echte Pla­nung gilt als „Geschwätz und Feig­heit“.
Vor allem aber ver­sperrt sich der Babo der not­wen­di­gen 3. Welle der Kritik in der ein natio­na­les Lager den Uni­ver­sa­lis­mus als Haupt­feind erken­nen und damit auch die eigene ideo­lo­gi­sche Grund­la­ge einer radi­ka­len Revi­si­on unter­zie­hen muss. Er ver­küm­mert damit unwei­ger­lich in dem, im Arti­kel aus­führ­lich beschrie­ben, Dege­ne­ra­ti­ons­sta­di­um und ist für unsere Ziele letzt­lich schäd­lich, wäh­rend alle „pro­gres­si­ven“ Ele­men­te den letz­ten und unaus­weich­li­chen Schritt der Kritik gehen. Der BaBo ist also gewis­ser­ma­ßen das Ergeb­nis einer Art „Nega­tiv­aus­le­se“.
Wollen wir den ihn und all­ge­mein den NWler im Wandel der Zeit, sym­bo­lisch dar­stel­len, ist er so etwas wie eine Faust ohne Hirn. Eine Faust die sich auf­grund dieser Hirn­lo­sig­keit ver­zwei­felt an die bunt­glän­zes­ten Sym­bo­le und Paro­len klam­mert. Doch genug — diese Kritik hat man am Funken oft und oft gele­sen. In diesem Arti­kel rich­ten wir das kri­ti­sche Kano­nen­rohr auf ein ande­res Lager, das sich bisher in Sicher­heit gewo­gen hat. Nicht zu unrecht, denn immer­hin ent­stam­men wir ihm selbst. Wenn wir uns heute kri­tisch darauf bezie­hen können, dann nur weil wir uns wei­ter­ent­wi­ckelt haben. Der Typus den wir im fol­gen­den Arti­kel aus­ein­an­der­neh­men werden, ist die schlech­te Ergän­zung zum NW: das brü­ten­des Hirn ohne Faust. Es ist der Arche­typ des moder­nen, neu­rech­ten Intel­lek­tu­el­len, der genau wie der  NW-Akti­vist seine geschicht­li­che Auf­ga­be leider ziem­lich ver­fehlt hat.

Seine Auf­ga­be wäre es gewe­sen, gerade dem ein­fa­chen Idea­lis­ten und „Stra­ßen­kämp­fer“ aus dem geis­ti­gen Elend zu helfen. Er war theo­re­tisch dazu in der Lage, mit­tels seines ange­lern­ten, geis­ti­gen Instru­men­ta­ri­ums, die ideo­lo­gi­schen Blöcke abzu­bau­en und der Essenz eines kon­ser­va­tiv, tra­di­tio­na­len Denkes zu for­mu­lie­ren. Er war ebenso dazu in der Lage mit­tels seiner küns­ter­lisch-schöp­fe­ri­schen Bega­bun­gen, einen Begriff, ein neues Bild zu schaf­fen und dem Lager so einen neuen Auf­bruch zu schen­ken. Geschul­te Hirne zur radi­ka­len Kritik der alt­rech­ten Ideo­lo­gien, ihrer Theo­rien und Propaganda,und künst­le­ri­schen Geis­ter zur Ergrün­dung neuer Begrif­fe und Sym­bo­le waren in den rechts­in­tel­lek­tu­el­len Krei­sen im Über­fluss vor­han­den.
Warum es in all den Jahr­zehn­ten in diesem Lager aber NIEMALS zu einer echten, tiefen, radi­ka­len  und kon­struk­ti­ven Kritik der 3. poli­ti­schen Theo­rie, die im glei­chen Atem­zug eine Alter­na­ti­ve for­mu­lier­te, warum es nie zum „großen Wurf“ kam – dem wollen wir in den fol­gen­den Seiten auf den Grund gehen.

Wir werden sehen, dass an dieser Unfä­hig­keit der 3. poli­ti­schen Theo­rie auf den Grund zu gehen, sie zur durch­schau­en und zu ver­wer­fen, sowie der Unfä­hig­keit einen echten neuen Auf­bruch, samt eige­nem Stil zu schaf­fen, ein bestimm­tes ideo­lo­gi­sches Syn­drom die Schuld trägt.  Der Grund warum nie­mals eine echte rechte Intel­li­genz als stra­te­gi­sche und stil­ge­ben­de Kraft um das Banner einer neuen Idee auch eine Masse an echten Akti­vis­ten scha­ren konnte hat unse­rer Ansicht nach ideen­ge­schicht­lich-sys­te­ma­ti­sche Gründe. Das ist die gute Nach­richt: Es liegt nicht am ein­zel­nen Ver­sa­gen, nie­man­dem wird hier ein per­sön­li­cher Vor­wurf gemacht. Es ist kein böser Zufall, dass bis jetzt jede echte Ver­ei­ni­gung von Akti­vis­ten und Den­kern und jede echte leben­di­ge, kon­struk­ti­ve Absatz­be­we­gung von der 3PT ver­wehrt blieb und sich jetzt in einer Iden­ti­täts­be­we­gung beides im Keim erfüllt.
Die kri­ti­sche Kraft und das krea­ti­ve Poten­ti­al allei­ne reich­ten und rei­chen nicht aus, um eine neue Bewe­gung zu schaf­fen. Es man­gel­te der rech­ten Intel­li­genz also nicht ein­fach an einer gewis­sen Quote an Künst­lern, Musi­kern, Zeich­nern, Para­dies­vö­geln etc. um „meta­po­li­tisch“ wirk­sam zu werden. Diese simple Sicht über­sieht genau das zen­tra­le Pro­blem und ist analog zur BaBo-Illu­si­on, mit bes­se­ren Gra­fi­ken, Sounds und Looks könnte man dem inhalt­lich Glei­chen end­lich zum Durch­bruch ver­hel­fen.
Wir erin­nern uns: Kritik des BaBo zeigte uns, dass es zuletzt die Selbst­kri­tik also die Kritik der eige­nen Welt­an­schau­ung ist, die erst eine erfolg­rei­che Stra­te­gie und Optik ermög­licht. Nicht an der Optik und der sozia­len Arbeit muss her­um­ge­schraubt werden- im welt­an­schau­li­chen Bereich brauch­te es eine Kon­zen­tra­ti­on auf das Wesent­li­che und eine Neu­fas­sung des Ewigen, seine Behaup­tung gegen die Her­aus­for­de­run­gen im Jetzt.


Um diese inhalt­li­che Neu­ori­en­tie­rung zu erleich­tern haben wir das Wesen und die Ideo­lo­gie des BaBos kri­ti­siert. Genau das­sel­be werden wir in diesem Arti­kel mit Wesen und Ideo­lo­gie des (neu)rechten Intel­lek­tu­el­len machen, wobei hier mehr wie da natür­lich nur ein Holz­schnitt und „Ide­al­ty­pus“ ent­ste­hen kann.

(Der „Idealtypus“ist ein metho­di­scher Begriff aus dem Denken Max Webers und hat den „Cha­rak­ter einer Utopie an sich, die durch gedank­li­che Stei­ge­rung bestimm­ter Ele­men­te der Wirk­lich­keit gewon­nen ist“. Er ermög­licht so im Ver­gleich mit der realen in Sche­men unfass­ba­ren Wirk­lich­keit eine schär­fe­re Erfas­sung der letzteren.Vgl. Max Weber, Die Objek­ti­vi­tät sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis“ in „Gesam­mel­te Auf­sät­ze, S. 190)

Das was beim Babo auf dump­fer und ein­fa­cher Ebene über „Treue“ zum NS, ver­ewigt wird — das ver­har­ren im alten Welt­bild der 3PT, ist beim Intel­lek­tu­el­len auf einer wesent­lich kom­ple­xe­ren Ebene glei­cher­ma­ßen wirk­sam. Da es aber wesent­lich kom­ple­xer ist, muss auch unsere Kritik tiefer drin­gen und weiter aus­ho­len.
Es geht nicht um die Kritik einer bestimm­ten Feti­schi­sise­rung und Fixie­rung auf eine kon­kre­te Ideo­lo­gie. Das ideo­lo­gi­sche Syn­drom  rechts­in­tel­lek­tu­el­ler Zusam­men­hän­ge tritt in tau­send Varia­tio­nen und Formen auf und tarnt sich mit einer „antiideo­lo­gi­schen“ Grund­stim­mung. Den­noch ist es eine bestimm­te Ideo­lo­gie, mit bestimm­ten Grund­prin­zi­pi­en.  Es ist eine Denk­wei­se die mit gewis­sem Recht als ver­ein­fach­ter Vul­gär­nietz­schea­nis­mus bezeich­net werden kann und die wir in diesem Text „Stil­fa­schis­mus“ taufen wollen. Dieser Text will im wesent­li­chen zwei Thesen vertreten:

1. Es gibt den Stil­fa­schis­ten als Grund­ty­pus der rech­ten Zusam­men­hän­ge
2. Sein ideo­lo­gi­sches Syn­drom ist schäd­lich für diese und mit­schuld am bis­he­ri­gen Schei­tern.

Die Über­win­dung des Stil­fa­schis­mus ist, so die con­clu­sio,  der erste Schritt zu einer 4. poli­ti­schen Theo­rie. Es ist die seins­ge­schicht­li­che Auf­ga­be der iden­ti­tä­ren, aka­de­mi­schen Jugend, die sie dem Rest des Volkes, den Arbei­tern, Beam­ten und Ange­stell­ten, aber auch dem ein­fa­chen poli­ti­schen Akti­vis­ten gegen­über hat: der Stil­fa­schis­mus und sein Typus der Stil­fa­schist müssen ver­stan­den, wider­legt und über­wun­den werden. Erst dann sind auch die rechts­in­tel­lek­tu­el­len Zusam­men­hän­ge reif für eine iden­ti­tä­re Wende. Diese ist also mit­nich­ten eine ein­sei­ti­ge „Macht­über­nah­me“ des Hirns zulas­ten der Faust. Die gegen­sei­ti­ge Kritik der intel­lek­tu­el­len (neuen) Rech­ten und akti­vis­ti­schen natio­na­len Rech­ten ist jeweils berech­tigt. Der fana­ti­sche Taten­drang, und bren­nen­de Glaube der ersten, der ohne Besin­nung und Wissen ver­pufft, steht dem belie­bi­gen Pot­pour­ri hoch­ge­schraub­ter Fach­geis­ter, dem zynisch-apo­li­ti­schen Archi­va­ren des Wis­sens gegen­über.
Beide können und müssen von­ein­an­der­ler­nen. Aus dem flam­men­den Glau­ben muss eine bren­nen­de neue Suche aus dem hoch­ge­sta­pel­ten Wissen eine neue tiefe Frage werden. Bevor sich aber das Neue erhe­ben kann, muss das Alte fallen. Damit es fällt muss es durch­schaut werden.

Dieser Text soll und wird also ein Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis dieses Typus und einer ganzen Szene sein.

2. Stil, Kunst und Wahrheit

Wir haben gerade eben geschrie­ben, dass der beschrie­be­ne Typus über Jahrz­en­te hin­durch unfä­hig war einer neuen Idee zur Geburt zu ver­hel­fen und einen neuen Stil zu prägen. Gleich­zei­tig nennen wir ihn aber den „Stil­fa­schist“. Ein Wider­spruch? Nein im Gegen­teil. In der Frage nach Stil Kunst und Wahr­heit sitzt der grund­le­gen­de Denk­feh­ler des SF. Genau aus diesem Grund werden wir uns dem Thema, nach der obigen Ein­lei­tung, über einen Abste­cher in die Kunst­theo­rie nähern. Das auch um ihm eine kleine Refe­renz zu erwei­sen und ihn nicht direkt mit dem theo­re­ti­schen Sezier­mes­ser an den Leib zu rücken. Wir rücken dabei ja auch der wilden Jugend­pha­se des Funken zulei­be, in der er ganz ein­deu­tig diesen Typus mit­ver­kör­per­te. Wir wollen uns also lang­sam annä­hern, denn die „Wahr­heit ist ein Weib“ und der  Stil­fa­schist in der Regel ein sen­si­bles Pflänz­chen, der bei sach­li­cher Kritik oft ein­schnappt, wie die sprich­wört­li­che Mimose.

Wir wollen nun Dich lieber Leser nicht mit einem Abriss gän­gi­ger Kunst­theo­rien lang­wei­len, son­dern sofort und in eige­nen, ein­fa­chen Worten ans Wesent­li­che gehen. Die Frage „Was ist Kunst?“ wird hier keine abschlie­ßen­de Defi­ni­ti­on finden. Wir maßen uns hier nicht mehr an als ein paar grund­le­gen­de, grobe Betrach­tun­gen über die Kunst zu lie­fern, soweit sie für unser Thema not­wen­dig sind.

Kunst ist ein Gegen­stand der sich nicht gleich­ar­tig behan­deln lässt wie z.B. eine natur­wis­sen­schaft­li­che oder phi­lo­so­phi­sche Frage. Kunst ent­zieht sich jeder mathe­ma­ti­schen oder logi­schen Unter­su­chung. Sie bean­sprucht für sich nicht empi­risch nach­voll­zieh­ba­re Geset­ze zu beschrei­ben, oder sys­te­ma­ti­sche, in sich zusam­men­hän­gen­de Über­le­gun­gen auf­zu­stel­len. Wer eine neue phy­si­ka­li­sche Formel auf­stellt, muss sich damit vor der gesam­ten Tra­di­ti­on des empi­ri­schen For­schens ver­ant­wor­ten, sie muss inner­lich rich­tig sein, wahr und beweis­bar sein und ebenso Ock­hams Razor trot­zen. Wer eine neue Logik for­mu­liert muss für ihre Kon­sis­tenz und Sys­te­ma­tik gera­de­ste­hen. Das betrifft nicht im min­des­ten eine Künst­ler der ein neues Werk und damit selbst eine Tat­sa­che schafft. Er muss sich vor keinem logi­schen oder mathe­ma­ti­schen Tri­bu­nal ver­ant­wor­ten. Der astro­no­mi­sche Fakt dass sich die Erde um ihre Achse, sowie um die Sonne dreht und das Abend­rot eine spe­zi­el­le Licht­bre­chung in der Atmo­sphä­re ist, wider­legt nicht das poe­ti­sche Wort Rilkes:

„Müde hin­term letz­ten Haus,
geht die rote Sonne schla­fen,
und in ersten Schluss­ok­ta­ven
klingt des Tages Jubel aus.“


Auch darin gleich eine meta­phy­si­sche Behaup­tung, dahin­ter ein phi­lo­so­phi­sches System zu suchen wäre über­zo­gen. Die Kunst hat neben Phi­lo­so­phie und Natur­wis­sen­schaft eine eigene Domäne behaup­tet. Unzäh­li­ge Theo­rien sind über sie ver­fasst worden. Wesent­lich erscheint uns die Tat­sa­che, dass die Kunst eine bestimm­te Art und Weise ist, Dinge über die Welt aus­zu­sa­gen, die sich von Wis­sen­schaft und Phi­lo­so­phie unter­schei­den. Sie sagt damit aber nicht „nichts“ über die Welt aus. Sie hat eine, ihr eigene Qua­li­tät, einen eige­nen Bezug zur Welt. Ebenso wie es eine schlech­te Theo­rie oder eine fehl­ge­lei­te­te Phi­lo­so­phie geben kann, so gibt es auch schlech­te und red­un­dan­te Kunst. Was ein Kunst­werk groß­ar­tig und außer­ge­wöhn­lich macht, lässt sich aber nicht so ein­fach fest­le­gen, wie z.B. wann eine phy­si­ka­li­sche Theo­rie rich­tig ist. Es ist eine Frage des Stils. Auch Kunst die auf den ersten Blick „häss­lich“ oder „pri­mi­tiv“ ist kann groß­ar­tig sein.

Auf­ga­be der Kunst ist es auch nicht ein­fach nur „schön“ zu sein. Schön­heit ist zwar eine Eigen­schaft der Kunst, die ihr im Unter­schied zu mathe­ma­ti­schen For­meln zur­kommt, doch die Kunst erschöpft sich nicht in ihr. Orna­men­te, Werke die „nach allen Regeln der Kunst gefer­tigt wurden können, lang­wei­lig und nichts­sa­gend, also bloßes „Hand­werk“ sein. Man kann nicht „nach­rech­nen“ ob ein Kunst­werk gut ist, man kann nicht „bewei­sen“ dass es schön ist.
Wir sehen aber, dass Kunst nicht ein­fach belie­big ist, obwohl der Maß­stab zur Bewer­tung zwi­schen „wahrer Kunst“ und bil­li­gem Kitsch nicht so klar und ein­fach ist wie in ande­ren Gebie­ten.
„Wahre Kunst“- in dieser Wen­dung wird der zen­tra­le Punkt ange­spro­chen: das Ver­hält­nis von Kunst und Wahr­heit. Kunst ist nicht belie­big — Kunst drückt eine Wahr­heit über die Welt aus die sich als Stil äußert, mani­fes­tiert und ver­ewigt.

Wahr­heit ist nicht nur in sprach­li­chen Aus­sa­gen und mathe­ma­ti­schen For­meln über die  empi­ri­sche Welt zu finden. Wahr­heit ist keine nüch­ter­ne Fest­stel­lung, son­dern ein Erschlie­ßen der Welt, das sich sowohl mathe­ma­tisch, logisch-sprach­lich,  als auch künst­le­risch, ereig­nen kann. Das Dasein ent­deckt und erschließt sich die Welt immer auf eine Art und Weise. Unse­rer begrenz­ten Sicht­wei­se ver­deckt sich aber not­wen­dig immer ein bestimm­ter Teil und Aspekt der Welt. Das Dasein lebt also nach Hei­deg­ger „gleich­ur­sprüng­lich“ in Wahr­heit und Unwahr­heit. Wie Aris­to­te­les sagte, gibt es so keine ein­zi­ge Ansicht die abso­lut falsch und voll­kom­men an der Wirk­lich­keit vorbei geht, genau­so aber keine die sie hun­dert­pro­zen­tig trifft. Eine mate­ria­lis­ti­sche Theo­rie, die den Geist auf Neu­ro­nen und diese wie­der­um auf deter­mi­nier­te Atome redu­ziert ist denk­bar und wird auch „Rich­ti­ges“ über die uns umge­ben­den Phä­no­me­ne aus­sa­gen können, das sich in Ver­such und Rech­nung „bewahr­hei­tet“. Zu glau­ben, dass sich darin aber das Wesen des Dasein und der Welt erschöpft ist eine unzu­läs­si­ge, reduk­tio­nis­ti­schen Anma­ßung, die nie­mals „bewie­sen“ werden kann. (Diese Kritik trifft natür­lich ebenso einen reinen Idea­lis­mus, der die gesam­te Mate­rie als bloßen Nie­der­schlag und Abglanz eines reinen Geis­tes deutet.)
Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn man die eige­nen Aus­sa­gen und Sys­te­me, ver­ab­so­lu­tiert und sich damit einer neuen mög­li­chen Welt­sicht ver­schließt. Ebenso pro­ble­ma­tisch ist es, wenn man aus Angst vor dieser Ver­än­der­bar­keit gar keine Aus­sa­gen trifft, jede Sys­te­ma­tik ver­wirft und sich kom­plett der Belie­big­keit hingibt.


Der plumpe moder­ne Posi­ti­vis­mus, dem leider auch viele alte Rechte anhän­gen, will den Anspruch auf Wahr­heit einzig und allein für die Natur­wis­sen­schaft rekla­mie­ren. Er ver­engt die ver­schie­de­nen Ent­de­ckungs­mög­lich­kei­ten der Welt auf die natur­wis­sen­schaft­lich-mathe­ma­ti­sche. Er pos­tu­liert empi­ri­sche Beweis­bar­keit und Wie­der­hol­bar­keit, sowie mathe­ma­ti­sche Aus­drück­bar­keit in Zahlen als abso­lu­te und ein­zi­ge Maß­stä­be für wahre Aus­sa­gen und Wahr­heit an sich. Doch dieses Pos­tu­lat ist eine durch nichts gedeck­te, anma­ßen­de Behaup­tung. Wie Edmund Hus­serl klar­stell­te, so hat jedes Gebiet seine eigene eigene ein­leuch­ten­de Wahr­heits­e­vi­denz. Die Wahr­heit einer mathe­ma­ti­schen Glei­chung die uns ein und auf­leuch­tet, ist nicht das­sel­be wie die wahre Schön­heit eines Son­nen­auf­gangs, oder klas­si­scher Musik. Die Formel an der Wahr­heit der Kunst, und die Kunst an der Evi­denz der Mathe­ma­tik zu messen wäre unsinnnig. 


Der moder­ne Posi­ti­vis­mus tut aber genau das. Er unter­wirft alle Phä­no­me­ne der empi­risch-mathe­ma­ti­schen Prü­fung und ver­wirft jede künst­le­ri­sche, reli­giö­se und phi­lo­so­phi­sche Wahr­heit, weil sie nicht den Maß­stä­ben seiner eige­nen Wahr­heit ent­spricht. Indem er diese begrenz­te Welt­sicht und diese Art und Weise den Dingen zu begeg­nen ver­ab­so­lu­tiert, grenzt er einen bestimm­ten Aspekt der Wirk­lich­keit total aus. Was hat das für Kon­se­quen­zen für die Kunst und ihre Wahr­heit?
Da die Künst­ler einmal ange­se­he­ne „Welt­erschlie­ßer“, ihre Gedich­te, Epen und Mythen nicht in den Bereich der „Unter­hal­tung“ gebannt, und nicht radi­kal von Wahr­heit und Wis­sen­schaft unter­schie­den waren, hatten sie etwas aus­zu­sa­gen und — man ließ sich etwas von ihnen sagen. Heute, unter der Herr­schaft des Pois­ti­vis­mus, wird der Kunst wird ein fest abge­steck­ter Rand­be­reich über­las­sen, in dem sie „Nar­ren­frei­heit“ hat. Kunst wird in ihrem Anspruch nicht mehr ernst genom­men- das­sel­be trifft die Reli­gi­on (die in der Sparte der Ethik schmü­cken­des Bei­werk spie­len darf). Beide werden nur mehr in ihrer gesell­schaft­lich nütz­li­chen „Well­ness­funk­ti­on“ aner­kannt und über genea­lo­gisch-empi­ri­sche Kritik ent­kernt. Sie sind bio­lo­gisch not­wen­di­ge „Tricks“ der Evo­lu­ti­on, hinter der die Natur­ge­set­ze der Bio­lo­gie stehen, die mathe­ma­tisch nach­weis­bar sind.

Die Kunst sagt hier nicht mehr aus, als die sub­jek­ti­ve Ein­bil­dung des Künst­lers. Sie dürckt keine Wahr­heit aus. Ob sie gefällt oder nicht hängt wie­der­um nur von der sub­jek­ti­ven Vor­lie­be des Betrach­ters ab. „Schön­heit liegt im Auge des Betrach­ters“ ist das Credo der Dummen, das diese Ent­wer­tung und Kas­trie­rung der Kunst über­all beglei­tet. Kunst­schöp­fung und ‑erfah­rung werden damit als kin­di­sche Belie­big­keit, eine abso­lu­te Will­kür und pri­va­te Vor­lie­be degra­diert, wäh­rend allein die Mathet­ma­tik, die Geset­ze der Öko­no­mie und Ratio­na­li­tät das Han­deln und die Poli­tik bestim­men. (Das Ergeb­nis ist not­wen­dig eine immer häss­li­che­re Welt).

Wir erle­ben diese Vor­gän­ge über­all. Allen voran an den Hoch­schu­len an wel­chen Kunst, Reli­gi­on und Phi­lo­so­phie in unter­fi­nan­zier­te, belä­chel­te Nischen abge­scho­ben werden und man auf die immer prag­ma­ti­sche­re Aus­bil­dung von tech­ni­schen Fach­ar­bei­tern setzt. „Was Rich­ti­ges“ stu­die­ren, heißt eines jener Fächer zu stu­die­ren in denen die Wahr­heit mathe­ma­tisch beweis­bar ist. Eines jener Fächer mit­tels dessen also empi­ri­sche Phä­no­me­ne in Zahlen beschrie­ben, sta­tis­tisch vor­her­ge­sagt und dann che­misch, phy­si­ka­lisch und medi­zi­nisch in die Wirk­lich­keit ein­ge­grif­fen und diese mani­pu­liert werden können.

Die Erschlie­ßung der Welt, wie sie Reli­gi­on, Phi­lo­so­phie und Kunst leis­ten, wird als nich­tig und gleich­gül­tig abge­tan. Dabei wird aus­ge­blen­det, dass hinter diesem moder­nen Posi­ti­vis­mus, Mate­ria­lis­mus und Phy­si­ka­lis­mus, der untrenn­bar mit Kapi­ta­lis­mus, Inter­na­tio­na­lis­mus, Libe­ra­lis­mus und Tech­no­kra­tie ver­wach­sen ist, selbst eine bestimm­te Phi­lo­so­phie und Ideo­lo­gie steht, die aber längst nicht mehr bewusst reflek­tiert wird. ((Anders gesagt: der Natur­wis­sen­schaft und ihrem Posi­ti­vis­mus liegt selbst eine plumpe, phi­lo­so­phi­sche Grund­hal­tung zugrun­de (ein naiver Rea­lis­mus) derer sie sich nicht bewusst ist und die sie nicht mehr reflek­tiert. Diese Denk­hal­tung ist nicht „ewig“ und „alter­na­tiv­los“ son­dern an einem, grob datier­ba­ren, Zeit­punkt ent­stan­den, und kann auf ihre Stich­al­tig­keit hin phi­lo­so­phisch-genea­lo­gisch geprüft werden. Ebenso können ihre gebrach­ten Vor­tei­le und Nach­tei­le abge­wo­gen werden. Aller­dings kann diese phi­lo­so­phi­sche Denk­hal­tung natür­lich nicht mit mathe­ma­ti­schen Geset­zen kri­ti­siert werden, da man phi­lo­so­phi­sche Aus­sa­gen schwer­lich mathe­ma­tisch erfas­sen kann. Da aber der Posi­ti­vis­mus nur gelten lässt was mathe­ma­tisch beweis­bar ist, immu­ni­siert er sich per­for­ma­tiv gegen diese Selbst­kri­tik, die ihrer­seits nicht mehr mathe­ma­tisch erfol­gen kann)))

Ein eige­ner Arti­kel zu diesem Phä­no­men und zu. Einer „anti­ma­te­ria­lis­ti­schen Sen­dung“ einer Iden­ti­tä­ren Bewe­gung ist längst über­fäl­lig. Für die Ana­ly­se und Kritik des Stil­fa­schis­ten reicht uns aber voerst das Ver­ständ­nis der Kas­tra­ti­on der Kunst, die das Auf­kom­men des Posi­ti­vis­mus mit sich brach­te.

Wäh­rend Natur­wis­sen­schaft und Co die Hege­mo­nie über die Wahr­heit gewan­nen, wurde die Kunst zur Domäne der Belie­big­keit, des „anything goes“ und des tota­len Sub­jek­ti­vis­mus. Zu einer lie­bens­wür­di­gen Spin­ne­rei, einem sinn­lo­sen „Luxus“ den man sich als Gesell­schaft gönnen kann.
Damit setzte sich rasch eine Ver­fla­chung, ein Ende jeder Ernst­haf­tig­keit und zuletzt auch hand­werk­li­cher Kunst­fer­tig­keit ein. Da jeder Anspruch auf Wahr­heit und Hoheit eines Stils, jede Unter­schei­dung zwi­schen Hoch­kul­tur und Kul­tur­in­dus­trie ver­schwand, ging damit auch jede Pola­ri­tät und Rei­bung, wie sie etwa in der Span­nung Roman­tik vs Klas­sik, „Neuer Musik“ vs  „klas­si­scher Musik“, etc. noch Funken trie­ben, ver­lo­ren. Eine belie­bi­ge Spie­le­rei, die nichts Wesent­li­ches (weil nichts empi­risch Über­prüf­ba­res) über die Wirk­lich­keit aus­sagt, hat auch keine inter­ne Stu­fung und Hier­ar­chi­sie­rung: „Kunst ist was gefällt, Wahr­heit ist was funk­tio­niert“ — so könnte man diese Lage poin­tiert zusammenfassen.

Als ein­zi­ges „Qua­li­täts­merk­mal“ traten bald die „Neu­ar­tig­keit“ und „Ori­gi­na­li­tät“ auf. Wenn Kunst keinen echten Bezug zur Welt und keine echte Wahr­heits­fä­hig­keit mehr hat, also eine bloße Nabel­schau und Hirn­wich­se­rei, eine bloße sub­jek­ti­ve Vor­lie­be, ein „Spleen“ ist, blei­ben am Ende eben nur diese beiden „Werte“ zu ihrer Bewer­tung übrig. Es geht um aus­ge­fal­le­ne Ein­fäl­le und sich über­bie­ten­de Pro­vo­ka­ti­on. Die eli­tä­re Clique moder­ner „Künst­ler“ über­bie­tet sich in „Taub­brü­chen“ und absur­den Hirn­ge­bur­ten, was die Gering­schät­zung der „sinn­lo­sen“ Kunst im Volk nur weiter stei­gert. Gleich­zei­tig werden gewis­se Ver­satz­stü­cke der Ästhe­tik, Fetzen aus Har­mo­nie­leh­re und Rhyth­mik, Par­ti­kel der bil­den­den Kunst und Far­ben­leh­re in der Kul­tur­in­dus­trie, in Hol­ly­wood, Rock­mu­sik, Wer­bung und Mar­ke­ting zum Mas­sen­pro­dukt ver­bra­ten. Von der Erha­ben­heit und Ästhe­tik der alten Kunst bleibt nur die Bom­bas­tik Hol­ly­woods und das „Design“ des Mar­ke­tings. Die „Kul­tur­in­dus­trie“ ist der Status Quo der Kunst  und mar­kiert ihre totale Unter­wer­fung unter Kapi­ta­lis­mus und Posi­ti­vis­mus, den Grund­pfei­lern des Libe­ra­lis­mus.


3. Die Kul­tur­in­dus­trie und ihre Über­win­dung

Theo­dor W. Adorno, miss­brauch­ter „god­f­a­ther“ anti­deut­scher Ideo­lo­gie­bil­dung, war es der den Begrif­fe „Kul­tur­in­dus­trie“  prägte. Dass wir hier nicht allzu tief darauf ein­ge­hen darf durch­aus als Auf­for­de­rung ver­stan­den werden sich die ent­spre­chen­de Pas­sa­ge in der „Dia­lek­tik der Auf­klä­rung“ selbst zu Gemüte zu führen. Die Kul­tur­in­dus­trie ist im Grunde die totale Auf­lö­sung der Kunst in den Schlie­ren des libe­ra­len, auf­klä­re­ri­schen Kapi­ta­lis­mus. Er ver­spricht, nach Zer­stö­rung aller „irra­tio­na­len“ Reli­gio­nen, Tra­di­tio­nen und der dazu­ge­hö­ri­gen Gesell­schafts­for­men, mit­tels Ratio­na­li­sie­rung, Indi­vi­dua­li­sie­rung und Ver­recht­li­chung eine wahre Frei­heit und Gleich­heit her­zu­stel­len. Er ver­spricht damit das „Ende der Geschich­te“ her­bei­zu­füh­ren, also die linea­re Fort­schritts­ge­schich­te der „einen Mensch­heit“ an ihren fina­len und logi­schen End­punkt zu brin­gen. Wenn dieser Punkt erreicht ist kann jede Ver­än­de­rung nur mehr ein „bar­ba­ri­scher“ Rück­fall sein, wes­we­gen sich der Libe­ra­lis­mus gegen jede echte sub­stan­zi­el­le Kritik mit „Nazi“ Vor­wür­fen immu­ni­siert. Es ist die alte uni­ver­sa­lis­ti­sche Para­dies­vor­stel­lung die vom libe­ra­len Uni­ver­sa­lis­mus säku­la­ri­siert wird. 

Er „kas­siert“ (um ein wenig von Ador­nos Jargon zu bedie­nen) in dieser großen schein­ba­ren „Ver­söh­nung“, die alle Men­schen zu gleich­wer­ti­gen Teil­neh­mern eines welt­wei­ten Mark­tes, macht, auch die Kunst. Alles was an ihr kri­tisch ist und über die enge, posi­ti­vis­ti­sche Wahr­heits­wahr­neh­mung des Libe­ra­lis­mus hin­aus­weist wird abge­schnit­ten. Die Sphäre der Öko­no­mie und des Geldes über­wu­chert Poli­tik, Reli­gi­on und auch die Kunst. Sie alle müssen sich der kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­lo­gik beugen und den Hoch­ge­sang von offe­nen Gren­zen, frei­zü­gi­ger Mas­sen­mi­gra­ti­on und der Zer­stö­rung der Tra­di­tio­nen und Gemein­schaf­ten mit­sin­gen.
Die blasse Ideo­lo­gie des Men­schen­rechts; „die Seele einer see­len­lo­sen Welt“ (Régis Debray), des Welt­frie­dens und der „einen Mensch­heit“ gibt des Ziel vor. Der inter­na­tio­na­lis­ti­sche Uto­pis­mus, die Brü­der­lich­keits­ethik und die Hyper­mo­ral kon­tras­tie­ren als sinn­stif­ten­de Ideo­lo­gie die totale Herr­schaft der posit­vis­ti­schen Wis­sen­schaft und der kapi­ta­lis­ti­schen Öko­no­mie.
Wahr ist auf erkennt­nis­theo­re­ti­scher Ebene nur das was mathe­ma­tisch beweis­bar und total ver­all­ge­mei­ner­bar ist.  Gut ist auf mora­li­scher Ebene nur das was sich auf die gesam­te Mensch­heit bezieht, was auf „eine Welt“ und „Welt­frie­den“, kurz Abschaf­fung aller Gren­zen und Völker abzielt.
Beide Denk­wei­sen grei­fen inein­ader und teilen den uni­ver­sa­lis­ti­schen, anti­plu­ra­lis­ti­schen Abso­lut­heits­an­spruch. Der Posi­ti­vis­mus rela­ti­viert, ent­zau­bert, zer­glie­dert und ato­mi­siert, die uni­ver­sa­lis­ti­sche Ideo­lo­gie sam­melt die ver­ein­zel­ten Bruch­stü­cke und schweißt sie zu einem neuen ideo­lo­gisch-abs­trak­ten Kol­lek­tiv zusam­men. Ange­trie­ben wird das ganze Werk vom bren­nen­den Eth­no­ma­so­chis­mus und dem Uni­ver­sa­lis­mus der eige­nen Schuld, dem dia­lek­ti­schen Selbst­hass des männ­li­chen, hete­ro­se­xu­el­len Euro­pä­ers, die Scham über die „Jahr­hun­der­te der kolo­nia­len Selbst­über­hö­hung“. Dabei spie­len die Jünger dieser klei­nen aber macht­vol­len Polit­sek­te nur die Weg­be­rei­ter für den völ­ker­zer­stö­ren­den Kapi­ta­lis­mus, der sie mit einer unheim­li­chen Eigen­dy­na­mik vor sich her treibt.

Auch die Kunst kann sich all dem nicht ent­zie­hen. Sie muss sich einer­seits der Ver­wer­tungs­lo­gik beugen, sie muss ren­ta­bel sein, und wie eine Ware funk­tio­nie­ren. Was im Jugend­stil mit Muchas Wer­be­pos­ten begann, wird im Wer­be­clip per­fek­tio­niert. Alles wird zur Ware und zum Mar­ke­ting-Design. Kunst hat keinen Vor­rang mehr, weil sie etwa ihn ihrer Schön­heit und ihrem Stil die Wahr­heit ihrer Zeit, sei es zur höhe­ren Ehre Gottes, oder noch als „Sieg des Sozia­lis­mus“, oder einer blie­bi­gen ande­ren Idee, aus­drückt. Sie tobt sich als Kon­trast zum mono­li­thisch-scho­las­ti­schen Uni­ver­sa­lis­mus des Mensch­heits­fort­schrit­tes, mit wilden post­mo­der­nen Bock­sprün­gen in der Gum­mi­zel­le des Kunst­be­triebs aus, die ihr der Kapi­ta­lis­mus über­las­sen hat. Will sie aller­dings poli­tisch rele­vant und wert­voll werden, muss sie rück­grat­los das Hohe­lied von Mulit­kul­ti und Selbst­hass singen. Die wahre Wuche­rung an „Erin­ne­rungs­kunst“ und „Kunst­pro­jek­ten gegen Rechts“ zeugen davon. Doch diese Aus­ar­tung soll uns heute nicht inter­es­sie­ren.

Es geht uns vor allem um die Bezie­hung zwi­schen Wahr­heit und Kunst und wie sie heute kom­plett abge­strit­ten wird. Die Kunst exis­tiert rein für sich selbst frei von allen Pflich­ten und jedem Recht in einem gol­de­nen Käfig. Die Idee der „l’art pour l’art“, der Wahn einer total auto­no­men, „freien“ „Selbst­zweck-Kunst“, die sich in radi­ka­len, „Gesell­schafts­kri­ti­ken“, in bewuss­ter Dar­stel­lung des Abar­ti­gen, Häss­li­chen und sons­ti­gen „Pro­vo­ka­tio­nen“, wich­tig machen will, wächst genau in diesem sub­jek­ti­vis­ti­schen Gum­mi­zel­len­den­ken. Die Kunst will nur mehr scho­ckie­ren und pro­vo­zie­ren und akzep­tiert dabei unbe­wusst das Pos­tu­lat, dass sie keine echte Wahr­heit aus­drü­cken kann.  Das wird vom Kapi­ta­lis­mus zuge­las­sen und geför­dert, da es ers­tens eben­falls auf einem Nischen­markt ver­wert­bar ist und zwei­tens nicht den allei­ni­gen Wahr­heits­an­spruch des Posi­ti­vis­mus in Frage stellt.

Das Ver­dikt, dass die moder­ne Schul­wis­sen­schaft über sie ver­leg­te, dass sie kei­ner­lei echten Bezug zur Wirk­lich­keit  und damit keinen tie­fe­ren Sinn hat, wird von ihr begeis­tert auf­ge­grif­fen und als „Frei­heit“ miss­ver­stan­den. Gerade die Kunst die sich als moder­ne und auto­no­me Kunst schein­bar dem Ver­wer­tungs­zwang und dem „Main­stream“ ent­zieht ist somit nur in eine Nische der herr­schen­den Ideo­lo­gie gerutscht, aus der sie aus eige­ner Kraft nicht mehr her­aus­kommt.
Die Kunst hat aber immer noch ein Ahnung ihrer eins­ti­gen großen Auf­ga­be. In ihr schlum­mert das Bewusst­sein, dass es einmal an ihr lag, das was Zahlen und Sys­te­me nicht aus­zu­drü­cken ver­mö­gen, die Wahr­heit ganzer Epo­chen und Kul­tu­ren in groß­ar­ti­gen ein­zel­ne Werken zu ver­sam­meln und zu inkar­nie­ren. Diese Ahnung lebt heute, als die ange­spro­che­ne „kri­ti­sche“ Auf­ga­be der Kunst im Bewusst­sein fort und äußert sich in zahn­lo­ser, kon­for­mis­tisch-rebel­li­scher „Gesell­schafts­kri­tik“. Der totale Eska­pis­mus und die kru­des­ten „mas­sen­ge­schmack­un­taug­lichs­ten“ Formen, die obs­zöns­ten Schwei­ne­rei­en sind heute als Kunst akzep­tiert und locken keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. Exzes­si­ve Fäkal­spra­che ist nicht mehr „anstö­ßig“ son­dern bereits akzep­tier­te, zweite „Amts­spra­che“ in der Kultur und auf allen Bühnen zuhau­se.
Die geziel­ten „Pro­vo­ka­tio­nen“ gegen Hero­is­mus, Natio­nal­ge­fühl und Kirche, Fami­lie, Mut­ter­schaft, et.c die z.B. „mutige“ Autoren, wie Bern­hard, Grass, Jeli­nek gewerbs­mä­ßig betrie­ben und betrei­ben sind Main­stream gewor­den. (Fast ist so die Ver­tei­di­gung des „Spie­ßers“, wie sie Martin Walser gele­gent­lich unter­nahm, zum revo­lu­tio­nä­ren Ele­ment gewor­den.)

Die gesam­te Avant­gar­de lief, im Ver­such die Herr­schaft kapi­ta­lis­ti­scher Ver­wer­tungs­lo­gik mit Stil­brü­chen, und Pro­vo­ka­ti­ons­kunst zu unter­trei­ben in eine Leere. Sie lief offene Türen ein und ver­wirk­lich­te im Grunde nur ein wei­te­res Nischen­po­ten­ti­al des Mark­tes, des Rela­ti­vis­mus und des Hedonismus.

Ja sie war und ist sogar Pio­nier und Weg­be­rei­ter für wei­te­re Ver­mark­tung. Ihre Vor­rei­ter bra­chen suk­zes­si­ve  die letz­ten Mauern der Tra­di­tio­nen und Tabus, gegen die das bra­cki­ge Meer des Kapi­ta­lis­mus bis dato noch anbran­de­te, deren Trüm­mer aber heute von ihm über­spült werden. Die gesam­te Avant­gar­de-Szene ist nichts ande­res als ein Kolo­ni­sa­tor des Kapi­ta­lis­mus. Sie ver­hält sich gegen­über dem Kapi­ta­lis­mus und seinem aal­glat­ten Style, zahn­los und schein­kri­tisch. Ihre Wunden schlägt sie nur in den Korpus der, kan­tin­gen, tra­dier­ten Schön­heits und Moralidea­le, die sie scho­nungs­los und wür­de­los ver­ge­wal­tigt. Wenn sie mit ihrem „Werk“ fertig ist, macht der Markt nath­los weiter und und ver­leibt sich die gebro­chen und geschän­de­ten Tra­di­tio­nen als ver­wert­ba­re Folk­lo­re ein. (Der rasan­te Erfolg beim Tabu­bruch, zeigt aller­dings dass die Mauern inner­lich schon Morsch waren.) Wenn die Kunst einemal wirk­lich poli­tisch wird, so bestä­tigt sie, als durch­wegs linke Szene, immer nur die herr­schen­de Ideologie. 

Doch unsere Ana­ly­se und Kritik geht hier tiefer. Auch die „rechte“ Kunst, um die es später gehen wird, teilt mit der Main­stream-Avant­gar­de ein fal­sches Selbstverständnis. 

Der Grund für diese Unfä­hig­keit der moder­nen Kunst revo­lu­tio­när zu werden liegt daran, dass sie an sich ihre wahre Auf­ga­be als Kunst ver­fehlt. Hinter jedem Staat und jeder Gesell­schaft steht ein letz­tes obers­tes Prin­zip, eine bestimm­te Deu­tung der Welt. Othmar Spann sagt: „Jede große poli­ti­sche Rich­tung der Geschich­te hat ihre phi­lo­so­phi­sche und gesell­schafts­theo­re­ti­sche Grund­la­ge. (…) Kennt man die letz­ten geis­ti­gen Grund­la­gen einer Poli­tik, dass weiß man auch, was von ihr zu erwar­ten steht.“

Jede Zeit hat also ihren Geist, der letzt­lich ihre Fas­sung des Bezugs von Sein und Dasein, ihre Erfah­rung von Dasein, Wahr­heit und Welt ist. Jede Zeit bean­sprucht für ihre Wis­sen­schaft, ihre Moral, ihr Rechts­sys­tem, Gel­tung und Wahr­heit, sprich: dass all das der Wirk­lich­keit ent­spricht. Der Uni­ver­sa­lis­mus in seiner heu­ti­gen Form als Libe­ral­ka­pi­ta­lis­mus und Uni­ver­sa­lis­mus der eige­nen Schuld, ist eine Ideo­lo­gie die ebenso bean­sprucht die Essenz der Wirk­lich­keit erkannt zu haben. Wer diese Ideo­lo­gie atta­ckie­ren will muss ihren Anspruch, die Wahr­heit gepach­tet zu haben bestrei­ten. Zumin­dest für dafür muss er aber, für die eigene Posi­ti­on Wahr­heit bean­spru­chen. Eine Kunst, welche die Frage nach Wahr­heit und Wirk­lich­keit gar nicht stellt, kann auch diese herr­schen­de Ideo­lo­gie nicht angrei­fen. Eine Kunst die sich damit begnügt „art pour l’art“ also reiner Aus­druck sub­jek­ti­ver Nar­ren­frei­heit des schöp­fe­ri­schen Ichs zu sein, kann gar nicht die herr­schen­de Ideo­lo­gie kri­ti­sie­ren. Sie ist selbst Aus­druck der herr­schen­den Ideo­lo­gie des Posi­ti­vis­mus, der die natur­wis­sen­schaft­li­che Wirk­lich­keit der Phä­no­me­ne ver­ab­so­lu­tiert. Die Kunst drückt in ihrer Macht­lo­sig­keit und Belie­big­keit die letzte Wahr­heit des Uni­ver­sa­lis­mus aus: den Nihi­lis­mus. Sie ist die Avant­gar­de der Post­mo­der­ne, in der der Uni­ver­sa­lis­mus in tota­len Rela­ti­vis­mus umschlägt. Sein Haupt­strom ist in ihr bereits gebro­chen und endet in einem wirres Mäan­dern im post­mo­der­nen Delta-Chaos —  let­zend­lich ver­si­ckert er in der Wüste des Nichts.
 Die Wahr­heit die die Kunst über dieses Zeit­al­ter aus­drückt ist genau die, dass sie aus­bleibt und fehlt. Denn es ist ein stil­lo­ses Zeit­al­ter, ein Zeit­al­ter des Nihi­lis­mus, indem es gar keinen Sinn, keine Wahr­heit gibt um die „der dich­tung zau­be­ri­sche Hülle“ sich lieb­lich winden könnte. Doch nein-es ist kein sol­ches Zeit­al­ter, es ist ein sol­cher Ungeist der sich vom west­lich-uni­ver­sa­lis­ti­schen Quell­ge­biet viral ver­brei­tet und alle freien Völker in seine dunkle Zeit­zo­ne hineinzieht.

Wahre Kunst, hat also zwei Auf­ga­ben. Sie muss sich zual­ler­erst ihrer eige­nen Auf­ga­be und Fähig­keit als Medium einer spe­zi­fi­schen Wahr­heit bewusst werden. Draus kann und muss sie, die Stahl­hül­le des moder­nen Gestells bre­chen, um wieder einen Aus­blick auf einen neuen mög­li­che Sinn und Wahr­heit jen­seits von Kapi­ta­lis­mus, Libe­ra­lis­mus, Inter­na­tio­na­lis­mus, Huma­nis­mus, Sozia­lis­mus, kurz dem gesam­ten moder­nen ideo­lo­gi­schen Kom­plex zu ermög­li­chen. Sie muss sowohl die Domi­nanz der posi­ti­vis­ti­schen Wis­sen­schaft als auch das der uni­ver­sa­lis­ti­schen Moral­leh­re durch­bre­chen, wenn sie wirk­lich revo­lu­tio­när sein will. Es zeigt sich klar: Echte Kunst wird letzt­lich immer auch poli­tisch sein, ins­be­son­de­re wenn sie keine poli­ti­sche Inten­ti­on hat. Aber wenn sie wahre Kunst ist und in dieser Wahr­heit das seins­ge­schicht­li­che Stel­lung einer Zeit ent­hüllt, dann hat das diese Erkennt­nis große, wenn auch oft späte Folgen, für die alle ande­ren Gebie­te.
Fassen wir das bisher Gesag­te zusam­men, so sehen wir, dass Wahr­heit kein bloßes Maß für die Kor­re­spon­denz zwi­schen mathe­ma­ti­schen For­meln und empi­ri­schen Phä­no­me­nen ist, son­dern eine Pro­zess der Welt­erschlie­ßung, der nicht getrennt von der Frage nach dem Dasein und dem Sein, beschrie­ben werden kann. Eine Wahr­heit, die in einem, bereits fest­ge­leg­te und unhin­ter­frag­ten (Miss)Verständnis von Mensch und Welt, als Sub­jekt und Objekt, wie sie dem moder­ne Posi­ti­vis­mus zugrun­de­liegt, ope­riert, kann nur eigent­li­che Unwahr­hei­ten hervobringen. 

Die Kunst kann, gerade weil sie sich wesen­haft der Ver­nut­zung, Ver­mark­tung und Defi­ni­ti­on und damit der Kon­tin­genz ihrer Zeit ent­zieht, Dinge aus­sa­gen, die über den seins­ge­schicht­li­chen Rahmen der Epoche hin­aus­wei­sen. Sie drückt damit eine Wahr­heit aus die poten­ti­ell nicht nur gleich- son­dern höher­ran­gig ist als die Rich­tig­keit mathe­ma­ti­scher Theo­rien. Indem Kunst und Phi­lo­so­phie an sich, abge­se­hen von ihrer Ver­mark­tung als Unter­hal­tung nutz­los sind, können sie sinn­haft werden. Bei den ande­ren Fächern der moder­nen Wis­sen­schaft ist das Gegen­teil der Fall. Sie sind für begrenz­te Zwi­schen­zie­le, die in der Stei­ge­rung von tech­ni­scher oder finan­zi­el­ler Macht liegen extrem nütz­lich. Die Frage nach ihrem Sinn steht und fällt, aber mit der Sinn­haf­tig­keit des gesam­ten Sys­tems des For­schritts und der Moder­ne in dem sie sich befin­den. Sie ver­fal­len also der Sinn­lo­sig­keit, bzw dem puren Hedo­nis­mus.
Die Kunst erschließt also poten­ti­ell eine spe­zi­fi­sche Wahr­heit und ist nicht bloß belie­bi­ger Sub­jek­ti­vis­mus zur Zer­stre­ung der arbei­ten­den Massen. Genau in diese Rolle wird die Kunst aber vom moder­nen Posi­ti­vis­mus und Kapi­ta­lis­mus als Kul­tur­in­dus­trie gedrängt. Indem die Natur­wis­sen­schaft den allei­ni­gen Wahr­heits­an­spruch for­dert, tötet sie die Kunst und degra­diert sie zur selbst­be­züg­li­chen Effekt­ha­sche­rei, oder zur Selbst­the­ra­pie ent­frem­de­ter Sub­jek­te. Wahre Kunst und echter Stil ent­sprin­gen nur aus dem echten und ehr­li­chen Glau­ben eine echte Wahr­heit über die Welt aus­zu­drü­cken. Weil dieser Glaube mit dem  sub­jek­ti­vis­ti­schen Belie­big­keits­grund­satz: „Kunst ist was irgend­wem gefällt“ unver­ein­bar ist, ist die heu­ti­ge Kunst unfä­hig einen neuen Stil her­vor­zu­brin­gen. Die Stil­lo­se Nütz­lich­keit der Nich­tor­te, beherrscht neben der stän­di­gen Wie­der­kehr und dem „remix“ ver­ga­gen­der Kunst­epo­chen, die noch Aus­druck authen­ti­scher seins­ge­schicht­li­cher Epo­chen und die Deko­ra­ti­on, ernst­haft geglaub­ter Onto­lo­gien waren, das Feld und schafft dröge „Nicht-Orte“ (Marc Augé) Echte Kunst ist nie­mals apo­li­tisch, son­dern hat einen ganz­heit­li­chen Anspruch und drückt eine Wahr­heit aus, die auch die Poli­tik berührt.

4.  Die moder­ne Kunst und der Stil­fa­schist.

Die moder­ne Kunst sieht sich als reinen Selbst­zweck. Die Frage nach Sinn, Bedeu­tung und Aus­sa­ge erscheint ihr als Belei­di­gung. Ihr geht es nur darum die Form und den Stil zu immer kras­se­ren, pro­vo­kan­te­ren Extre­men zu trei­ben. Doch echter Stil dringt immer nur aus einer als sinn­haft emp­fun­de­nen Hal­tung hervor, die dem Typus einer bestimm­ten ideen- und seins­ge­schicht­li­chen Epoche ent­spricht. Der Stil durch­dringt daher not­wen­dig auch alle Lebens­be­rei­che von Musik, über Archi­tek­tur, bishin zu All­tags­ge­gen­stän­den, wie Möbel und Geschirr (was zuletzt in Europa beim Jugend­stil der Fall war).
Die Agnos­tik der meis­ten moder­nen Künst­ler gegen­über phi­lo­so­phi­scher Wahr­heits­su­che und ihre Ver­ach­tung des poli­ti­schen, mar­kier­te nichts ande­res als die Grund­zu­stim­mung der „art pour L’art“ zur herr­schen­den Ideo­lo­gie des links­li­be­ra­len Uni­ver­sa­lis­mus. Sie stimmt damit seiner inne­ren Logik zu und wir Begleit­mu­sik zu Ega­li­ta­ris­mus,  Abschaf­fung aller orga­ni­schen und exklu­si­ven Gemein­schaf­ten, Abschaf­fung aller über­sub­jek­ti­ven Werte, Dif­fe­ren­zen und unver­han­del­ba­rer Pola­ri­tä­ten. Ihr radi­ka­ler Sub­jek­ti­vis­mus ver­trägt sich groß­ar­tig mit der kapi­ta­lis­ti­schen Martk­wirt­schaft. Der gesam­te post­mo­der­ne Schrott, seine lächer­li­che abs­trak­te Kunst, seine erbärm­li­che, infan­ti­le „Lyrik“, seine „Tabu­brü­che“ — all das ist nich­tig, führt zu nichts und ist zurecht heute, als intel­lek­tu­el­ler Kitzel für den ver­lot­ter­ten, spät­ka­pi­ta­lis­ti­schen Bour­geois voll in die Kul­tur­in­dus­trie eingebunden.

Wie kann eine revo­lu­tio­nä­re Kunst aus­se­hen? Kann Kunst revo­lu­tio­när sein? Wahr­schein­lich ist, dass sich das „Anstö­ßi­ge“ und Revo­lu­tio­nä­re heute nicht durch Häss­lich­keit und Pri­mi­ti­vi­tät, durch Tabu­bruch und Vul­ga­ri­tät äußern wird. Eine echt revo­lu­tio­nä­re Kunst kann aber auch keine bloß kon­ser­va­ti­ve Zita­ti­on alter Stile und Formen sein. Sie muss sich erst der Auf­ga­be als Stif­te­rin von Welt und Wahr­heit bewusst werden und sich der den­ke­ri­schen Frage nach dem Sein, Sinn und Wahr­heit stel­len. Es kommt ganz emi­nent auf ihre Bedeu­tung, ihre Aus­sa­ge und ihren Sinn an. Das ist heute viel wich­ti­ger Äußer­lich­keit und Stil, die sich erst aus dieser Hal­tung erge­ben können. Kurz: ohne eine geis­ti­ge Wende keine künst­li­cher Wende. Doch können Künst­ler, auf diesem geis­ti­gen Weg, auch das Denken befru­chen und ihm dort, wo es nichts weiter sagen und Dinge nur „erschwei­gen“ kann, Winke geben.
Die kru­des­ten Expe­ri­men­te und Ver­ren­kun­gen wurden von der moder­nen Kunst in Fragen des Stils schon aus­pro­biert. Wirk­lich revo­lu­tio­när wird Kunst nur, wenn ihre pri­mä­re Frage die Suche nach Wahr­heit und einer ent­spre­chen­den Hal­tung und nicht die nach dem neu­es­ten, spek­ta­ku­lärs­ten Stil ist.
Der Schluss für uns lautet, dass der Weg zu einer  revo­lu­tio­nä­re Kunst, einer echten, ästhe­ti­schen Avant­gar­de, die not­wen­dig ist um einen neuen Den­ken­raum jen­seits des Bestehen zu eröff­nen, gerade NICHT primär in Fragen von Form und Stil liegt. Dieses Denken ent­springt der posi­ti­vis­ti­schen Kas­tra­ti­on der Kunst, die ihr jeden echten Inhalt abspricht. Dage­gen gilt es trotz der sub­jek­ti­ven Aspek­te in der Schaf­fung des Kunst­werks seinen Anspruch auf Wahr­heit und Bedeu­tung zu auf­recht zu erhal­ten.

Damit been­den wir den ein­füh­ren­den und vor­be­rei­ten­den Teil dieses Arti­kels, den wir auf­grund der Kom­ple­xi­tät des Themas für unbe­dingt not­wen­dig erach­ten. Der Ästhe­ti­zis­mus und die Sicht der Welt als „ästhe­ti­sches Phä­no­men“ sind ein Kern­aspekt des „Stil­fa­schis­mus“, dem wir uns nun, als eigent­li­chen Thema des Auf­sat­zes, zuwen­den wollen

II. DER STILFASCHIST

1. Nomi­na­lis­mus, Stil­fa­schis­mus und heroi­scher Sub­jek­ti­vis­mus als Phä­no­me­ne der Moderne

Armin Mohler war es der mit dem Begriff des „faschis­ti­schen Stils“ in seinem bekann­ten Essay, einen zen­tra­len Begriff für die deut­sche neue Rechte prägte. Er ist nur aus seiner nomi­na­lis­ti­schen Welt­sicht ver­steh­bar. Moh­lers Denken ist, vor ver­mit­telt durch Jünger, klas­sisch nietz­schea­nisch geprägt. Er ver­tritt eine Uni­ver­sa­lis­mus­kri­tik, die unter Uni­ver­sa­lis­mus grund­sätz­lich die Hal­tung Vor­stel­lung ver­steht, man könne die Welt mit einem System aus Begrif­fen erklä­ren, sodass sie voll­kom­men „auf­geht“. Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. In seinem Auf­satz „Die nomi­na­lis­ti­sche Wende“ der sinn­ge­mäß mit dem erst­ge­nann­ten Essay  zusam­men­ge­hört bekennt er sich zu Ästhe­ti­zis­mus und Formalismus:

Wie­der­ho­len wir es darum noch einmal: das ein­zi­ge, was die Exis­tenz des Men­schen recht­fer­tigt, ist die in sich geschlos­se­ne Form, die Gestalt, die er dem Chaos ent­ge­gen­stellt, auch wenn keine Form ewig ist, son­dern wieder ins Unge­form­te zurücksinkt. (Immer: unge­formt für uns.) Damit meinen wir nicht nur und nicht einmal In erster Linie die Kunst, der Gedan­ke einer bloß aus Künst­lern bestehen­den Mensch­heit ist ein schlim­mer Alp­traum. Alles, was der Mensch schafft oder wach­sen läßt, kann eine solche Form sein: eine Insti­tu­ti­on oder ein Ritual genau­so wie die erfolg­rei­che Leis­tung einer Mann­schaft oder eine geglück­te mensch­li­che Bezie­hung; sogar der Nach­hall einer Geste kann es sein.“

Das Gegen­bild [zum Uni­ver­sa­lis­mus] ist viel­mehr der Mensch, der sich seiner End­lich­keit und Sterb­lich­keit durch­aus bewußt ist und den­noch seine Rolle spielt. (Auch das Wort »Rolle« sei jenen ver­knif­fe­nen Kri­ti­kern dar­ge­reicht.) »Amor fati« (das Gegen­teil von Frus­tra­ti­on), dann »tra­gi­sche Hal­tung« wären wei­te­re Benen­nungs­ver­su­che des nomi­na­lis­ti­schen Men­schen­typs (wenn auch nicht von Miß­ver­ständ­nis­sen frei).

Moh­lers Denken steht voll­kom­men im Bann Nietz­sches. Es steht damit auch noch im Bann der alten abend­län­di­schen Meta­phy­sik, was man vor allem an seiner Repri­se des alten scho­las­ti­schen Begriffs­strei­tes erkennt. Der „faschis­ti­sche Stil“ leitet sich klar aus seiner Fas­sung des Nomi­na­lis­mus ab. Faschis­mus und Äste­ti­zis­mus gehen für Mohler zuletzt auf „den mit­tel­al­ter­li­chen Streit zwi­schen Uni­ver­sa­lis­ten und Nomi­na­lis­ten, die nomi­na­lis­ti­sche Wende“ zurück, wie er im „Faschis­ti­schen Stil“ schreibt.

Nomi­na­lis­mus, Sub­jek­ti­vis­mus, Rea­lis­mus, Rela­ti­vis­mus, die Hin­wen­dung zum Kon­kre­ten, zum Leben­di­gen und Beson­de­ren- das macht Moh­lers Denken aus. Es ist die „Über­win­dung des Idea­lis­mus durch den Exis­ten­zia­lis­mus“, die „alle Lebens­ge­bie­te durch­tränkt“ hat, zu der er sich bekennt.Diese Wen­dung ist aber nichts ande­res als ein großer geis­tes­ge­schicht­li­cher Abschnitt im Gesamt­ver­lauf des west­li­chen Uni­ver­sa­lis­mus, den wir am Funken (in einer zuge­ge­ben erklä­rungs­be­dürf­ti­gen Begriffs­wahl) seit eh und je als ein kon­kre­tes geschicht­li­ches Phä­no­men, nicht als ein all­ge­mei­nes, ewiges Prin­zip ver­ste­hen.
Der Uni­ver­sa­lis­mus ist vor allem genea­lo­gisch, und aus seiner Zeit gegen seine zeit­lo­sen Ansprü­che zu kri­ti­sie­ren. Wenn man ihn zu einem abs­trak­ten, ewigen Prin­zip macht und ihm ein ebenso zeit­lo­ses, abso­lut wahres Prin­zip, einen „-ismus“, wie den Nomi­na­lis­mus ent­ge­gen­setzt, dann kann man ihn nie­mals über­win­den. Im Gegen­teil: man unter­liegt einer Selbst­täu­schung und erzeugt nur ein rela­ti­vis­ti­sches Spie­gel­bild des Uni­ver­sa­lis­mus, das aber in seiner unge­schicht­li­chen Tota­li­tät, und letzt­lich seinem uto­pi­schen „Erlö­sungs­an­spruch“ in seinem Anma­ßen­den rela­ti­vie­ren­den Kritik jeder Wahr­heit, ebenso asbo­lu­tis­tisch ist.
(Bei­spiels­wei­se zeigt sich das an der unsin­ni­gen Frage ob das antike Rom, oder das antike Sparta „uni­ver­sa­lis­tisch“, oder gar „faschis­tisch“ waren.)
Auch Alain de Benoist bekan­te sich in seinen „wilden, heid­ni­schen“ Jahren zu diesem Nomi­na­lis­mus. Es würde zu weit führen tiefer darauf ein­zu­ge­hen, wes­we­gen wir ihn nur kurz skiz­zie­ren.
Der Nomi­na­lis­mus Benoists und Moh­lers ist bild­lich gespro­chen die affir­ma­ti­ve und freu­di­ge Akzep­tanz des „Tod Gottes“, der als Unter­gang jeder Wahr­heit die dem Men­schen von Außen vor­ge­ge­ben ist ver­stan­den wird. Damit er dar­auf­hin in keinen tota­len Rela­ti­vis­mus ver­fal­le, muss er, im „heroi­schen Sub­jek­ti­vis­mus“, aner­ken­nen, dass alle seine Werte, seine System und seine ver­meint­li­chen Wahr­hei­ten, Erfin­dun­gen sind, die er ins Nichts schnei­det. Benoist schreibt im Auf­satz:“Gleich­heits­leh­re, Welt­an­schau­ung und Moral; die Aus­ein­an­der­set­zung von Nomi­na­lis­mus und Uni­ver­sa­lis­mus“:  „Der Mensch ist der »Herr der Formen« (Jünger). Er gibt der Welt und sich selbst eine Form, die zuvor außer­halb von ihm und ohne ihn nicht exis­tier­te. Und er erkennt diese Form als sinn­voll.“

Mohler sieht darin auch das Wesen des Faschis­ti­schen Stil, den er wesent­lich aus Gott­fried Benn ablei­tet: „„Auf das Stren­ge, Reso­lu­te, auf das Gerüst­haf­te des Geis­tes, der an seinen Welten arbei­tet und für den Kunst immer die defi­ni­te mora­li­sche Ent­schei­dung gegen reinen Stoff, Natur, Chaos, Rücksin­ken Unge­form­tes ist.“

In Benns Gedicht „Staats­bi­blio­thek“, wird dieses Wahr­heits­ver­ständ­nis, indem ein auto­no­mes Sub­jekt, im eksta­ti­schen Schöp­fer­rausch, selbst­herr­li­che klare Geis­tes­for­men in amor­phe chto­ni­sche Mate­rie schnei­det deutlich:

wenn Ver­gang der Zeiten,
wenn die Stunde stockt,
weil im Satz der Seiten
eine Silbe lockt,
die den Zweck­ge­wal­ten,
reinen Lust­ge­winn
rauscht in Sturz­ge­stal­ten
löwen­haft den Sinn“


Dinge werden bei ihm „mys­tisch in das Wort gebannt“ und „Sturz­ge­stal­ten“ stif­ten Sinn.  Wir sehen hier, kunst­voll aus­ge­drückt, das moder­nis­ti­sche Kunst­ver­ständ­nis, in dessen Schöp­fer im Mit­tel­punkt steht. Die sub­jek­ti­vis­ti­sche Geburts­stun­de dises Den­kens, die Feier des huma­nis­ti­schen Mensch als Maß der Dinge und allei­ni­gen Schöp­fer seiner Werke in der Ren­nais­sance kann als dia­lek­ti­schen Gegen­re­ak­ti­on auf den reli­giö­sen Uni­ver­sa­lis­mus, ver­stan­den werden und führte direkt zum moder­nen huma­nis­ti­schen Uni­ver­sa­lis­mus, der als Betriebs­soft­ware, das Gestell durch­zieht.
Nomi­na­lis­mus und Sub­jek­ti­vis­mus sind ein­deu­tig Aspek­te der Moder­ne und bloßer Gegen­re­flex zum uni­ver­sa­lis­ti­schen Denken, ihm aber nach wie vor Ver­haf­tet. Sie sind grund­le­gen­de Prin­zi­pi­en dessen, was Dugin als „Dritte Poli­ti­sche Theo­rie“ (3PT) bezeich­net.
In der 3PT eman­zi­pier­te sich dami der Uni­ver­sa­lis­mus gänz­lich von der mono­the­is­ti­schen, christ­li­chen, uni­ver­sa­len Moral und damit von Libe­ra­lis­mus und Mar­xis­mus. Anders als bei Mar­xis­mus und Libe­ra­lis­mus ist in der 3. poli­ti­schen Theo­rie die Frage nach seinem Sub­jekt, ebenso por­ble­ma­tisch wie in Nietz­sches, ton­an­ge­ben­der Phi­lo­so­phie
Auf der Suche nach einem his­to­ri­schen Sub­jekt für die Mis­si­on der 3. Poli­ti­schen Theo­rie ent­stan­den tau­sen­de Deri­va­te und Bewe­gun­gen. Seine Ver­bin­dun­gen mit (besser Infi­zie­run­gen von) Formen des Daseins führte zu ver­schwin­dens­ten Hybri­den: wenn dieses Dasein bloß die eigene jemei­nig­keit ist, ent­steht, nahe am radi­ka­ler Anar­chis­mus nach Stir­ner und dem Libe­ra­ris­mus Ayn Rands, ein machia­vel­li­scher Sata­nis­mus und Indi­vi­du­al-Nietz­schea­nis­mus. Ver­bin­den sich Nomi­na­lis­mus und Sub­jek­ti­vis­mus mit dem Volk als Trä­ger­sub­jekt, ent­steht die eigent­li­che 3PT, als natio­na­lis­ti­sche Polit­re­li­gi­on, als säku­la­ri­sier­te, blut­ge­bun­de­ne manichäi­sche Erlö­sungs­leh­re im NS, oder staats­be­zo­ge­ner Zivi­li­sa­ti­ons­im­pe­ria­lis­mus im Faschis­mus.
Der Stil­fa­schist ist in erster Linie Nietz­schea­ner, Nomi­na­list und Sub­jek­ti­vist. Er affir­miert die Rela­ti­vi­tät und „Sub­jekt­vi­tät“ seiner Werte und Prin­zi­pi­en und ver­tritt sie trotz­dem und des­we­gen. Um welche kon­kre­ten Werte es sich dabei han­delt bleibt offen und oszil­liert zwi­schen völ­ki­schen, eta­tis­ti­schen und reli­giö­sen Mythen.Als ihre Grund­la­ge wählen „völ­ki­sche Stil­fa­schis­ten“ am Ende meist die Evo­lu­ti­ons­bio­lo­gie, aus der Sie das Sein von Völ­kern bio­lo­gisch ablei­ten. Dass Sollen, die Beja­hung der Exis­tenz des Volkes, hat für sie aber keine echte phi­lo­so­phi­sche Grund­la­ge, außer dem Selst­be­züg­li­chen Parole, der Sinn des Daseins, sei das Dasein selbst.

Mohler, Benn und Jünger ver­tre­ten aber jedoch einen „rein nietz­schea­ni­schen“ Faschis­mus, für den allein die Form und der Stil als sub­jek­ti­ve Ent­wür­fe zählen.
Der Ers­te­re schreibt: Es gibt keine Inhal­te, keine „Über­lie­fe­rung“, „Volks­ge­mein­schaft“, es fehlt „das Natio­na­le und Sozia­le, der Boden und die Rasse“. Für Benn blei­ben in seinem  „impe­ria­le Welt­bild“ nur „Kunst und Staat“, die er als Zucht ver­steht. Dies hatte an die Stelle „inhalt­li­cher Welt­deu­tun­gen“ zu treten, wie Götz Kubit­schek im Staats­po­li­ti­schen Hand­buch zu Mohler bemerkt.

Ver­ste­hen wir aber unter Stil die „Ein­heit­lich­keit eines Aus­drucks geschaf­fen durch einen Geist der eine Form findet“ (ebenso aus dem Staats­po­li­ti­schen Hand­buch), so sehen wir dass Moh­lers Stil­be­griff zu kurz greift. Wenn er schreibt es handle sich um einen „bloßen Anspruch des Uni­ver­sa­lis­ten (… ) zu wissen, was die Dinge jen­seits ihrer »Form« bedeu­ten.“, so unter­schlägt das den Geist und Sinn der sich erst im Stil aus­drückt.

Ein Stil, nur im seiner Selbst willen, ist kein echter Stil. Eine Hand­lung, die nur um ihrer selbst willen, sinn­los getan wird ist sinn­ent­leert (Dazu und zum „amor fati“ später mehr). Auch ein Wille der nur sich selbst will, ist letzt­lich unhalt­bar.
Der Wille hat ein Ziel, und das Dasein fragt nach seinem Sinn. Stil als „Ein­heit­lich­keit eines Aus­drucks“ steht eben nie für sich selbst. Gerade die­je­ni­gen die eine solche Ansicht ver­tra­ten haben inter­es­san­ter­wei­se kaum echten, blei­ben­den Stil geschaf­fen, es sei denn man stellt zB Mari­net­tis Futu­ris­mus (so inter­es­sant und anspre­chend er sein kann) in Reihe mit Klas­sik und Roman­tik.
Ihre Kunst, ist ebenso wie die Phi­lo­so­phie, eine ziem­lich abs­trak­te, intel­lek­tua­lis­ti­sche und exal­tier­te Ange­le­gen­heit. Dem Volk wurde dieser harte Gip­fel­pfad der reinen Tat und des reinen Stils ohne­hin bald zu anstren­gend. Benn, Mari­net­ti und Co wurden vom popu­lä­ren Pro­pa­gan­da­klas­si­zis­mus und den sti­lis­ti­schen Idio­syn­kra­sied des his­to­ri­schen Natio­na­lis­mus und Faschis­mus überwölbt. 

Das Wahr­heits und Kunst­ver­ständ­nis des Stil­fa­schis­ten ist also sub­jek­ti­vis­tisch und nomi­na­lis­tisch. „Hero­isch“ bejaht er die Belie­big­keit und schnei­det mit seinem auto­no­men Willen Formen in das Chaos der Welt. Sinn, Moral, Bedeu­tung, etc. sind letzt­lich belie­big weil hinter ihnen immer nur der Wille, sein Wille zur Macht und zur Form steht.

Wenn jede Wahr­heit, frei nach Nietz­sche eine „lebens­not­wen­di­ge“ Täu­schung ist, die, wenn sie wirk­lich geglaubt wird zum Uni­ver­sa­lis­mus und zum „Nihi­lis­mus“ werden muss, so bleibt nur ein zynisch-instru­men­tel­ler Bezug zu Begrif­fen, Ord­nun­gen, Moral und Wahr­heit. Nietz­sches Diktum, das die Ästhe­tik, die Schön­heit über die Wahr­heit stellt, wird vom Stil­fa­schis­mus begeis­tert auf­ge­nom­men. Schön­heit wird dabei radi­kal von der Wahr­heit getrennt. Wahr­heit gehört in die Sphäre des Objek­ti­ven, All­ge­mei­nen und Begriff­li­chen, Idea­lis­ti­schen, Sys­te­ma­ti­schen. Schön­heit und Ästhe­tik in den Bereich des Sub­jek­ti­ven, Wil­lens­mä­ßi­gen, Kon­kre­ten und „Leben­di­gen“. Hier wird ein Dua­lis­mus auf­ge­baut wo eigent­lich eine Ein­heit sein sollte.
Gleich­zei­tig wird, in tyisch meta­phy­si­scher Tra­di­ti­on der einen Seite der Zuschlag des Seins gege­ben. Die Abs­trak­tio­nen, „sind“ nicht „wirk­lich“, eben­so­we­nig wie ihre Mora­len und Wahr­hei­ten. Sie sind „seins­arm“.  Die Essenz des Sei­nen­den ist der Wille, die Formen die er schafft und die Ästhe­ti­schen Phä­no­me­ne, welche nach Nietz­sche eigent­lich die Welt recht­fer­ti­gen. Damit wird ein Sei­en­des in den Rang des Seins geho­ben und seine „Sei­end­heit“ zum all­ge­mei­nen Attri­but aller Dinge. Denn auch die Abs­trak­tio­nen sind, unein­ge­stan­de­ne Schöp­fun­gen des ewigen Willen zur Macht. Die „Unein­ge­stan­den­heit“ wird zu einer höhe­ren und „wahren Lüge“, der „Geschmack­lo­sig­keit“ gegen die Nietz­sche seine eigene, ästhe­ti­sche Moral in Stel­lung bringt.

Auf der Ebene des Stil­fa­schis­mus tönt das ein­fa­cher: alles was eine Wahr­heit über die Welt aus­drückt, die nicht selbst erfun­den und als, belie­big gesetz­tes, Macht­in­stru­ment ein­ge­stan­den wird, wird als „All­ge­mein­heit“ und „Uni­ver­sa­lis­mus“ abge­tan. Nach Nietz­sche sieht der Stil­fa­schist jede Wahr­heit als eine Erfin­dung und Selbst­täu­schung des Wil­lens zur Macht an, um sich im Über­le­bens­kampf durch­zu­set­zen. Ihren Wert erhält sie letzt­lich nur durch ihre Wirk­sam­keit für das Leben.
Diese abso­lu­te Sub­jek­ti­vi­tät und Rela­ti­vi­tät der Wahr­heit zu akzep­tie­ren und mit ihr fertig zu werden ist die Auf­ga­be des „Über­men­schen“, des heroi­schen Nihi­lis­ten und Sub­jek­ti­vis­ten,  der die Welt akzep­tiert „wie sie ist“ — undeut­bar, und ergründ­lich und auf keinen Nenner zu bringen.

Auch Mohler bekennt letzt­lich unver­kenn­bar, dass der Stil­fa­schis­mus ein poli­ti­scher Nietz­schea­nis­mus ist, dass der Sti­fa­schist, einer poli­ti­sche Ver­si­on des Über­men­schen gleicht.  Er  „ver­dankt“, so schreibt er im Nach­wort zum „Faschis­ti­schen Stil“, „sein Modell, wie es sich mit diesen Dingen ver­hal­ten könnte, seiner kunst­wis­sen­schaft­li­chen Erzie­hung.“ Er nimmt die poli­ti­schen Formen nicht all sinn­haf­te Bezüge auf die Wirk­lich­keit ernst, son­dern sieht in ihnen, typisch nietz­schea­ni­sche ein all­ge­mei­nes „Poli­tik­wol­len“ am Werk, dass er dem „Kunst­wol­len“ nach­emp­fin­det. Mohler ist „auf der Suche nach einem sol­chen ele­men­ta­ren „Poli­tik­wol­len“, das die geis­ti­gen Blüten und die harten Fakten der Poli­tik und Geschich­te syn­chron her­vor­bringt.“  Unsere Ansicht zu Gehlen bestä­ti­gend sieht er auch in diesem Urge­stein der deut­schen neuen Rech­ten, den nomi­na­lis­ti­schen Ver­such die „unfrucht­ba­ren Anti­no­mie von Idea­lis­mus und Mate­ria­lis­mus zu ent­kom­men und so zur Wirk­lich­keit zurückzufinden.“

Mohler bekennt sich damit klar als Nietz­schea­ner, sein Faschist erweist sich als Über­mensch, der im Lichte des Wil­lens zur Macht „Blüten“ seines „Poli­tik­wil­lens“ nicht allzu ernst nimmt. Damit ist eben kein echter geis­ti­ger Wider­stand gegen den Uni­ver­sa­lis­mus und seine Ideo­lo­gien zu bilden. Es ist näm­lich gerade die impo­ten­te Defen­si­ve, wie wir sie bei der moder­nen, sub­jek­ti­vis­ti­schen, wahr­heits­lo­sen Kunst beschrie­ben haben, zu der Mohler sich ja auch mit­tel­bar bekennt.
Die Unfä­hig­keit des heroi­schen Sub­jek­ti­vis­mus, heroi­sche, also über das bloße hedo­nis­ti­sche Ich erhe­ben­de, Ideale her­vor­zu­brin­gen, wird auch darin wieder ersicht­lich. Ihm fehlt die Offen­heit der Suche, wie Fröm­mig­keit der Frage, die nicht schon längst die uni­ver­sa­le Antort in der Hin­ter­hand hat. „Blüten“ die ein „Poli­tik­wil­len“ her­vor­ge­bracht hat kann man nicht so ernst nehmen wie eine Wahr­heit, eine Pflicht und eine Not­wen­dig­keit, die man in der Welt und aus der Geschich­te und einer ernst­haf­ten und tiefen Befas­sung mit der Seins­fra­ge erfährt. Genau das tut Mohler aber not­wen­dig als „Uni­ver­sa­lis­mus“ „Fana­tis­mus“ ab und beteu­ert, mit der Ein­dring­lich­keit eines Nietz­schea­ners, dass gerade das Bewusst­sein der Will­kür­li­chen Her­vor­brin­gung aller poli­ti­schen „Blüten“, sie erst „kon­kret“, „leben­dig“ und lie­bens­wert mache.
Letzt­lich ist auch die Geschich­te höchs­te Rich­te­rin gegen diese ästhe­ti­sche Stra­te­gie, die sich, wie Münch­hau­sen am eige­nen Schopf aus dem Sumpf ziehen will. Die ver­nich­ten­de Kritik Lenins am Anar­chis­mus, als uto­pis­ti­sche, in sich wider­sprüch­li­che, bür­ger­li­che Schwär­me­rei, die über­all zum Schei­tern ver­dammt ist, muss von kon­ser­va­ti­ver, tra­di­tio­na­lis­ti­scher, aber auch natio­nal-sozia­lis­ti­scher Seite, mit Recht den Stil­fa­schis­mus tref­fen. Der „tiefe Ernst“ der den letzt­ge­nann­ten Strö­mun­gen im Unter­schied zum Faschis­mus eignet, ent­springt ihrem ehr­li­chen Glau­ben an Wahr­heit und Sinn (unge­ach­tet derer echten Wahr­heit). Eine iden­ti­tä­ren Kritik soll ihre kon­kre­ten Ant­wor­ten auf die Sinn­fra­ge ver­wor­fen, muss aber die Bereit­schaft zur Wahr­heits­su­che wür­di­gen, die sie vom Stil­fa­schis­mus unter­schei­det. Die flap­si­ge Flucht in den Stil­fa­schis­mus, die teils auch unver­kenn­bar die Züge einer „Rein­wa­schung“ und „Distan­zie­rung“ der 3PT trägt, ist zuletzt diese Flucht vor der Frage nach Sinn und Wahr­heit. Sie ist eine Flucht in die selbst­ge­spon­ne­ne Laube, iro­nisch-kühler, roman­tisch-gebro­che­ner Dich­tun­gen in denen man je nur eine dan­dy­es­ke „Rolle“ spielt. Diese Flucht will sich dem Nihi­lis­mus nicht stel­len. Sie hat der deut­schen Nach­kriegs­rech­ten nach­hal­tig gescha­det und ihr womög­lich ganze Jahr­zehn­te geraubt.

Hier deu­te­te sich eine wei­te­re wich­ti­ge Frage an: die Abgren­zung des iden­ti­tä­ren Welt­bil­des zum Nietz­schea­nis­mus des Stil­fa­schis­mus. Auch der iden­ti­tä­re Eth­nop­lu­ra­lis­mus rich­tet sich scharf gegen jeden Uni­ver­sa­lis­mus, der einen tota­li­tä­ren und exklu­si­ven, impe­ra­lis­ti­schen Wahr­heits­an­spruch vertritt.

So wie aber Kunst, Natur­wis­sen­schaft und Phi­lo­so­phie ihren je eigene Fas­sung der Wahr­heit haben, so hat auch jedes Dasein in seiner eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaft einen eige­nen Sprech- Denk und Erleb­nis­ort, der not­wen­dig andere Per­spek­ti­ven auf die Welt bietet. Eine man­nig­fal­ti­ge Wahr­heit, die als Voll­zug und Erfah­rung ver­stan­den wird, steht zwi­schen dem tota­li­tä­ren Uni­ver­sa­lis­mus und dem belie­bi­gen Rela­ti­vis­mus.

Dem Dasein ist die Welt erschlos­sen und er befin­det sich in der Welt, mit den ande­ren Men­schen bei den Dingen. Es ist nicht so, dass er in einen wabern­den, chao­ti­schen Strom aus kon­kre­ten, leben­di­gen Sin­nes­ein­drü­cken mit selbst­herr­li­chen Schöp­fer­geist Formen, Begrif­fe und Werte schnei­det. Zwar hat das Dasein auch den Cha­rak­ter des Ent­wurfs. Doch nur eine meta­phy­si­sche Grund­spal­tung des Daseins in „Geist vs Mate­rie“ „Mensch vs Erde“ ver­ab­so­lu­tiert diesen Ent­wurf als Akt des reinen Geists und Willens.

Hei­deg­ger schreibt in „Vom Wesen des Grun­des“ über das Dasein: „Die Welt wird als die jewei­li­ge Ganz­heit des Umwil­len eines Daseins durch dieses selbst vor es selbst gebracht. Dieses Vor-sich-selbst-brin­gen von Welt ist der ursprüng­li­che Ent­wurf der Mög­lich­kei­ten des Daseins, sofern es inmit­ten von Sei­en­dem zu diesem sich soll ver­hal­ten können. Der Ent­wurf von Welt aber ist, unglei­chen wie er das Ent­wor­fe­ne nicht eigens erfaßt, so auch immer Über­wurf der ent­wor­fe­nen Welt über das Seiende.“

Martin Hei­deg­ger, Vom Wesen des Grun­des, In:, Weg­mar­ken, 1. Abtei­lung: ver­öf­fent­lich­te Schrif­ten 1914- 1970, Gesamt­aus­ga­be Band 9, Hrsg. Fried­rich Will­helm von Herr­mann, Vit­to­rio Klos­ter­mann Frank­furt am Main, 1975. S. 158f

Ent­wurf und Über­wurf sind keine Will­kür­ak­te des Daseins aus einem schein­bar neu­tra­len, festen Raum, einem meta­phy­si­schen „fun­da­men­tum incon­cussum“ (wie es auch Nietz­sches Wille zur Macht  als Welt­deu­tung sein kann). Es gibt kein jen­seits des Ent­wurfs, weil er als Über­wurf je schon das Dasein mit­ein­be­zo­gen hat. Wir werden in eine Sprach­welt unse­rer Eltern, in ihr Fleisch hin­ein­ge­bo­ren. Wir sind Kapi­tel einer Geschich­te die wir, ob wir wollen oder nicht in unse­rem Lebens­lauf mit jedem Schritt wei­ter­erzäh­len wie neuen Spuren in den Schnee. Welt­bil­den ist nicht macht­vol­les Auf­prä­gen des Men­schen als „Herr der Formen“ son­dern ein gesche­hen Lassen, aller­dings nicht passiv über sich her­ein­bre­chen, son­dern formen, gestal­tend zusam­men­flie­ßen las­send, Dämme öff­nend, Linien flech­tend, „kom­po­nie­rend“ im Sinne von „zusam­men­fü­gend“. „Aller Welt­ent­wurf ist daher geworfener.“

Oa S. 175

Wir werden später kurz weiter auf diese Über­win­dung des klas­sisch-meta­phy­si­schen Men­schen­bil­des, und ihren Zusam­men­hang mit der Über­win­dung des Stil­fa­schis­mus und der 3PT ein­ge­hen. Jetzt beschrän­ken wir uns darauf, dass die Dicho­to­mie: „reiner huma­nis­ti­scher Geist“ und Wille des „Herr der Formen“, der seinen sub­jek­ti­ven Stil, gegen eine amor­phe, chao­ti­schen, wirren Welt, mit­tels Gewalt auf­zwingt, unhalt­bar, oder zumin­dest alles andere als alter­na­tiv­los ist.

Der Nomi­na­lis­mus ist ebenso wie der Uni­ver­sa­lis­mus abzu­leh­nen. Der Indi­vu­da­lis­mus und Rela­ti­vis­mus ebenso wie Kol­lek­ti­vis­mus und dog­ma­ti­scher Tota­li­ta­ris­mus. Objekt und Sub­jekt sind nur zwei Seiten einer Miss­deu­tung des mensch­li­chen Daseins.
Der Objek­ti­vis­mus der Natur­wis­sen­schaft und der Sub­jek­ti­vis­mus der moder­nen Kunst, das Primat der sta­ti­schen, rech­ne­ri­schen, toten Wahr­heit, und die will­kür­li­che, hyper­sub­jek­ti­ve Belie­big­keit der Kunst gehen letzt­lich auf Rene Des­car­tes Den­kre­vo­lu­ti­on zurück. Sie zer­schnei­den eine ursprüng­li­che ein­heit­li­che Erfah­rung, indem sie nicht nur unter­schied­li­che Berei­che the­ma­ti­sie­ren, son­dern eine meta­phy­si­sche Spal­tung ein­lei­ten.
Aus dem Phä­no­men des „In der Welt sein“, das jeder von uns in seinem eige­nen Dasein, das weder reiner Geist noch reine Mate­rie ist, erfah­ren kann, wurde  ein in reines, nack­tes, sub­jek­ti­ves Bewusst­sein als „res cogi­tans“ und, tote, all­ge­mei­ne, objek­ti­ve, mess­ba­re Mate­rie „res exten­sa“ gespal­ten. Jar­hun­der­te der Ver­tie­fung und Ver­stri­ckung waren nötig, das, über Ratio­na­lis­mus und Empi­ris­mus, Kan­tia­nis­mus und Idea­lis­mus, schließ­lich Nietz­sches Zuspit­zung des Pro­blems mög­lich wurde.
Der Sub­jek­ti­vis­mus und Nomi­na­lis­mus bezieht hier Partei für das indi­vi­du­ell­le, „Kon­kre­te“, das letzt­lich in der Tra­di­ti­on von Des­cards res cogi­tans steht.
Spra­che und den Begriff werden als sta­ti­sche und sys­te­ma­ti­sche Deu­tungs­for­men prin­zi­pi­ell als uni­ver­sa­lis­mus­ver­däch­tig betrach­tet. Indem die Wahr­heit und das System per se abgeleht werden, schiebt man die
diese Domäne und die Wis­sen­schaft­li­che Her­an­ge­hens­wei­se selbst, den Uni­ver­sa­lis­ten, im posi­ti­vis­ti­schen und uto­pisch-ideo­lo­gi­schen Gewand zu. Das nomi­na­li­si­sche, system und letzt­lich phi­lo­so­phie­feind­li­che Denken ist leider sehr tief in die rech­ten, intel­lek­tu­el­len Zusam­men­hän­ge ein­ge­drun­gen. Es hat grau­en­haf­te Kon­se­quen­zen und lähmt sie so, wie es Kri­sen­kult und Gewalt­fe­tisch im akti­vis­ti­schen Lager tun.

Eine Unwil­lig­keit wirk­lich ernst­haft über Fragen zu debat­tie­ren, sich tiefer mit Stoff­ge­bie­ten zu befas­sen, eigen Sicht­wei­sen zu for­mu­lie­ren, und statt­des­sen matte Aus­re­den auf ange­bo­re­ne Cha­rak­ter­fra­gen, und das Primat des „Stils“ herr­schen über­all vor. Man fühlt sich allen Nach­den­kern hämisch über­le­gen, weil man jede wis­sen­schaft­lich-welt­an­schau­li­che Beschäf­ti­gung für letzt­lich sinn­los hält. Hat man doch mit ein wenig Mohler, Jünger und Nietz­sche das Wel­ten­rät­sel längst gelöst, den Bereich des Den­kens längst ver­mes­sen und abge­steckt. Alles was ist, befin­det sich in diesem, erkann­ten logi­schen Rahmen. Geht es doch am Ende nur darum einen gewis­sen Stil zu ver­tre­ten, eine gewis­se Ästhe­tik aus­zu­drü­cken, welche „die Ihri­gen“ schon anzieht.
Gesund­heit, Kraft, Wachs­tum Leben und Stärke werden zu Ersatz­wer­ten für Wahr­heit und Sinn. Sie prägen dann auch, als unein­ge­stan­de­ner bio­lo­gis­ti­scher Unter­grund als, Agres­si­on, Sexua­li­tät und Mili­tanz unver­zicht­bar den faschis­ti­schen Stil. In Moh­lers Worten: „kalter Stil, rapid, fun­kelnd, groß­ar­tig.“
Hier findet eine fol­gen­schwe­re Ver­wechs­lung statt.

Kraft, Wachs­tum, Leben- all das exis­tiert als Selbst­zweck nur für den stil­len Lebens­drang einer Pflan­ze. Das Mensch­li­che Dasein ist nie­mals etwas bloß Gege­be­nes, das nach vorher fest­ge­leg­ten Prin­zi­pi­en vor sich hin exis­tiert. Der Mensch ist immer zuerst ein „Warum-Frager“, wie Martin Hei­deg­ger gegen alle anthro­po­lo­gi­schen Fixie­rungs- und Bestim­mungs­ver­su­che klar­macht.
Ohne einen Lebens­sinn, will und kann das mensch­li­che Dasein nicht Leben. Es ist sich immer seiner End­lich­keit bewusst, es ist „Sein-zum-Tode“. Es erkennt, dass es auf einem zeit­lich begrenz­ten Weg zwi­schen Geburt und Tod auf­ge­spannt ist und fragt sich uner­bitt­lich was Ziel und Sinn dieses Weges ist. (Sinn kommt vom ahd „sinan“ was „auf dem Wege hin“ bedeu­tet). Es ist sich selbst auf­ge­ge­ben. Auch der Stil­fa­schist lie­fert mit seinem „heroi­schen Sub­jek­ti­vis­mus“ nur eine bestimm­te Aus­le­gung des Daseins, die ihm, in ihrer über­trie­ben Auto­no­mie bzw. dem tota­lem Fata­lis­mus nicht gerecht wird. (Masch­ke beschreibt neben­bei in seinem Text über den faschis­ti­schen Intel­lek­tu­el­len scharf dessen schwan­ken zwi­schen Über­machts­phan­ta­sie und mani­schem Rausch sowie, Ohn­machts­be­stür­zung und depres­si­ver Ernüch­te­rung, worin beide Aspek­te sich aus­drü­cken)

Die Frage nach dem Sinn zielt auf Wahr­heit ab und setzt in der Welt an. Der Mensch befragt die Umwelt, die Mit­men­schen, die Tra­di­ti­on und sich selbst. Er ver­sucht seine eigene Stel­lung in der Gemein­schaft und dem Kosmos zu ergrün­den. Erst wenn er eine befrie­di­gen­de Ant­wort auf diese Frage, „Wer bin ich, Wohin gehe ich, und Woher komme ich“ gefun­den hat kann er auch ja zum Leben, sowie dessen Ver­tei­di­gung und Fort­pflan­zung sagen.

Denn das Geheim­nis des Men­schen­le­bens liegt nicht im bloßen Dasein, son­dern im Zweck des Daseins. Ohne eine feste Vor­stel­lung davon, wozu er leben soll, wird der Mensch gar nicht leben wollen, und er wird sich eher ver­nich­ten, als daß er auf Erden leben bliebe (…)“
Fjodor Dos­to­jew­ski, Der Großinquisitor

Das „Leben“ ist radi­kal dem Sinn unter­ge­ord­net. Es gibt gar kein „Leben“ an sich, das man aus Tieren, Plan­zen und Men­schen abs­tra­hie­ren könnte. Alle haben ihre je eigene Seins­wei­se. Zum mensch­li­chen Dasein gehört die Frage nach dem Sinn von Sein

Dieser Sinn kann nicht von Natur­wis­sen­schaft und Co „pro­du­ziert“ werden. Er geht über mathe­ma­ti­sche For­meln hinaus. Schiebt man aber die Wahr­heit, die Frage nach Sinn und Inhalt, in einer ver­fah­re­nen „Lebens­phi­lo­so­phie“ dem Uni­ver­sa­lis­mus, der „bösen“ All­ge­mein­heit, und Abs­trak­ti­on zu, dann gibt es kann sich kein Lebens­sinn in der Welt und aus der Aus­ein­an­der­set­zung mit unse­ren Mit­men­schen offen­ba­ren. Jeder Sinn ist etwas, das wir uns selbst erfun­den und in die Dinge hin­ein­ge­legt haben und das damit eine „not­wen­di­ge Lüge“ ist. Die Sinn­stif­tung wird ein Selbst­be­trug, oder zumin­dest ein Mas­sen­be­trug, des heroi­schen Über­men­schen, gegen die dummen Schafe, die eben ihre „Wahr­heit“ brau­chen. Nietz­sches Schrift über „Wahr­heit und Lüge im außer­mo­ra­li­schen Sinne“, ist das gehei­me Credo der neu­rech­ten Nomi­na­lis­ten. Seine Dekla­ra­tio­nen: „Wahr­hei­ten sind Illu­sio­nen, von denen man ver­ges­sen hat, dass sie welche sind“ und noch deut­li­cher: „Die Falsch­heit eines Urteils ist uns noch kein Ein­wand gegen ein Urteil; darin klingt unsre neue Spra­che viel­leicht am frem­des­ten. Die Frage ist, wie weit es leben­för­dernd, leben­er­hal­tend, [ist]“, sind Gebote ihres Glau­bens.
Diese Welt­sicht ist zutiefst nihi­lis­tisch. Sie gibt vor dem Leben, dem Volk und der Gesund­heit zu dienen. Tat­säch­lich aber ist diese nomi­na­lis­ti­sche, sub­jek­ti­vis­ti­sche Sinn­stif­tung unmög­lich und lebens­feind­lich (im Sinne von daseins­feind­lich). In ihr lebt der ewige Welt­zwei­fel des auto­no­men Sub­jekts, das sich allein als Herr der Wahr­heit  und der Form gelten lässt, als Zynis­mus fort. In ihm atmet letzt­lich ein libe­ra­lis­ti­scher Frei­heits­gbe­griff, der mit der „Tötung Gottes“ auch jede Idee von über­in­di­vi­du­el­len Werten, End­lich­keit„ Erbe, gewach­se­nen Gemein­schaf­ten und Gewor­fen­heit verwirft.

Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst“, lautet das Credo. Wahr­heit, dient letzt­lich nur der bio­lo­gi­schen Daseins­er­hal­tung. Mensch­li­che Kultur und Reli­gi­on, sind am Ende nichts wesent­lich ande­res als das Paa­rungs­ver­hal­ten von Pfauen und die Hier­ar­chie im Amei­sen­hau­fen. Hier spie­len der sub­jek­ti­vis­ti­sche neu­rech­te Nomi­na­lis­mus ala Mohler, Krebs und Co per­fekt mit dem neu­rech­ten Bio­l­go­is­mus ala Lorenz, Mac Donald, Rieger, etc. zusammen.

Die natur­wis­sen­schaft­li­che, evo­lu­tio­nä­re „Wahr­heit“ und der Dar­wi­nis­mus schla­gen den dump­fen Trom­mel­takt zum Spek­ta­kel der bio­lo­gisch not­wen­di­gen kul­tu­rel­len Wahr­heits­il­lu­si­on. Arnold Gehlen spitz­te diese Denk­wei­se in seiner Anthro­po­lo­gie zu. Hier repro­du­ziert die neue Rechte die Spal­tung in objek­ti­ves Daten­ma­te­ri­al der mate­ri­el­len Welt und belie­bi­ge sub­jek­ti­ve System- und Begriffs­bil­dung.
Ihr Unter­schied zum Libe­ra­lis­mus liegt ledig­lich darin, dass das Sub­jekt, das sich seine Wahr­heit schafft nicht das libe­ra­le Indi­vi­du­um, son­dern  das Kol­lek­tiv­sub­jekt in Gestalt von Kultur oder Volk ist. Die gene­rel­le Welt­sicht, die Grund­pfei­ler des Den­kens unter­schei­den sich erschre­cken­der­wei­se oft wenig. 

Das Künst­le­ri­sche, Schöp­fe­ri­sche, also der Pro­zess des Stif­ten selbst wird ihm zum Lebens­zen­trum. Nicht aber ent­hüllt und beleuch­tet die Kunst eine höhere Wahr­heit. Sie schafft sie erst, ebenso wie die Spra­che im nomi­na­lis­ti­schen Fehl­schluss erst die Dinge und ihre Bedeu­tung „schafft“. Diese Hal­tung stif­tet Unheil. Aus ihr wächst unum­gäng­lich eine Zyni­sche Ironie gegen jedes Ideal und jeden Idea­lis­ten. Er wird ihr zum Tölpel der an das, was ja doch von ihm oder ande­ren „erfun­den“ wurde ernst­haft glaubt. Die per­sön­li­chen Tra­gö­die dieses zyni­schen Rea­lis­mus, der, wenn er mit Gewalt Sinn stif­ten will, zum „heroi­schen“ wird, ist, dass Sinn nichts ist, dass man sich ein­fach selbst geben kann.
Der faschis­to­ide Intel­lek­tu­el­le affir­miert das mit einem pathe­ti­schen Gestus. Er wähnt sich der mora­lisch im Uni­ver­sa­lis­mus fest­hän­gen­den Mar­xis­ten und Libe­ra­len dadurch über­le­gen, dass er die ver­steck­ten Mög­lich­kei­ten dieser Belie­big­keit als ein­zi­ger wirk­lich voll­zieht.  Er allein zieht die Kon­se­quen­zen aus dem radi­ka­len Sub­jek­ti­vis­mus, er erfin­det keine „uni­ver­sa­lis­ti­sche Hin­ter­welt“, um den Kampf ums Dasein zu ver­schlei­ern. Er erkennt die „Wahr­heit“, wonach die „jüdisch-christ­li­chen, uni­ver­sa­lis­ti­sche Moral“ mit ihrem Gott gestor­ben sei. Es ist Jün­gers „Verrat des Lebens gegen den Geist“, den er als Rache gegen die Knech­tung des Lebens durch den uni­ver­sa­lis­ti­schen Geist, zu Ende führen will.

Dabei führt er aber nur die Geschich­te des Uni­ver­sa­lis­mus zu ihrem Ende- zur nihi­lis­ti­schen Selbst­zer­stö­rung.
Er tut dass indem er in der nack­ten Gewalt, den letz­ten „Wahr­heits­be­weis“ im wogen­den Heer der belie­bi­gen Mei­nun­gen und Meta­phern sieht, die sich Men­schen und Völker selbst als mobi­li­sie­ren­de „Sinne“ und „Myhten“ setzen. Er wähnt sich über den Uni­ver­sa­lis­mus erha­ben, indem er auch diesen als eine belie­bi­ge Mög­lich­keit der Welt­aus­le­gung ent­lar­vut und die ver­schämt, ver­steck­te Bru­ta­li­tät hinter der pazi­fis­ti­schen Maske ent­larvt. Er heißt sie aber gut und ver­lacht bloß den ihr Ver­ber­gen­wol­lens, und die unein­ge­stan­den­de Schwä­che.

Als dia­lek­ti­sches Gegen­teil zur hellen, mora­li­schen Seite des Uni­ver­sa­lis­mus, bejaht der nietz­schea­ni­sche Wil­lens­me­ta­phy­si­ker zynisch die Fratze hinter der Maske und bestä­tigt hohn­la­chend, dass letzt­lich tat­säch­lich nur Macht, Gewalt und Krieg die Garan­ten von Wahr­heit, Wirk­sam­keit und Sieg sind. Bru­ta­li­tät und Mit­leids­lo­sig­keit werden in der Folge als Ideale geprie­sen, jede Hem­mung für sie und den sich mit ihnen ent­fal­ten­den Macht­wil­len, wird als aus­zu­mer­zen­der Rest­be­stand eines „Idea­lis­mus“ betrach­tet. Im Gedicht von Ragnar Red­be­ard „might is right“, ist das bei­spiel­haft aus­ge­drückt:

Might was right when Caesar bled

Upon the stones of Rome,

Might was right when Genghis led

His hordes over Danube’s foam,

And might was right when German troops

Poured down through Paris way,

It’s the gospel of the anci­ent world

And the logic of today.


(…)

The strong must ever rule the weak,

Is grim pri­mor­di­al law -

On earth’s broad racial thres­hing floor,

The meek are beaten straw -

Then ride to power o’er foemen’s necks

Let not­hing bar your way:

If you are fit you’ll rule and reign,

Is the logic of today.

Might was right when Car­tha­ge flames

Lit up the punic foam -

And when the naked steel of Gaul

Weig­hed down the spoil of Rome;

And might was right when Rich­mond fell -

And at Thermopylae -

It’s the logic of the anci­ent world -

And the gospel of today.

Where pen­dant suns in mil­li­ons swing,

Around this whir­ling earth,

It’s might, it’s force that holds the brakes,

And steers through death and birth:

Force governs all orga­nic life,

Inspi­res all right and wrong.

It’s nature’s plan to weed-out man,

And test who are the strong.


Am Ende bleibt als letz­ter Maß­stab für Wahr­heit und „Gei­ger­zäh­ler für das Erha­be­ne“ nur die reine abs­trak­te Todes- und Opfer­be­reit­schaft, mit ihrem ästhe­ti­schen Nie­der­schlag im uni­for­mier­ten Män­ner­bund und dem Mär­ty­rer­tod. Wie die Miss­deu­tung des Amor Fati und der rich­ti­gen Tat um der Tat willen, wird hier aber völlig ver­kehrt, dass die Todes­be­reit­schaft zwar immer jedes echtes Ideal beglei­tet, dieses jedoch nie­mals aus dem nichts schafft. Nie­mals kann über nackte Todes­sehn­sucht, Ter­ro­ris­ti­sche Selbst- und Fremd­op­fe­rung zynisch-machia­vell­li­sche Tötungs­be­reit­schaft und nihi­lis­ti­schen Opfer­kult, ein tran­szen­den­ter Lebens­sinn her­vor­ge­sprengt werden. Dieses herostra­ti­sche Denken endet viel­mehr, samt Fan­ta­sie­or­den und Uni­form in Brei­vik­schen Mas­sa­kern. Zwar kann das Blut des Mär­ty­rers den Samen des Mythos gießen. Fehlt jedoch der Same bleibt nur eine Lache.

(( Dieser reine Rela­ti­vis­mus und Macht­prag­ma­tis­mus tritt als echte Ideo­lo­gie  mit der fran­zö­sisch-könig­li­chen Rechts­leh­re im ver­ständ­li­chen Gegen­satz zum sakra­len natio­nal-uni­ver­sa­lis­ti­schen Herr­schafts­an­spruch des hl. Röm Reichs dt. Nation auf und soll sich später im Natio­na­lis­mus und Rechts­po­si­ti­vis­mus, z.B. über Machia­vel­li, Austin, etc.  äußern.
Der Natio­na­lis­mus ist, wie Hei­deg­ger erkannt hat, nichts ande­res als die „Ver­ge­mein­schaf­tung“ des Sub­jek­ti­vis­mus, indem man seine Fehler und Wider­sprü­che vom ein­zel­nen auf das Volks­sub­jekt, von Gesell­schaft und Markt auf die Ebene der Völker hebt.

„Weil man die Seins­fra­ge noch nicht begreift und damit auch nicht das Da-Sein, weil man dieses doch immer als „Sub­jekt“ nimmt, gelangt man zu den komi­schen For­de­run­gen, das Ein­zel­sub­jekt (in Sein und Zeit) müßte jetzt durch das Volks­sub­jekt ersetzt werden. Die armen Tröpfe!“

Martin Hei­deg­ger, Besin­nung, HGA 66, S. 144 ))

Der Stil­fa­schist schafft es aber nicht, aus der 3PT in ein neues Denken zu treten. Tat­säch­lich ver­steht auch er die Welt falsch und scha­blo­nen­ar­tig. Der Stil­fa­schist unter­liegt einer per­ma­nen­ten Selbst­täu­schung. Er meint, von der Kom­ple­xi­tät der Frage nach der Wahr­heit und ihrer Mono­po­li­sie­rung durch die uni­ver­sa­lis­ti­sche Moral abge­sto­ßen, es gäbe schlicht keine Wahr­heit und das „Leben“, das Kon­kre­te, Dyna­mi­sche, Schein­haf­te, der Stil würde über der Wahr­heit stehen. Für diese Erkennt­nis, die ihm aus einer bestimm­ten Facet­te des Welt­phä­no­mens ein­leuch­te­te, bean­sprucht er aber selbst Wahr­heit. Ihm ist bewusst, dass die Erhal­tung des Daseins einen Sinn,also etwas über und außer ihm braucht und setzt ein­fach die Erhal­tung des Daseins selbst als ein­zi­gen Sinn. In der radi­ka­len Ableh­nung jeder echten Sinn­su­che „außer­halb“ des Men­schen, in seiner apo­dik­ti­schen Behaup­tung dass die Welt ein ewiges Werden in der Domnä­ne des Wil­lens zur Macht sei, hat er den­sel­ben Effekt, wie der Uni­ver­sa­lis­mus, der behaup­tet im Pri­vat­be­sitz  dieser Wahr­heit zu sein. Alles wird ent­zau­bert, ent­seelt und ent­kernt. Der Uni­ver­sa­list tut das, selbst­ge­recht-fana­tisch zu seinem Vor­teil im Namen seiner Ideo­lo­gie. Der rela­ti­vis­ti­sche Nomi­na­list tut es, grim­mig-zyni­scher im Namen eines all­ge­mei­nen Prin­zips, dem er sich auch selbst unter­wirft. Beide bieten jedoch eine typisch meta­phy­si­sche, abge­schlos­se­ne Welt­erkennt­nis an, die kein „Außer­halb“ mehr zulässt.

Die Wahr­heit und die Erschlos­sen­heit der Welt steht aber VOR der Behaup­tung es gäbe keine Wahr­heit. Vor dem Bewusst­sein um die etho­kul­tu­rel­le Ver­wur­ze­lung, die Geschicht­lich­keit, Sprach­lich­keit und Ver­än­der­lich­keit von Wahr­hei­ten steht die Erfah­rung der Wahr­heit als Erschlos­sen­heit von Sei­en­dem selbst. Was der Stil­fa­schist mit „Es gibt keine Wahr­heit“ eigent­lich meint ist, dass es auf der Ebene der Kul­tu­ren, der Spra­che und der Kunst eine Viel­falt an Zugän­gen und Aus­drü­cken der Wahr­heit (in seinen Augen Stil­for­men) gibt, wäh­rend es im Bereich der Natur­wis­sen­schaft, der Mathe­ma­tik und des Uni­ver­sa­lis­mus nur einen Wahr­heit-Maß­stab ent­spre­chend ihrer metho­do­lo­gi­schen Fest­set­zung gibt.

Diese eine totale Wahr­heit als Uni­ver­sal­prin­zip, lehnt er mit recht als lebens­feind­lich ab. Im Bereich der Natur­wis­sen­schaft hat sie aber, auf ihrem begrenz­ten Platz, eine Berech­ti­gung. Der Ver­such des Uni­ver­sa­lis­mus unter Beru­fung auf die Wahr­heit, Zen­tra­lis­mus und Ein­heit­lich­keit auch auf der Ebene der Reli­gio­nen, der Poli­tik, der Völker und Kul­tu­ren und der Geschich­te umzu­set­zen, ist nicht iden­tisch mit der spe­zi­fi­schen Wahr­heit wahrer Reli­gi­on, wahrer Kunst und wahrer Kultur zu tun (die immer eth­no­kul­tu­rell ver­wur­zelt ist).

Der Stil­fa­schist aber setzt, (wie Nietz­sche den einen bestimm­te Got­tes­auf­fas­sung mit Gott an sich) die uni­ver­sa­lis­ti­sche Auf­fas­sung von Wahr­heit mit Wahr­heit an sich gleich. Nur weil die uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gien ver­such­ten, die Welt gleich einer mathe­ma­ti­schen Formel total auf­zu­klä­ren und zu ent­schlüs­seln ver­fällt er trot­zig in ein radi­ka­les Gegen­teil und sieht jedes sys­te­ma­ti­sche, tiefe Suchen und Fragen als sinn­los und ziel­los an. Vieles was er sagt und denkt ist rich­tig. Dass die Welt nie auf­geht, dass man sie nehmen muss wie sie ist, dass man die eigene End­lich­keit bewusst anneh­men und trotz­dem han­deln muss- all das sind rich­ti­ge  Aspek­te, die er aber nicht wirk­lich durch­denkt und letzt­lich missdeutet.


Dabei maßt er sich aber mehr an als der ehr­li­che Wahr­heits­su­cher. Wäh­rend dieser die Frage ob es eine Wahr­heit gibt die auch durch unter­schied­li­che kul­tu­rel­le und sprach­li­che Fas­sun­gen ver­mit­telt wird, ob dem Dasein eine Erfah­rung und Beschrei­bung des Sein mög­lich ist, offen hält, und sogar noch die Mög­licheit des ret­ten­den Gottes nicht aus­schließt, macht sich der Stil­fa­schist selbst zum Gott. Denn sein abso­lu­tes Wissen, um die Inexis­tenz von Wahr­heit und des bio­lo­gi­sche Täu­schungs­h­cha­rak­ter jedes Werts bean­sprucht totale Wahr­heit und All­wis­sen­heit. Der Über­mensch wird als Nor­men­set­zer zum Abzieh- und Zerr­bild des christ­li­chen Gottes. Genau wie bei Nietz­sches Wille zur Macht gibt es in seinem radi­ka­len Nomi­na­lis­mus „nichts außer­dem“. Die Welt geht bei ihm, in seiner radi­ka­len Ableh­nung des „Uni­ver­sa­lis­mus“  als ewiges Werden plu­ra­ler Wil­lens­quan­ten eben doch rest­los „auf“. Die Mög­lich­keit einer ande­ren Welt­deu­tung, die Mög­lich­keit eines Sinns außer­halb der Ich-Monade ist bei ihm radi­kal aus­ge­schlos­sen. Jedes Abwei­chen von der Welt als Wille zur Macht ist eine Pri­va­ti­on die zum Willen zum Nichts führt. (Man könnte an der Stelle tiefer auf die Wil­lens­me­ta­phy­sik und das System Nietz­sches ein­ge­hen, das alle Faschis­men der 3PT inspi­riert hat. Dazu ist die Aus­ein­an­der­set­zung Hei­deg­gers mit Nietz­sche uner­läss­lich. Nietz­sches Stel­lung in der Seins­ge­schich­te ist unver­gleich­lich und sein System, das das Weg­pro­gramm der kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on ist, muss, gerade in Ver­bin­dung mit Hei­deg­gers Denken, zum Weg­pro­gramm eines neuen Auf­bruchs gehö­ren. Allein gehört das nicht in diesen Texte, wes­we­gen auch bewusst auf das Voka­bu­lar Hei­deg­gers und eine fun­da­men­tal­on­to­lo­gi­sche Ana­ly­se Nietz­sches ver­zich­tet wurde)

Fried­rich Nietz­sche: Werke in drei Bänden. Mün­chen 1954, Band 3, S. 838–841.

Warum tut er es nicht? Warum stif­te­te Nietz­sche keine neue Reli­gi­on, wenn doch ein Glaube leben­s­tei­gernd wirken kann? Weil ihm mehr noch als das Leben und das Dasein, die eigene Wahr­haf­tig­keit und Ehr­lich­keit, die eigene Erkennt­nis teuer und heilig ist. Er ist nicht bereit sich einen Gott als Gott zu „erfin­den“, also letzt­lich das eigene sub­jek­ti­ve Ich einem über­ge­ord­ne­ten Sinn unter­zu­ord­nen. Eine anti­re­li­giö­se, auf­klä­re­ri­sche „Ehr­lich­keit“ durch­zieht den Nomi­na­lis­mus und Stil­fa­schis­mus bis ins Mark. Er will letzt­lich die Auto­no­mie und Frei­heit, die allei­ni­ge Selbst­ge­setz­ge­bung des Sub­jekts gegen alle über­ge­ord­ne­ten Ansprü­che behal­ten- damit ist er zutiefst modern. Da wo das Mensch­li­che, jen­seits von Bio­lo­gis­mus und Art­erhal­tung beginnt, beginnt für ihn der radi­ka­le Sub­jek­ti­vis­mus, dessen Wahr­heit er so radi­kal ver­ficht wie der Uni­ver­sa­list die Wahr­heit seiner Idee.



2. Ist der Stil­fa­schis­mus revolutionär?

Der „Faschis­ti­sche Stil“, als phi­lo­so­phi­sche Hal­tung ist nicht revo­lu­tio­när und letzt­lich auch nicht wirk­lich anti­uni­ver­sa­lis­tisch. Er akzep­tiert die Wahr­heits­he­ge­mo­nie der Natur­wis­sen­schaft und affir­miert eine sub­jek­ti­ve Belie­big­keit in Kunst, Reli­gi­on, Spra­che und Kultur. Diese Belie­big­keit sieht er als letzt­lich Aus­druck des viel­fäl­ti­gen bio­lo­gi­schen Lebens indem auch der Mensch voll­ends auf­geht. Wahr­heit und Sinn sind not­wen­di­ge Lügen und Illu­sio­nen die der Mensch sich selbst als Karot­ten vor den Karren hängen muss. Kultur, Spra­che und Reli­gi­on haben kei­ner­lei echten Zugang zu einer Wirk­lich­keit. Das Sub­jekt schafft sich diese kul­tu­rel­len Wirk­lich­kei­ten selbst ins Nichts- es ist Dich­ter seines Lebens. Die Dinge die sein Leben stei­gern erschei­nen ihm als gut und schön und werden von ihm erst so geprägt. Der Mensch muss zum heroi­schen Nihi­lis­ten und Über­men­schen werden und in einem „amor fati“ diese Sub­jek­ti­vi­tät und Sinn­lo­sig­keit als  ein­zi­gen Sinn akzep­tie­ren.
Hier sehen wir, so hart das klingt, eine zutiefst moder­ne, bie­de­re und indi­vi­dua­lis­ti­sche Welt­sicht, die eng mit dem Libe­ra­lis­mus ver­wandt ist.
Die vor­ge­stell­te Unfä­hig­keit mit Spra­che, Kunst und Kultur zur Wirk­lich­keit vor­zu­drin­gen und die Welt wahr­haf­tig wahr­zu­neh­men wird als radi­ka­ler Skep­ti­zis­mus und Rela­ti­vis­mus von Posi­ti­vis­mus und Ratio­na­lis­mus über­nom­men.
Wahr­heit wird als sta­ti­sche Bezie­hungs­grö­ße zwi­schen toten Begrif­fen und Sys­te­men und deiner objek­ti­ven Welt miss­ver­stan­den und abge­lehnt. Die gesam­te Welt­an­schau­ungs und Lebens­phi­lo­so­phie, ala Berg­son, Sorel, Parteo, Klages, Speng­ler (und über Umwege Spann) baut darauf auf und setzt dage­gen auf blinde „Intui­ti­on“, dif­fu­se „Leben­dig­keit“ die zuletzt immer sub­jek­tiv bleibt. Alles All­ge­mei­ne, Ganz­heit­li­che und Wahr­haf­ti­ge wird aus der Welt aus­ge­blen­det und in Bausch und Bogen ver­dammt. Am Ende dieser Welt­sicht steht ein sata­nis­tisch-indi­vi­dua­lis­ti­scher Anar­chis­mus, ein neo­pri­mi­ti­ver, rous­se­auis­ti­scher Anar­cho­syn­di­ka­lis­mus, oder ein natio­nal-sub­jek­ti­vis­ti­scher, völ­ki­scher oder eta­tis­ti­scher „Kampf ums Dasein“. All das sind nur lose Dämme vor der Welle des Nihi­lis­mus, welche sie alle davon­fegt.
Sie sind näm­lich nicht in einem echten Sinn­su­che, die über das Dasein hin­aus­geht, ver­an­kert, son­dern all ihre Werte führen unwei­ger­lich auf das Indi­vi­du­um selbst zurück. Es sind Zir­kel­schlüs­se die keinen Halt bieten. Es ist, wie  Karl Löwith sagte, als würde sich ein Ertrin­ken­der an den Wellen des Meeres fest­hal­ten wollen.…

Der nomi­na­lis­ti­sche Stil­fa­schis­mus sieht die Wahr­heit als künst­le­risch-sub­jek­ti­vis­ti­schen Pro­zess. Er deutet dabei die Kunst als reine Pro­jek­ti­on inner­mensch­li­che, sub­jek­ti­ve Ideen auf die nackte objek­ti­ve Außen­welt. So wie der Künst­ler belie­big eine Form aus dem klo­bi­gen Marmor schlägt, so formt sich der Mensch seine Wahr­heit­welt und schnei­det Begriff und System ins „Chaos“ der Umge­bung. Kunst wird dabei  zuletzt im moder­nen, wahr­heits­un­fä­hi­gen, „künst­lich-sub­jek­ti­ven“ Sinne ver­stan­den.

Weil die Wahr­heit eine schöp­fe­ri­scher, sub­jek­ti­ver Set­zung des Ichs ist, kommt es weni­ger auf ihren Inhalt als auf ihre Form und das „Wie“ an. Der Inhalt ist zuletzt belang­los. Wer ihm zuviel Bedeu­tung bei­misst oder gar „Wahr­heit“ für ihn bean­sprucht, ver­gisst, dass er allein Quelle seiner Begrif­fe, Kunst, Reli­gi­on und Kultur ist. Er ist stolz weil er etwas wie­der­fin­det das er selbst ver­steckt hat, wie Nietz­sche in seinem Essay, „Über Wahr­heit und Lüge im außer­mo­ra­li­schen Sinne“ bemerkt. Die Wahr­heit liegt in Stil, Form, Gestalt und Hal­tung, weil sich in ihnen vor allem die Sub­jek­ti­ve Frei­heit des Ein­zel­nen ausdrückt.

Nur „Mora­lis­ten“, sehen in ihrem Werk mehr als das Werk selbst. Die Tat wird vom Stil­fa­schis­ten um ihrer Selbst willen getan. Das hat nichts mit den Gedan­ken zu tun die sich in der Bha­ga­vad Gîtâ, oder im Tao­is­mus finden. Dort gilt es, das rich­ti­ge, ent­spre­chend der erfah­re­nen Wahrheit,also den Gött­li­chen Geset­zen, und der Tra­di­ti­on, zu tun, egal ob es per­sön­li­chen Nutzen bringt, und egal ob es erfolgs­ver­spre­chend  ist. Die Tat trägt als wahre und rich­ti­ge Tat ihren Wert in sich. Sie ist viel­leicht frucht­los und nutz­los, aber nie­mals sinn­los und ziel­los.
Beim Stil­fa­schis­ten wird aber das Ziel der Tat die Tat selbst. Sie hat nichts über sich und ver­weist nur auf den Täter zurück. Sie ist nicht Teil irgend­ei­nes Bezugs­rah­mens, der sie wahr und gut machen könnte, son­dern schafft diesen Rahmen per­for­ma­tiv selbst. Wahr­heit wird eine reine „Per­for­mance“ also ein per­for­ma­ti­ve Tat, die sich durch ihre Wir­kung und Dau­er­haf­tig­keit legi­ti­miert.  „Wahr ist“, nach De Benoist „was sich in die Lage ver­setzt zu exis­ti­ern und fortzudauern.“

Das „amor fati“ des nomi­na­lis­ti­schen Stil­fa­schis­mus ist also klar von dem eines Römi­schen Stoi­kers oder indi­schen Ksha­t­ri­ya unter­schie­den. Es ist sub­jek­ti­vis­tisch und nihi­lis­tisch. Es zwingt eine Welt zu lieben die dem Wesen des Daseins wider­spricht und brand­markt das Bewusst­sein dieses Wider­spruchs als Schwä­che. Es sei „Mit­lei­den“ lebens­feind­li­che „Wahr­haf­tig­keit“, Welt­flucht.“ „Angst vor der Wirk­lich­keit“ und zuletzt „Wille zum Nichts“. Statt­des­sen pro­vo­ziert der Stil­fa­schist mit Ver­herr­li­chung des Krie­ges, des Ster­bens an sich, und frei nach Nietz­sche mit posi­ti­ven Neu­be­wer­tung von Begrif­fen wie „Schein“, „Lüge“, „Gewalt“, „Grau­sam­keit“ etc.

Aus der Sicht des Stil­fa­schis­mus spricht letzt­lich ein Resi­gna­ti­on vor einem über­mäch­ti­gen Fatum. Wie jeder Uni­ver­sa­list, wird zuletzt das freie Dasein von seiner ein­heit­li­chen Welt­deu­tung, ver­ding­licht und „geschluckt“. Es hat zwar im sub­jek­ti­vis­ti­schen Sinn­set­zen „Nar­ren­frei­heit“, seine Schöp­fun­gen ver­kom­men zum reinen Orna­ment am deter­mi­nier­ten Zei­ten­lauf. Es gibt keinen Sinn son­dern nur mehr Hal­tungs­no­ten im freien Fall des Lebens.
Der Stil­fa­schist kann es nur mehr macht­los (aber dafür radi­kal „frei) „gestal­ten“ indem er eine bestimm­te Hal­tung ein­nimmt „in Würde Schiff­bruch begeht“- aber es ändern, ja in diesem deter­mi­nier­te Fatum, einer ewigen Wie­der­kehr, einen echten Sinn, eine Wahr­heit die er nicht selbst erfun­den hat, zu ent­de­cken- das ist für den Stil­fa­schis­ten undenk­bar. (Wir werden später sehen wie fatal sich diese Denken auf unser Lager poli­tisch aus­ge­wirkt hat.) Er sieht darin sofort eine feige Welt­flucht, ja einen „Wel­ten­hass“. Er ver­wech­selt und ver­gleicht dabei in einem unge­heu­er­li­chen und bedau­erns­wer­ten Miss­ver­ständ­nis, die antike Suche nach Wahr­heit, nach dem Sei­en­den in der Ganz­heit und den moder­nen Uni­ver­sa­lis­mus. Dieser hält genau diese Suche für abge­schlos­sen und prä­sen­tiert ein fer­ti­ges, ein­sei­ti­ges Kon­zept, das gerade die umfas­sen­de Suche nach Wahr­heit tötet und been­det. Der Stil­fa­schist akzep­tiert diese Tötung indem er im „Tod Gottes“ den Tod jeder Wahr­heit und jedes über­sub­jek­ti­ven Lebens­sin­nes sieht und ex post auf die gesam­te bekannt Geschich­te projiziert.


Er ist am Ende nur ein grim­mi­ger Post­mo­der­ner, der die letzte Kon­se­quenz des moder­nen „Tu was du willst“ gezo­gen hat. Alles was in ihm an kon­ser­va­ti­ven Ver­satz­stü­cken lebt, ob es ein katho­li­scher Glaube, ein völ­ki­sches Denken, eine Bezug auf Europa, eine Liebe ver­gan­ge­ner Stil­for­men ist- all das ist letzt­lich unver­dau­li­cher Fremd­kör­per in seinem nomi­na­lis­ti­schen Stil­fa­schis­mus und wird von ihm mit in zynisch-melan­cho­li­schen Dezisio­nis­mus als Wert gesetzt. Wir werden sein Ver­hält­nis dazu später als „para­si­tär“ erken­nen müssen. Als Dezisio­nis­ti­scher Christ, Heide, Kon­ser­va­ti­ver und Völ­ki­scher begeg­net uns der Stil­fa­schist in tau­send Larven. Gerade eine, im Ange­sicht der Seins­ver­ges­sen­heit eigent­lich undenk­ba­re, frag­lo­se Hin­nah­me einer tra­dier­ten Wahr­heit, die frei von Ringen und Fieber ist, sollte in uns den Ver­dacht wecken einem Stil­fa­schis­ten gegen­über zu stehen.

Wir wollen nun das über den Stil­fa­schis­mus und seine zugrun­de­lie­gen­de Phi­lo­so­phie ange­führ­te, auf die rechts­in­tel­lek­tu­el­len Ver­hält­nis­se selbst anwen­den um den Typus des Stil­fa­schis­ten her­aus­zu­ar­bei­ten. Wir haben uns von der Kunst ange­nä­hert und bitten den Leser als roten Faden das fal­sche, wahr­heit- und seins­ver­ges­se­ne Kunst­ver­ständ­nis der Moder­ne als Kern des Stil­fa­schis­mus im Hin­ter­kopf zu behal­ten.

Der Künst­ler als auto­no­mer Schöp­fer seines Werks, (der im Grunde auch die Säku­la­ri­sie­rung und Anthro­po­lo­gi­sie­rung des onto-theo­lo­gi­schen Schöp­fer­got­tes ist, der alles ex nihilo schafft), wird zum Sub­jekt der stil­fa­schis­ti­schen Welt­sicht. Er will dessen Frei­heit und „Leben“ um jeden Preis erhal­ten und opfert dafür alle Wahr­heit und jeden Sinn. Dies, das ist ihm dunkel bewusst, unter­gräbt jedes echte Dasein. Es ist, so vita­lis­tisch es auch auf­tritt, lebens­feind­lich. Es ist ein pro­me­t­hei­scher, zuletzt auf­klä­re­ri­scher Stolz und die Rache an der huma­nis­ti­scher Krän­kung, die den Stil­fa­schis­ten diesen Wider­spruch „schlu­cken“ lässt.

- Weg in die Knecht­schaft, S.200, Fried­rich A. Hayek, 2014, Lau-Verlag Mün­chen

Bei der Zer­stö­rung dieser „künst­li­chen Soli­dar­räu­me“ hat diese Denken in Form des Libe­ra­lis­mus sogar mehr geleis­tet als sein roter Zwil­ling, der Mar­xis­mus.

Ein vul­gä­rer Nietz­schea­nis­mus und Anti-Ega­li­ta­ris­mus ist also fester Bestand­teil des libe­ra­len Uni­ver­sa­lis­mus, was bereits zeigt, dass dieses Denken allei­ne revo­lu­tio­när sein kann. Das trifft ebenso auf die faschis­ti­sche Ästhe­tik zu wie sie von den Bewe­gun­gen der 3PT geprägt wurde.

Es ist viel­mehr so wie Dugin sagt: der Stil des Faschis­mus ist als ästhe­ti­scher Split­ter und in die Kul­tur­in­dus­trie der Post­mo­der­ne ein­ge­bun­den. Ob als sado­ma­so­chis­ti­scher Fetisch, oder als Erken­nungs­merk­mal für den Film­bö­se­wicht, das von bestimm­ten Genres über­nom­men und iro­nisch-überaf­firi­miert wird. Er hat seinen aner­kann­ten, sub­kul­tu­rel­len Schrein auf der Tem­pel­an­la­ge des hedo­nis­ti­schen Syn­kre­tis­mus. Die „Pro­vo­ka­ti­on“ die der faschis­tisch Stil, als bloße Äußer­lich­keit erregt ist gedul­det und ein belieb­ter Kitzel, solan­ge es beim bloßen, sub­kul­tu­rel­len Fetisch bleibt und kein poli­ti­scher Anspruch damit ver­bun­den wird. Der ent­kern­te Stil an sich hat also keine revo­lu­tio­nä­re Aus­sa­ge. Er ver­weist immer nur auf einen Sinn, der letzt­lich mit seiner his­to­ri­schen Ent­ste­hung zusam­men­hängt. Es ist der Sinn der die­je­ni­gen anlei­te­te, die ihn als Stil dazu kre­ierten. Ohne diesen Sinn ist der Stil nicht revo­lu­tuio­när, son­dern zahnlos.

Tat­säch­lich sind Stil und Aus­sa­ge, Form und Inhalt nicht ein­fach trenn­bar. Der Kapi­ta­lis­mus hat dieses Unter­fan­gen zwar bis zum Exzess vor­an­ge­trie­ben — das Design, die Prä­sen­ta­ti­on, die Ober­flä­che und der Schein beherr­schen tota­li­tär die Waren­welt — unter ihrer bunten Decke gleicht sich alles aber immer weiter an. Umso extre­mer und wahn­wit­zi­ger wird, vor allem in der Wer­bung die win­zi­ge Dif­fe­renz auf­ge­bla­sen, werden sinn­lo­se Hüllen und Orna­men­te erfun­den um eine „Viel­falt“ und „Aus­wahl“ vorzugaukeln

Aber auch das nicht durch­ge­styl­te, das Krude, das Häss­li­che, das Stil­lo­se, das kan­ti­ge, anstren­gen­de und kom­pli­zier­te hat sich nicht als revo­lu­tio­nä­res Ele­ment gegen diese Herr­schaft des ein­fa­chen, aal­glat­ten, Mas­sen­ge­schmacks erwie­sen. Es wurde im Gegen­teil sofort vom Kapi­ta­lis­mus, als moder­ne Kunst in einer Nische ein­ge­mein­det und vermarktet.


Es spricht näm­lich- in seiner Belie­big­keit, in seiner Tota­len Abs­trak­ti­on, und letzt­lich in seiner exis­ten­zia­lis­ti­schen Pose von der tota­len uner­klär­ba­ren Selbst­ge­nüg­sam­keit als „art pour l’art“, nur das nihi­lis­ti­sche und sub­jek­ti­vis­ti­sche Wesen des Zeit­geists aus. Es arbei­tet ihm zu und dient ihm als Kolo­ni­sa­tor, der letz­ten, unent­deck­ten Regio­nen der Tra­di­ti­on und des Tabus.

Das Pro­vo­kan­te des Stil­fa­schis­mus, ist näher betrach­tet nicht viel­mehr als die Schock­wir­kung der moder­nen Kunst, mit der er ja wesent­li­che Ele­men­te des Selbst­ver­ständ­nis­ses teilt.  Die Über­be­to­nung der Form  und des Stil ist, sogar ein Kern­ele­ment des heute herr­schen­den, sinn­ent­leer­ten Post­mo­de­re und der Kul­tur­in­dus­trie.
Ein Denken, dass nicht radi­kal nach dem Sinn sucht, dass offen und frei von Ironie einen Inhalt ver­tritt und für einen Sinn ein­steht kann nie­mals revo­lu­tio­när werden. Ein Denken, das nicht bereit ist, sich zu beken­nen, dass in jedem noch so toll­küh­nen Ein­satz ängst­lich darauf bedacht ist, es nicht für eine Sache, son­dern „aus pri­va­ten Wil­lens- und Stil­grün­den“ getan zu haben, kann keine echte Bewe­gung begrün­den. Es ist not­wen­dig apo­li­tisch und findet sich in seiner Nische der Belie­big­keit und der reinen Geste zurecht.
 
Jeder echten revo­lu­tio­nä­ren Kraft muss es aber radi­kal um die Fragen nach  Sinn, Inhalt, Poli­tik und Ideen gehen. Zuletzt gilt hier auch :Über Stil redet und denkt man nicht- man hat ihn ein­fach. Er dringt aus dem einer Hal­tung, einer orga­ni­schem Bewe­gung, aus ihrer Aus­ein­an­der Set­zung mit der Gegen­wart und den tra­dier­ten Ikonen Auf­ga­be hervor. ((Das Iden­ti­tä­re, authen­ti­sche Daseins ist nicht stil- und kunst­feind­lich wie es der iko­no­klas­ti­sche Uni­ver­sa­lis­mus ten­den­zi­ell sein muss. Dieser bringt, wenn er sich aus poli­ti­scher Not­wen­dig­keit Stil geben muss auch Formen hervor, die viel uned­ler sind)). Eine fana­ti­sche Stil­fi­xie­rung kenn­zeich­net oft einen stil­lo­sen Typus. Nur was man nicht hat, das sucht man. Nur was einen bedrängt über das redet man ständig.

2. Der Stil­fa­schist in seinem Milieu

In den erwähn­ten „faschis­ti­schen“ Ten­den­zen im Main­stream Ansatz­punk­te für eine Radi­ka­li­sie­rung des uni­for­men und eksta­ti­schen Moments der Pop­kul­tur zu sehen, ist ver­fehlt. Dass diese Ten­den­zen bestehen ist ja gerade ein Anzei­chen der Ein­ge­mein­dung und Inte­gra­ti­on der faschis­ti­schen Ästhe­tik in die Moder­ne. Der faschis­ti­sche Stil, wo er in der Welt des Libe­ra­lis­mus auf­tritt, ist kein revo­lu­tio­nä­rer Riss in ihrer Fas­sa­de, son­dern nur ein wei­te­res gro­tes­kes Orna­ment.

Wir wollen uns nun jenen Ele­men­ten der moder­nen Unter­hal­tungs­kul­tur zuwen­den, die bewusst einen Stil­fa­schis­mus ver­tre­ten und daher nahe­lie­gen­der­wei­se im Milieu des Stil­fa­schis­ten, beliebt und stil­ge­bend sind.

Es geht vor allem um „faschis­to­ide“ Ele­men­te  und Bezüge der schwar­zen Szene wie  sie bei Boyd Rice, Death in June, Lai­bach etc., pp. Auf­tre­ten. Im Neo­folk kam in den letz­ten Jahr­zehn­ten eine ganze Szene auf die ganz bewusst Bilder, Begrif­fe und Ideen­des Stil­fa­schis­mus auf­griff.
Was sie vom klas­si­schen Rechts­rock unter­schei­det ist eben die Tat­sa­che, dass sie sich nicht zu einer bestimm­ten kon­kre­ten, his­to­ri­schen Bewe­gun­gen der 3PT beken­nen also keine „Faschis­ten“ oder „Nazis“ im enge­ren Wort­sinn sind. Hier ach­te­te die Szene auch scharf auf eine Abgren­zung. Sie berie­fen sich vor allem auf die Denker der kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on, auf anti-ega­li­tä­rer, kul­tur­pes­si­mis­ti­sche, und melan­cho­lisch-euro­päi­sche Ideen, oder gebrauch­ten Sym­bo­li­ken der 3PT nur iro­nisch und augen­zwin­kernd, als „post-post­mo­der­nes Ding“ (für Insi­der). Auf diesen letz­ten Typen des Stil­fa­schis­ten und seine Erschei­nungs­for­men wollen wir uns im fol­gen­den beziehen.

In ihnen „Ein­falls­to­re“ zu sehen ist eine Illu­si­on der  nur „Rechts­ex­tre­mis­mus­ex­per­ten“ oder naive Sze­nen­gän­ger unter­la­gen — beides Typen die von echtem poli­ti­schen Wider­stand keinen blas­sen Schim­mer hatten und haben. Diese Illu­si­on, geht Hand in Hand mit dem Miss­ver­ständ­nis von Meta­po­li­tik in der neuen Rech­ten.
Ihr Ziel ist es nicht ein­fach die glei­che Idee, in neue Stil­for­men zu gießen, die in ver­schie­de­nen Szenen Brei­ten­wir­kung erlan­gen. Ihre Erkennt­nis ist die, dass vor jedem poli­tisch-pro­pa­gan­dis­ti­schen Krieg um Mehr­hei­ten und Masse, ein kul­tu­rell-phi­lo­so­phi­scher Geis­tes­krieg um Ideen und Begrif­fe gewon­nen werden muss. Der Stil­fa­schis­mus ist aber, auf­grund seiner bla­sier­ten Gleich­gül­tig­keit gegen Sinn, Begrif­fe, Inhalt und Wahr­heit, gerade dazu nicht in der Lage. Seine „Meta­po­li­tik“, in Form besag­ter „faschis­to­ider“ Ele­men­te beschränk­te sich auf die Ein­rei­hung und Ein­fü­gung der faschis­ti­schen Ästhe­tik in eine Nische der neo­ro­man­ti­schen Sub­kul­tur. (Womit gerade ihr iden­ti­tä­res Poten­ti­al nicht auf­e­griff­fen, geformt und poli­tisch gebü­delt werden kann um das Over­ton­fens­ter zu verschieben.)

Der Grund warum gewis­se Bands stel­len­wei­se Ein­gang in den Main­stream gefun­den haben ((genau das ist es ja letzt­lich was den vor­geb­lich main­stream­has­sen­den Stil­fe­ti­schis­ten am Ende fas­zi­niert und begeis­tert. In Form z.B. von Con­nec­tions zu „aner­kann­te­ren“ Musi­kern wie David Tibet. etc))
ist letzt­lich ihr reines „Spiel“ mit diesem Stil. Es ist ihre Ver­in­ner­li­chung des Stil­fa­schis­mus selbst die all ihre Akte zu einer iro­ni­schen Rolle, einer bewuss­ten Selb­in­sze­nie­rung macht, in typi­scher­wei­se Inhalt, Sinn und Bedeu­tung fehlen. Ihr wahrer Ansatz­punkt, in unpo­li­ti­sche Kreise  der Szene ist der iro­ni­sche Bruch mit dem sie die faschis­ti­schen Formen, die Runen, die Uni­for­men, die Paro­len und Phi­lo­so­phie­fet­zen, dem nach Kitzel suchen­den gelang­weil­ten, „roman­ti­schen“ Blooms, kre­den­zen.

Das, und dieses Ver­dikt muss man ehr­li­cher­wei­se über das Gros der expe­ri­men­tel­len und avant­gar­dis­ti­schen Neo­folk-Szene spre­chen, ist nichts ande­res als die post­mo­der­ne Ein­ge­mein­dung der Fas­zi­na­ti­on des Bösen. Ihr iro­ni­scher Bruch, ihre Über­trei­bung ist der Zwin­ger in dem die exo­ti­sche Bestie der faschis­ti­schen Ästhe­tik gefahr­los bestaun­bar und kon­su­mier­bar wird. Die Apo­li­tik, die mit einem thea­tra­li­schen (im schlimms­ten Falle Evola ver­ge­wal­ti­gen­den) „Abscheu“ vor der Masse gerecht­fer­tigt wird, ist aber nichts ande­res als die eigene, innere Ideen- Mut und Antriebs­lo­sig­keit, die in der Post­mo­der­ne zur Volks­seu­che wird. Es ist die Feig­heit sich auch zu den his­to­ri­schen Ideen zu beken­nen, die mit den gebrauch­ten Stil­for­men, den Runen, Ruten­bün­deln und Uni­for­men eigent­lich ver­bun­den sind.

Warum ver­wen­det er sie dann? Was fas­zi­niert ihn daran so? Es ist die Suche nach dem Erleb­nis, nach der Eksta­se und dem Erha­be­nen, die den faschis­ti­schen, „heroi­schen Nihi­lis­ten“ antreibt. Der Stil­fa­schist wird ursprüng­lich von einer iden­ti­tä­ren Sehn­sucht nach Bedeu­tung, Sinn und Tran­szen­denz bewegt. Da es all das aber für ihn nicht gibt und geben kann, blei­ben ihm nur die iko­ni­schen Relik­te geschla­ge­ner poli­ti­scher Bewe­gun­gen, die genau das ver­kör­per­ten. Er beginnnt diese Bilder zu „kon­su­mie­ren“ es wird zur Sucht. Diese mani­sche Sucht, zusam­men mit seiner Iro­ni­schen Ver­ach­tung vor echtem Sinn und Gewis­sen sich stets in poli­ti­schen Taten äußern will, ist das Dilem­ma des Stil­fe­ti­schis­ten. Das Erha­be­ne rächt sich an seinem Ver­ge­wal­ti­gungs­ver­such indem es aus­bleibt. Durch seine Jagd danach ver­treibt er es unwei­ger­lich. Rausch und Droge sind zumeist die ver­zwei­fel­te Ant­wort auf dieses Aus­blei­ben.
Der echte Stil ent­zieht sich dem, der sich wort- und geist­reich auf ihn bezieht, und den Sinn der ihn prägte nicht ernst nimmt. Sein Ver­hält­nis zu den Stil­for­men die er ver­wen­det bleibt not­wen­dig parasitär.

(Wieder ist an Masch­kes genia­le Dar­stel­lung des Manisch-depres­si­ven, an seine von tem­po­rä­ren Akti­vis­mus­an­fäl­le Grund­stim­mung der Sinn­lo­sig­keits­de­pres­si­on zu denken.)


3. Der Stil­pa­ra­sit

Der Stil­fa­schist ist letzt­lich künst­le­risch impo­tent, wie die gesam­te Moder­ne. Ihm fehlt ebenso der Bezug zum Hei­li­gen, die Tiefe und der Ernst. Süf­fi­sant greift er die pop­kul­tu­rel­le Belie­big­keit auf und voll­streckt sie in Form der faschis­ti­schen Pro­vo­ka­ti­on um die Empör­ten danach als Heuch­ler bloß­zu­stel­len. Panisch reagiert er jedoch vor jeder Zuord­nung zu einer kon­kre­ten poli­ti­schen Strö­mung oder Bewe­gung. Alles ist nur „Spiel“, „Kunst“ und „Meta­pher“.

Dabei wird ihm kaum bewusst, dass hier über­haupt kein neuer Stil her­vor­ge­bracht wird und wurde. Ebenso ist es keine echte  Anknüp­fung an einen alten Stil, wie es immer­hin ortho­do­xe Mar­xis­ten und Natio­nal­so­za­lis­ten noch von sich behaup­ten können. Er ist ein reines wan­deln­des Ziat.
Sein tun ist reines Para­si­ten­tum, ein Stil­pa­ra­si­tis­mus. Man raubt sich Bild­fet­zen aus poli­ti­schen Bewe­gun­gen zusam­men, man erstarrt in Bewun­de­rung vor der Ästhe­tik Rie­fen­s­tals und Eisen­steins, man ergötzt sich am Fetisch von Lack, Leder, Sturm­rie­men und Stie­feln, aber nimmt die dahin­ter ste­hen­den Ideen nicht ernst.


Man lebt auf Kosten alter Ideale die man eigent­lich ver­lacht und ver­ach­tet. Diese Ideale, ob mar­xis­tisch oder natio­nal­so­zia­lis­tisch haben erst in ihrer wahren und auf­rich­ti­gen Ver­fech­tung diesen Stil, diese Typen und Sym­bo­le geschaf­fen. Das beschränkt sich aber nicht nur auf die Bands und Szenen die mit der Ästhe­tik der 2. und 3. poli­ti­schen Theo­rie spie­len.

Auch die gesam­te Metal- und Mit­tel­al­ter­sze­ne, die gesam­te Fan­ta­sy­sub­kul­tur, alle Schlach­ten­fil­me, ver­hal­ten sich para­si­tär zu den Idea­len, Helden und Bil­dern die sie besin­gen und zitie­ren.
Sie nehmen ihre Ideen nicht ernst, sie musea­li­sie­ren das wofür gekämpft und gestor­ben wurde und stei­gern dafür den Pathos, die großen Wörter und Gesten ins gecken­haf­te. (Man höre sich, um ein Bei­spiel zu nennen, nur einmal die über­bor­den­den, hyper­pa­the­ti­schen Schlacht­ge­sän­ge einer belie­bi­gen Viking-Metal­band an und ver­glei­che sie mit der Lebens­ein­stel­lung ihrer  durch­schnitt­li­chen Hörer.)

Ob Metal­sze­ne oder avant­gar­dis­ti­scher Neo­folk- alle behar­ren darauf, nur mit Begrif­fen „zu spie­len“, und alles als „Frei­heit der Kunst“ zu machen. (Nur die Lust zur Pro­vo­ka­ti­on ist bei letz­te­rer Szene stär­ker, das Schie­len auf den kom­mer­zi­el­len Erfolg schwä­cher aus­ge­prägt)
Stil und Inhalt sind nie­mals Trenn­bar. Es gibt kein Primat und keine Eigen­stän­dig­keit des Stils. Jeder echte Stil, jeder echte Typus wurde vom heißen und wahr­haf­ti­gen Glau­ben an einen Sinn und eine Idee her­vor­ge­bracht. Stil­fa­schis­ten können hin­ge­gen nichts ande­res als para­si­tär in den Stil­for­men zu wühlen, die grö­ße­re Männer als sie her­vor­ge­bracht haben. Sie ver­hal­ten sich dabei so wie die libe­ra­len Hedo­nis­ten zur mora­li­schen und öko­no­mi­schen Sub­stanz ihrer kon­ser­va­ti­ven Vor­fah­ren, wie die eth­no­ma­so­chis­ti­schen Selbst­zer­stö­rer zum jahr­tau­sen­de­al­ten Über­le­bens­kampf ihrer Ahnen. Sie ver­dan­ken ihre Exis­tenz nur ande­ren Werten  und zer­stö­ren mit alle ihrem Tun letzt­lich deren Sub­stanz.

Der per­ma­nen­te, iro­ni­sche Bruch  und das Primat einer ästhe­ti­zis­ti­schen Apo­li­tik sind der Grund dafür warum man nie­mals auch nur den Hauch einer Wahr­heit und Sinn­haf­tig­keit in der Welt finden kann. Die Welt exis­tiert für sie nur als reines ästhe­ti­sches Phä­no­men , wie das Nietz­sche erst keck-und fröh­lich, später wahn­sin­nig und ver­zwei­felt beschwor. 

Der Stil­fa­schis­mus, der die Äußer­lich­keit, die Form, in der Sich das Werk des auto­no­men Künst­lers nie­der­schlägt, ver­ab­so­lu­tiert, ist letzt­lich eine Flucht vor der Frage nach Sinn, Wahr­heit und Auf­ga­be. Diese Flucht äußert sich plas­tisch im Typus des faschis­ti­schen Intel­lek­tu­el­len der in unse­rer Zeit in Form der besag­ten eska­pis­ti­schen Strö­mun­gen und Szenen auftritt.

Er will sich mit den Ideen, die z.B. hinter der als Fetisch gebrauch­ten NS-Sym­bo­lik stehen nicht wirk­lich aus­ein­an­der­set­zen. Weder will er sich zu ihnen beken­nen, noch will er sich klar von ihnen distan­zie­ren. Er hängt eben wie ein Para­sit mit Hass­lie­be in ihnen fest. Das Schlimms­te aber ist, dass er sie des­halb auch nie über­win­den kann. Seine schein­ba­re Über­le­gen­heit über ethi­sche und all­ge­mein phi­lo­so­phi­sche Fragen, ist in Wahr­heit eine Furcht davor sich wirk­lich mit Dingen aus­ein­an­der­zu­set­zen und dabei die selbst­herr­li­che Auto­no­mie als Wer­te­set­zer zu ver­lie­ren. Es ist die Furcht davor in den Spie­gel zu sehen und die Züge des Nihi­lis­mus im eige­nen Gesicht zu erken­nen.


4. Die Apo­li­tik des Stilfaschisten

Die Abscheu des Stil­fa­schis­ten vor allem offen poli­tisch Beweg­ten, ist nicht nur Feig­heit oder Antriebs­lo­sig­keit. Sie ist sys­te­ma­tisch in seiner Welt­sicht begrün­det. Am besten kann man das an der Bio­gra­phie Ernst Jün­gers beschreiben.Nicht aus Feig­heit oder Zurück­hal­tung wurde Ernst Jünger, kein akti­ver Natio­nal­so­zia­list, son­dern weil er eine innere Sperre zur Bekennt­nis zu einer Ideen und Bewe­gung hatte. Darin drückt sich letzt­lich ein stil­fa­schis­ti­scher Mangel an Opfer­be­reit­schaft aus, Das klingt bei Jünger blas­phe­misch, fast wahn­sin­nig. Doch mit Opfer­be­reit­schaft ist eben nicht die Todes­be­reit­schaft gemeint. Es ist die Bereit­schaft das eigene,  Sub­jekt, die Selbst­herr­lich­keit, ein­zi­ger Auctor und Urhe­ber, auto­mo­ner „Dich­ter seines Lebens“ zu sein zu opfern und die Bereit­schaft sich in als end­li­ches Dasein in Gemein­schaft, Gewor­fen­heit und in dem Zusam­men­spiel eines kos­mi­schen Gevierts zu erkennen. 


Jün­gers Werk kann auch, vom afri­ka­ni­sche kolo­nia­len Aben­teu­er, über den den Stoß­trupp-Kampf als inne­res Erleb­nis, der Inne­ren Emi­gra­ti­on vom NS und end­lich, dem anti­to­ta­li­tä­ren Anarch und Par­ti­sa­nen als  beein­dru­cken­der und atem­be­rau­ben­der Ver­such gese­hen werden, die Figur des auto­no­men, bür­ger­li­chen Sub­jekts zu retten. Es ging ihm letzt­lich immer auch um das innere Erleb­nis, das er an Grenz­gän­gen bis zum Gipfel trei­ben wollte. Ist er mit den aber­tau­sen­den Sol­da­ten des Welt­krie­ges die sich nur mit Deutsch­land, ihren Fami­li­en und ihrer Heimat im Herzen in Todes­ge­fahr bega­ben und star­ben gleich­zu­set­zen? Wohl eben­so­we­nig wie mit jene, die ohne jedes Ideal, und gegen ihren Willen in den Schüt­zen­grä­ben star­ben. Jünger ging es um etwas gänz­lich ande­res. Es war eine per­sön­li­che Sinn­su­che, die er, in Phasen seines Lebens unter­schied­lich beant­wor­te­te. Seinem Stil­fa­schis­mus, einer akti­vis­ti­schen Über­win­dung des Nihi­lis­mus, einem schöp­fe­ri­schen Nomi­na­lis­mus blieb er immer treu. Er ist ein Arch­teyp des Autors, der seine Erleb­nis­se bereits mit Sicht des Schrift­stel­lers erfährt.

Auch bei Nietz­sche geht es um die Ret­tung gewis­ser aris­to­kra­ti­scher Werte vor dem anar­chis­tisch-nihi­lis­ti­schen Poten­ti­al der Moder­ne, das er glei­cher­ma­ßen pro­phe­zei­te und mit­vollende­te. Er sieht sich als Teil der Deca­dence die er über­win­den will. Aber auch seine Ver­su­che neue Werte und eine neuen Adel zu stif­ten, die später vom NS zu ihrer Kennt­lich­keit ent­stellt wurden, ende­ten und begon­nen im Sub­jekt und Wil­lens­we­sen. (Dass er das meta­phy­si­sche Ver­ständ­nis des Indi­vi­du­ums, samt Seele prä-freu­dia­nisch zer­leg­te, ist kein Wider­spruch, son­dern not­wen­di­ge destruk­ti­ve Vor­ar­beit zur spä­te­ren Neu­fas­sung des Men­schen als Weg zum Über­men­schen des Wil­lens zur Macht.)  Auch Nietz­sche ist als Begrün­der oder Teil­neh­mer einer poli­ti­schen Bewe­gung unvor­stell­bar. Im Denk­sche­ma des Stil­fa­schis­mus, der Bewe­gung und  Poli­tik, ebenso wie Wis­sen­schaft und ernst­haf­te Wahr­heits­su­che als lang­wei­lig, geschmack­los und sinn­los erach­tet, ist das ein Kom­pli­ment. Ist es das aus unse­rer Sicht auch? Anders gesagt: ist das ein Typus dem man nach­ei­fern soll?

Beiden, Jünger und Nietz­sche fehlte not­wen­dig Bereit­schaft sich, als auto­no­mes, selbst­be­stimm­tes und sich selbst defi­nie­ren­des Sub­jekt zu opfern, und einer echten Idee zu unter­stel­len. Jün­gers “man­geln­de” Opfer­breit­schaft in diesem Sinne, offen­bar­te sich vor allem in der Zwi­schen­kriegs­zeit, als er den Schritt zum Kopf einer kon­ser­va­tiv-revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gung „Neuer Natio­na­lis­ten (ein Platz der einzig ihm zustand) nicht tat. Damals war der NS in seiner plum­pen Endül­tig­keit lange noch nicht fest­ge­stellt. Es gab gerade in gebil­de­ten und gesell­schaft­lich ange­se­he­nen Krei­sen durch­aus ein großes Poten­ti­al für eine natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­re Mas­sen­be­we­gung, die eher der kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on, eher Nie­kisch, Hiel­scher, Jung, George, etc. als der “Münch­ner Schule” (also dem Popu­lis­mus, dem Revan­chis­mus und völ­kisch-eso­te­ri­scher Ario­so­phie) folgte, vor­han­den. Jün­gers Brief­wech­sel mit seinem Freund Alwers zeigt klar wie sehr er sich vor dieser fixen Rolle, die ihm seine stän­di­ge auto­no­me Rol­len­ver­än­de­rung unmög­lich gemacht hätte sträub­te. Jünger wollte keine poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung, er war kein poli­ti­scher Mensch.   Seine Distanz zum NS ist auch aber zu einem gerin­ge­ren Teil der­sel­ben Angst, seine Auto­no­mie und Zen­tral­son­nen­stel­lung im Schau­spiel seines eige­nen Lebens zu ver­lie­ren geschul­det. Abseits von dem Schlacht­feld, auf dem hero­isch-ästhe­ti­sche Bewäh­rung mög­lich war, blieb Jünger, auch nach dem 2. Welt­krieg poli­tisch weit­ge­hend inak­tiv. Er war Schrift­stel­ler vom Beruf. Und das war seine Beru­fung. Als Seis­mo­graph und Dich­ter Nietz­sches schuf er genau jene wahre Kunst, die den Geist der Zeit in sich Auf­nham. Doch Jünger ist kein Ide­al­typ des poli­ti­schen Akti­vis­ten oder Wider­ständ­lers, noch dem Denker, der sich einer großen phi­lo­so­phi­schen Auf­ga­be wid­ment. Die Demut das eigene Werk und Wirken in den Dienst einer Gemein­schaft zu stel­len und sich, mit alle ver­bun­de­nen Risi­ken zu ihr zu beken­nen, hinter dem eige­nen Denken zurück­zu­tre­ten, war nicht seine Sache (was an seiner Lebens­leis­tung nichts schmä­lert). Zur Kri­ti­sie­ren sind hin­ge­gen jene Epi­go­nene, die im ewigen Wald­gang Jün­gers Lebens­weg, ohne seinem Schlach­ten­mut und seinen lite­ra­ri­schen Groß­lei­tun­gen, nach­ge­hen. „Wir werden alle nicht Ernst Jünger“, singt die Rock­band „Susan­ne Blech“ mit Recht. Aber viele Jün­ger­fans werden Stil­fa­schis­ten.
Die Angst die sie in ein Leben als sel­best­be­stimm­ter Auto­no­mer Bio­graph ihrer selbst lei­te­te, ist weni­ger die vor einer schlech­ten Repu­ta­ti­on, oder der Gefahr für Leib und Leben, sollte man sich einer Beweg­nug anschlie­ßen. Seine größte Sorge ist es das “Bild seines Lebens”, das er als auto­no­mes, indi­vi­du­el­les Kunst­werk schaf­fen will, in Gefahr zu brin­gen. Er hat wie Nietz­sche Angst “falsch ver­stan­den” zu werden. Was ist aus der Sicht gefähr­li­cher als sich, wie Hei­deg­ger das tat, in eine geschicht­li­che Bewe­gung ein­zu­fü­gen, ohne zu wissen wohin sie genau führt? Sie ver­tei­di­gen zu müssen, selbst wo sie fehlt mit ihr zu stehen und zu fallen und zuletzt, die eigene Bio­gra­phie mög­li­cher­wei­se unheil­bar zu beschä­di­gen?


4.Wie der Stil­fa­schist unse­rer Bewe­gung schadet

Die Stil­fa­schis­ten wollen nicht im Hin­ter­grund arbei­ten und sie wollen sich nicht mühsam tiefes echtes Wissen aneig­nen. Die Wahr­heit ist ihnen egal, gibt es ja ohne­dies nur schöne Geschich­te, die man erfun­den hat um die Massen mit­zu­rei­ßen. Was mit den wenigs­ten Mit­teln den meis­ten Effekt bringt wird von ihnen gele­sen und ver­in­ner­licht. Sie ver­fal­len in der Regel in eine zyni­sche Prag­ma­tik die eher einem Mar­ke­ting­bü­ro zu Eigen ist, als einer idea­lis­ti­schen Bewe­gung. Wie beim „Stil­pa­ra­sit“ ver­un­mög­licht der zyni­scher Zugang zu Idea­len und Werte den echten Glau­ben an sie. In der Poli­tik raubt der Zynis­mus dem Stil­fa­schis­ten jedes echte Emp­fin­den von Liebe und Wut. Sein Tun ist abso­lut unau­then­tisch, solan­ge es nicht darum geht, sich selbst zu inszenieren.

Da es keine echte Wahr­heit gibt, für die man kämpft und denen man nach­for­schen kann, zählt nur mehr das Äußer­li­che und der Effekt auf die Masse. Der Maß­stab wird, wie im moder­nen Kapi­ta­lis­mus, die Ver­kaufs­zahl und Rezep­ti­on eines Werks. Da es keine echten Werte gibt, deren Ver­wirk­li­chung in sich erstre­bens­wert ist, egal ob man damit einer Wir­kung erzielt, fällt Wert mit Wirk­kraft und damit der Aner­ken­nung durch die Masse zusam­men. Man will Ein­druck schin­den, sich einen „Namen machen“ und eine Spur in der Geschich­te hin­ter­las­sen, egal wie. Herostra­tes ist die wahre Ikone dieses Typus, des para­si­tä­ren Stil­fa­schis­ten. Akti­vis­mus eignet sich dafür weni­ger als Jour­na­lis­mus und Literatur

Auch heute im Umfeld der IB zeigt sich, dass der Berufs­ty­pus des  Schrift­stel­lers und „Poeten“ aufs Engste mit dem eitlen Selbst­ver­wirk­li­chungs­wahn des heroi­schen Wil­lens­ma­xen ver­bun­den ist. Ein ideen­lo­ser „Wille zum Werk“, der nur „Effek­te“ erzie­len will, aber inhalt­lich nichts zu sagen hat, ist weit ver­brei­tet. Ebenso ist eine infan­ti­le Gel­tungs­sucht, die gerade bei unse­rer „Genera­ti­on von Ein­zel­kin­dern“, die in der Regel von affen­lie­ben­den Müt­tern groß­ge­hät­schelt wurde, ein ner­vi­ger Cha­rak­ter­trend gewor­den. (( Unaus­ge­go­re­ne, unver­dau­te und zusam­men­ge­klau­te Gedan­ken­bro­cken werden mit mar­ki­gen Titeln ver­se­hen, mit bunten Ein­bän­den zusam­men­ge­kleis­tert und auf den Markt gewor­fen. Pein­li­cher Nietz­sche­jar­gon bei dem man sich nur wünscht mit dem „Phra­sen­mä­her“ drüber fahren zu können, Face­book-Fan­sei­ten, Bio­gra­phi­sche Über­trei­bun­gen und Selbst­in­sze­nie­re­un­gen beglei­ten die Tra­gik­ko­mö­die. Das Para­si­tä­re dieses Typus wird darin ver­dop­pelt, dass seine Erzeug­nis­se immer im Schat­ten kräu­seln­der Bug­wel­len schwim­men, die von den akti­vis­ti­schen Strom­bre­chern harter Arbeit erst geschaf­fen wurden. Doch eine Bewe­gung wie diese erträgt auch eine paar „Win­schat­ten­läu­fer“. Sie sind sogar Anzei­chen für ihren Erfolg, so wie die Anfra­gen von „Ver­mö­gens­be­ra­tern“ nach einem Lot­tier­ge­win, Anzei­chen für den neuen Reich­tum sind))


Der Stil­fa­schist ist nicht in der Lage und wil­lens sich in eine Bewe­gung ein­zu­rei­hen sich klar und offen zu einem Phi­lo­so­phen zu beken­nen und sich in dessen Tra­di­ti­on zu stel­len. Er ist nicht in der Lage einen echten Denk­pro­zess zu voll­zie­hen, sich ein­zu­fü­gen und sich lang­sam und ver­dient hoch zu arbei­ten. Er muss sofort der „Leiter und Führer“ sein, will sofort großen Reden schwin­gen. Bevor er noch eine Idee, ein Kon­zept oder Manu­skript hat, hat er schon die Ver­öf­fent­li­chung seines „Werkes“ geplant.

((Wäh­rend bei Jünger die über­ra­gen­de Bega­bung mit einem, in seiner spät­pha­se  rei­fen­den, eigent­li­chen Ein­sicht ein groß­ar­ti­ges Monu­men­tal­werk schuf das seine Zeit seis­mo­gra­phisch wider­spie­gelt, wäh­rend Nietz­sche, fernab von Ruhm, öffent­li­cher­Wahr­neh­mung im Stil­len sein Werke erlitt (und einen not­wen­di­gen Denk­schritt tat der in seiner Zeit wahr­haf­tig und unum­gäng­lich war), ist der  Para­si­tä­re Nietz­schea­ner auch gegen seine Ikonen para­si­tär. Und allen, oben beschrie­be­nen, okkzi­den­ta­len End­zeit­dan­dies, eitlen Kon­stüm­fe­ti­schis­ten, sau­fen­den, kok­sen­den, eli­tis­ti­schen Sze­ne­gän­ger, die noch nie ein Flug­blatt in der Hand hiel­ten, oder auf einer Demo waren sei gesagt: „Ernst Jünger würde euch verachten.“ ))

Damit ist er und hier schließt sich der Kreis zum Selbst­wi­der­spruch  des faschis­ti­schen Intel­lek­tu­el­len, nie­mals in der Lage eine echtes Werk und eine echte Idee hervor zu bringen. 

Ein echtes phi­lo­so­phi­sches Werk und eine echte Schule kann nur der her­vor­brin­gen, der vorher bereit war zu lernen und zu dienen. Der bei dem nicht ein inhalts­lee­re, stil­ver­lieb­ter, eitler „Wille zum Werk“ bereits das Nach­den­ken domi­nier­te, der bereit ist auch geis­tig zu dienen, sich zual­ler­erst in die Tra­di­ti­on Grö­ße­rer zu stel­len und „ad fontes“ zu gehen, nur der kann eines Tages viel­leicht selbt Großes stif­ten. Er muss es aber nicht zwin­gend zum großen „Werk“ und großen Denker brin­gen: den bei ihm folgen Denk­weg und Werke, einer echten Suche nach Wahr­heit, einer ver­pflich­ten­den, gewis­sen­haf­ten Sehn­sucht. Sofern und solan­ge dieser Typ in dem was er liest und sucht, nur Wahres findet hat er keinen Drang Eige­nes zu ver­fas­sen.  Allein dieses Pflicht­ge­fühl gegen die Wahr­heit, nicht eine eitle Selbst­ver­wirk­li­chungs­sucht, kann ihn einmal dazu brin­gen, sich gegen seine Lehrer und gegen eine Bewe­gung zu stel­len. Die Worte Aris­to­te­les klin­gen an: „Ich liebe Plato, doch mehr noch liebe ich die Wahr­heit.“ Erst die Erkenn­tis von Fehler, oder das Fehlen von Über­fäl­li­gem schafft in ihm den Drang zum eige­nen Werk. Da für ihn die Gedan­ken eines andren keine „sub­jek­ti­ven Wil­lens­pro­duk­te“ sind, son­dern er bereit ist sich von ihnen etwas tat­säch­lich Neues und Wahres sagen zu lassen, ist für diesen Typ die Unter­ord­nung unter einen klü­ge­ren, wah­re­ren und besser for­mu­lier­ten Gedan­ken auch nicht die Unter­wer­fung unter eine adere Person. Er ist auch bereit nur Staf­fel­trä­ger einer Idee, Weg­be­rei­ter des Wis­sens und „befruch­ten­des“, statt schöp­fe­ri­sches Genie zu sein. Denn er weiß alle in einer gemein­sa­men Welt, einem glei­chen Schick­sal auf der Suche nach der Wahr­heit, die jen­seits der uni­ver­sa­lis­ti­schen Lügen liegt.

Nur wer bereit war zu dienen kann herr­schen. Nur wen keine Herrsch­sucht treibt, sollte auch herr­schen. Aus dem Pflicht­ge­fühl gegen­über der Wahr­heit, das ihr selbst im Zustand ihrer tota­len Ver­hül­lung und ihres Ent­zugs treu blei­ben muss, folgt auch unwei­ger­lich die Tat, die immer und not­wen­dig poli­tisch ist, wenn sie mit der herr­schen­den Ideo­lo­gie in Kon­flikt tritt. Aus der Tat um die sich eine Typus schart wird eine Bewe­gung, die im Kampf mit den Ver­hält­nis­sen einen Stil gebiert, ihre Helden und Mär­ty­rer findet. Am Anfang stehen aber eben nicht der Stil und die Todes­sehn­sucht, son­dern die Frage „Worum willen“ und „Wozu?“.


Auch ein reine herostra­ti­sche Opfer­sehn­sucht, der Wille um jeden Preis „Mär­ty­rer“ für die Sache zu werden, ist ein sel­te­ner, aber exis­ten­ter Aus­druck des Stil­fa­schis­mus.  Dis­zi­plin und Gemein­schafts­geist, Bereit­schaft sich ein­zu­fü­gen, prin­zi­pi­ell Auto­ri­tä­ten zu akzep­tie­ren, zurück zu ste­cken und im Stil­len zu arbei­ten sind aber das wahre Herz jeder Bewe­gung, die einen Mythos trägt. In der Bewe­gung herrscht not­wen­dig keine Gleich­heit, da es in ihr, wie in jeder Gemein­schaft, Vor­an­ge­hen­de und Fol­gen­de, Leh­ren­de und Emp­fan­gen­de, Befeh­len­de und Aus­füh­ren­de gibt. Alle sind sich aber gleich in ihrem gemein­sa­men Bezug auf den Sinn und das Ideal der Bewegung.

Für den Stil­fa­schist ist diese hier­ar­chi­sche Gleich­wer­tig­keit aber unmög­lich. Ideen sind für ihn immer nur per­sön­li­che will­kür­li­che Schöp­fun­gen, sie rie­chen für ihn unun­ter­drück­bar nach dem der sie geäu­ßert hat. Es kann für ihn gar keine gemein­schaft­li­chen Werte geben, da ja letzt­lich immer nur ein Ein­zel­ner, ein Buch schreibt, eine Rede hält, eine Aktion leitet, Spit­zen­kan­di­dat und Spre­cher ist.

Eine Unter­ord­nung unter ein Ideal ist für den Stil­fa­schis­ten auto­ma­tisch die Unter­ord­nung unter eine Person. Er kann das gar nicht tren­nen, weil er, wie wir gese­hen haben ein sub­jek­ti­vis­tisch-auto­no­mes, „künst­le­ri­sches“ Wahr­heits­ver­ständ­nis als „heroi­scher Sub­jek­ti­vis­mus“ zum Prin­zip des Daseins macht. Ideen sind ihm ziem­lich egal. Es geht ihm darum dass er sie SELBST gesetzt und geäu­ßert hat, oder das sie in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung zumin­dest ihm SELBST zuge­rech­net werden.


Eifer­süch­tig und ängst­lich beäugt er die, die eigent­lich seine Mit­strei­ter sind, ob ihm denn keiner die Show stehle, keiner „seine Ideen“ weg­neh­me. Wenn er doch mit­macht, ohne im Zen­trum zu stehen, so tut er das nur iro­nisch gebro­chen und ver­weist bei jeder Gele­gen­heit darauf, dass sein zen­tra­les Inter­es­se, sowie Gebiet seiner Selbst­ver­wirk­li­chung „eigent­lich woan­ders“ läge. Er will und muss immer Zen­tral­son­ne sein. Die Bewe­gung ist für ihn nur denk­bar, wenn sie sich um ihn dreht. All das ist weni­ger eine Cha­rak­ter­schwä­che, als die not­wen­di­ge Kon­se­quemz aus dem Stil­fa­schis­mus, Ästhe­ti­zis­mus und heroi­schem Sub­jek­ti­vis­mus. Es ist ein epi­de­mi­scher Typus, der wie der Grie­chi­sche Men­schen­typ, einer spe­zi­fi­schen Meta­phy­sik ent­spricht. Nicht umsonst zer­bra­chen fast alle eigen­wil­li­gen, rechts­in­tel­lek­tu­el­len, dan­dy­es­ken Zirkel, solan­ge sie sich nicht um einen über­ra­gen­den Cha­ris­ma­ti­ker dreh­ten, in tau­sen­de Ein-Mann-Schu­len. Was für den Bereich aka­de­mi­scher Arbeit, künst­ler­li­scher-avant­gar­de Szene teil­wei­se unum­gäng­lich ist, ist als Typus eines poli­ti­schen Lagers (und das sind die ret­chen Zusam­men­hän­ge ja) abso­lu­tes Gift. Der Typ der die Stil­fa­schis­ti­sche Denk­wei­se ver­in­ner­licht hat und aus reiner Chark­ter­stär­ke und Cha­rak­ter­schu­lung zum Dienst und zur Ein­ord­nung in eine Bewe­gung bereit ist strahlt um so stär­ker, als echt sol­da­ti­scher, typisch Deut­scher Mensch der reinen Pflicht. Doch dieser Typ ist selten…

5. Wie der Stil­fa­schis­mus der Ideen­bil­dung scha­det

Neben dieser meta­phy­sisch begüns­tig­ten, per­sön­lich-cha­rak­ter­li­chen Mängel die beim akti­vis­ti­schen Stil­fa­schist jede poli­ti­sche Bewe­gung ver­gif­ten und die der Stil­fa­schis­mus als Idee för­dert und her­vor­ruft, hat er auch eine läh­men­de Wir­kung auf den Geist.

Am Anfang dieses Textes haben wir das Ver­sa­gen der rechts­in­tel­lek­tu­el­len Kreise bei ihrer his­to­ri­schen Auf­ga­be, der akti­ven Jugend eine neue Idee zu stif­ten ange­spro­chen. Dieses Ver­sa­gen ist auch sys­te­ma­tisch im Stil­fa­schis­mus ange­legt. Der rechts­in­tel­lek­tu­el­le Stil­fa­schist will gar keine echte Bewe­gung grün­den. Ihm fehlt die Fähig­keit zum großen Wurf und zum echten Werk. Er schwelgt wie ein Schmet­ter­lings­samm­ler in seiner Biblio­thek sel­te­ner Aus­ga­ben und Memo­ra­bi­lia. Seinem Typus ent­spricht der Apho­ris­mus und das Essay. Auf­satz­samm­lun­gen, Neu­aus­ga­ben, Repli­ken, Kri­ti­ken und Mono­gra­phien sind seine bevor­zug­ten lite­ra­ri­schen Werke, mit denen er sich wie Efeu um die Säulen der rech­ten Ideen­ge­schich­te rankt. Er miss­traut den großen Ent­wür­fen. Nomi­na­lis­mus und Ästhe­ti­zis­mus sind für ihn eine Aus­re­de für iro­ni­sche Distanz.  Ganz­heit­lich­keit und Tiefe über­lässt er somit der Frak­ti­on der kon­ser­va­ti­ven Tra­di­tio­na­lis­ten, die aber gerade auch zur Auf­ab­ge einen neuen Geist, eine neue Idee und einen neuen Stil zu ergrün­den nicht gewillt und in der Lage sind.

Er gefällt sich oft in einer Rolle des Leuch­turm­wäch­tes, des Archi­vars und Bewah­rers, der auf „bes­se­re Zeiten“ hofft, in denen die Jugend und das Volk „reif“ für seine Ideen werden. Das Dumme ist nur, dass er keine Ideen hat. Er hat keine echten zün­den­den Gedan­ken, keinen Plan, keinen Aufruf, den er an eine Masse rich­ten könnte, selbst wenn sie sich vor seinem Balkon ver­sam­meln würde.

Er hat auch kei­ner­lei echtes Inter­es­se für Meta­po­li­tik und revo­lu­tio­nä­re Stra­te­gie. All das erscheint ihm als illu­so­risch und unwich­tig.Der Gedan­ke, die Essenz des Den­kens seiner Kreise in einer Heer­schau der Ideen umfas­send zusam­men­zu­füh­ren, den Feind zu orten, zu ana­ly­sie­ren und in einem geis­ti­gen Befrei­ungs­schlag zu wider­le­gen, die Lage zu bestim­men, die ent­schei­den­den Fragen neu zu stel­len, ein poli­ti­sches Ziel zu for­mu­lie­ren und einen stra­te­gi­schen Weg dort­hin zu finden und schließ­lich all das in eine ver­ständ­li­che und plas­ti­sche Begriffs­form zu schmie­den- kurz eine echte Schule zu grün­den — dieser Gedan­ke kommt ihm gar nicht.

Er kann ihm nicht kommen. Denn er glaubt ja gar nicht daran, dass es irgend­wel­che Fragen gibt, das es eine echte Neu­for­mu­lie­rung eine echte Über­win­dung des Den­kens im Rech­ten Lager braucht.
Er ist mit dem Stil­fa­schis­mus eini­ger­ma­ßen zufrie­den, hat vor lauter Lek­tü­re längst den Über­blick zwi­schen den Bücher­sta­pel ver­lo­ren. Revo­lu­tio­nä­ren Geist hat er nie gehabt, sonst wäre er nicht wo er ist. Seinem Ver­stand fehlen alle schar­fen Eck­zäh­ne, ihm fehlt jeder echte Innere Zug und Form­wil­le, er ist geis­tig impo­tent. Seit Jahr­zehn­ten ist der rechts­in­tel­lek­tu­el­len Szene kein großer Wurf gelun­gen, ist kein echter neuer Begriff oder Stil  geprägt worden
Par­do­xer­wei­se ver­tritt ein Groß­teil gleich­zei­tig die Ideo­lo­gie des Stil­fa­schis­mus, wonach es nur auf die Prä­gung und Erobe­rung von Begrif­fen, die Schaf­fung mit­rei­ßen­der Stil­for­men, die Ent­fa­chung von Pro­vo­ka­tio­nen und Erschüt­te­rung des Sys­tems ankäme.


Sie glau­ben aber nicht an die Wahr­heit. Ihnen fehlt der bren­nen­de Glaube, mit ihrer Welt­an­schau­ung wirk­lich, eine Über­win­dung der ideol­gi­schen Fehl­schlä­ge de 20.Jh, wirk­lich eine Ver­söh­nung der auf­g­ris­se­nen Spal­tun­gen und wirk­lich etwas Neues zu errei­chen.
Sie beken­nen sich nicht klar zu einer der System der 3PT, aber sie distan­zie­ren sich auch nicht klar. Sie hängen in einem Nie­mands­land, einer Zwi­schen­sphä­re, die sich ideal für den „kri­ti­schen“ „ver­glei­chen­den“ Blick, fürs Archi­va­ren- und Ver­le­ger­tum eignet, aber in der nie­mals ein echter Glau­ben wach­sen kann. Der Stil­fa­schis­mus und seine tau­send­fach wie­der­hol­tes, nomi­na­lis­ti­sches Credo ist mit­schuld an diesem Zustand.

Was beim BaBo-Nazis die Ver­här­tung und Fixie­rung auf eine bestimm­te Ideo­lo­gie der 3PT ist, ist beim Stil­fa­schis­ten das Ver­har­ren im Stil­fa­schis­mus als abs­trak­te Essenz aller Ideo­lo­gien der 3PT. Er hat damit, wie der BaBo letzt­lich die Vision einer echten Erobe­rung der Meta­po­li­tik längst auf­ge­ge­ben.  Er glaubt gar nicht mehr daran, dass man mit dem rich­ti­gen Werk, den rich­ti­gen Gedan­ken, Gefüh­len und Bil­dern die ver­krus­te­te linke Hege­mo­nie auf­rei­ßen könnte. Er glaubt gar nicht, dass im Bereich der „rech­ten“ Ideen­ge­schich­te, noch irgend­et­was neues Mög­lich sei, dass keine Varia­ti­on des Vor­han­de­nen ist. Es gibt mit ihm keine Wei­ter­ent­wick­lung.

Der Stil­fa­schis­mus flüs­tert ihm ein, dass letzt­lich alles nur eine Frage des Cha­rak­ters und des Stils und eine ewige Wie­der­kehr des Glei­chen sei. Wie der BaBo die immer glei­chen Ideen in andere Formen packt und schließ­lich im Ghet­to­den­ken resi­gniert, so sieht der Stil­fa­schist, alle alle „rech­ten“ Autoren letzt­lich als Aus­drucks­for­men eines ein­zi­gen Den­kens. Er sieht es als „Gefühl“, als „Cha­rak­ter­fra­ge“, die „ange­bo­ren“ ist.  Inter­ne Debat­ten sind  weit­ge­hend sinn­los und schäd­lich, weil sowie­so alles „irgend­wie“ Aus­drü­cke eines rech­ten Den­kens sind. Jeder Ver­such Massen mit einer neuen, schla­gen­den Bot­schaft zu gewin­nen, mit einer neu­ar­ti­gen Idee, auch auf die linken Intel­lek­tu­el­len ein­zu­wir­ken, wird damit unmöglich.


Da es keine echte Wahr­heit gibt, geht es letzt­lich nur um Macht. „Vae vicits“
Der Krieg ist ver­lo­ren, die Linken sind an der Macht, und die Rech­ten in der ewigen Rolle des frus­trier­ten Bela­ge­rers. Diese Rolle wirkt sich auch auf den Geist nega­tiv und zer­streu­end aus. Ein echter stra­te­gisch, revo­lu­tio­nä­rer Geist, ein echter Wille zum Werk, der von einer tiefen Suche nach Wahr­heit, von einer echten Kennt­nis der Geis­tes­ge­schich­te gelei­tet ist fehlt.

Es fehlt auch ein­fach eine Form des Ver­trau­ens, des Selbst­be­wusst­sein, des Wis­sens, dass wir „die Guten“ sind, dass wir uns vor Fragen der Wahr­heit, der Moral, der Ganz­heit nicht ver­ste­cken brau­chen. Statt­des­sen herrscht ein schnip­pi­scher, Amo­ra­lis­mus, ein sich-gefal­len in der Rolle des reinen Pro­vo­ka­teurs und Kri­ti­kers, die vom Bewusst­sein des BaBos gar nicht weit ent­fernt ist.

Kon­kret wird der intel­lek­tu­el­le Stil­fa­schist damit unfä­hig zur echten Schaf­fung einer neuen Ideen, zur echten neuen Frage nach der Wahr­heit und dem Sinn und zur echten Über­win­dung der 3PT. Der Stil­fa­schis­mus ver­bie­tet die Frage nach Inhalt und Wahr­heit und findet sich mit dem sub­jek­ti­vis­ti­schen, rein künst­le­risch ästhe­ti­schen Zugang zur Welt ab. Damit wird auch der Zirkel der Stil­fa­schis­ten zu einem Dandy-Club, indem welt­an­schau­li­che Debat­ten, oder gar der Anspruch eine ein­heit­li­che Lehre und Stra­te­gie zu schmie­den als anrü­chig und gefähr­lich gelten. Es hat den Cha­rak­ter einer Szene, eins belie­bi­gen Debat­tier­clubs indem jede Stoß­kraft fehlt.

((Es ist auch uner­läss­lich hier einige Ein­zel­per­so­nen aus dieser Kritik aus­zu­neh­men. Im Bereich des Neo­folks gibt es groß­ar­ti­ge Grup­pen und Pro­jek­te, die von einer echt iden­ti­tä­ren Sehn­sucht getra­gen sind und teils ein echte poli­ti­sches Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl haben. Bezeich­nen­der­wei­se werden gerade sie von vielen Sze­ne­gu­rus als „pein­lich“, „naiv“ oder gar „bedenk­lich“ ver­lacht.
Im Lager der neu­rech­ten Zusam­men­hän­ge ste­chen ein­zel­ne Per­sön­lich­kei­ten wie Götz Kubit­schek hervor, der, gegen alle Wider­stän­de, trotz einem tota­len Fehlen an erfah­ren­dem Per­so­nal, akti­vis­ti­scher Tra­di­ti­on, stän­dig, von einem Pflicht­be­wusst­sein und Gewis­sen getrie­ben, die Aktion wagte und auch uns und den Funken nach­hal­tig geprägt und begeis­tert hat.
Im Bereich der stil­fa­schis­ti­schen, eitlen Autoren­wahns wissen die Bezeich­ne­ten wohl am besten selbst, wer gemeint ist. Die­je­ni­gen, die trotz umfang­reichs­ter Lek­tü­re, trotz echter sti­lis­ti­scher Bega­bung und tiefer Gedan­ken, lange damit gezö­gert haben sich an Werke zu wagen, die in ihren Büchern in die Tiefe gegan­gen sind oder das gerade tun, sind damit dezi­tiert nicht gemeint. Über­haupt ver­dient natür­lich auch die Tätig­keit des Archi­vars eine Wert­schät­zung- das Ver­ges­sen und der Tra­di­ti­ons­ab­bruch wären noch schlim­mer. Aber über all dem steht eben mah­nend die geschicht­li­che Auf­ga­be des rechts­in­tel­lek­tu­el­len Lagers, die bisher ver­fehlt wurde. Zwar kann man im besten Fall den zyni­schen Stil­fa­schis­mus eine Art „Feu­er­lo­he“ und Schwert­pro­be zur Aus­son­de­rung von Pha­sen­dre­schern, Uni­ver­sa­lis­ten und Pseu­do­pro­phe­ten betrach­ten. Doch damit werden sie nur zu Weg­mar­ken und Abschnit­ten, zu regu­la­ti­ven Ele­men­ten, was letzt­lich ihrer radi­ka­len Kritik gleichkommt.)))

Es fehlt die heiße bren­nen­de Über­zeu­gung eine echte Auf­ga­be zu haben, auf der Suche nach einer Wahr­heit und einem tie­fe­ren Sinn zu sein. Es fehlt der Glaube daran, wenn diese Wahr­heit erst gefun­den ist, wenn sie sich erst gezeigt hat, mit ihr die Masse, auch die Gegner mit­rei­ßen zu können- ein­fach weil sie im Recht ist.

Wo der BaBo aus Mangel an Stra­te­gie und Taktik nur in der Gewalt das mög­li­che Mittel zur poli­ti­schen Macht sieht, ver­fällt der Stil­fa­schist aus Mangel an Glau­ben an Wahr­heit und Sinn ebenso auf die „media­le Macht“ als dau­ern­de Aus­re­de für sein Ver­sa­gen. Wie der Kri­sen­kult und der Gewalt­fe­tisch der BaBos so hat auch der Stil­fa­schist jeden Glau­ben an eine neue sieg­rei­che Idee und Bewe­gung ver­lo­ren. Er will anders als dieser keine „reine Lehre“ son­dern ein Kon­vo­lut an Gedan­ken der „Rech­ten“ bewah­ren bis „die Zeit reif“ ist. Fun­ken­le­ser sufzen bei dieser Kri­sen­kultretho­rik auf. Die Zeit wird nicht „reifer“- nur wir werden weni­ger, schwä­cher und älter und die ande­ren mehr. Der Stil­fa­schist aber hat keine echten Plan, kein echte Ziel. Warum auch? Geht es ja nur um „Gesten“, „Formen“ „Stil- und Cha­rak­ter­fra­gen“.  Wie beim BaBO der NS so wird beim Stil­fa­schist der Wille zur Macht zum ewigen Natur­ge­setz, dass immer nur neue Aus­drü­cke, Gestal­ten und Fas­sun­gen finden kann. Zen­trum dieses Geset­zes ist er je selbst.
Er ist „Herr der Formen“ und hat die Welt durch­schaut. Er ist Archi­var der großen, rech­ten Geis­ter und Ver­wal­ter eines geis­ti­gen Poten­ti­als das ohne­hin „allen über­le­gen“ ist. Es fehlt nur an media­ler Macht, an Ver­brei­tungs­mög­lich­keit und Streu­gung um sie unters Volk zu brin­gen. Aber dafür ist „die Zeit noch nicht reif“ So klingt das Lamen­to viele intel­lek­tu­el­ler Rech­ter. Unsinn!

Wir sind Zwerge auf Rücken von Riesen, und auch die sind schon alters­schwach. Fast alle „Größen“ der rech­ten Zusam­men­hän­ge sind bereits über­holt, lie­fer­ten nur Teil­aspek­te, oder sind in der 3PT ver­fan­gen. Was wir brau­chen ist ein geis­ti­ger Neu­auf­bruch, der auf nichts weni­ger als auf die Wahr­heit abzielt.  Unser Stand­punkt und unser Anspruch darf dabei nichts ande­res sein als die Wahr­heit – jen­seits von uni­ver­sa­lis­ti­scher Anma­ßung und posi­ti­vis­ti­scher Idio­tie. Sie soll nicht nur gesucht werden um sie als Instru­ment für ein poli­ti­sches Ziel ein­zu­set­zen. Das rein instru­men­tel­le Denken der Wil­lens­me­ta­phy­sik ist dage­gen das erste Hin­der­nis das fallen muss, um sich auf die Suche nach Wahr­heit zu machen.

6.Identitärer Idea­list vs. Stil­fa­schist

Die Iden­ti­tä­re Idee, die in der Tra­di­ti­on der neuen Rech­ten und der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on steht aber über sie hinaus gehen muss, die an einer 4. poli­ti­schen Theo­rie arbei­tet, sich gegen Uni­ver­sa­lis­mus und Rela­ti­vis­mus glei­cher­ma­ßen rich­tet und die 3 poli­ti­schen Theo­rien der Moder­ne ins­ge­samt über­win­den will, ist die ein­zi­ge echte revo­lu­tio­nä­re Kraft im Status quo der libe­ra­len Post­mo­der­ne.

Sie ist, das wurde hier bereits klar dar­ge­legt, revo­lu­tio­när gegen die herr­schen­de Ideo­lo­gie, nicht aber gegen Ord­nung, Hier­ar­chie und Staat­lich­keit an sich. Sie geht ad fontes. Sie geht an die Wur­zeln. Wie kaum eine Bewe­gung zuvor in den rech­ten Zusam­men­hän­gen ver­eint sie welt­an­schau­li­che Tiefe und akti­vis­ti­sche Erfah­rung. Die iden­ti­tä­re Bewe­gung ist nichts ande­res als die poli­ti­sche Tat dir sich aus einer gründ­li­chen und umfas­sen­den Betrach­tung der Gegen­wart, sowie der Geis­tes­ge­schich­te, zwin­gend ergibt. Sie ist ganz­heit­lich. Sie ist kri­tisch. Sie ist kon­struk­tiv. Sie ist nicht zynisch aber auch nicht fana­tisch ver­krampft. Sie ist ernst und tief aber nicht sek­tie­re­risch und unstra­te­gisch. Sie bean­sprucht Wahr­heit für sich.

Ihr Stil­bruch mit dem NS und Faschis­mus und das, der­zeit noch immer andau­ern­de, teils post­mo­der­ne Flim­mern zwi­schen ver­schie­de­nen Stil­zi­ta­ten, ist kein „neuer Schlauch“ für alte Weine. Es ist die not­wen­di­ge Folge einer inne­ren Aus­ein­an­der­set­zung mit dem NS, der drit­ten poli­ti­schen Theo­rie und ihrer zugrun­de­lie­gen­den Phi­lo­so­phie. Die Iden­ti­tä­ren haben ihren Stil noch nicht gefun­den aber sie suchen ihn. Die radi­ka­le Abgren­zung, der Allein­ver­tre­tungs­an­spruch sind nichts ande­res als das Bewusst­sein, dass es bisher nir­gends auch nur den Funken einer Hoff­nung für unsere Sache gab. Warum sich an Ver­lie­rer anschlie­ßen? Gerade in der Eigen­stän­dig­keit und im Anspruch der Iden­ti­tä­ren besteht die letzte Hoff­nung für Europa über­haupt. In ihrem radi­ka­len Anspruch etwas Neues zu sein, in ihrer teils fie­ber­haf­ten Ver­tei­di­gung dieser inne­ren Deu­tungs­ho­heit allein schlum­mert die Mög­lich­keit auf eine echte Wende. Die Rein­heit der dieser Idee ist das leere Gefäß, das abstel­les eines Fetischs im Zen­trum steht und in dem allein Raum, Luft und Erde für einen lich­ten­den Blitz, einen Samen, oder einen ret­ten­den Gott ist. Auch jen­seits des Pathos muss es jedem klar sein: Die radi­ka­le Unbe­stimmt­heit und Unaus­ge­deutetheit einer Iden­ti­tä­ren Idee und Sym­bo­lik ist der­zeit der ein­zi­ge Raum, indem sich eine neu­ar­ti­ge und unbe­las­te­te Bewe­gung sam­meln kann, die zu einer neuen Lage­be­ur­tei­lung und Stra­te­gie imstan­de wäre. Die Iden­ti­täts­be­we­gung ermög­licht tau­sen­den, jen­seits his­to­ri­scher Kom­ple­xe, freier und klarer als zuvor, das zu äußern was sie bewegt. In der Iden­ti­tä­ren Idee öffnet sich mit der echten und von allen meta­phy­si­schen Irr­tü­mern und uni­ver­sa­lis­ti­schen Wahn­ideen befrei­te Wahr­heits­su­che erst­mals wieder ein Fens­ter für das uner­war­te­te, Geheim­nis­vol­le und Mys­ti­sche, das Sein, das immer gedul­dig an den Gren­zen unse­rer Welt­bil­der auf einen neuen sinn­stif­ten­den Ein­bruch wartet.


Damit unter­schei­den Iden­ti­tä­re sich radi­kal von den oben beschrie­be­nen Stil­pa­ra­si­ten, die den NS-Stil nicht anneh­men wollen, aber auch nicht von ihm los­kom­men. Sie treibt eine ernste Suche, eine exis­ten­zi­el­le Not an, die auch die unse­rer Ahnen war. Sie erken­nen den NS und den Faschis­mus als zeit­ge­bun­den Ant­wort darauf, nehmen sie ernst, werden ihr, wie Nolte for­der­te „gerecht“ aber ver­wer­fen sie und stel­len sich nicht in ihre Tra­di­ti­on. Nur weil der Iden­ti­tä­re diese Ideen ernst nimmt und nur weil der Iden­ti­tä­re wenn er keine Iden­ti­täts­be­we­gung gäbe, womög­lich in einer natio­na­lis­ti­schen Bewe­gun­gen eine Front für seinen Drang zur Tat finden würde – allein des­halb hat er als erste aktive, revolutionäre,nicht uni­ver­sa­lis­ti­sche Kraft den 2. Welt­krieg und den NS radi­kal und bewusst über­wun­den.

Und genau das (nicht die Ergrün­dung einer neuen Welt­an­schau­ung und eines neuen Stils- hier ist man noch nicht einmal am Anfang) ist das Ver­dienst auf das Iden­ti­tä­re tat­säch­lich stolz sein können. Sie sind sich aber stets bewusst, dass ihre Idee nur des­halb und dadurch lebt, dass sie KEINE „Erfin­dung“ keine sub­jek­ti­ver Ent­wurf ins chao­ti­sche Nichts, keine reiner „natio­na­ler Ego­is­mus“ ist. Sie ist eine ganz­heit­li­che Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Wesen des Daseins, und dem Sein. Eine Ant­wort darauf kann nie­mals unser eige­ner „Ver­dienst“ sein. Wir sind in diese Auf­ga­ben hin­ein­ge­bo­ren, in uns flie­ßen tau­sen­de Erfah­run­gen, Ein­flüs­se, Tra­di­tio­nen, Fragen und Pro­blem­stel­lun­gen zusam­men. Keine Ein­zel­per­son ist als „Erfin­der“ aus­mach­bar. Was wir sind, sind wir nie­mals nur durch uns selbst. All unsere Kritik an ver­gan­ge­nen Den­kern, Bewe­gun­gen und Strö­mun­gen istnie so gemeint, als dass wir es hätten „besser“ machen könn­ten. Wenn die Iden­ti­tä­re Bewe­gung nicht dem Wahn des Stil­fa­schis­mus ver­fällt, wird ihr immer dank­bar bewusst bleib, welche Denker und Gedan­ken-Bewah­rer ihnen diesen Schritt ermög­licht haben.

In sich ist die iden­ti­tä­re Bewe­gung damit die totale Anti­the­se zum Stil­fa­schis­mus des para­si­tä­ren Intel­lek­tu­el­len. Dieser hat als „Kopf“ des rech­ten Flü­gels, ganze Jahr­zehn­te ver­tän­delt und ver­strei­chen lassen, die uns jetzt fehlen. Wäh­rend man die unge­bil­de­te, patrio­ti­sche Jugend ver­ächt­lich im Morast eine sub­kul­tu­rel­len NS-Szene ver­elen­den ließ, statt ihr eine geis­ti­ge Alter­na­ti­ve zu geben, erging man sich in intel­lek­tua­lis­ti­scher Belie­big­keit, archi­va­ri­scher Tätig­keit, detail­ver­lieb­ter, erb­send­zäh­len­der Wis­sen­schaft­lich­keit, oder plum­per, nomi­na­lis­ti­scher Eitel­keit.

Letzt­lich, und das ist sein Haupt­feh­ler, drück­te er sich vor der großen Auf­ga­be eine neue Idee, eine neue Wahr­heit und damit einen neuen Stil zu ergrün­den, indem er, unbe­dacht und frei nach Nietz­sche die Wahr­heits­fra­ge abge­hakt hatte. Die Äußer­li­che, aka­de­mi­sche Bie­der­keit der neu­rechts-stil­fa­schi­sti­chen Zirkel war inwen­dig meist mit bier­se­li­ger NS, oder Faschis­mus-Nost­al­gie druch­wirkt, die es ihnen erst recht ver­un­mög­lich­te hier einen klaren Bruch errei­chen.

Einen Bruch der, wohl­ge­merkt, nicht aus tak­ti­schen Grün­den, alte Ideen mit einem neuen Stil über­klebt, son­dern tat­säch­lich ein Aus­bruch aus der Matrix der Moder­ne und des Uni­ver­sa­lis­mus, der Meta­phy­sik und des Huma­nis­mus ist, dem auch die 3. poli­ti­sche Theo­rie ange­hört. (Dazu haben wir an ande­rer Stelle aus­führ­lich geschrie­ben und werden das auch weiter tun)


Dabei war der zu beschrei­ten­de Denk­weg, der, weil er in geis­ti­ges Neu­land führte, auch einen neuen Stil und neue Taten brin­gen würde (und das gerade tut) vor allem durch Martin Hei­deg­ger, Alain de Benoist und viele andere längst vor­ge­zeich­net.

Weni­ger Feig­heit, Faul­heit und Ego­zen­trik, viel­mehr das Sny­drom des Stil­fa­schis­mus hin­der­te viel zu viele diesen müh­sa­men Weg auf sich zu nehmen, den NS ernst zu nehmen, sich ihm zu unter­wer­fen oder ihn zu ver­wer­fen.  Eine Bewe­gung die sich nicht ins Post-45 Pot­pour­ri der rech­ten Zeit­schrif­ten, Mei­nun­gen, Sub­kul­tu­ren und Szenen ein­reiht (durch die im Grunde nur die Ver­fol­gung durch den Staat eine schar­fe Grenze zwi­schen „rechts­in­tel­lek­tu­ell“  versus „rechts­ex­trem“ zieht), son­dern aufs Ganze zielt, die nicht vor­gibt die Wahr­heit gepach­tet zu haben, aber ehr­lich und ein­dring­li­cher als andere wieder zu ihrer Suche auf­ruft.


Die iden­ti­tä­re Bewe­gung bloß als „neuen Stil“ für das „Immer­glei­che Nazi-Natio­na­lis­mus-Rechts­ex­tre­mis­mus Ding“ zu sehen ist ein Fehler den nicht nur unsere Gegner son­dern auch viele Sym­pa­thi­san­ten bege­hen.
Gerade die erwähn­ten para­si­tä­ren Intel­lek­tu­el­len, die eta­blier­ten Bier­kel­ler­na­zis und apo­li­ti­schen Sze­ne­gän­ger, die in ihrem Leben nie­mals wirk­lich in die Tra­di­ti­on einer Idee gestellt hatten, wollen und können an die Ernst­haf­tig­keit des iden­ti­tä­ren Auf­bruchs nicht glau­ben.

Bis zum letz­ten Moment und resis­tent gegen jedes Argu­ment halten sie die Bewe­gung nur für eine geschick­te Maske, weil ja auch zum Teil „die übli­chen Ver­däch­ti­gen“ dabei sind. Dass Men­schen sich ändern können und ernst­haft nach einem rich­ti­gen Weg suchen ist ihnen eben­so­we­nig ein­sich­tig wie mar­xis­ti­schen Ver­het­zern und „Gegen-Rechts“ Profis. Spä­tes­tens dann wenn sie z.B. beim besof­fe­nen Abhit­lern, von Ver­an­stal­tun­gen ver­wie­sen werden, auch wenn keine Journ­lis­ten, oder Foto­gra­fen anwe­send sind, wird ihnen das aber mit offe­nem Mund klar und ihre jovia­le Sze­ne­sym­pa­thie wan­delt sich in Hass, falls sie nicht in der Lage sind den radi­ka­len Anspruch nach­zu­voll­zie­hen und mit­zu­ge­hen.

Ja gerade weil viele von uns Erfah­run­gen in ver­schie­de­nen natio­na­len Bewe­gun­gen gesam­melt haben, ist es uns erst mög­lich weiter zu gehen. Wir sehen im NS und im his­to­ri­schen Faschis­mus, ebenso wie im Mar­xis­mus eben nicht nur einen „Stil“, und lehnen sie auch nicht nur aus „gutem Geschmack“ ab, wie so man­cher Stil­fa­schist. Wir sehen in ihnen Ideen und ernste Ver­su­che aus dem Nihi­lis­mus der Moder­ne, auf den Tod Gottes eine Ant­wort zu finden. Wir nehmen sie als solche ernst, aber wir erken­nen, dass sie diesen Anspruch nicht erfül­len können. Auch der Libe­ra­lis­mus kann das nicht, wobei bei diesem auch schon die Stil­lo­sig­keit allein schrei­end ist.

Den Stil­fa­schis­ten sagen wir ins Gesicht: Return your Style into Revolt!
Revol­te nicht im Sinne eines puber­tär-akti­vis­ti­schen Mili­tenz­fe­tisch, son­dern als revo­lu­tio­nä­res Bewusst­sein gegen die herr­schen­de Ideo­lo­gie, das uns zur über­leg­ten und sinn­vol­len poli­ti­schen Tat ruft.
Wir wollen nicht nur „pro­vo­zie­ren“ unsere Aktio­nen sollen nicht, gleich Kunst­ak­tio­nen ver­stö­rend „für sich selbst“ stehen. Das ist das fal­sche, sub­jek­ti­vis­ti­sche und wahr­heits­lo­se Kunst­ver­ständ­nis, das der Stil­fa­schis­mus zum Prin­zip der Wirk­lich­keit macht.
Genau wie die wahre Kunst, das Wesen der Welt offen­bar, sich erst zwi­schen Künst­ler und Gemein­schaft, gespeist von Tra­di­ti­on und Kultur ent­fal­tet, so rich­ten sich unsere poli­ti­schen Taten an die Herzen der Men­schen, an ihre iden­ti­tä­re Sehn­sucht, die sie mit einer klaren Bot­schaft ent­fa­chen vollen. In uns ver­ei­nen sich Ästhe­tik und Stil, mit Poli­tik und Revolte.

Armin Mohler sieht als wesent­li­che Merk­ma­le zweier Typen der Rech­ten „die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Lei­den­schaft (…) und der faschis­ti­sche Stil.“
Armin Mohler, Libe­ra­len­be­schimp­fung, Drei poli­ti­sche Trak­ta­te, Sex und Poli­tik, Der Faschis­ti­sche Stil, Gegen die Libe­ra­len, Heinz und Höff­kes, Essen, 1990 S. 112

Wo er aller­dings selbst, aus stil­fa­schis­ti­scher Brille nur per­sön­li­che Stil- und Cha­rak­ter­fra­gen sieht, sehen wir zwei Kräfte, zwei Aspek­te des Daseins, die geläu­tert von ihrem moder­nis­tisch-uni­ver­sa­lis­ti­schem Denken (also den Inhal­ten der 3PT) zusam­men­flie­ßen können. Als iden­ti­tä­re Lei­den­schaft und iden­ti­tä­rer Stil.

Die Iden­ti­tä­re Idee bricht mit der blind-akti­vis­ti­schen NS-Fixie­rung des NW ebenso mit der Taten­lo­sig­keit und Belie­big­keit der Stil­fa­schis­ten. Ihre geschicht­li­che Auf­ga­be ist es, eine ganz­heit­li­che iden­ti­tä­re Welt­an­schau­ung und 4. poli­ti­sche Theo­rie zu ergrün­den, die Lügen der Uni­ver­sa­lis­ten zu wider­le­gen und mit einer stra­te­gi­sche gelei­te­ten Bewe­gung, die Jugend zu sam­meln, das iden­ti­tä­re Bewusst­sein im Volk zu wecken und die Recon­quis­ta zu orga­ni­sie­ren. Ob sie diese Auf­ga­be voll­bringt, oder an ihr schei­tert, ändert nichts an ihrer Not­wen­dig­keit. Das Werk muss gelin­gen, oder alles ist verloren.


7.Zum Geleit

Wer sich in diesem Text wie­der­ge­fun­den, oder gar belei­digt gefun­den hat, nehme in als Impuls zur Refle­xi­on. Das soll hier nicht ein­fach flap­sig in den Wind gesagt werden, son­dern wir for­dern ein kon­kre­tes Nach­den­ken. Wo traf mich der Text? In wel­chem Punkt lag er meiner Ansicht nach „total ver­kehrt“? Wel­chen Wert hat er total „bana­li­siert“ und „miss­deu­tet?
Genau dieser Wert, genau dieser Punkt wo er getrof­fen hat, soll vom Leser bedacht werden. Findet sich in diesem Punkt ein echtes Ideal, so bleibt nur eine Ent­schul­di­gung- hier lag ein Kol­la­te­ral­schaf­den vor. Findet sich am getrof­fe­nen Punkt aber nur, egal in wel­cher Ver­klei­dung, das eigene weh­lei­di­ge, eitle Ich, das sich auf nichts fest­le­gen will, dass alles immer nur als Bühne für den eige­nen Got­tes­dienst betrach­tet, so ist dieser Text wirk­lich als Erfolg zu werden. In your Face — Deal with it!

(Aber da der Stil­fa­schist in der Regel kein Inter­es­se an langen und kom­pli­zier­ten Texten hat (zuviel Inhalt zuwe­nig Gestalt), nehmen wir nicht an, dass ihn tat­säch­lich Gemein­te gele­sen und es erst recht nicht bist hier­her geschafft haben. Wir trös­ten uns aber damit dass der Wert des rich­ti­gen Werkes, auch des rich­ti­gen Textes letzt­lich in ihm selbst liegt. Anders als der Stil­fa­schist liegt für uns der Zweck aller­dings nicht allein in ihm selbst. Er soll schon gele­sen werden und über Rück­mel­dung und Ver­brei­tung würde man sich, vor allem bei diesem Text beson­ders freuen.

Für alle denen der Text zu lang war und die ein­fach run­ter­ge­scrollt haben, finden sich hier noch einmal 6 knappe Thesen, die beschrei­ben wie der Stil­fa­schist uns schadet:

6 Thesen zum Stilfaschisten:




1. Der Stil­fa­schist kann den Feind nicht ver­ste­hen
Und damit miss­ver­steht er nach Schmitt auch sich selbst. Wenn Wahr­heit nur Aus­druck eines Wil­lens und Typus ist, erüb­rigt sich jede Debat­te. Die Über­zeu­gung des Geg­ners ist ein Duell der Bilder und Mar­ke­ting­stra­te­gien. Eine echte Lek­tü­re „feind­li­cher Schrif­ten, ein Ein­füh­len in den Geg­ners ist sinn­los. Das Schei­tern in meta­po­li­ti­schen Debat­ten und Schul­ter­schlüs­sen ergibt sich aus dieser Ignoranz


2. Der Stil­fa­schist kann keinen Stil schaf­fen
Stil als „Ein­heit­lich­keit eines Aus­drucks“ ver­weist immer auf ein Woher, Wofür und Wor­um­wil­len. Stil bildet sich im Rahmen eines sinn­haf­ten Welt­be­zugs und ent­springt einer authen­ti­schen Hal­tung, sowie einem ehr­li­chen Glau­ben. Der Stil ver­wei­gert sich, wenn er zum Selbst­zweck gemacht wird. Die Stil­lo­sig­keit des Stil­fa­schis­ten geht Hand in Hand mit dem Ver­such des „Natio­na­len Wider­stan­des“, eine immer­glei­che Ideo­lo­gie sub­kul­tu­rell neu ein­zu­klei­den.

3. Der Stil­fa­schist kann den NS/den Faschismus/die Moder­ne nicht ver­win­den
Der NS und der his­to­ri­sche Faschis­mus waren Ver­su­che, die Moder­ne mit  moder­nen Mit­teln, die alles zer­set­zen­de Kraft eine Sub­jek­ti­vis­mus durch eine sub­jek­ti­vis­ti­sche Set­zung zu über­win­den.  Nur eine  Über­win­dung der phi­lo­so­phi­schen Grund­la­gen der Moder­ne kann NS und Faschis­mus ver­win­den (und damit das wahre Erbe der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on erfül­len, die von ihrer lau­tes­ten und „bil­ligs­ten“ Strö­mung kas­siert wurde.) Der Stil­fa­schist hängt aber selbst durch und durch im moder­nen Denken. Ein vager „guter Geschmack“ und oft nur bio­gra­phi­sche Zufäl­le tren­nen „faschis­ti­schen Stil“ von „natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Lei­den­schaft“ (Mohler) und „Nietz­schea­nis­mus“ vom „NS“.   Die Unfä­hig­keit des Stil­fa­schis­ten, eine neue Tür zu öffnen, hielt Genera­tio­nen an jungen Akti­vis­ten im Sek­ten­win­kel des NS gefan­gen, der das Schuld­kult-System der BRD und ihre Nazi-Mul­ti­kul­ti-Dicho­to­mie stabilisiert.


4. Der Stil­fa­schist kann keine echte Stra­te­gie ent­wi­ckeln
Das Ver­hält­nis zu Wahr­heit des Stil­fa­schis­ten begrün­det ein machia­vel­lisch-zyni­sches Ver­hält­nis zur „Masse“ und zum eige­nen Volk, das bis hin zur dan­dy­es­ken Apo­li­tik reicht.  Ihm geht es nur um die Wirk­kraft von Sym­bo­len und Paro­len. Er glaubt oft nicht an die Wahr­heit, ihm fehlt jede echte Begeis­te­rung für ihre Kraft. Auch reiner Prag­ma­tis­mus des Rechts­po­pu­lis­mus ist ebenso eine Folge der stil­fa­schis­ti­schen Impo­tenz, die das Ver­sa­gen des ganzen rech­ten Lagers aus­macht. Am Ende ver­liert man sich  oft man­gels theo­re­ti­scher Fes­tig­keit selbst in den eige­nen Phra­sen. Seine Ableh­nung gegen alle „großen Ent­wür­fe“ rich­tet sich auch gegen umfas­sen­de Stra­te­gien. 
Hinter dem reinen Prag­ma­tis­mus ver­birgt sich ein seins­ge­schicht­li­cher Fata­lis­mus, der oft nur mehr eine ele­gan­te Rolle im Spek­ta­kel des Unter­gangs spie­len will.


5. Der Stil­fa­schist kann keine neue Denk­schu­le gründen

Stil, Stra­te­gie und seins­ge­schicht­li­che Ver­or­tung brau­chen ein geis­ti­ges „Zen­trum“, ein neues Fragen und Denken, das zur Auf­ga­be vieler, ja zu einer neuen „Schule“ (jen­seits klas­si­scher aka­de­mi­scher Schu­len) werden muss. Der Stil­fa­schist ist dazu auf zwei Ebenen nicht in der Lage.  Ein abge­kap­sel­ter unge­schicht­li­cher Nietz­schea­nis­mus ver­sperrt jede mög­li­che neue Frage nach und Erfah­rung von Sein und Wahr­heit. Diese Ver­knö­che­rung zeigt sich im Fehlen großer Werke und Ent­wür­fe, in einer ästhe­ti­zis­tisch-exhi­bi­tio­nis­ti­schen „l’art pour l’art“, der Häu­fung von essay­is­ti­schen Bild- und Auf­satz­bän­den, ebenso wie im Aka­de­mis­mus, in enzy­klo­pä­di­schen Lexi­kas oder fach­wis­sen­schaft­li­chen Mono­gra­phien (Noch schlim­mer aber äußert es sich in der Imi­ta­ti­on eines „Nietz­sche-Stils“ und im Willen zum per­sön­li­chen Groß­werk, dem jede Beru­fung dazu fehlt).
Zwei­tens ver­hin­dert bereits die stil­fa­schis­ti­sche Vor­stel­lung, „Eigen­tü­mer“ von Ideen (die er eifer­süch­tig ver­tei­digt) statt Teil­ha­ber und Mit­wir­ker an einem gemei­samen Denkauf­ga­be  zu sein, die Bil­dung jeder gemein­sa­men Denk­ar­beit. Der Stil­fa­schist hat gar kein echtes und erns­tes Inter­es­se an Texten ande­rer Denker und am wenigs­ten an der Geschich­te der Phi­lo­so­phie. Es geht ihm um Ori­gi­na­li­tät der Idee und Stärke des Aus­drucks. Andere Mei­nun­gen kann er nur aus dieser „ästhe­ti­schen“ Per­spek­ti­ve ertra­gen.   Es gibt nur ein Neben- und meist Gegen­ein­an­der inkom­men­sura­bler, idio­syn­kra­ti­scher Ent­wür­fe, die sich meist gegen­sei­tig igno­rie­ren und/oder die Beto­nung der win­zi­gen Dif­fe­renz, ihren gemein­sa­men stil­fa­schis­ti­schen Denk­ort über­spie­len. Eine echte Ver­samm­lung um eine epo­cha­le Frage, ein „Mit­den­ken“ ist aus der Meta­phy­sik und dem Cha­rak­ter des Stil­fa­schis­ten unmöglich.

6. Der Stil­fa­schist ist unfä­hig zur Selbst­kri­tik und zur Lage­be­ur­tei­lung
Diese These vom Stil­fa­schis­mus sagt im Kern aus, dass in unse­rem Lager ein unbe­wuss­ter, ver­kürz­ter Nietz­schea­nis­mus eine meta­phy­si­sche Welt­an­schau­ung und Cha­rak­ter­zü­ge per­p­etu­iert, die es zur Fin­dung und Erfül­lung seiner Auf­ga­be unfä­hig machen.  Trifft diese These auch nur teil­wei­se zu, eröff­net sie ein Poten­ti­al an unge­stell­ten Fragen, uner­kann­ten Syn­er­gien, ein geis­ti­ges Neu­land. Keiner kann sagen, welche Folgen eine brei­te­re Bewusst­wer­dung und Kritik des Stil­fa­schis­mus auf unser Lager haben könnte, ob es aus einem pas­si­ven, nihi­lis­ti­schen Selbst­er­hal­tungs­mo­dus zu einer schöp­fe­ri­schen, emp­fan­gen­den Kraft werden könnte, der eine geschicht­li­che Auf­ga­be zuteil wird. Nur in einer Kritik der meta­phy­si­schen Grund­la­gen des Stil­fa­schis­mus ergibt sich aber über­haupt die Mög­lich­keit einer sol­chen Auf­ga­be jen­seits des nack­ten Über­le­bens. Aus sich selbst heraus kann der Stil­fa­schist keine kri­ti­sche Posi­ti­on zum Stil­fa­schis­mus gewin­nen. Ihm ist viel­leicht die Frag­wür­dig­keit und das „Stau­nen“ am frem­des­ten. Seine „Tole­ranz“ gegen­über Spleens, Schrul­len, Typen, Sub­kul­tu­ren, etc. ist mit einer Igno­ranz gegen­über der Wahr­heit erkauft.  Seine per­spek­ti­vis­tisch-dyna­mi­sche Welt­sicht der tau­send ago­na­len Wahr­hei­ten ver­hält sich selbst dog­ma­tisch und nega­tiv zur Frage nach dem Sinn von Dasein und Geschich­te.  Er „kreist um seine Sub­jek­ti­vi­tät“ (Hei­deg­ger). Weder die Dinge noch die ande­ren Men­schen spre­chen ihn wirk­lich an. Auch die „Welt­nacht“, die in der Glo­ba­li­sie­rung des west­li­chen Nihi­lis­mus, im Gefol­ge des rasen­den Fort­schritts auf­zieht, wird von ihm nicht erfah­ren und im „Unter­gang des Abend­lan­des“ rela­ti­viert, bana­li­siert, und am Ende akzeptiert.