Der Arti­kel erschien im Jahr 2014 am Funken

Die Isla­mi­sie­rung Euro­pas ist das große Mene­te­kel für das Mul­ti­kul­ti-Pro­jekt der aktu­el­len uni­ver­sa­lis­ti­schen, euro­päi­schen Ideo­lo­gie. Wir wollen in dieser kur­so­ri­schen Betrach­tung erklä­ren, warum sie am Islam zugrun­de geht und welche Rolle die Islam­kri­tik in diesem Spek­ta­kel des Unter­gangs spielt. Dass wir dabei von einem amo­ra­li­schen, oppor­tu­nis­ti­schen Stand­punkt aus­ge­hen wollen, deutet der Titel dieses Textes bereits an. Völlig abs­tra­hiert vom ideo­lo­gi­schen Inhalt des islam­kri­ti­schen Kon­glo­me­rats wollen wir allein den Nutzen und Nach­teil der Islam­kri­tik für das iden­ti­tä­re Pro­jekt und den Erhalt unse­res eth­no­kul­tu­rel­len Daseins analysieren.

Eine kurze Geschich­te der euro­päi­schen Ideologie

Man wollte wie das große Vor­bild USA werden und sie sogar in ihren eige­nen Grund­sät­zen über­tref­fen. Europa sollte der Urkes­sel aller Mel­ting Pots werden, der uni­ver­sa­le Leucht­turm der Auf­klä­rung und Mensch­lich­keit. Sein his­to­ri­sches Schuld­ge­fühl und sein kul­tu­rel­ler Selbst­hass, die ihm ein gespal­te­nes Selbst­ver­hält­nis auf­er­legt haben, wollte es zu einem Vor­teil gegen­über den USA auf­bau­en. In Europa hätte die Auf­klä­rung ihre Gren­zen und die Gefahr ihres Schei­terns erkannt und würde nun, vor­sich­tig, tas­tend, dis­kur­siv, mul­ti­kul­tu­rell und pazi­fis­tisch dem Ende der Geschich­te ent­ge­gen schlei­chen. Der Spott der „intel­li­gen­ten“ Kaste in Europa, den sie regel­mä­ßig über den Patrio­tis­mus, die „Prü­de­rie“ und das libe­ra­le Waf­fen­recht der USA aus­gie­ßen, ihre mora­li­schen Glücks­mo­men­te, die sie frie­dens­be­wegt gegen den ame­ri­ka­ni­schen Bel­li­zis­mus zele­brie­ren- all das sind die leben­di­gen Aus­prä­gun­gen der euro­päi­schen Ideologie. 

Sie stellt eine Spiel­art des Libe­ra­lis­mus dar und teilt alle seinen zen­tra­len Ideen (das auf­ge­klär­te Ver­nunft­sub­jekt jen­seits von Geschlecht und Ethnos als Bezugs­punkt, eine Fort­schritts­ideo­lo­gie der Mensch­heit bis zum Ende der Geschich­te, eine öko­no­mis­tisch-bür­ger­li­che­re Grund­auf­fas­sung (Epis­te­me) der Welt, etc.) Anders als die USA ist aber das zen­tra­le Ideal kein reli­giö­ser Erwählt­heits­wahn bzw. keine hege­lia­ni­sche Welt­geist­be­schwö­rung, son­dern die eigene Schuld, das eigene Schei­tern und die eige­nen Verbrechen.

Wäh­rend die USA als Aus­wuchs und Abkop­pe­lung aus dem libe­ral-auf­klä­re­ri­schen Europa seit damals keinen echten ideen­ge­schicht­li­chen Fort­schritt gemacht haben und dieses Leit­mo­tiv dumpf und lei­er­kas­ten­ar­tig wie­der­ho­len, ent­wi­ckel­ten sich in Europa Mar­xis­mus und Faschis­mus als Ant­wor­ten auf den Libe­ra­lis­mus. Der Krieg der Ideo­lo­gien, der sich hier­auf ent­wi­ckel­te, wurde wesent­lich vom Ein­grei­fen der USA für den Libe­ra­lis­mus ent­schie­den. Er wurde in Europa also von seiner aus­ge­la­ger­ten, ideen­ge­schicht­lich ein­ge­fro­re­nen, ehe­ma­li­gen Kolo­nie geret­tet und zum Sieger gemacht. Das änder­te nichts an seiner inne­ren Schwä­che und daran, dass er in Europa ideen­ge­schicht­lich bereits über­wun­den oder zumin­dest töd­lich kri­ti­siert worden war. 

Im Unter­schied zu den USA, die schein­bar weder zu einer echten Kultur noch einer echten Phi­lo­so­phie oder einer geis­ti­gen Ent­wick­lung in der Lage sind, war Euro­pas Leben mit und gegen das uni­ver­sa­lis­ti­sche Syn­drom immer von brü­ten­dem Sich-Fügen, wildem Auf­bäu­men, roman­tischs­ten Aus­flüch­ten, eis­kal­tes­ten Ein­fü­gun­gen, kurz: einem fieb­ri­gen Hin und Her, Auf und Ab gekenn­zeich­net. Der locke­re, prag­ma­ti­sche , unpro­ble­ma­ti­sche, coole „ame­ri­can way“, der auf ein plat­tes, dünnes See­len­le­ben hin­weist und in einer unbe­küm­mert „heroi­schen“ Phase des Libe­ra­lis­mus, einer ewigen ste­ri­len Jugend ver­harrt, war für Europa von Anfang undenk­bar und verachtenswert.

So fruch­te­ten die ame­ri­ka­ni­schen “Re-education”-Versuche, die quasi ihrer­seits aus der Mut­ter­ko­lo­nie Europa eine libe­ra­lis­ti­sche Kolo­nie machen woll­ten, kaum. Europa ging rasch einen Son­der­weg und im Nach­we­hen des Wirt­schafts­wun­ders ent­wi­ckel­te es eine eigene Ideo­lo­gie, die wie immer tief ent­schlos­sen und unbe­stech­lich war. Eine „Kon­ti­nen­tal­phi­lo­so­phie“, wel­cher die angel­säch­si­schen „Bar­ba­ren des Geis­tes“ (Nietz­sche) nur mit Unver­ständ­nis begeg­nen konnten.

Die Kritik des Mar­xis­mus höhlte alle Werte und jeden Glau­ben aus, ver­schmolz mit Freud zu einer aggres­si­ven Säure, die jahr­hun­der­te­al­te Tra­di­tio­nen weg­ätz­te. Der Libe­ra­lis­mus brach­te kom­ple­men­tär dazu einen geist­lo­sen Hedo­nis­mus hervor, der den Men­schen zur Arbeits- und Lust­ma­schi­ne dege­ne­rie­ren ließ.

Exem­pla­risch für diese Fusion kann die „sexu­el­le Befrei­ung“ gelten, die über freu­domar­xis­ti­sche Kritik ideen­ge­schicht­lich bewerk­stel­ligt und vom gras­sie­ren­den Kapi­ta­lis­mus in der Sex­in­dus­trie ver­ar­bei­tet wurde. Die Frau wurde in den kapi­ta­lis­ti­schen Arbeits­markt, der weib­li­che Körper in die hedo­nis­ti­sche Spa­ß­in­dus­trie ein­baut. Ermög­licht und per­p­etu­iert durch mar­xis­ti­sche Theo­re­ti­ker, die in der Frau das „neue revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt“ sahen, dass sich „eman­zi­pie­ren“ müsse. 

Diese „Eman­zi­pa­ti­on“ hat bisher nur im auf­klä­re­ri­schen Sub­jekt des bour­geoi­sen Indi­vi­du­ums geklappt: den bur­nout­be­droh­ten, allein­er­zie­hen­den Kar­rie­re-Müt­tern, die ihren „Sex and the City“-Heroinnen nach­ei­fern. Die Bil­dung eines auf­klä­re­risch-mar­xis­ti­schen Kol­lek­tivs aus „inter­na­tio­na­len, kämp­fe­ri­schen Les­ben­ban­den“ schei­tert beharr­lich und gleicht darin dem rest­li­chen arbei­ter­be­weg­ten Mar­xis­mus, der in sich total gespal­ten ist. Auch seinen neo­mar­xis­tisch-post­mo­der­nen und wert- und ideo­lo­gie­kri­ti­schen Ver­tre­tern ist nicht mehr Erfolg beschie­nen, wenn­gleich die „revo­lu­tio­nä­ren Sub­jek­te“, auf die sie ihre Theo­rien pro­ji­zie­ren, ob „mul­ti­tu­de Assam­bla­gen“, oder der Westen mit Speer­spit­ze Israel, etwas erfolg­rei­cher und realer sind. 

Das liegt viel­leicht daran, dass diese poli­ti­schen Akteu­re und sozia­len Kate­go­rien nichts von ihrem Glück wissen, „revo­lu­tio­nä­res Sub­jekt“ irgend­ei­ner mar­xis­ti­schen Uni-Sekte zu sein. Über­haupt ist der Streit ums „revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt“ das, was den Bin­nen­krieg aller Uni­ver­sa­lis­men aus­macht. Der Kampf der klas­si­schen Mar­xis­ten, die gegen die Frei­heit und Ver­nunft des auf­klä­re­ri­schen Sub­jekts, seine bür­ger­li­che Ver­fasst­heit und die Öko­no­mie in Stel­lung brach­ten, um mit dem neuen Sub­jekt der Klasse die Gleich­heit in den Mit­tel­punkt zu stel­len, werden nun mit dem selben Zepter des Diamat ent­mach­tet- etwas von Femi­nis­tin­nen, die in der wahren Ver­blen­dung des bür­ger­li­chen Sub­jekts seine Männ­lich­keit sehen und die Frau als revo­lu­tio­nä­res Sub­jekt her­auf­be­schwö­ren; oder den anti­ko­lo­nia­lis­ti­schen „non­whites, die es in seiner „Whiteness“ den anti­he­te­ro­nor­ma­ti­ven Trans­gern­der­les­bis, die es in seiner „Hete­ro­se­xua­li­tät“ sehen. Analog zu diesen Myria­den an „bahn­bre­chen­den, umwäl­zen­den“ Welt­erklä­rungs­mo­del­len des ideo­lo­gi­schen Uni­ver­sa­lis­mus kann man den Kampf der Heer­scha­ren jüdi­scher, christ­li­cher und isla­mi­scher Sekten um den Besitz der „Offen­ba­rung“ sehen. Als Feind­bild bleibt ihnen allen der hete­ro­se­xu­el­le, weiße, in Volk und Land ver­wur­zel­te Mann. 

Kon­kret besteht die Haupt­rol­le dieser gespal­te­nen 2. poli­ti­schen Theo­rie (Dugin) darin, als eine Art dunk­ler, athe­is­ti­scher Pries­ter­stand der Spät­mo­der­ne mit ihrem „Gegen-Rechts“ die anti­fa­schis­ti­sche Staats­ideo­lo­gie der Schuld zur pro­du­zie­ren. Nur darin sind sie sich auch alle einig. Weit davon ent­fernt ihre öko­no­mi­schen Visio­nen durch­set­zen zu können, ist die „Antifa“-Arbeit das Ein­zi­ge, was sie kon­ti­nu­ier­lich und mit gewis­sem Erfolg betreiben.

Ihre Auf­ga­be ist die eines Flie­gen­pa­piers, das im Vorhof der poli­ti­schen Macht den herr­schen­den Libe­ra­lis­mus beschützt. Jede Kritik dieser Ideo­lo­gie und ihrer Öko­no­mie, die nicht dezi­diert mar­xis­tisch ist, wird auto­ma­tisch in das „rechts­ex­tre­me“ Lager gescho­ben und wenn sie wirk­mäch­tig wird als „Wie­der­gän­ger des NS“ abge­stem­pelt und der Ver­nich­tung preisgegeben.

Diese Tätig­keit der links-mar­xis­ti­schen Kreise und Split­ter­grup­pen wird von der herr­schen­den libe­ra­lis­ti­schen Ideo­lo­gie und ihren Insti­tu­tio­nen wohl­wol­lend gedul­det. Der Demo­kra­tie­preis, den kürz­lich der „Jugend­pfar­rer“ Lothar König für sein „Enga­ge­ment“ in links­ex­tre­men Krei­sen erhal­ten hat, ist nur ein Mosaik im Gesamt­bild. Der Grund dafür ist, dass beide eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Fort­schritts­ideo­lo­gie und Moral­idee teilen, die in den Ziel­be­stim­mun­gen von der „Ein­heit und Gleich­heit der Mensch­heit“, nicht aber im rich­ti­gen Weg dort­hin übereinstimmen. 

Alles, was irgend­wie von dieser gemein­sa­men Ideo­lo­gie abweicht, was Natio­nal­ge­fühl, Pathos der Distanz, Erhalt des Eige­nen bedeu­tet, wird von ihnen abge­spal­ten und unter­schieds­los auf einen fetisch­ar­ti­gen Faschismus/NS pro­ji­ziert und damit der gesell­schaft­li­chen und juris­ti­schen Aus­mer­zung preis­ge­ge­ben. Die zen­tra­len Werte der uni­ver­sa­lis­ti­schen Schnitt­men­ge zwi­schen Libe­ra­lis­mus und Neo­mar­xis­mus wurden als das allein Wahre, Ver­nünf­ti­ge, Geschichts­not­wen­di­ge beschrieben.

Da auch der klas­si­sche Mar­xis­mus einer­seits mora­lisch dis­kre­di­tiert ist und ande­rer­seits poli­tisch aus der Geschich­te aus­ge­schie­den ist, bleibt seinen Epi­go­nen nur dieses trau­ri­ge Antifa-Dasein und das ewige Kauern im meta­po­li­ti­schen Vorhof der poli­ti­schen Macht. Ihr ein­zi­ger „Erfolg“ ist es, dass der euro­päi­sche Libe­ra­lis­mus im Hagel ihrer stän­di­gen anti­pa­trio­ti­schen und meta­po­li­ti­schen Gift­pfei­le keinen Ver­fas­sungs­pa­trio­tis­mus und Eta­tis­mus, der der USA ähn­lich wäre, ent­wi­ckeln konnte. Sie waren vor allem die Hohe­pries­ter des Schuld­kults, des eth­ni­schen Selbst­has­ses und der ritu­el­len Ver­nich­tung aller eth­no­kul­tu­rel­ler Lebensbejahung. 

Die euro­päi­sche Ideo­lo­gie ent­wi­ckel­te sich also aus diesem unge­sun­den Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen Libe­ra­lis­mus, Mar­xis­mus und Faschis­mus, in dem ers­te­rer die Öko­no­mie und Poli­tik, zwei­te­rer die Meta­po­li­tik und Ideo­lo­gie und der dritte das fetisch­ar­ti­ge Abgren­zungs- und Pro­jek­ti­ons­ob­jekt des aus­ge­klam­mer­tern, abge­spal­te­nen Eth­no­kul­tu­rel­len darstellte.

Aus dieser Span­nung und ihren Wech­sel­wir­kun­gen ent­stand eine Wei­ter­ent­wick­lung des Libe­ra­lis­mus, die Dugin als Post-Libe­ra­lis­mus beschreibt und die Europa den USA wieder vor­weg­ge­nom­men hat. Es ist das Zusam­men­spiel aus dem quä­len­den Bewusst­sein des Schei­terns der großen uni­ver­sa­lis­ti­schen Metaer­zäh­lun­gen in teuf­li­scher Ver­bin­dung mit der Unfä­hig­keit, sich eine neue, iden­ti­tä­re Erzäh­lung zu schaf­fen, d. h. einen Sinn zu stif­ten. Die Frage nach dem Sinn des eige­nen Daseins fällt Euro­pas Völker an wie eh und je. Aber ihre Ant­wort darauf bleibt aus. Weder gibt es für sie ein Zurück in die drei poli­ti­schen Theo­rien der Moder­ne, die völlig deklas­siert sind, noch können sie einen neuen Mythos schaf­fen, weil er am uni­ver­sa­lis­ti­schen Anspruch dieser toten Ideo­lo­gien zerbricht. 

Dass der Kom­mu­nis­mus eine „schöne aber uto­pi­sche Idee“ gewe­sen sei, dass das Chris­ten­tum seinen „eige­nen guten Grund­sät­zen nicht ent­spro­chen hätte“ — das sind die ent­lar­ven­den Phra­sen der All­tags-Blooms, die ihnen die herr­schen­den Ideo­lo­gie ein­flüs­tert. Man hat die alten Ideo­lo­gien nicht über­wun­den. Man däm­mert trau­ernd im Schat­ten ihrer Ruinen und ver­wirft jede Idee und jedes Pro­jekt, das nicht in ihre Fuß­stap­fen tritt, als „ras­sis­tisch“, oder „faschis­tisch“. Alles, was nicht die Nach­fol­ge der auf­klä­re­ri­schen Ideo­lo­gie, ihres tota­len Wahr­heits­an­spruchs, ihrer glo­ba­lis­ti­schen Welt­mis­si­on, ihres bru­ta­len Indi­vi­dua­lis­mus, kurz: ihrer Grund­prin­zi­pi­en treten will, wird als „par­ti­ku­la­ris­tisch, natio­na­lis­tisch, ras­sis­tisch“ gebrand­markt und verworfen. 

Gleich­zei­tig fehlt jede Schöp­fungs­kraft und jeder Auf­bruchs­geist zu einem neuen uni­ver­sa­lis­ti­schen Pro­jekt. Die post­mo­der­ne Belie­big­keit, die über die sprach­phi­lo­so­phi­schen und kul­tur­re­la­ti­vis­ti­schen Strö­mun­gen in jeder Debat­te und jedem Gedan­ken Einzug gehal­ten hat und neben ihrer aka­de­mi­schen Eso­te­rik auch in der Exo­te­rik der All­tags­spra­che („Jedem seine Wahr­heit!“, „Das siehst du so!“, „Alles ist rela­tiv.“, etc.) stürzt Europa in den süß­li­chen Wahn der Sinn­lo­sig­keit, Selbst­ver­nich­tung und Dekon­struk­ti­on. Dieser Rela­ti­vis­mus und seine Ver­tre­ter sind aber in Wahr­heit die uni­ver­sa­lis­ti­schen Euryn­ni­en des uni­ver­sa­lis­ti­schen Gottes, der sich total ent­zo­gen hat. An seinem Maß­stab, also am Maß abso­lu­ter uni­ver­sa­ler Wahr­heit, messen sie alles: Geschlech­ter­rol­len, Reli­gi­on, Bräu­che, Staats­gren­zen, Völker, Fami­li­en, ja selbst das Ich — um es zu ver­wer­fen und zu vernichten.

Um eine nietz­schea­ni­sche Meta­pher zu brin­gen: Gott ist tot, aber die freien Geis­ter und letz­ten Men­schen tragen seinen Thron durch die Stra­ßen, um mit seiner nega­ti­ven Prä­senz alles, was ihm nicht gleich käme, zu ver­nich­ten. Der euro­päi­sche Schöp­fungs­wil­len und seine Lebens­kraft gehen an diesem Dys­an­ge­li­um zugrun­de, wäh­rend seine post­mo­der­nen Taum­ler darin das „Ende der Geschich­te“ für erreicht betrach­ten. Die Abschaf­fung aller par­ti­ku­la­ren Trä­ger­sub­jek­te der uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie, das Weg­ster­ben des Staa­tes und des Poli­ti­schen, der Unter­gang der Völker, die Auf­lö­sung der Klas­sen, das Ver­schwin­den der Dif­fe­ren­zen und Kon­tu­ren im non­kon­for­men Ein­heits­brei des Kapi­ta­lis­mus — darin sehen sie das pro­phe­zei­te Ende der Geschich­te, das große uni­ver­sa­lis­ti­sche Mensch­heits­pa­ra­dies her­an­na­hen, das ja auch nur über das Abster­ben seiner Werk­zeu­ge und Vehi­kel zustan­de kommt. 

Tat­säch­lich ist dieser große Tod nur der Tod des Uni­ver­sa­lis­mus und seiner Trä­ger­völ­ker, die an seinen abs­trak­ten Pflich­ten, Mensch­heits­mis­sio­nen, uni­ver­sa­lis­ti­schen For­de­run­gen, umge­stülp­ten par­ti­ku­la­ren Son­der­rech­ten zugrun­de gehen. Diesen Tod, seine fried­li­chen Dif­fu­si­ons­pro­zes­se, sein kon­fet­tib­un­tes Ver­pul­vern aller gewach­se­ner Sub­stanz auch noch als „uni­ver­sa­len Mensch­heits­fort­schritt“ zu feiern, in dem „wir der Welt vor­an­ge­hen“- das ist der trau­ri­ge Ruhm der euro­päi­schen Ideo­lo­gie, die sich in ihrem apo­li­ti­schen Pazi­fis­mus den USA und Israel mora­lisch him­mel­weit über­le­gen fühlt. Am Ster­be­bett ver­zich­tet es sich leich­ter. Als Tod­kran­ker kann man leicht seinen Haus­staat und seine Kar­rie­re an den Nagel hängen…

Die post­mo­der­nen Gift­mi­scher haben das, was Nietz­sche als „Wille zum Nichts“ im Welten- und Selbst­hass aller reli­giö­sen und ideo­lo­gi­schen Uni­ver­sa­lis­men durch­schaut hat, mit ihrem leeren Thron des toten Gottes zum Tri­umph gebracht. Ihre Berau­schung an Nichts und Tod lässt (im Unter­schied zum klas­si­schen Libe­ra­lis­mus und Mar­xis­mus) keinen Staat, kein Volk und kein Sub­jekt mehr gelten. Sie sind Anar­chis­ten des Geis­tes und ver­kör­pern die fleisch­ge­wor­de­ne, rela­ti­vis­tisch-zer­set­zen­de Seite des Universalismus. 

Dieser Abgrund der Auf­klä­rung, der in der (im enge­ren Sinne uni­ver­sa­lis­ti­schen) Selbst­ver­här­tung ihrer par­ti­ku­la­ren Sub­jek­te und in der irra­tio­na­len (rela­ti­vis­ti­schen) Selbst­ver­nich­tung liegt, an dessen Rand das Grand-Hotel der Frank­fur­ter trau­rig die Stel­lung hielt, ist der Hort der Post­mo­der­ne, in den sie sich lust­voll fallen ließen — anders als die Faschis­ten dabei aber nicht in den tota­len Par­ti­ku­la­ris­mus, son­dern die totale Ort­lo­sig­keit. Doch auch die Erben der Kri­ti­schen Theo­rie haben keine Lösung parat, da der neue auf­klä­re­ri­sche Uni­ver­sa­lis­mus, den sie ver­kün­den — das düs­te­re Phi­lo­so­phie­ren im Schat­ten von Ausch­witz und zur höhe­ren Ehre Isra­els — in seiner aka­de­mi­schen Exal­tiert­heit eine Schein­lö­sung bleibt. Damit lässt sich kein Staat machen. 

Ver­gesst Ausch­witz“ wird wohl auch bald die neue Parole der Neo­cons lauten, welche die post­mo­der­ne Kapi­tu­la­ti­on der Auf­klä­rung und des Kapi­ta­lis­mus vor seinem großen Mene­te­kel ver­hin­dern wollen. Das Ende der Geschich­te, dem die Post­mo­der­nen ihre fau­li­gen Blüten streu­en, ist näher betrach­tet nur unser Aus­stieg aus der Geschich­te. Damit wäre aber auch die uni­ver­sa­lis­ti­sche Auf­klä­rung mit ihre Trä­ger­völ­kern end­gül­tig zum Ende gekom­men. Das führt uns zu unse­rem eigent­li­chen Thema:

Der Islam und die euro­päi­sche Ideologie

Der Islam dringt über die Mas­sen­ein­wan­de­rung aus Afrika und Asien erobe­rungs­hung­rig nach Europa vor. Wieder ent­schei­det ein nicht geis­tes­ge­schicht­li­cher, son­dern poli­tisch-inter­ven­tio­nis­ti­scher Akt von außen über Euro­pas geis­ti­ges Schick­sal. Der Islam ist eine Aus­la­ge­rung des reli­giö­sen, christ­li­chen Uni­ver­sa­lis­mus, der über einen Rück­fall ins bil­der­feind­li­che Alte Tes­ta­ment den (vom Juden­tum) inter­na­tio­na­lis­tisch ent­grenz­ten Mono­the­is­mus mit einem ara­bi­schen Krie­ger­tum und Kultur verband.

Die Tat­sa­che, dass der Islam nun, ohne großen Bekeh­rungs­auf­wand, ohne große theo­lo­gi­sche Debat­ten, nur über eine Mas­sen­ein­wan­de­rung und demo­gra­phi­sche Über­le­gen­heit nach Europa greift, ent­behrt nicht einer gewis­sen tra­gi­schen Komik für den anti­uni­ver­sa­lis­ti­schen Beob­ach­ter. Alle hoch­tra­ben­den Wol­ken­tür­me eines Hegel, Marx und Kant werden nun von ein­fa­chen anti­phi­lo­so­phi­schen, pri­mi­tiv-fun­da­men­ta­lis­ti­schen, aber zeu­gungs­star­ken Ein­wan­de­rern aus aller Herren Länder in Frage gestellt. Wir drohen „um Jahr­hun­der­te der Auf­klä­rung zurück­zu­fal­len“, wie die bewuss­ten (also anti­deut­schen oder neo­con­ser­va­ti­ven) Kräfte des euro­päi­schen Uni­ver­sa­lis­mus jam­mern. Ihnen ist bewusst, dass der mul­ti­kul­tu­rel­le Kul­tur­re­la­ti­vis­mus, die abso­lut belie­bi­ge „inter­re­li­giö­se Tole­ranz“, die totale Auf­ga­be jedes Wahr­heits­an­spruchs der Euro­päe der geis­ti­ge Tür­öff­ner für die Mas­sen­ein­wan­de­rung und das Hin­neh­men der Isla­mi­sie­rung war und ist. 

In all die lächer­li­chen „Integrations“hoffnungen der euro­päi­schen Ideo­lo­gie mischt sich eine unver­hoh­le­ne Lust der Selbst­auf­ga­be und des Selbst­has­ses, die sie selbst mit ihrer Schuld­kul­t­ideo­lo­gie und der Shoa als Grün­dungs­my­thos her­auf­be­schwo­ren haben. Die Geis­ter, die sie riefen, werden sie nun nicht mehr los und mit der bit­te­ren Scha­den­freu­de des anar­chi­schen Amok­läu­fers führen die Post­mo­der­nen den inhä­ren­ten Befehl des Eth­no­ma­so­chis­mus aus. Europa und Deutsch­land müssen sterben. 

Wie die tau­sen­den Jun­kies, Bor­der­li­ner, Mager­süch­ti­ge, etc. ihren Körper der Bio­macht des Gestells ent­zie­hen, so ver­nich­tet die Post­mo­der­ne als wahn­sin­ni­ge Rache eine ganze Völ­ker­fa­mi­lie, um dem Uni­ver­sa­lis­mus seine Vehi­kel zu ent­zie­hen. Mit dem unver­wand­ten, ver­ständ­nis­lo­sen Inter­es­se des Ster­ben­den betrach­ten und bewun­dern sie den Speer, der sich durch seine Brust gebohrt hat, bestau­nen sie die Würmer, die sich in unse­rer schwä­ren­den Wunde wühlen. Nichts ande­res ist ihre ver­nich­ten­de Kritik an Gren­zen, eth­ni­scher Homo­ge­ni­tät, Fami­lie, Leit­kul­tur, Ord­nung, geschlecht­li­cher Dif­fe­renz, dem Ich, etc., als eine totale Selbst­ver­nich­tung, eine Sehn­sucht nach dem Chaos, dem Nichts und dem bar­ba­risch-tri­ba­lis­ti­schen Ein­her­däm­mern (das es auch nur in der ver­zerr­ten Retro­spek­ti­ve der uni­ver­sa­lis­ti­schen Ver­nunft-Auf­klä­rung gibt). 

Der Islam und seine ein­wan­dern­den Trä­ger­völ­ker rich­ten die euro­päi­sche Ideo­lo­gie und ent­lar­ven ihren blas­sen „anti­im­pe­ria­lis­ti­schen Impe­ria­lis­mus“ (Bar­ro­so), als lächer­li­ches Gespinst, das im Unter­schied zur USA keinen Jota Schwer­kraft und Prä­ge­kraft besitzt. Sie erken­nen die Deut­schen und Euro­pä­er als das, was sie sind: „Opfer“ ihres Selbst­has­ses und eines Uni­ver­sa­lis­mus der Schuld . „Opfer“ einer theo­lo­gi­schen Ver­wir­rung, die mit dem „heid­ni­schen“ Chris­ten­tum ihren Anfang nahm, wie ihre isla­mi­schen Gelehr­ten aus­zu­le­gen wissen, für die es nur zwei Uni­ver­sa­lis­men gibt: das fehl­ge­lei­te­te Juden­tum und den Islam, der es end­gül­tig und abso­lut beerbt hat. Und wirk­lich, der geschicht­li­che Ver­lauf des Uni­ver­sa­lis­mus und das elen­di­ge Abster­ben seiner post­christ­li­chen Zweige gibt den isla­mi­schen Gelehr­ten einen Grund, das zu denken. Für man­chen uni­ver­sa­lis­tisch gestimm­ten Tra­di­tio­na­lis­ten ist und war das gar ein Grund zur sufis­ti­schen Kon­ver­si­on. Für uns Iden­ti­tä­re hin­ge­gen nur ein Trep­pen­witz der Geschichte.

Die Reak­ti­on der euro­päi­schen Ideo­lo­gie auf den Islam ist nun eine Stär­kung ihrer (im enge­ren Sinne) uni­ver­sa­lis­ti­schen Seite. Staat, Ord­nung, Werte, Leit­kul­tur, etc. kommen wieder in Mode. Eine Art Kri­sen­mo­dus der euro­päi­schen Ideo­lo­gie eta­bliert sich in rechts­bür­ger­li­chen Krei­sen. Voll und ganz im Rahmen des herr­schen­den Schuld­kults und der uni­ver­sa­lis­ti­schen Auf­klä­rung will man zu ihrer Erhal­tung sich selbst erhal­ten. Man ver­sucht einen Eta­tis­mus auf­zu­bau­en, der den USA nach­emp­fun­den ist, den unkon­trol­lier­ten Strom der Ein­wan­de­rung bän­digt und bün­delt, sowie die Kraft hat, isla­mi­sche Migran­ten aus ihrer Reli­gi­on und Stam­mes­ge­mein­schaft zu reißen, um sie zu echten „EU-Bür­gern“, also über­zeug­ten Libe­ra­lis­ten und Hedo­nis­ten zu machen. Man ist sich dabei für nichts zu schade und appel­liert in pri­mi­tivs­ter Manier an die nied­rigs­ten Instink­te der Mus­li­me, die man in der eige­nen Kul­tur­in­dus­trie zu erfül­len weiß. Jede ent­jun­gerf­te Mus­li­ma, die Schlei­er gegen Hot­pants getauscht hat, jeder isla­mi­sche Jugend­li­che, der statt in die Moschee zum Flat­rate-Saufen geht, ist für sie eine gewon­ne­ne Schlacht. Der Krieg jedoch scheint zuguns­ten des Islams aus­zu­ge­hen und das hat zwei Gründe:

1. Sehen die ver­sam­mel­ten Mul­ti­kul­tis, Mar­xis­ten und Post­mo­der­nen in jedem Erstar­ken eines euro­päi­schen Law&Order-Patriotismus zum Schutz der Auf­klä­rung einen „Wie­der­gän­ger des Faschis­mus“. Ihre unbän­di­ge Freude, für ihren Hass­fe­tisch end­lich mäch­ti­ge­re Pro­jek­ti­ons­flä­chen als ver­meint­li­che „Ter­ror­netz­wer­ke“ zu haben, Gegner die sogar Ver­knüp­fun­gen zur USA und Israel und bür­ger­li­chen Mitte auf­wei­sen, ist für sie wie Ostern und Weih­nach­ten zusam­men. Das, was Geert Wil­ders, ein lupen­rei­ner Ver­tre­ter dieses Ver­tei­di­gungs­mo­dus der „Euro­päi­schen Ideo­lo­gie“, in seiner jüngs­ten Rede for­der­te — Begren­zung der Mas­sen­ein­wan­de­rung und Erhalt der euro­päi­schen Iden­ti­tät — MÜSSEN jedem Ver­tre­ter des Frie­dens­mo­dus der „Euro­päi­schen Ideo­lo­gie“ wie ein faschis­ti­scher Mord­auf­ruf erschei­nen. Die post­mo­der­ne End­trans­for­ma­ti­on der „Euro­päi­schen Ideo­lo­gie“, die Mul­ti­kul­ti und Isla­mi­sie­rung zulässt, ver­hin­dert über ihren „Nazi-Fetisch“ das Auf­kom­men eines neo­con­ser­va­ti­ven Ver­tei­di­gungs­mo­dus der Euro­päi­schen Ideo­lo­gie, egal wie anti­fa­schis­tisch und phi­lo­se­mi­tisch er sich auch gerie­ren mag.

2. Kri­ti­sie­ren sie in ihrem athe­is­ti­schen, auf- und abge­klär­ten Hedo­nis­mus nicht oder kaum die Deka­denz Euro­pas, die seine demo­gra­phi­sche Selbst­ab­schaf­fung und damit die Mas­sen­ein­wan­de­rung her­bei­ge­führt hat. Diese ist und wird auch lange Zeit zum großen Teil isla­misch blei­ben, wie Gunnar Hein­sohn in seinen demo­gra­phi­schen Stu­di­en bewie­sen hat. Jede echte Kritik der Deka­denz und des Hedo­nis­mus schließt aber eine Kritik des Libe­ra­lis­mus und Kapi­ta­lis­mus und ihrer kul­tur­in­dus­tri­el­len Gesell­schaft des Spek­ta­kels mit ein. Diese Kritik ist den Neo­con­ser­va­ti­ven, ein­ge­fleisch­ten Kapi­ta­lis­ten, ver­wehrt. Wenn sie bei ihr uni­ver­sa­lis­tisch blei­ben, führt es sie ins Lager der Mar­xis­ten, die (außer in ver­ein­zel­ten anti­deut­schen Zir­keln) nicht gegen die Isla­mi­sie­rung kämp­fen. Wenn sie in einer Kritik des Libe­ra­lis­mus und seiner Deka­denz sowie einem Behar­ren auf das Eigene den Uni­ver­sa­lis­mus able­gen, werden sie zu Iden­ti­tä­ren, welche die geis­ti­gen Tod­fein­de der „Euro­päi­schen Ideo­lo­gie“ in alle ihren Varia­tio­nen sind — und damit die Garan­ten des Lebens Europas.

Der neo­kon­ser­va­ti­ve Ver­tei­di­gungs­mo­dus befin­det sich daher in einer grau­en­haf­ten Zwick­müh­le. Seine Haupt­ver­tre­ter, die aus rechts­po­pu­lis­ti­schen Pro­test­par­tei­en und der Ideo­lo­gie der Islam­kri­tik bestehen, können nie­mals eine Lösung, eine echte Über­win­dung des Unter­gangs des Abend­lan­des bewerk­stel­li­gen. All ihr Denken bewegt sich im Rahmen von Indi­vi­du­um, Kapi­ta­lis­mus, Men­schen­recht, Uni­ver­sa­lis­mus, „wahrer Zivi­li­sa­ti­on“ und „böser Bar­ba­rei“ in Westen und Osten, Israel und Schur­ken­staa­ten, in der klas­si­schen uni­ver­sa­lis­ti­schen Spal­tung zwi­schen Hell und Dunkel und Gut und Böse. 

Sie kämp­fen nicht gegen die Isla­mi­sie­rung und für Euro­pas eigene Iden­ti­tät, son­dern in einer hei­li­gen Alli­anz mit den USA und Israel gegen die „grüne Pest“ des „Isla­mo­fa­schis­mus“. Da dieser Kampf ein rein geis­ti­ger um abs­trak­te Ideen und über-eth­no­kul­tu­rel­le Kol­lek­ti­ve („Islam“, „Westen“) ist, fällt es ihnen auch schwer, ein echtes Natio­nal­ge­fühl und eine echte Kritik der Mas­sen­ein­wan­de­rung zu for­mu­lie­ren. Diese ist nie­mals grund­sätz­lich, son­dern es „wan­dern die Fal­schen“ ein. Sie kri­ti­sie­ren also die Infu­sio­nen eines fal­schen Human­ka­pi­tals, dass vom kran­ken Europa abge­sto­ßen wird. Dass das kranke Europa diese Infu­sio­nen braucht, kri­ti­sie­ren sie nicht. Das könn­ten sie nur aus einer iden­ti­tä­ren Posi­ti­on, welche das Über­le­ben der eth­no­kul­tu­rel­len Gemein­schaf­ten Euro­pas über das Über­le­ben der Euro­päi­schen Ideo­lo­gie und ihrer Auf­klä­rung stellt. Die Islam­kri­tik als Ver­tei­di­gungs­mo­dus der Euro­päi­schen Ideo­lo­gie stellt sich somit als Ver­such dar, wieder in die heroi­sche Phase des Libe­ra­lis­mus samt antiiden­ti­tä­ren, chau­vi­nis­ti­schen Auf­klä­rungs­na­tio­na­lis­mus zurück zu gelan­gen. Warum iden­ti­tä­re Kräfte sie den­noch nicht direkt atta­ckie­ren soll­ten, wollen wir im nächs­ten und abschlie­ßen­den Arti­kel erklären.

Theo­rie, Pro­pa­gan­da und Islamkritik

Die theo­re­ti­schen Mängel der Islam­kri­tik haben wir oben beschrie­ben. Sie steht klar in der Tra­di­ti­on einer uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie, die ideen­ge­schicht­lich tot ist und in Europa als über­wun­den gelten kann. Sie ist keine Ant­wort auf die post­mo­der­ne “Euro­päi­sche Ideo­lo­gie” (diese Ant­wort müsste klar die eth­no­kul­tu­rel­le Bedingt­heit jeder daseins­mä­ßi­gen Wahr­heit, die mul­ti­po­la­re Welt des Poli­ti­schen, die Hier­ar­chie und Ungleich­heit des Men­schen als zoon poli­ti­con, die nicht­li­nea­re Onto­lo­gie der Zeit als ewige Wie­der­kehr beja­hen und „Indi­vi­du­um und Mensch­heit“ als Mythen der Auf­klä­rung ins Museum stel­len), son­dern der ver­geb­li­che Ver­such ihren Ver­tei­di­gungs­mo­dus ein­zu­lei­ten und sie damit zu per­p­etu­ie­ren. Den­noch ist die Islam­kri­tik der­zeit vom über­wie­gen­den Nutzen für eine iden­ti­tä­re Bewe­gung. Warum – das wollen wir jetzt anhand einer gene­rel­len Betrach­tung von Theo­rie und Pro­pa­gan­da darlegen.

Jede Bewe­gung, die mit ihren Ideen poli­ti­sche Macht gewin­nen will, sie also in der Meta­po­li­tik zum Sieg führen und um sie eine kri­ti­sche Masse sam­meln will, muss sich mit diesen beiden Aspek­ten ihrer Idee beschäf­ti­gen. Die Theo­rie ist ein wesent­li­cher Bestand­teil der Idee selbst. Sie ist ihre tem­po­rä­re und dyna­mi­sche Sys­te­ma­ti­sie­rung, ihre For­mu­lie­rung auf phi­lo­so­phi­scher Ebene, die sie in eine geschlos­se­ne und ver­ständ­li­che Form gießt (welche frei­lich vom Kern der Welt­an­schau­ung her, im Anbe­tracht neuer Her­aus­for­de­run­gen der dyna­mi­schen Wirk­lich­keit immer erneu­ert werden muss).

Diese Form macht sie kom­mu­ni­zier­bar, lehr­bar und erwei­ter­bar. Die Theo­rie ist damit die Wei­ter­ent­wick­lung, Bear­bei­tung, Beschrei­bung, Ver­tei­di­gung und Erhal­tung der zen­tra­len Idee. Sie muss kein abso­lut dog­ma­ti­sches System, keine uni­ver­sa­le Ant­wort sein, son­dern kann sogar, wie Dugin über die 4PT sagt, auch nur eine kor­rekt gestell­te Frage sein. (Eine iden­ti­tä­re Theo­rie muss natür­lich im Unter­schied zur uni­ver­sa­lis­ti­schen ihre eigene Kon­tin­genz beden­ken und beja­hen, ohne aller­dings eine sakra­le-tran­szen­den­ta­le Dimen­si­on auf­zu­ge­ben oder gar auszuschalten.) 

Die Theo­rie lebt von ihren Den­kern, die sie erhal­ten und die lei­ten­de, obers­te Funk­ti­on der Phi­lo­so­phie ein­neh­men. Sie dürfen keine faden Buch­sta­ben­klau­ber sein, son­dern ihr Ver­stand muss Reiß­zäh­ne, ihre Argu­men­ta­ti­on Klauen auf­wei­sen. Sie brau­chen, jeder für sich, ein bestim­men­des Moment, einen roten Faden und ein Lieb­lings-Par­kett, eine innere Kom­pass­na­del, die sie durch das Dickicht der Ideen leitet — sonst enden sie als lang­wei­li­ge Buch­hal­ter des Schre­ckens, Biblio­the­ka­re ver­gan­ge­ner Ideen und impo­ten­te Kate­go­ri­sie­rer und Historiker.

Sie müssen in der Lage sein, geg­ne­ri­schen Ideen Begrif­fe zu ent­rei­ßen, ganze Dis­kur­se zu erbeu­ten und vor den eige­nen Karren zu span­nen. Diese Denker brau­chen ein hohes Emp­fin­den und leise Sohlen, um sich in Begriffs- und Denk­wel­ten ihrer Gegner ein­zu­schlei­chen und ein­zu­füh­len, um bis in ihre höchs­ten geheims­ten Kam­mern zu drin­gen und dort Ihrem lei­ten­den Dämon den Dolch in den Rücken zu jagen, um sie so zum Ein­sturz zu bringen.

Sie brau­chen einen star­ken Arm, um im rich­ti­gen Moment das Panier des Pathos zu erhe­ben, statt per­ma­nent mit den pathe­ti­schen Fähn­chen des Schwuls­tes zu wedeln. Sie müssen in der Lage sein, ganz und gar eine und die not­wen­di­ge Aus­prä­gung ihrer Idee zur ver­kör­pern, um prä­gend zu werden. Nicht selbst als eitle, gecken­haf­te Person – son­dern als Ver­tre­ter und Arche­ty­pen einer Idee und eines neuen Typus, den sie in der Theo­rie vor­be­rei­ten, erhal­ten und einer nächs­ten Genera­ti­on weiterreichen.

Die Pro­pa­gan­da und ihre Hand­wer­ker hin­ge­gen haben eine andere Auf­ga­be. Ihr obliegt es, den Ein­tritt der Theo­rie in die poli­ti­sche Wirk­lich­keit so zu gestal­ten, dass ihre poli­ti­sche Mas­sen­wirk­sam­keit gesi­chert ist. Wäh­rend die Theo­re­ti­ker die Idee gegen andere Ideo­lo­gien im aka­de­mi­schen Feld behaup­ten, bricht sie der Pro­pa­gan­dist und Info­krie­ger auf ein­fa­che Paro­len, Bilder und Bot­schaf­ten her­un­ter. Er arbei­tet auch mit dem umfang­rei­chen Fak­ten­ma­te­ri­al, mit dem pla­ka­ti­ven Ein­zel­fall, der den Denker nie­mals ganz bestimm­ten darf. Diese Arbeit ist nicht min­der­wer­tig — im Gegen­teil. Man braucht ein schar­fes Gespür für den Geschmack der Massen, für den Zei­geist, für Ästethik und die Kunst der Über­zeu­gung. Ebenso braucht man aber ein zumin­dest rudi­men­tä­res Ver­ständ­nis der Theorie. 

Der ver­ein­fa­chen­de Zug der Pro­pa­gan­da, der sich in Flug­blatt und sons­ti­gen Medien an die Masse rich­tet, darf nie­mals dem Rahmen der Theo­rie ent­zo­gen werden und aus reinen oppor­tu­nis­ti­schen, zeit­ge­bun­de­nen Über­le­gun­gen in eine Belie­big­keit abglei­ten. Die Auf­ga­be der Pro­pa­gan­da ist es, in den Massen ein Bewusst­sein für die Fragen der Theo­rie zu schaf­fen. In der Auf­nah­me der Pro­pa­gan­da ent­steht in den Men­schen eine vages Ver­ständ­nis von der dahin­ter­ste­hen­den Theo­rie, das, wenn die Pro­pa­gan­da sich der Theo­rie ent­zo­gen hat, falsch, sek­tie­re­risch und schäd­lich werden kann. Die Theo­rie, die in ihrer Arbeit den aktu­el­len Haupt­feind erkennt und vom bloßen Gegner unter­schei­det, muss auch hier in der Pro­pa­gan­da spür­bar sein. Keine Bewe­gung kann es sich leis­ten aus bloß tem­po­rär-tak­ti­schen Grün­den in ihrer Pro­pa­gan­da einen fal­schen Feind oder ein dif­fu­ses Sam­mel­su­ri­um an Fein­den, eine „dunkle unfass­ba­re Macht“ anzu­ge­ben. Die Theo­rie sagt, in einer Anleh­nung an Kur­ta­gic, dem ein­fa­chen Akti­vis­ten so über die Pro­pa­gan­da, wer der „Böse“ ist.

Die Feind­be­stim­mung ist bei der Theo­rie und ihrer Selbst­be­haup­tung ein wesent­li­ches Ele­ment, das wich­ti­ger und kon­sti­tu­ti­ver ist als eine Heer­schau ver­wand­ter und befreun­de­ter Ideen. Die Feind­be­stim­mung, die zur Tat ruft, eint, wäh­rend die innere Nabel­schau, die Debat­ten über Grund­sät­ze und die Aus­mer­zung von „Ket­zern“ spal­tet und schwächt. Analog zu Taktik und Stra­te­gie hat die Pro­pa­gan­da für die best­mög­lichs­te und prag­ma­tischs­te Kom­mu­ni­ka­ti­on der vor­ge­ge­be­nen Theo­rie zu sorgen. Eine Ver­wechs­lung von Theo­rie und Pro­pa­gan­da hat grau­en­haf­te Folgen, die bis zum Tod einer Bewe­gung führen können. Wäh­rend kom­ple­xe theo­re­ti­sche Fragen und Abgren­zun­gen, wenn sie in die Pro­pa­gan­da ein­drin­gen, für Ver­wir­rung, sinn­lo­se Fron­ten, Läh­mung und Schwä­chung sorgen, führt das Ein­drin­gen von dump­fen Pro­pa­gan­da-Paro­len in die theo­re­ti­sche Arbeit zu deren Abstump­fung, Ver­dum­mung und damit zur Wehr­lo­sig­keit der Bewegung.

Betrach­ten wir in diesem Sinne die Islam­kri­tik. Sie ist einem iden­ti­tä­ren Denken zwar theo­re­tisch ent­ge­gen­ge­setzt, weist in der Pro­pa­gan­da aber eine große Gemein­sam­keit auf. Diese stammt aus der Tat­sa­che, dass Islam­kri­ti­ker und Iden­ti­tä­re eine ähn­li­che Inter­es­sen­la­ge haben. Beide wollen Europa gegen Ein­dring­lin­ge ver­tei­di­gen. Die einen sehen zwar in Europa das Vehi­kel und den Ver­weis auf die uni­ver­sa­lis­ti­sche Auf­klä­rung und im Islam ihre große, sata­nisch-fun­da­men­ta­lis­ti­sche Anfech­tung gegen die Brü­cken­köp­fe Europa und Israel mit dem Hin­ter­grund-Sup­port der USA, wäh­rend wir in Europa eine eth­no­kul­tu­rel­le Tra­di­ti­ons­li­nie gegen den Pro­zess der Islam­sie­rung als Neben­ef­fekt der Mas­sen­ein­wan­de­rung ver­tei­di­gen — doch das Ergeb­nis bleibt gleich. Abgren­zung nach außen und Stär­kung und Ord­nung nach innen. Islam­kri­tik und Iden­ti­tä­re haben eine Pro­pa­gan­da, die in der Isla­mi­sie­rung Euro­pas ihren Haupt­feind erkennt. Ob hier­mit der Islam an sich als reli­giö­ser Bin­nen­geg­ner des ideo­lo­gi­schen Uni­ver­sa­lis­mus oder als die kul­tu­rel­le Über­frem­dung einer Mas­sen­ein­wan­de­rung Frem­der gemeint ist, spielt eine Rolle die für Theo­re­ti­ker, nicht aber für Pro­pa­gan­dis­ten, inter­es­sant sein darf.

Die Islam­kri­ti­ker wollen eine Stär­kung der Gren­zen, eine Stär­kung eines Patrio­tis­mus, eine Ent­mach­tung der Mul­ti­kul­ti-Clique und eine Kon­trol­le der Mas­sen­ein­wan­de­rung. All das zusam­men­ge­nom­men ver­schafft einer iden­ti­tä­ren Bewe­gung zumin­dest mehr Zeit für die Umset­zung ihrer Ziele und Visio­nen, eines echten, selbst­be­stimm­ten, freien Euro­pas. Klar ist, dass die iden­ti­tä­re und die islam­kri­ti­sche Pro­pa­gan­da unwei­ger­lich gewis­se Unter­schie­de auf­wei­sen müssen. In der islam­kri­ti­schen Agi­ta­ti­on gegen die Islam klingt unver­hoh­len eine uni­ver­sa­lis­ti­sche Geg­ner­schaft zum Islam durch, die ihr uni­ver­sa­lis­ti­sches Welt­bild der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” erkenn­bar werden lässt. 

Ihre Pro­pa­gan­da ist damit immer unver­ho­len chau­vi­ni­sisch-natio­na­lis­tisch, wes­we­gen Geert Wil­ders Israel auch als „Lack­mus­test“ für euro­päi­sche Poli­ti­ker bezeich­net. An Israel ent­schei­det sich, ob sie einem natio­na­lis­tisch-chauv­nis­ti­schen Ver­tei­di­gungs­mo­dus des Uni­ver­sa­lis­mus gegen den Islam zustim­men — kurz: ob sie von der islam­kri­ti­schen Pro­pa­gan­da auf ihre Spiel­art der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” schlie­ßen und beide beja­hen. Die iden­ti­tä­re Infoar­beit hin­ge­gen, die sich auch klar in Wort und Bild gegen die Isla­mi­sie­rung rich­tet, ver­weist immer auf ein eth­nop­lu­ra­lis­ti­sches Welt­bild als Kern­be­stand unse­rer Theo­rie, wes­we­gen sie immer klar unter­schie­den von der islam­kri­ti­schen blei­ben sollte. 

Das ist auch eine Frage des guten Geschmacks und des Stils. Die Kritik an Deka­denz und Hedo­nis­mus sollte jedoch keinen Haupt­be­stand­teil der Pro­pa­gan­da ein­neh­men, da das keine pro­pa­gan­dis­tisch sinn­vol­len Themen sind. Man muss sich hier, ob man will oder nicht, an Fragen der Wer­bung ori­en­tie­ren, die posi­ti­ve und begeis­tern­de Bot­schaf­ten, nicht aber ankla­gen­de, mür­ri­sche Ver­zichts­pro­phe­ti­en ent­hal­ten soll. Aller­dings rich­ten sich beide gegen einen Feind, den sie — wenn auch aus ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven und mit ande­rer Beur­tei­lung — gemein­sam für Europa abweh­ren wollen. Es wäre also nack­ter Wahn­sinn, wenn die Iden­ti­tä­ren aus der „intel­lek­tu­el­len Eitel­keit“, in der Guil­laume Faye den Ver­fall der Nou­vel­le Droite begrün­det sah, pro­pa­gan­dis­tisch gegen die Islam­kri­tik wenden oder gar von ihr abgren­zen würden.

Der heu­ti­ge Ver­fall und Selbst­hass ist so weit fort­ge­schrit­ten, dass er JEDE mög­li­che lebens­be­ja­hen­de Vor­stel­lung von Europa als „nazis­tisch“ dif­fa­miert. Dieser Dif­fa­mie­rung zu ent­ge­hen, indem man sich gegen­sei­tig den „Nazi­pe­ter“ zuschiebt, ist schwach­sin­nig. Die Iden­ti­tä­ren und Islam­kri­ti­ker haben beide eine klare Ableh­nung der 3. Poli­ti­schen Theo­rie, also des NS und des Faschis­mus gemein (wenn auch aus ver­schie­de­nen Grün­den) und müssen gegen die Mul­ti­kul­ti-Mafia die Ver­tret­bar­keit dieser Stand­punk­te erkämp­fen. Neben dem gemein­sa­men Feind ist also das gemein­sa­me Inter­es­se vor­han­den, den Nazi-Fetisch der Mul­ti­kul­tis zu zer­stö­ren, der alles was er von seinem uni­ver­sa­lis­ti­schen Dogma der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” abge­spal­ten hat (Patrio­tis­mus, das Poli­ti­sche, eth­ni­sche Homo­ge­ni­tät, Fami­lie, geschlecht­li­che Dif­fe­ren­zen, etc.), unter­schieds­los als „Nazi“ der Ver­nich­tung preis­gibt. Beide Strö­mun­gen, Iden­ti­tä­re und Islam­kri­ti­ker, müssen also gemein­sam die Hege­mo­nie der Mul­ti­kul­tis bre­chen und den Islam als mas­si­ve Bedro­hung ins Bewusst­sein der Massen bringen.


Um es auf eine ein­fa­che Formel zu brin­gen: Wenn die Iden­ti­tä­ren die außer­eu­ro­päi­sche Mas­sen­ein­wan­de­rung bekämp­fen und die Islam­kri­tik dezi­diert die mus­li­mi­sche Ein­wan­de­rung, so ergibt sich eine Über­lap­pung von Inter­es­sen und kein Kon­flikt. Denn es sind zwar nicht alle außer­eu­ro­päi­schen Ein­wan­de­rer mus­li­mischn aber fast alle Mus­li­me in Europa sind außer­eu­ro­päi­sche Migran­ten. Sie machen dabei auch einen Groß­teil der Gesamt­mi­gra­ti­on aus. Gegen mus­li­mi­sche Zuwan­de­rung zu sein heißt also der­zeit und auf kom­men­de Sicht fast das­sel­be wie gegen außer­eu­ro­päi­sche Zuwan­de­rung an sich zu sein, auch wenn es aus einer ganz ande­ren Theo­rie heraus erfolgt.

Dass nur die Iden­ti­tä­ren dabei auch auf die wahren Gründe der Isla­mi­sie­rung, auf Mas­sen­ein­wan­de­rung, Über­frem­dung und demo­gra­phi­schen Ver­fall ver­wei­sen, dass nur sie ver­su­chen, in einer neuen poli­ti­schen Theo­rie die Herr­schaft der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” zu been­den, macht sie zu den wahren Ver­tre­tern des leben­di­gen Euro­pas. Das macht sie aber nicht zu den ein­zi­gen Ver­tei­di­gern, die mit Arg­wohn und Eifer­sucht jeden ande­ren vom Schutz­wall stoßen müssen — außer den NS, der his­to­risch und noch mehr im Mas­sen­be­wusst­sein mit seiner Ver­zer­rung und Defor­ma­ti­on der eth­no­kul­tu­rel­len Frage als bio­lo­gis­ti­schen Her­ren­men­schen-Ras­sis­mus ein Kern­the­ma der Iden­ti­tä­ren besetzt und strei­tig macht. Hier gibt es nur ein klares Ent­we­der-Oder. Ent­we­der die Patrio­ten Deutsch­lands werden Iden­ti­tä­re und ver­tei­di­gen ihre tau­send­jäh­ri­ge eth­no­kul­tu­rel­le Tra­di­ti­on und ihr hei­li­ges Schick­sal ohne Chau­vi­nis­mus und Ras­sen­wahn, oder sie kippen zurück in die 3. Poli­ti­sche Theo­rie und tun damit den Mul­ti­kul­tis den größt­mög­li­chen Gefallen. 

Auf diesem Schutz­wall sollen und werden die Iden­ti­tä­ren all jene begrü­ßen, die mit ihr die Bestim­mung des Haupt­fein­des und die Ver­tei­di­gung Euro­pas als Ziel teilen — das betrifft sowie­so kon­ser­va­ti­ve Katho­li­ken, Tra­di­tio­na­lis­ten, etc., die wir expli­zit nicht zur aktu­el­len “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” rech­nen und die ers­tens in ihrem Denken keine apo­dik­ti­sche Abschaf­fung der Völker und zwei­tens in ihrem Bestehen neben der herr­schen­den uni­ver­sa­lis­ti­schen Ideo­lo­gie ihre Immu­ni­tät gegen den inhä­ren­ten Fort­schritts­zwang des Uni­ver­sa­lis­mus auch in ihrem eige­nen Denken bewei­sen und damit fast eine voll­ende­te Akkul­tu­ra­ti­on dieses Uni­ver­sa­lis­mus in einer Art “heid­nisch-katho­li­schen Semi­fa­schis­mus”, wie ihn Carl Schmitt lebte, beschrei­ben. Gerade aus dem folgt aber, dass von ihnen keine poli­ti­sche Leit- und Spreng­kraft aus­ge­hen wird, sie aber gerade wegen ihrer sitt­li­chen Gerad­li­nig­keit und ihrer star­ken Kritik der Deka­denz am Wall will­kom­men sind.

Diese ande­ren Grup­pen und vor allem die Islam­kri­tik klar und deut­lich nicht als Teil einer iden­ti­tä­ren Bewe­gung zu betrach­ten, heißt NICHT sie zu atta­ckie­ren oder sich in öffent­lich-pro­pa­gan­dis­ti­schen Mel­dun­gen gegen sie abzu­gren­zen. Die Unter­schie­de zwi­schen Iden­ti­tä­ren und Islam­kri­ti­kern sind Fragen der Theo­rie und nicht der Pro­pa­gan­da. Tat­säch­lich sind auch die Inten­tio­nen und Emo­tio­nen des isla­misch­kri­ti­schen Fuß­volks haupt­säch­lich iden­ti­tär, in seiner unbe­wuss­tes­ten und unent­wi­ckelts­ten Form. Nicht die Sorge um eine abs­trak­te Auf­klä­rung treibt sie in die Chat- und Bür­ger­fo­ren. Es ist das Gefühl der Über­frem­dung und die Sehn­sucht danach, das Eigene behaup­ten zu können, ohne dabei in den Sumpf des Neo­na­zis­mus hin­ab­stei­gen zu müssen. 

Diese Inten­ti­on ist es auch, die zur Ent­ste­hung der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung geführt hat, deren Theo­rie sie allein voll beant­wor­ten, ver­wirk­li­chen und umset­zen will. Doch auf dem Wall ist wie gesagt Platz für meh­re­re meta­po­li­ti­sche Bewe­gun­gen, die gemein­sam ein mög­lichst brei­tes Feld abde­cken können. So kann zum Bei­spiel die Islam­kri­tik durch­aus ent­täusch­te Libe­ra­le oder gar Grüne anspre­chen. Die weni­gen anti-isla­mi­schen Nicht­eu­ro­pä­er in ihren Reihen berei­ten den Mul­ti­kul­tis auch Kopf­zer­bre­chen. Uns soll­ten sie das nicht berei­ten, da die Islam­kri­tik, wenn sie euch eth­ni­sche Themen außen vor lässt, in der Zusam­men­set­zung ihrer Mit­glie­der durch­aus das wider­spie­gelt, was wir uns unter einer homo­ge­nen Gemein­schaft vor­stel­len, in der ein paar dis­si­den­te ira­ni­sche Intel­lek­tu­el­le theo­re­tisch und prak­tisch durch­aus inte­griert werden könnten. 

Man muss hier immer zwi­schen der Theo­rie (als Spiel­art der 1PT) und der geleb­ten Wirk­lich­keit unter­schei­den. Für ers­te­re spie­len Völker zwar keine große Rolle, sie wird im Grunde aber nur von weni­gen Wort­füh­rern geteilt, wäh­rend die Wirk­lich­keit sie ganz klar als eine patrio­ti­sche Bewe­gung (fast aus­schließ­lich) indi­ge­ner Euro­pä­er erweist. Es sind Bürger, die ein­fach nur die Schnau­ze voll haben und sich mal den Frust von der Seele reden oder tippen wollen. Ihnen aus theo­re­ti­scher Extra­va­ganz mit einer Distan­zie­rung vor den Kopf zu stoßen, bei ihnen erst ein den Iden­ti­tä­ren feind­li­ches Wir-Gefühl zu erzeu­gen, wäre fatal für Euro­pas Zukunft!

Iden­ti­tä­re und Islam­kri­ti­ker schlie­ßen in dieser Ära des Zer­falls, in dieser Phase höchs­ter Not und Bedräng­nis ein­an­der nicht aus. Nein — beide zusam­men auf einem Abwehr­wall ver­wir­ren und spal­ten die Büttel der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie”, die teil­wei­se in den eth­nop­lu­ra­lis­tisch-rela­ti­vis­ti­schen Posi­tio­nen der Iden­ti­tä­ren, teil­wei­se mit den uni­ver­sa­lis­tisch-auf­klä­re­ri­schen Posi­tio­nen der Islam­kri­tik ihre eige­nen erken­nen müssen. Dieser Zwie­spalt lähmt die innere reak­ti­ve Kraft der “Euro­päi­schen Ideo­lo­gie” und gibt uns den Frei­raum, es nach außen hin zu verteidigen. 

Eine erha­be­ne, echt nietz­schea­ni­sche Sicht­wei­se kann in diesem Zwie­ge­spann und den ver­hin­der­ten iden­ti­tä­ren Patrio­ten der Islam­kri­tik — die oft ein­fach einer simp­len Pro­pa­gan­da, einem etwas dump­fen Res­sen­ti­ment folgen — eine glor­rei­che “List der Iden­ti­tät” erken­nen. Und dass genau diese nicht fana­ti­sche, unmis­sio­na­ri­sche Zusam­men­ar­beit mit unse­ren euro­päi­schen Brü­dern und Schwes­ter, die hal­kyo­nisch lächelnd theo­re­ti­sche Dif­fe­ren­zen in der Theo­rie belässt, eigent­lich eine echt iden­ti­tä­re Posi­ti­on ist, behält der Denker lächelnd für sich, um sich nur umso schär­fer und ent­schie­de­ner am poli­ti­schen Kampf um Europa zu betei­li­gen. Mit allen, die es lieben, auch wenn sie es auf eine andere Art tun.